Der "Warum ich mich gerade tierisch freue!" Thread

CaptainGreybeard

Flashaholic
30 September 2018
189
185
43
51.10267476210507, 6.8856
Es liest sich für euch vielleicht merkwürdig, aber ich freue mich über etwas, über das die meisten wahrscheinlich in der Rubrik "Riesengroße Schei*e" (gibt's die hier?) berichten würden. Warum tue ich das? Was ist passiert?

Ich beschreibe zunächst einmal die Ereignisse, wie sie sich nach meiner Wahrnehmung zugetragen haben:

Am letzten Samstag wollte ich einen Freund besuchen. Ich war mit meinem Fahrzeug gerade auf die Autobahn aufgefahren, als ich im Radio eine Durchsage hörte, dass sich nach einem schweren Unfall unmittelbar hinter "meiner" Auffahrt ein Stau bis zum Autobahnkreuz, an dem ich wieder abfahren musste, gebildet hatte. Nun, wenn man direkt auf ein Stauende zufährt, ist es ziemlich sinnlos, erst noch Gas zu geben, bloß um 100 oder 200 m weiter scharf bremsen zu müssen. Also ließ ich den Wagen ungefähr mit Tempo 60 laufen und bremste dann ganz sacht, um ohne Hektik zum Stehen kommen zu können. Ich war bei ca. 50 km/h und noch etwa 50-60 m vom Stauende entfernt, als ich schräg hinter mir einen dunklen Schatten wahrnahm, doch ehe ich überhaupt sehen konnte, was es war, spürte ich einen Schlag von hinten rechts, als hätte mich eine riesige Faust im Rücken erwischt. Gleichzeitig gab es einen Knall, als hätte jemand direkt im Auto eine Pistole abgefeuert. Mein Fahrzeug geriet völlig außer Kontrolle, trotz des Versuchs des Gegenlenkens meinerseits wurde der Wagen von der rechten auf die linke Fahrspur geschleudert, wurde auf die linke Seite umgeworfen und rollte dann weiter aufs Dach. Auf dem Dach schlitterte der Wagen bis zur Mittelleitplanke, schlug dagegen und blieb nach einer weiteren Viertelkreisdrehung nach rechts auf dem Dach liegen, mit der Fahrerseite dem rückwärtigen Verkehr zugewandt.

Merkwürdigerweise kann ich mich an praktisch alles erinnern, was während des Unfalls passierte bzw. mir durch den Kopf ging: die totale Überraschung beim Schlag von hinten rechts und dem Knall, dann die verzweifelte Erkenntnis, dass Gegenlenken nichts mehr half und die Gewissheit, dass ich an dem Tag wohl nicht mehr zu meinem Freund fahren würde, zumindest nicht mehr mit diesem meinem Auto.

Ich brauchte nur Sekunden, um mir klarzumachen, dass ich mich in einer ausgesprochen prekären Lage befand, denn wenn jetzt noch irgendein Döskopp zu spät bremsen und in mein auf dem Dach liegendes Auto fahren würde, wäre von mir wohl nicht mehr viel übriggeblieben, das zu bergen sich gelohnt hätte. Also ganz schneller medizinischer Selbstcheck: Arme und Beine noch voll beweglich? - Positiv! -- Kopf noch voll beweglich? - Positiv! -- Irgendwelche starken Blutungen? - Negativ! -- Gut, dann nichts wie raus aus dem Wrack! Sicherheitsgurt lösen, auf den Dachhimmel abrollen und zur Beifahrerseite rutschen, Tür öffnen und dann schnell nach draußen. Schnell aufrichten und schauen, welches Lagebild sich mir bot: Alles war sicher, der Verkehr hinter mir war komplett zum Erliegen gekommen, mit gut 20 m Abstand zu dem, was einmal mein Auto gewesen war.

Und in dem Moment vernahm ich eine sonore männliche Stimme, und die kam aus meinem Auto! Ich dachte zuerst, ich hätte Halluzinationen, doch dann hörte ich die Stimme noch einmal, wie sie ihre Worte wiederholte: "Hier spricht die Feuerwehr, wir haben den automatischen Notruf Ihres Fahrzeugs erhalten. Bitte teilen Sie uns mit, wo Sie sind und was passiert ist." Ach ja, das automatische Notrufsystem, tatsächlich, das funktioniert sogar noch, wenn das Fahrzeug nur noch ein Trümmerhaufen ist. Also meldete ich mich, teilte dem freundlichen Herrn von der Rettungsleitstelle mit, was geschehen war, wo ich mich befand, dass ich zum Glück alleine im Wagen gesessen hatte und beantwortete die Frage, ob ich verletzt sei mit den Worten "Wahrscheinlich ja, denn mir tut der Rücken weh. - Wo? - Rechte Seite, in der Nähe der Wirbelsäule, etwas unterhalb der Brustwirbel. - OK, bewegen Sie sich möglichst wenig bis gar nicht, die Rettung ist schon unterwegs zu Ihnen, denn es gab etwas weiter vor Ihnen noch einen weiteren Unfall."

Und ein Unfall war es in der Tat. Der dunkle Schatten, den ich unmittelbar vor dem harten Schlag von hinten rechts bemerkt hatte, stammte von einem großen dunkelblauen Transporter, dessen Fahrer nach Zeugenaussagen mit hohem Tempo und ohne zu bremsen auf das Stauende zugerast war und wohl erst im letzten Moment noch versuchte, über den Standstreifen nach rechts auszuweichen. Dabei hatte er mein Fahrzeug hinten rechts gerammt und es wie eine Billardkugel nach links über die Autobahn geschossen. Der Fahrer stieg langsam aus seinem Fahrzeug, aber statt zu uns (= ich und eine Handvoll Menschen, die sich sofort um mich kümmerten, mich über die Fahrbahn in Sicherheit geleiteten, mir Wasser gaben und sich nach meinem Befinden erkundigten) herüberzukommen, ging er zwischen dem Leitpfosten hinter seinem Fahrzeug und dem Heck seines Tranporters nur auf und ab wie ein Raubtier in seinem Käfig, sprach kein Wort, versuchte nicht einmal zu telefonieren oder sonst irgendwas. Vermutlich saß ihm der Unfallschock in den Knochen.

Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettung sowie die Polizei trafen schon nach ein paar Minuten ein, begannen damit, die Unfallstelle soweit zu räumen, wie es ihnen möglich war, und während die Kollegen von der Rettung mich nach einem kurzen Check in eine Spezialtrage packten, welche bei möglichen Rückenverletzungen dafür sorgen soll, dass der Transport ins Krankenhaus nicht in einer Querschnittlähmung resultiert, befragten mich eine freundliche Polizistin nach dem Unfallhergang, welchen ich so gut schilderte, wie es mir möglich war. Im Krankenhaus brachte man mich in den sogenannten Schockraum, wo man mir kurzerhand Hemd und Unterhemd zerschnitt, um mich besser untersuchen zu können, ohne mich dabei mehr als notwendig zu bewegen. Anschließend wurde ich noch eingehend geröngt und in die Notaufnahme verbracht, wo ich die nächsten vier Stunden auf einem Notbett verbrachte. Es war ungemütlich, hart, kalt und ich konnte erst nach ungefähr zwei Stunden meine bessere Hälfte verständigen, die vor Schreck fast in Ohnmacht fiel, weil sie mich schon längst bei meinem Freund wähnte, als ich ihr eröffnete, dass ich zumindest die nächsten paar Tage im Krankenhaus verbringen würde und unser Auto nur noch ein Haufen Schrott war.

Schließlich kam der behandelnde Arzt zu mir, stellte sich kurz vor und teilte mir mit, der Verdacht auf eine Rückenverletzung hätte sich nicht bestätigt, es seien jedoch drei Rippen hinten auf der rechten Seite gebrochen, daher auch die starken Rückenschmerzen, die mich wohl während der nächsten zwei, drei Wochen begleiten und erst allmählich nachlassen würden. Zur Beobachtung wolle man mich aber erst einmal für fünf bis sechs Tage, ggf. auch länger im Krankenhaus behalten.

Ihr fragt ihr euch vermutlich schon die ganze Zeit, ob der Captain nicht einen Knall hat, solch ein Erlebnis in der Rubrik "Warum ich mich gerade tierisch freue!" zu posten: Auto Schrott, drei Rippen gebrochen, starke Schmerzen, jede Menge Lauferei und Ärger, Papierkrieg mit Versicherungen, Anwälten usw.

Hat der alte Graubart nicht am Ende einen Hirnschaden davongetragen oder zumindest eine heftige Wahrnehmungsstörung? ;)

Nun, so könnte man es sehen. Doch ich sehe die Sache gänzlich anders, und vielleicht könnt ihr euch in mich hineinversetzen, wenn ich euch meine Gedanken dazu schildere:

Ich freue mich, dass ich ganz offensichtlich Glück im Unglück hatte. Vielleicht sollte ich sogar sagen, dass ich noch viel mehr Glück als Unglück hatte.

Denn dieser Unfall hätte mich auch das Leben kosten können! Dieser Unfall hätte mich in den Rollstuhl befördern können! Mein Auto wurde mit über Tempo 100 regelrecht von der Fahrbahn geschossen, überschlug sich, knallte gegen die Leitplanke und dennoch blieb ich, von drei gebrochenen Rippen abgesehen, völlig unverletzt. Ich wurde in kein anderes Fahrzeug geschleudert, und es knallte kein weiteres Fahrzeug in das auf dem Dach liegende Wrack, in dem ich mich befand. Es waren sofort helfende Hände da, die mich sicher über die Fahrbahn geleiteten, mir zu trinken gaben, dafür sorgten, dass ich nicht alleine blieb und mich erst mit den besten Wünschen gehen ließen, als die Rettungskräfte mich übernahmen. Ich wurde binnen kürzester Zeit fachmännisch versorgt und in eines der besten Krankenhäuser der Welt verbracht, ein renommiertes Universitätsklinkum, mit den besten Ärzten, den modernsten medizinischen Geräten und Behandlungsmethoden und einer stationären Betreuung, die vorbildlich war. Ein geräumiges, modernes Einzelzimmer mit Balkon, Dusche, TV und allem, wie ein 4-Sterne-Hotel, und selbst das Essen war durchaus annehmbar. Und zu allem Glück war man nach einer weiteren Röntgenuntersuchung heute Morgen der Meinung, dass man mich nunmehr umgehend nach Hause entlassen und in die Obhut meines überaus fähigen Hausarztes überstellen könnte. Was für ein Grund zur Freude. Und zur Dankbarkeit meinem lieben Schwager gegenüber, der ohne zu murren während der vier Tage zig Mal "mal eben" zum Krankenhaus kam, meine Frau hin- und herfuhr, mich heute abholte und wohlbehalten nach Hause brachte.

Ich bin froh und dankbar, in einem Land leben zu dürfen, in dem man auch als Normalverdiener genug verdient, um sich ein Fahrzeug leisten zu können, das soviel Sicherheit bietet, dass man selbst derartige Horror-Unfälle praktisch unverletzt übersteht. Ich bin froh und dankbar, dass es in unserem Land immer noch genügend Menschen gibt, die freundlich und hilfsbereit sind. Ich bin froh und dankbar, dass es in unserem Land auch für ganz normale Kassenpatienten eine medizinische Versorgung gibt, um die uns vermutlich mehr als 90 % der Welt beneiden. Ich bin froh und dankbar, dass es bei uns ein Sozialsystem gibt, welches mir trotz voraussichtlich fünf bis sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit die Weiterzahlung meines Gehalts garantiert und ein Rechtssystem, welches mir zur Durchsetzung eines angemessenen Schadensersatzes verhelfen wird. Das alles ist zumindest im größten Teil der Welt durchaus nicht die Selbstverständlichkeit, für die es hierzulande immer gehalten wird.

Vor allem aber freue ich mich und bin dankbar, dass ich noch am Leben bin, zwar mit drei gebrochenen Rippen, aber ansonsten wohlauf. Ich freue mich wie Bolle, dass ich eine tolle Familie habe, die zusammenhält wie Pech und Schwefel und für einander da ist. Und ich freue mich, dass ich meine Frau heute wieder in den Arm nehmen konnte (natürlich vorsichtig ;)).

So, jetzt versteht ihr vielleicht, warum ich mich entschieden habe, diese zugegeben etwas längliche Geschichte unter "Warum ich mich gerade tierisch freue!" zu posten. Manchmal sind es die für so selbstverständlich erachteten Dinge des Lebens, an denen man sich am allermeisten erfreuen kann und sollte. Denn wie wichtig diese Dinge wirklich sind, merkt man erst, wenn sie nicht mehr da sind oder sich die akute Gefahr vor einem auftut, sie zu verlieren, nämlich Leben und Gesundheit.

In diesem Sinne: Passt auf euch und eure Lieben auf! Freut euch über jede Minute, in der ihr gesund und glücklich seid! Und fahrt nicht schneller, als euer Schutzengel fliegen kann!
 
Zuletzt bearbeitet:

Grantlbart

Flashaholic*
28 Dezember 2023
999
1.083
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Heidelberg
Es liest sich für euch vielleicht merkwürdig, aber ich freue mich über etwas, über das die meisten wahrscheinlich in der Rubrik "Riesengroße Schei*e" (gibt's die hier?) berichten würden. Warum tue ich das? Was ist passiert?

Ich beschreibe zunächst einmal die Ereignisse, wie sie sich nach meiner Wahrnehmung zugetragen haben:

Am letzten Samstag wollte ich einen Freund besuchen. Ich war mit meinem Fahrzeug gerade auf die Autobahn aufgefahren, als ich im Radio eine Durchsage hörte, dass sich nach einem schweren Unfall unmittelbar hinter "meiner" Auffahrt ein Stau bis zum Autobahnkreuz, an dem ich wieder abfahren musste, gebildet hatte. Nun, wenn man direkt auf ein Stauende zufährt, ist es ziemlich sinnlos, erst noch Gas zu geben, bloß um 100 oder 200 m weiter scharf bremsen zu müssen. Also ließ ich den Wagen ungefähr mit Tempo 60 laufen und bremste dann ganz sacht, um ohne Hektik zum Stehen kommen zu können. Ich war bei ca. 50 km/h und noch etwa 50-60 m vom Stauende entfernt, als ich schräg hinter mir einen dunklen Schatten wahrnahm, doch ehe ich überhaupt sehen konnte, was es war, spürte ich einen Schlag von hinten rechts, als hätte mich eine riesige Faust im Rücken erwischt. Gleichzeitig gab es einen Knall, als hätte jemand direkt im Auto eine Pistole abgefeuert. Mein Fahrzeug geriet völlig außer Kontrolle, trotz des Versuchs des Gegenlenkens meinerseits wurde der Wagen von der rechten auf die linke Fahrspur geschleudert, wurde auf die linke Seite umgeworfen und rollte dann weiter aufs Dach. Auf dem Dach schlitterte der Wagen bis zur Mittelleitplanke, schlug dagegen und blieb nach einer weiteren Viertelkreisdrehung nach rechts auf dem Dach liegen, mit der Fahrerseite dem rückwärtigen Verkehr zugewandt.

Merkwürdigerweise kann ich mich an praktisch alles erinnern, was während des Unfalls passierte bzw. mir durch den Kopf ging: die totale Überraschung beim Schlag von hinten rechts und dem Knall, dann die verzweifelte Erkenntnis, dass Gegenlenken nichts mehr half und die Gewissheit, dass ich an dem Tag wohl nicht mehr zu meinem Freund fahren würde, zumindest nicht mehr mit diesem meinem Auto.

Ich brauchte nur Sekunden, um mir klarzumachen, dass ich mich in einer ausgesprochen prekären Lage befand, denn wenn jetzt noch irgendein Döskopp zu spät bremsen und in mein auf dem Dach liegendes Auto fahren würde, wäre von mir wohl nicht mehr viel übriggeblieben, das zu bergen sich gelohnt hätte. Also ganz schneller medizinischer Selbstcheck: Arme und Beine noch voll beweglich? - Positiv! -- Kopf noch voll beweglich? - Positiv! -- Irgendwelche starken Blutungen? - Negativ! -- Gut, dann nichts wie raus aus dem Wrack! Sicherheitsgurt lösen, auf den Dachhimmel abrollen und zur Beifahrerseite rutschen, Tür öffnen und dann schnell nach draußen. Schnell aufrichten und schauen, welches Lagebild sich mir bot: Alles war sicher, der Verkehr hinter mir war komplett zum Erliegen gekommen, mit gut 20 m Abstand zu dem, was einmal mein Auto gewesen war.

Und in dem Moment vernahm ich eine sonore männliche Stimme, und die kam aus meinem Auto! Ich dachte zuerst, ich hätte Halluzinationen, doch dann hörte ich die Stimme noch einmal, wie sie ihre Worte wiederholte: "Hier spricht die Feuerwehr, wir haben den automatischen Notruf Ihres Fahrzeugs erhalten. Bitte teilen Sie uns mit, wo Sie sind und was passiert ist." Ach ja, das automatische Notrufsystem, tatsächlich, das funktioniert sogar noch, wenn das Fahrzeug nur noch ein Trümmerhaufen ist. Also meldete ich mich, teilte dem freundlichen Herrn von der Rettungsleitstelle mit, was geschehen war, wo ich mich befand, dass ich zum Glück alleine im Wagen gesessen hatte und beantwortete die Frage, ob ich verletzt sei mit den Worten "Wahrscheinlich ja, denn mir tut der Rücken weh. - Wo? - Rechte Seite, in der Nähe der Wirbelsäule, etwas unterhalb der Brustwirbel. - OK, bewegen Sie sich möglichst wenig bis gar nicht, die Rettung ist schon unterwegs zu Ihnen, denn es gab etwas weiter vor Ihnen noch einen weiteren Unfall."

Und ein Unfall war es in der Tat. Der dunkle Schatten, den ich unmittelbar vor dem harten Schlag von hinten rechts bemerkt hatte, stammte von einem großen dunkelblauen Transporter, dessen Fahrer nach Zeugenaussagen mit hohem Tempo und ohne zu bremsen auf das Stauende zugerast war und wohl erst im letzten Moment noch versuchte, über den Standstreifen nach rechts auszuweichen. Dabei hatte er mein Fahrzeug hinten rechts gerammt und es wie eine Billardkugel nach links über die Autobahn geschossen. Der Fahrer stieg langsam aus seinem Fahrzeug, aber statt zu uns (= ich und eine Handvoll Menschen, die sich sofort um mich kümmerten, mich über die Fahrbahn in Sicherheit geleiteten, mir Wasser gaben und sich nach meinem Befinden erkundigten) herüberzukommen, ging er zwischen dem Leitpfosten hinter seinem Fahrzeug und dem Heck seines Tranporters nur auf und ab wie ein Raubtier in seinem Käfig, sprach kein Wort, versuchte nicht einmal zu telefonieren oder sonst irgendwas. Vermutlich saß ihm der Unfallschock in den Knochen.

Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettung sowie die Polizei trafen schon nach ein paar Minuten ein, begannen damit, die Unfallstelle soweit zu räumen, wie es ihnen möglich war, und während die Kollegen von der Rettung mich nach einem kurzen Check in eine Spezialtrage packten, welche bei möglichen Rückenverletzungen dafür sorgen soll, dass der Transport ins Krankenhaus nicht in einer Querschnittlähmung resultiert, befragten mich eine freundliche Polizistin nach dem Unfallhergang, welchen ich so gut schilderte, wie es mir möglich war. Im Krankenhaus brachte man mich in den sogenannten Schockraum, wo man mir kurzerhand Hemd und Unterhemd zerschnitt, um mich besser untersuchen zu können, ohne mich dabei mehr als notwendig zu bewegen. Anschließend wurde ich noch eingehend geröngt und in die Notaufnahme verbracht, wo ich die nächsten vier Stunden auf einem Notbett verbrachte. Es war ungemütlich, hart, kalt und ich konnte erst nach ungefähr zwei Stunden meine bessere Hälfte verständigen, die vor Schreck fast in Ohnmacht fiel, weil sie mich schon längst bei meinem Freund wähnte, als ich ihr eröffnete, dass ich zumindest die nächsten paar Tage im Krankenhaus verbringen würde und unser Auto nur noch ein Haufen Schrott war.

Schließlich kam der behandelnde Arzt zu mir, stellte sich kurz vor und teilte mir mit, der Verdacht auf eine Rückenverletzung hätte sich nicht bestätigt, es seien jedoch drei Rippen hinten auf der rechten Seite gebrochen, daher auch die starken Rückenschmerzen, die mich wohl während der nächsten zwei, drei Wochen begleiten und erst allmählich nachlassen würden. Zur Beobachtung wolle man mich aber erst einmal für fünf bis sechs Tage, ggf. auch länger im Krankenhaus behalten.

Ihr fragt ihr euch vermutlich schon die ganze Zeit, ob der Captain nicht einen Knall hat, solch ein Erlebnis in der Rubrik "Warum ich mich gerade tierisch freue!" zu posten: Auto Schrott, drei Rippen gebrochen, starke Schmerzen, jede Menge Lauferei und Ärger, Papierkrieg mit Versicherungen, Anwälten usw.

Hat der alte Graubart nicht am Ende einen Hirnschaden davongetragen oder zumindest eine heftige Wahrnehmungsstörung? ;)

Nun, so könnte man es sehen. Doch ich sehe die Sache gänzlich anders, und vielleicht könnt ihr euch in mich hineinversetzen, wenn ich euch meine Gedanken dazu schildere:

Ich freue mich, dass ich ganz offensichtlich Glück im Unglück hatte. Vielleicht sollte ich sogar sagen, dass ich noch viel mehr Glück als Unglück hatte.

Denn dieser Unfall hätte mich auch das Leben kosten können! Dieser Unfall hätte mich in den Rollstuhl befördern können! Mein Auto wurde mit über Tempo 100 regelrecht von der Fahrbahn geschossen, überschlug sich, knallte gegen die Leitplanke und dennoch blieb ich, von drei gebrochenen Rippen abgesehen, völlig unverletzt. Ich wurde in kein anderes Fahrzeug geschleudert, und es knallte kein weiteres Fahrzeug in das auf dem Dach liegende Wrack, in dem ich mich befand. Es waren sofort helfende Hände da, die mich sicher über die Fahrbahn geleiteten, mir zu trinken gaben, dafür sorgten, dass ich nicht alleine blieb und mich erst mit den besten Wünschen gehen ließen, als die Rettungskräfte mich übernahmen. Ich wurde binnen kürzester Zeit fachmännisch versorgt und in eines der besten Krankenhäuser der Welt verbracht, ein renommiertes Universitätsklinkum, mit den besten Ärzten, den modernsten medizinischen Geräten und Behandlungsmethoden und einer stationären Betreuung, die vorbildlich war. Ein geräumiges, modernes Einzelzimmer mit Balkon, Dusche, TV und allem, wie ein 4-Sterne-Hotel, und selbst das Essen war durchaus annehmbar. Und zu allem Glück war man nach einer weiteren Röntgenuntersuchung heute Morgen der Meinung, dass man mich nunmehr umgehend nach Hause entlassen und in die Obhut meines überaus fähigen Hausarztes überstellen könnte. Was für ein Grund zur Freude. Und zur Dankbarkeit meinem lieben Schwager gegenüber, der ohne zu murren während der vier Tage zig Mal "mal eben" zum Krankenhaus kam, meine Frau hin- und herfuhr, mich heute abholte und wohlbehalten nach Hause brachte.

Ich bin froh und dankbar, in einem Land leben zu dürfen, in dem man auch als Normalverdiener genug verdient, um sich ein Fahrzeug leisten zu können, das soviel Sicherheit bietet, dass man selbst derartige Horror-Unfälle praktisch unverletzt übersteht. Ich bin froh und dankbar, dass es in unserem Land immer noch genügend Menschen gibt, die freundlich und hilfsbereit sind. Ich bin froh und dankbar, dass es in unserem Land auch für ganz normale Kassenpatienten eine medizinische Versorgung gibt, um die uns vermutlich mehr als 90 % der Welt beneiden. Ich bin froh und dankbar, dass es bei uns ein Sozialsystem gibt, welches mir trotz voraussichtlich fünf bis sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit die Weiterzahlung meines Gehalts garantiert und ein Rechtssystem, welches mir zur Durchsetzung eines angemessenen Schadensersatzes verhelfen wird. Das alles ist zumindest im größten Teil der Welt durchaus nicht die Selbstverständlichkeit, für die es hierzulande immer gehalten wird.

Vor allem aber freue ich mich und bin dankbar, dass ich noch am Leben bin, zwar mit drei gebrochenen Rippen, aber ansonsten wohlauf. Ich freue mich wie Bolle, dass ich eine tolle Familie habe, die zusammenhält wie Pech und Schwefel und für einander da ist. Und ich freue mich, dass ich meine Frau heute wieder in den Arm nehmen konnte (natürlich vorsichtig ;)).

So, jetzt versteht ihr vielleicht, warum ich mich entschieden habe, diese zugegeben etwas längliche Geschichte unter "Warum ich mich gerade tierisch freue!" zu posten. Manchmal sind es die für so selbstverständlich erachteten Dinge des Lebens, an denen man sich am allermeisten erfreuen kann und sollte. Denn wie wichtig diese Dinge wirklich sind, merkt man erst, wenn sie nicht mehr da sind oder sich die akute Gefahr vor einem auftut, sie zu verlieren, nämlich Leben und Gesundheit.

In diesem Sinne: Passt auf euch und eure Lieben auf! Freut euch über jede Minute, in der ihr gesund und glücklich seid! Und fahrt nicht schneller, als euer Schutzengel fliegen kann!
Es gibt Erfahrungen im Leben, die wünscht man niemandem. Glück im Unglück beschreibt den Ablauf sehr treffend, dein Erlebnis geht unter die Haut.
Ich wünsche dir alles Gute, schnelle Genesung und eine reibungslose Abwicklung seitens der Versicherungen.
 

Köf3

LED-Spezialist
17 Mai 2015
4.140
5.940
113
nahe Köln
Ich wünsche dir alles Gute, schnelle Genesung und eine reibungslose Abwicklung seitens der Versicherungen.
Von mir auch alles Gute. :)

Was das "schnell fahren" betrifft: ein Fahrsicherheitstraining steht bei mir demnächst auf der To-Do-Liste. Ansonsten: schnell fahren: ja gerne, aber nur wenn es sicher ist und die Bedingungen passen!
 
1 Januar 2024
15
60
13
Der japanische Ahorn / Bonsai hat endlich alle Blättchen ausgeklappt.
Schönes helles und knackiges Grün. Und im Herbst dann alles von Hell- zu Tiefrot. Auch schick.
Grüße,
Jochen

Fiat Lux20240503_132241a.jpg
 

Profi58

Flashaholic**
29 Mai 2011
3.378
1.681
113
Erzgebirge
Ich komme am Freitag von Arbeit und will zu Hause meinen PC einschalten - nichts! Steckdose und Kabel kontrolliert - nichts! Firma angerufen, die den PC zusammengeschraubt hat - nö, viel zu tun, vielleicht Mittwoch. Unsere ortsansässige Firma angerufen - PC herbringen, wird vielleicht Montag.
Also PC abgebaut und hingebracht - wir rufen an, wenn er fertig ist.
Heute nachmittag klingelt das Telefon - wir sind morgen den ganzen Tag unterwegs, da habe ich mir den PC angeschaut. Das Netzteil war tot, wir haben getauscht. Sie können den PC gleich abholen.
Und jetzt sitze ich wieder (zum Sonntag!) an meinem PC und schreibe diesen Post :thumbsup::thumbsup::thumbsup:.
Die Jungs sind echt Spitze.
 
G

Gast3

Guest
Nachdem wir knapp 2 Jahre mit dem Gartenbauer und 1 Jahr mit dem Zimmermann warten mussten sind wir entdlich auf der Zielgeraden mit den Außenanlagen :D
 

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Ace Combat

Flashaholic**
10 September 2011
4.653
3.471
113
Unterfranken
Hatte heute Nacht echt einen erschreckenden (Alp) Traum:

Hab meine komplette Tala-Sammlung für 98 € !
( keine Ahnung, warum ausgerrechnet 98 € ? )
in den Marktplatz gesetzt. :facepalm:
Als mir bewußt wurde, das ich doch daran hänge,
bin ich nach einiger Zeit wieder ins Forum, um die Anzeige
zu löschen und um festzustellen,
das sich noch niemand dafür interessiert hatte.
( was soll mir das jetzt sagen ?? )

Als ich dann heute früh wieder aufgewacht bin,
war ich doch froh, das alle meine "Schätzchen" noch da waren.
:)
 

Ace Combat

Flashaholic**
10 September 2011
4.653
3.471
113
Unterfranken
Über einen Alptraum freust du dich? :D
Ich freue mich, weil es eben nur ein Traum war.:)
Aber wenn ich mal vorhabe, das es Realität wird und ich mein Hobby aufgebe,
könnte ich es ja genau so machen ? ;)
...und es ist jetzt auch keine erfundene Geschichte.
Hatte diesen "Blackout" heute Nacht wirklich.
 
Zuletzt bearbeitet:

Profi58

Flashaholic**
29 Mai 2011
3.378
1.681
113
Erzgebirge
und um festzustellen, das sich noch niemand dafür interessiert hatte.
Tröste Dich, das wird mir wohl bald in natura passieren.
Ich habe mir vorgenommen, bei Rentenbeginn (Dezember ´24) meine Sammlung zu verkleinern.
Dumm nur, dass die Lampen schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, auch wenn die meisten außer zum Bespielen bei Ankunft kaum geleuchtet haben.
 

singlecell

Flashaholic**
15 Dezember 2022
1.402
1.276
113
Heute sind meine billo-Häubchen zum aufschweissen auf Akkus gekommen, nachdem ich gelesen hatte dass diese deutlich dicker sind als das beim Schweißgerät mitgelieferte Nickelband mit 0.15mm hatte ich bedenken, dass die halten. Gottseidank tun sie das, jetzt keinen ich eigene Button-Tops schweißen.
 

Profi58

Flashaholic**
29 Mai 2011
3.378
1.681
113
Erzgebirge
Ich hatte am 06. 10. 24 2x 4 Akkus 21700 5000 mAh (Soshine und Liitokala) bei AliExpress bestellt. Lieferdatum sollte irgendwann im Dezember sein, aber es pressierte ja nicht.

Zu meiner großen Verwunderung und Freude wurden beide Päckchen diese Woche geliefert.
 

Profi58

Flashaholic**
29 Mai 2011
3.378
1.681
113
Erzgebirge
Vor ein paar Jahren hatten die mal geschrieben, sie dürften keine Lithiumakkus per Luftfracht verschicken. Für Schiff und Bahn wären die 2 Monate angezeigter Lieferzeit angemessen gewesen. Für die jetzt knapp 2 Wochen Lieferzeit geht es ohne Flugzeug aber nicht.
 

Roccolino

Flashaholic*
26 August 2024
414
484
63
Monsaraz - Portugal
Als bekennender Katzenablehner, Katzenhasser wäre zu hart ausgedrückt, kam ich jetzt nicht umhin, einer das Leben zu retten.
Ich ging bei der Vermessung eines Grundstücks mit Hund, Fotoapparillo und GPS Tracker an der Grenze lang. Hier in Portugal ist ja unheimlich viel eingezäunt. Dann bellte der Hund und ich sah, wie er vor einer Katze stand. Aber wieso haut die nicht ab? Ich hin, den Hund abgerufen. Ok, die Katze hing mit einem Hinterlauf im Maschendraht fest. Einmal komplett eingedreht. Schon blutig gescheuert. Und bei der Temperatur hier auch noch direkt in der Sonne. Die war ausgewachsen, aber offensichtlich noch jung. Ein durchaus sehr hübsches Tier.
Was tun. Die kommt da nie und nimmer raus. Der Hund wollte immer wieder zu nahe kommen, ließ sich aber dann ablegen. Ich redete auf deutsch dann erst mal beruhigend auf die portugiesische Katze ein. Komm, ich helfe dir, aber du wirst mich nicht beißen, OK?
Sie sah mich an und ließ dann völlig ruhig meine ersten sicher sehr schmerzhaften Versuche, den Draht zu weiten, zu. Brachte aber nix. OK. VICTORINOX Ranger. Da hab ich eine Metallsäge dran. Raus mit dem Ding, den Draht abgesägt. Die Katze immer noch ruhig. Sah mich an, als wenn sie sagen wollte, keine Sorge, ich weiß, dass ich ohne dich verrecken werde. Dann hatte ich sie da raus. Ich hab ihr dann sanft in den Hintern getreten, worauf sie dann weglief. Sie war noch fit, also denke ich, es wird wieder gut.
Worüber bin ich jetzt glücklich. Über das kleine Schweizer Wunder und eine gerettete kleine Seele in der portugiesischen Pampa.
Darauf mache ich mir jetzt erst mal ein Bierchen auf...
 

Profi58

Flashaholic**
29 Mai 2011
3.378
1.681
113
Erzgebirge
Pass auf, morgen hast Du eine tote Maus vor der Haustür liegen. Das ist die Art der Katzen, "Danke!" zu sagen.

Prima, was Du gemacht hast.
 

Roccolino

Flashaholic*
26 August 2024
414
484
63
Monsaraz - Portugal
Pass auf, morgen hast Du eine tote Maus vor der Haustür liegen. Das ist die Art der Katzen, "Danke!" zu sagen.
Die ganzen Tage vorher gabs schon völlig entnervenden Katzenjammer im Garten. Aufstehen, Hund raus, Ruhe. Wieder ins Bett. 20 Minuten später Miiiiaaaauuuuuuuuuuu.......
Die ganzen Verwandten haben Katzen. Wenn wir da zu Besuch sind, kommen die alle zu mir und wollen kuscheln. Ich stehe dann jeweils kurz vorm Anfall.
Und dann sowas. Mir.... ;)
 

Chris-TheCrow

Flashaholic*
28 Dezember 2016
684
798
93
Wien
freue mich tierisch, weil ...

ich jetzt ein stolzer Besitzer einer Acebeam W35 ... danke an @Maserbirke und einer Weltool W5 Pro ... danke an @Grantlbart bin

unfassbar die geil die Reichweite von beiden LEP-Lampen ist ... so irre krass :jedi:

auf jeden Fall später beim Parkplatz stellte ich beiden Lampen auf's Dach und strahlte in den Himmel ... wollte einfach nur mal ein Foto machen ... plötzlich kam ein Mann mit zwei Kinder auf mich zu und war extem erstaunt was da für ein Lichtstrahl in den Himmel leuchtet ... die 2 Buben ... schätze so ca. 8 und 11 waren echt Feuer und Flamme ... hab ihnen alles schön brav erklärt ;)

die Zugabe der Vorführung war dann ... wie ich die X75 aus'n Rucksack holte und damit den Parkplatz "geflutet" habe :D

am Ende haben sich alle bedankt und waren wirklich schwer beeindruckt ... ich hatte innerlich einen Grinser und "freute mich tierisch" darüber :)
 

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Frank1984

Flashaholic***
15 September 2017
5.968
5.240
113
Sehr coole Lampen (bin schon etwas neidisch) und auch sehr coole Geschichte. :D

(Was hälst du davon, ich tausche meine Kürbislaterne gegen die W5 Pro :grinsen: )