Jein.
Das muß man differenziert betrachten.
Grundsätzlich sollte man bedenken:
So wie man bei einem neuen Sportwagen für den Preis eines Dacia kaum die gleiche Perfektion erwarten kann wie bei einem Porsche, so verhält es sich auch mit Taschenlampen.
Aber der Reihe nach:
Ich bin sicherlich einer der größten privaten Importeure in Deutschland.
Und noch wichtiger: Bei mir werden 95 Prozent zerlegt und neu aufgebaut.
_Ich_ weiß, wie es drinnen ausschaut.
Meine Erfahrungen decken sich nur bedingt mit den Aussagen des TO im BLF.
Schlechte Lötstellen hatte ich bestenfalls homöopatisch und dann nur an Clickies. Dazu muss man wissen: Das ist thermisch extrem heikel, das muß blitzschnell in Sekundenbruchteilen vonstatten gehen, sonst schmelzem einen die Teile Weg.
Um auch mal was Positives loszuwerden: Die Reflow Arbeiten haben sich mit der Zeit merklich verbessert
Fehlende Schrauben? Hatte ich noch nie bei einer mittlerweile mittleren dreistelligen Anzahl von Lampen.
Flussmittelreste? Also für den Preis, kann wohl kaum jemand erwarten, daß da noch einer das Board sauber macht.
Spritzer davon auf LEDs? Kommen sporadisch vor und werden wohl in der Hektik auch mal übersehen. Da wird aber Simon sowieso schon ein Augenmerk darauf haben, bedeutet doch diese Verunreinigung häufig den schnellen, wenn nicht sogar sofortigen Emitter Tod, jeweils verbunden mit einer Ersatzlieferung.
Falsche Auslieferungen? Hatte ich bislang noch nicht mal eine. Weder bei den Lampen, noch bei den weitaus umfangreicheren Teile Lieferungen.
Staubige Reflektoren? Selten ist mal ein Körnchen drin. In dem meisten fällen ist das dann aber ein Fehler bei der OP Beschichtung.
Suboptimale Zentrierung: In den meisten Fällen betrifft das die 519A.
Blame Nichia!
Im Datenblatt steht zwar was von einer Kantenlänge von 3,5mm - soweit die Theorie. In der Praxis sind die Emitter generell etwas kleiner, deshalb ist die Passung der Standard Gaskets etwas weit.
Das Problem ist jetzt rein kosmetischer Natur beim Blick in den Reflektor, auf den Beam wirkt sich das i.d.R. nicht aus. Ist halt kein Porsche.
Bei einem großem Markenhersteller würde ich das definitiv bemängeln, hier bin ich noch gnädig. Wobei: So sehr, wie sich die 519A inzwischen durchgesetzt hat, könnte sich so langsam wirklich mal ein Gasket Hersteller der Problematik erbarmen...
Unterschiedliche Gasket Höhe, die zu abweichender Fokussierung führt:
Auch wenn mich das manchmal selber nervt, das ist für mich ein Luxus Problem. In der Preisklasse wird halt häufig verbaut, was gerade da ist. Zudem sind die Winzlinge ja zugekauft und da verändert der Hersteller auch gerne mal das Design ohne Vorwarnung.
Screws left loose to try center the LEDs with round gaskets
Die Aussage belegt, daß der Poster vielleicht Großabnehmer ist, bei der Materie aber noch nicht ganz durchgestiegen ist.
Och, die Schrauben sind garantiert stets fest angezogen worden, allerdings nur (viel zu zeitlich) kurz.
Das ist ein Punkt, den ich immer wieder kritisiere, auch hier im Forum.
So eine zähe Wärmeleitpaste braucht ewig um sich auszubreiten. Für eine optimale Wärmeabfuhr - sprich minimaler Spalt - braucht es
_mindestens_ zwei Minuten kontinuierlicher festen Anpressdruck. Zeit die in den Low-Budget Bereich fehlt.
Andererseits: So gering wie die Ausfallquote ist, scheint das auch so i.d.R. noch zu funktionieren.
Trotzdem: Gebehtsmühle an - Nachziehen! Das sollte wirklich niemanden überfordern.
Treiber Probleme:
Der zweite Punkt, der m.M.n. abgesprochen gehört.
Viele der neueren Treiber sind mit der heißen Nadel gestrickt. Hier rächt sich die rasante Erweiterung der Produktpalette, da finden sich häufig noch mal Bugs. Manche werden sie gar nicht bemerken, für andere ist das ein Ärgernis.
Beschwerden über die Temperaturregelung laß ich mal außen vor. Was bei einer S2+ stimmig erscheint, ist es bei einer M26C definitiv nicht mehr und umgekehrt.
Da rächt sich halt die Modellexplosion. Qualitativ wäre hier weniger mehr.
Ärgerlich ist hier vor allen Dingen: Die verbuggten Exemplare werden häufig erst mal aufgebraucht, bis fehlerbereinigte Exemplare in den Umlauf kommen...
Hier wäre es wirklich mal angebracht, die Treiber mal auf eine gemeinsame Grundbasis zu bringen, die weniger fehleranfällig ist, und ein paar Vorserienmodelle vor der Produktion ausgiebig zu testen.
Zum Abschluss noch ein wirtschaftlicher Diskurs:
Rund 20 Ocken kostet so eine S2+ zum Beispiel.
Davon geht erst mal der Versand per Luftpost ab. Daß chinesische Sendungen Vergünstigungen beim internationalen Versand haben ist übrigens eine Mär, das ist längst Geschichte. Verpackungsmaterial ist auch noch nötig.
Sämtliche Einzelteile der Funzel müssen davon bezahlt werden. Das sind erst mal reichlich Investitionen nötig, bis zumindest ein nennenswerter Teil der Kosten wieder drin ist. Dafür müssen vorab stattliche Summen in die Hand genommen werden, bis sämtliche angebotenen Variationen bevorratet sind.
Dann kommt der Zusammenbau. Auch wenn die chinesischen Lohn- und Lohnnebenkosten noch um einiges geringer sind, da kommt doch einiges zusammen. Wenn er das vom Auftragseingang bis zum Teile zusammensuchen, Montage und Verpackung in einer viertel Stunde schafft, dann ziehe ich meinen Hut.
Mit Gemeinkosten wie Werkzeug, EDV, Büro, Werkstatt, Lager, Heizung, Strom, Buchhaltung, Steuern usw. will ich gar nicht erst anfangen.
Eine fast schon Custom konfigurierbare Lampe für sehr keines Geld.
Mehr kann man dafür kaum erwarten. Mit einem Großteil der Imperfektionen kann ich daher noch gut leben, zumal Simons Verhalten bei Reklamationen vorbildlich ist.
Lediglich eine optimierte Wärmeabfuhr und etwas mehr Sorgfalt beim Treiberdesign würde ich mir halt wünschen.