Mit einer so ausführlichen Antwort auf einen in Klammern gesetzten kurzen nachmitternächtlichen Einwurf hatte ich nicht gerechnet.
Klar, Lichtfarbe ist natürlich auch Geschmackssache. Bei Beleuchtungspegel auf Kerzenlichtniveau bevorzuge ich auch Warmton. Das ist aber Ambientlicht, keine Wohnraumbeleuchtung.
Ausschlaggebend für meinen Schwenk zu Neutralweiß war, dass Blau bei Warmton (insbesondere ESL und andere Leuchtstoffröhren und Lichtquellen mit diskontinuierlichem Sprektrum) einfach nicht gut aussieht.
Insofern ist meine knappe Aussage "ab 3500K erst brauchbar" auf solche Leuchtmittel einzuschränken, bei denen überhaupt eine Wahlmöglichkeit besteht.
Halogenlicht hat auch für meinen Geschmack schon ganz brauchbares Spektrum (in meiner vorigen Wohnung gab es nur Halogenlicht), steht für mich aber mangels Effizienz nicht mehr zur Debatte.
Der Mensch war Jahrtausende lang als "künstliche" Leuchtquelle nur Feuer (Fackel, Petroleumlaternen) oder Glühlampen gewohnt. Diese Prägung lässt sich weder leugnen noch von heute auf morgen beseitigen.
Da möchte ich ganz entschieden widersprechen.
1. Künstliches Licht in nennenswertem Ausmaß gibt es erst seit 150 Jahren, bei weitem nicht ausreichend für eine genetische Prägung. Also kann es höchstens frühkindliche Prägung oder einfach nur Gewohnheit sein.
Wenn es eine genetische Prägung für Licht gibt, dann für Tageslicht.
2. Vor der Industrialisierung war der Mensch wesentlich mehr dem Tageslicht ausgesetzt als heute. Man nutzte, wo es ging, Tageslicht. Man war viel mehr draußen, arbeitete im Freien. So gesehen haben wir heute im Vergleich Tageslichtmangel.
3. Der Kunstlichtanteil war vernachlässigbar und dürfte im Sommer gar Null gewesen sein. Jedenfalls für die 95% der Bevölkerung, die sich keine Kronleuchter mit 100 Kerzen leisten konnten und froh waren, dass sie nach harter Arbeit endlich ins Bett konnten.
4. Ich bin auch mit Glühlampenlicht aufgewachsen (ohne mich je daran zu stören) und habe erst mit Mitte 30 meine Vorliebe für neutralweiße Wohnraumbeleuchtung entdeckt. Die "Prägung" (Gewohnheit) war sehr leicht zu beseitigen. Viel leichter als andere Gewohnheiten
5. In Südeuropa und Asien werden neutral- und kaltweiße Lampen bevorzugt. Gene? Prägung? Gewohnheit? Geschmack?
Ich gelobe hiermit feierlich: ich werde künftig zum Thema Wohnraumbeleuchtung das Missionieren sein lassen und die Leute weiterhin in ihren Wohnhöhlen im Lagerfeuer- und Fackelschein (nur echt mit Ruß an der Decke) in holzrauchgeschwängerter Luft (nur echt mit Hustenreiz) mit ihrer blaulichtmangelinduzierten
Winterdepression sitzen und den alten Zeiten (nur echt ohne Fernseher, Smartphone, Computer) nachtrauern lassen

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OT Ende.