Bildimpressionen *Sammelthread*

Stefan Zimmermann

Stammgast
1 Juni 2025
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Deutschland
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Ich mache mal weiter mit einem weiteren Foto, diesmal eines mit der vermutlich größten „Lampe“, die je in diesem Forum gezeigt wurde: einem echten Blitzschlag. :mehrlumen: :rofl:

Ich habe dieses Foto vor 19 Jahren aufgenommen und vor kurzem mit der Erfahrung und dem Blick von heute neu bearbeitet.

Das Bild war kein Zufallstreffer, sondern das Ergebnis vieler Nächte voller Vorbereitung, Geduld und Ausdauer – aufgenommen nachts während eines Gewitters, mit Langzeitbelichtung und ohne jegliche Erfolgsgarantie.

Was viele nicht wissen: Gewitter halten sich nicht an deinen Zeitplan und schon gar nicht an deine Fotoideen. In Karlsruhe gibt es im Schnitt etwa 25 Gewittertage pro Jahr, aber nur ein kleiner Teil davon findet nachts statt. Und selbst dann sind viele Gewitter zu weit entfernt, zu schwach oder ziehen zu schnell vorbei, um sie zu fotografieren.

Man kann nicht einfach lossprinten, wenn die Blitze kommen, dann ist es meistens schon zu spät. Man muss die Wetterlage stundenlang im Voraus beobachten, rechtzeitig vor Ort sein und dann oft stundenlang im Regen ausharren, ohne auch nur ein brauchbares Bild zu bekommen. Viele Nächte enden ohne Ergebnis.

Die Szene im Bild umfasst nur etwa 200 × 150 Meter, also rund 0,03 Quadratkilometer. Statistisch gesehen schlägt ein Blitz in so ein kleines Areal nur einmal alle 25 bis 40 Jahre ein. Selbst wenn man die Sichtweite auf 5 bis 7 Kilometer erweitert, also ein Blitz hinter dem Kraftwerk einschlägt, würde es optisch dennoch so wirken, als träfe er direkt das Gebäude. Dennoch kann man so realistisch mit höchstens einem sichtbaren Einschlag pro Jahr rechnen vorausgesetzt, man befindet sich exakt zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat die Kamera korrekt eingestellt.

Ein Bild wie dieses mit 40 mm Brennweite und engem Ausschnitt ist fotografisch wesentlich anspruchsvoller als eine Weitwinkelaufnahme von 30 Kilometern entfernten Gewitterwolken über eine frei Landschaft. Ziel war hier nicht, das ganze Unwetter zu zeigen, sondern genau diesen einen Blitz, der direkt ins Kraftwerk einschlagen soll. An so vielen Gewitternächten habe ich das immer und immer wiederholt: Man darf nicht aufgeben!

Und dann, eines Nachts, passierte es tatsächlich: Ein einzelner Blitz schlug genau dort ein, wo ich ihn mir all die Jahre erhofft hatte. Sogar das Schiff auf dem Rhein fuhr im perfekten Moment durchs Bild, sein Lichtstreifen verläuft genau durch das Zentrum des Kraftwerks, zwischen den Türmen hindurch, als wäre es sekundengenau geplant gewesen.

Doch beim Fotografieren von Blitzen geht es nicht nur um spektakuläre Motive, man riskiert dabei auch einiges. Nicht nur das eigene Leben ist in Gefahr auch mehrere tausend Euro an Ausrüstung stehen stundenlang ungeschützt im Sturm. Starke Böen können Äste abbrechen oder ganze Bäume umwerfen, auch das kann gefährlich werden.

Diese Art der Fotografie erfordert extreme Ausdauer, Entschlossenheit und viele schlaflose Nächte. Wer schon mal erfolgreich einen Blitz fotografiert hat, weiß genau, was ich meine. Die Misserfolgsquote ist riesig.

Und ebenso die Frustration. Wenn man mal wieder völlig durchnässt, durchgefroren und ohne ein einziges brauchbares Bild nach Hause kommt, ist die Versuchung groß, alles einfach hinzuschmeißen. Wenn selbst mit Regenschutz alles nass ist und der Sturm tobt, fühlt sich das selten lohnend an.

Wiederholen würde ich das heute wahrscheinlich nicht mehr. Zu viel Lebenszeit und der Erfolg ist ungewiss. In jungen Jahren habe ich aus Dummheit und Naivität so einiges ausprobiert. Manches war seltsam, aber ab und zu hat es tatsächlich geklappt, nach so vielen Versuchen.
Im Nachhinein bin ich doch froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Wiederholen wollte ich es allerdings nicht mehr :)


Technische Daten:
Kamera: Canon EOS-1D Mark II
Objektiv: EF 24–70 mm f/2.8 L USM
Belichtungszeit: 100 Sekunden
Blende: f/8
ISO: 100
Brennweite: 40 mm (Vollformat)

Ort: Karlsruhe, Baden-Württemberg, Deutschland
Motiv: Rheinhafen-Dampfkraftwerk Karlsruhe


Skyfall
Skyfall by Stefan Zimmermann Official, auf Flickr
 

Stefan Zimmermann

Stammgast
1 Juni 2025
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100 Sekunden Serienaufnahmen, oder jedesmal erneut auslösen? Kann mich an den Stand von damals nicht mehr erinnern. Heute ist das ja einfacher geworden.
Damals habe ich einen programmierbaren Kabelauslöser verwendet, der automatisch immer wieder neue Aufnahmen gestartet hat mit jeweils rund 100 Sekunden Belichtungszeit und kurzen Pausen zum Speichern. Heute gibt es zwar moderne Trigger mit Lichtsensor oder App-Steuerung, die bei einem Blitz automatisch auslösen. Aber bei einem Motiv wie diesem bringt das kaum Vorteile.

Solche Sensor-Trigger eignen sich eher für weite Landschaftsaufnahmen mit Ultraweitwinkel, bei denen über 30 bis 50 Kilometer Himmel über einer meist offenen Fläche oder Landschaft im Bild zu sehen sind. Man muss die Kamera dabei nur grob in Richtung des Gewitters ausrichten. Das ist im Vergleich noch relativ einfach, da es kein konkretes Hauptmotiv gibt.

Mein Foto zeigt dagegen nur einen kleinen Ausschnitt von etwa 200 × 150 Metern, also gerade mal 0,03 Quadratkilometer. Damit der Blitz dort tatsächlich im Bild einschlägt, muss man viele Nächte investierten, sehr viele.

Die Technik ist heute zwar komfortabler, aber bei so gezielten Motiven hilft das leider nicht.
Außer man kommt mit 1,21 Gigawatt zurück aus der Zukunft und weiß genau, wann und wo der Blitz einschlägt.
Aber so einen DeLorean hatte ich leider nicht. ;)
 

Roccolino

Flashaholic*
26 August 2024
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Monsaraz - Portugal
In der Kombi mit dem Schiff ist das schon ein wundervoller Treffer, keine Frage. Kraftwerk gut belichtet und dann auch noch der (die) Blitze an der richtigen Stelle.
An automatische Auslöser hab ich jetzt gar nicht gedacht.
Eher an Intervalle mit entsprechender Verschlusszeit/Blende/Empfindlichkeit. Wobei hier ja der bestimmende Wert die Belichtung des Kraftwerks ist.
Ich hatte mich auch schon mal mit sowas beschäftigt, dabei ebenfalls eine perfekte Szene erwischt, aber der Blitz hat dann alles im Licht ersäuft.
Ich bin halt eher der Peopleknipser. Die kann ich dirigieren, die Blitze nicht ;)
 
  • Danke
Reaktionen: Stefan Zimmermann

Stefan Zimmermann

Stammgast
1 Juni 2025
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Hallo zusammen, ich habe mich vor etwa vier Monaten hier angemeldet, weil ich ganz spezielle Wünsche bei der Nachtfotografie hatte. Ein kleiner Teil des Erfolgs ist euer Verdienst, denn sonst hätte ich eine solch geile Taschenlampe wahrscheinlich nie gefunden. Sie hat sogar meine Erwartungen übertroffen. Durch meine Erfahrungen der letzten Monate kann ich sogar die Reichweite mit ca. 1,5 km sehr genau einschätzen. Sie ist weit mehr als gedacht. Zudem habe ich, wenn die Luftfeuchtigkeit in der Nacht nicht zu hoch ist, keine Aufhellungseffekte in der Luft und damit in meinen Fotos.

Meine Wünsche dazu gab es hier und hier, aber die Convoy Z1 ist dafür wirklich perfekt!
https://www.taschenlampen-forum.de/threads/suche-hochwertige-taschenlampe-für-lightpainting-–-präzise-kompakt-kein-basteln.96465/
https://www.taschenlampen-forum.de/threads/ich-habe-eine-etwas-ungewöhnliche-idee-für-eine-nachtaufnahme-mit-milchstraße-lep-taschenlampen-sinnvoll-machbar.96559/


Der lange Weg zu meinem Foto bei den Drei Zinnen


Jetzt kommt eine lange Geschichte, wie es zu diesem Foto gekommen ist.

Vor 1 ½ Jahren wurde die Idee geboren. Als ich diese außergewöhnliche Landschaft, die Drei Zinnen, wieder einmal per Zufall in einer Reportage über die Dolomiten gesehen hatte, war es um mich geschehen. Da mein Steckenpferd generell Nachtaufnahmen sind, war schnell klar: Hier will ich die Milchstraße fotografieren. Obwohl ich schon seit über zehn Jahren Deep-Sky-Aufnahmen mache, hatte ich noch nie die Milchstraße selbst fotografiert. Das sollte der Beginn einer neuen Leidenschaft werden.

Bei solch einer atemberaubenden Location wollte ich nicht einfach „nur“ fotografieren – mein Ziel war hoch gesteckt: Es sollte eines der besten Milchstraßenfotos werden, die man weltweit finden kann. Zugegeben, kein kleines Vorhaben… aber wer diese Kulisse einmal vor Augen hat, der versteht sofort, warum man plötzlich anfängt, nach den Sternen zu greifen.



Planung und Technik

Also begannen die Planungen. Ich brauchte eine hochpräzise, aber trotzdem mobile und leichte Nachführung. Schnell wurde klar: Mit Stacking und nur 8-Sekunden-Aufnahmen – also ohne Nachführung – sowie sehr hohen ISO-Werten erreiche ich nicht die Bildqualität, die meinem Anspruch entspricht.

Also übte ich immer wieder an der Nachführung am lichtverschmutzten Nachthimmel meiner Heimatstadt: Wie reagiert die Nachführung auf Wind? Was passiert bei hoher Luftfeuchtigkeit, Schleierwolken oder Turbulenzen in der oberen Atmosphäre? Jede Kleinigkeit verschlechtert das „Seeing“, und man muss viel Erfahrung sammeln, um diese Tücken zu meistern.

Auch das Kalibrieren der Nachführung muss extrem präzise sein. Mein Stativ messe ich sogar digital in 0,1-Grad-Schritten aus, ob es wirklich gerade steht – je genauer, desto länger kann man nachführen. Klar, es gibt extrem gute Nachführungen, aber die sind alles andere als mobil. Einen 20-Kilo-Klotz schleppt man nicht im Rucksack auf 2600 Meter Höhe bei einer Nachtwanderung, zusammen mit dem restlichen Gepäck.

Und dann braucht man natürlich die lichtstärksten und schärfsten Objektive, die es gibt. Nachts zählt jedes Quäntchen mehr Licht – Tageslichtaufnahmen sind da deutlich einfacher.

Generell gilt: Je weniger künstliches Licht, desto klarer und eindrucksvoller erscheint die Milchstraße. Bei Deep-Sky-Aufnahmen helfen spezielle Filter, um das menschengemachte Licht (z. B. aus Städten) teilweise herauszufiltern. Aber die Milchstraße ist etwas völlig anderes: Sie strahlt über das gesamte Lichtspektrum – vom tiefen Rot bis ins Blauviolette. Da gibt es keinen Filter-Trick. Jede Blockade würde genauso Sternenlicht herausfiltern. Das heißt: Der einzige „Trick“ ist gar keiner – man braucht einfach möglichst dunklen, naturbelassenen Himmel.

In Europa findet man solche Bedingungen fast nur noch an wenigen Orten: in den Dolomiten, am Großglockner oder auf La Palma (Kanarische Inseln) – für europäische Verhältnisse das Beste, was man bekommen kann. Es gibt zwar noch ein paar weitere Plätze, doch dort ist das Wetter so launisch, dass die Chancen auf Erfolg noch geringer sind. Ideal sind hohe Lagen mit trockener, klarer Luft.

Wer es dann noch besser möchte, sollte nach Namibia reisen. Dort erlebt man einen der beeindruckendsten Nachthimmel überhaupt: keine Wetterprobleme, fast jede Nacht perfekte Bedingungen. Der Haken? Malaria. Also jeden Tag Malariaprophylaxe mit allen Nebenwirkungen. Immer ist irgendetwas ;)

Und wer sich selbst einen Überblick verschaffen möchte: Auf lightpollutionmap.info kann man die weltweite Lichtverschmutzung interaktiv betrachten. Schon ein Blick darauf zeigt, wie rar die wirklich dunklen Orte auf unserem Planeten geworden sind.



Zeitfenster Milchstraße

Die Milchstraße lässt sich in Europa nur zwischen April und Ende August bei Neumond fotografieren. Doch gerade im Juni und Juli sind die Nächte hierzulande zu kurz und zu hell – es wird in unseren Breiten nicht mehr vollständig dunkel. Effektiv bleiben also nur drei Monate, in denen sich rund um den Neumond ein kleines Zeitfenster von wenigen Tagen öffnet. Spielt das Wetter nicht mit, heißt es warten bis zum nächsten Monat.

Besonders in den Sommermonaten kann man Richtung Zentrum unserer Galaxie schauen und die eindrucksvollen Staub- und Nebelbänder sehen. In den Wintermonaten blickt man dagegen „hinaus“ ins Universum – ohne diese spektakulären Strukturen. Die Saison ist also extrem kurz, und die Wahrscheinlichkeit für wolkenfreien Himmel in den Dolomiten liegt bei unter 30 %. Stabil bleibt das Wetter dort oft nur 3–4 Stunden, bevor es kippt – ein echtes Lotteriespiel.


Drei Zinnen: Traumort mit Hindernissen

Auch tagsüber ist es dort oben auf rund 2.500 Metern atemberaubend schön – wohin man auch blickt, öffnet sich eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Und dann erheben sich direkt vor einem die Drei Zinnen: gewaltige Felswände, die noch einmal fast 500 Meter senkrecht nach oben schießen und damit die 3.000-Meter-Marke erreichen.

Doch inzwischen kommt man nicht mehr so einfach hinauf: Man braucht eine Reservierung und ein Ticket. Schon im Tal wird per Nummernschild kontrolliert, ob man gebucht hat.

Die Tickets sind streng limitiert. Für unser Wohnmobil kosteten 12 Stunden 60 €. Stabiles, wolkenfreies Wetter hat dort oben allerdings statistisch weniger als 30 % Wahrscheinlichkeit – mit nur einem Ticket wäre mein Vorhaben also unmöglich gewesen. Deshalb habe ich 6 Zeitfenster à 12 Stunden direkt hintereinander gebucht.

Gar nicht so einfach: Die Tickets müssen exakt aneinander anschließen, pro Stunde sind nur wenige Fahrzeuge zugelassen. Endet ein Ticket zum Beispiel um 16 Uhr und das Folgeticket ist ausgebucht, hat man schlicht Pech gehabt. Einzelne Zeitfenster zu bekommen ist schon schwierig – sechs Stück lückenlos aneinanderzureihen, fast ein Ding der Unmöglichkeit. An der Schranke im Tal gilt zudem null Toleranz: Schon eine Sekunde zu spät bei der Ausfahrt, und die Strafe ist sicher.

Für die Buchung selbst hat man gerade einmal fünf Minuten – und zwar ab dem Moment, in dem man das Buchungssystem öffnet, nicht erst mit dem letzten Mausklick. Vom Heraussuchen der passenden Slots über das Zusammenstellen bis zur Bezahlung mit Kreditkartendaten, persönlichen Angaben und Fahrzeuginformationen läuft die Uhr gnadenlos. Alles, was man kompliziert machen kann, ist hier auch kompliziert gemacht worden – fast so, als hätten die Dolomiten nicht schon genug natürliche Hürden.

Und als wäre das nicht genug, darf man pro Monat nur sechs Tickets kaufen – inzwischen wurde dieses Limit sogar auf fünf reduziert.

Spontan hochfahren geht übrigens auch nicht. Selbst wenn kurzfristig ein Slot frei wäre, muss man mindestens 24 Stunden vorher digital buchen. Vor Ort oder am selben Tag? Keine Chance, nicht erlaubt.
Wer denkt, man könnte sich einfach nach dem Wetter richten, liegt daneben – hier regiert Bürokratie statt Natur.



Ankunft und erste Rückschläge

1 ½ Jahre später war es endlich so weit. Vor der Auffahrt haben wir unser Wohnmobil vorbereitet: den Kühlschrank aufgefüllt, die Toilette geleert und alle Akkus geladen – für Kamera, Smartphone, Nachführung, Heizbänder gegen Tau und unzählige Lampen. Drei Tage und Nächste sollten wir hier oben durchhalten.

Doch selbst wer voller Vorfreude zu früh an der Schranke ankommt, wird nicht eingelassen – die Tore öffnen sich erst exakt zur gebuchten Zeit. Dann ging es im zweiten Gang und mit viel Geduld die Serpentinen hinauf. Hin und wieder rutschten die Vorderräder auf dem nassen Asphalt durch – ein deutliches Zeichen dafür, wie steil es nach oben ging. Ein Wohnmobil mit über vier Tonnen Gewicht und einer Länge von 7,5 Metern ist nun mal kein Geländewagen. Oben schließlich, mit auf einem der höchstgelegenen Stellplätze Europas, war alles bereit.

Nur stellte sich schnell heraus: Der Kühlschrank fühlte sich auf 2500 Metern schlicht nicht mehr zuständig – und das, obwohl wir ihn vor der Auffahrt extra bis obenhin gefüllt hatten. Auf dieser Höhe arbeitet ein Wohnmobil-Absorberkühlschrank mit Gas nicht mehr zuverlässig. Wieder was gelernt – leider auf die harte Tour. Ergebnis: Die Hälfte der Lebensmittel wanderte später in den Müll. :huch:

Die ersten beiden Tage: Regen, Wind, dichter Nebel, Temperaturen um die 4 Grad. Dank Heizung im Wohnmobil war zumindest die Temperaturen erträglich – aber fotografisch natürlich ein Frust. Am letzten Tag dann die Wende: Sonne, klare Sicht, super Stimmung. Sollte es doch noch klappen?


Die Nacht der Aufnahmen

Die Wanderung mit dem über 12 Kilo schweren Rucksack war anstrengender als gedacht – die dünne Luft machte sich bemerkbar.

In dieser Nacht entstanden unzählige Aufnahmen. Viele nachgeführte 6-Minuten-Belichtungen der Milchstraße, die ich später stacken konnte, um das Signal-Rausch-Verhältnis noch weiter zu verbessern – ein Trick, um mehr Qualität zu erreichen, als ein Sensor allein hergibt. Zusätzlich nahm ich die Landschaft separat auf – denn bei nachgeführten Sternen würde der Vordergrund verwischen.

Und hier kam die nächste Herausforderung: Milchstraßenfotos brauchen Neumond und absolute Dunkelheit. Landschaften wirken unter diesen Bedingungen jedoch flach und ton-in-ton, während Vollmond plastisches Licht liefern würde. Die Lösung: Man nimmt die Landschaft bereits in der blauen Stunde auf oder beleuchtet sie gezielt.
So entstanden Belichtungen von bis zu 15 Minuten, während ich die Felsen mit der Z1 ausleuchtete. Mal gelang die rechte Seite besser, mal die linke. Alles perfekt in einem einzigen Foto wird es nie.

Und dann sind da noch die berühmten Stirnlampen-Spuren – kleine Lichtlinien von Wanderern, die einem Bild oft das gewisse Extra verleihen. Das Problem: Nachts ist dort oben fast niemand unterwegs. Und wenn doch, dann garantiert nicht in dem Moment, in dem man sie im Bild gebrauchen könnte. Paradox, oder? Man will sie unbedingt – und bekommt sie fast nie, wenn man sie braucht. Also bleibt nur der Umweg: separate Aufnahmen mit Lichtspuren sammeln, sobald sich mal jemand blicken lässt.


Das Puzzle

Am Ende der Nacht hatte ich rund 30 Aufnahmen im Kasten – und die Dunkelheit wich dem Morgen. Darunter waren lange Belichtungen mit Lichtmalerei, Aufnahmen mit Stirnlampenspuren, viele nachgeführte Milchstraßenbilder und Landschaften aus der blauen Stunde bis hin in die tiefe Nacht.

Das war mein Rohmaterial, mein Baukasten. Später habe ich daraus die besten Elemente ausgewählt und zu einem Gesamtbild vereint – wie ein Maler, der erst Skizzen sammelt und sie schließlich zu einem Kunstwerk verschmilzt.

Das ist die absolute Königsdisziplin der Fotografie: absolut kein Fake, aber in einer einzigen Aufnahme so nicht machbar. Jede Einzelaufnahme musste sorgfältig entwickelt werden – Weißabgleich und Farbtemperaturen angleichen, Helligkeit und Kontrast abstimmen, Rauschen reduzieren, Details herausarbeiten. Mal war im linken Vordergrund der Stein durch die Lichtmalerei besser gelungen, mal auf der rechten Seite. Alles musste präzise zusammengesetzt werden, Schicht für Schicht.

Am Ende entstand eine Photoshop-Datei mit über hundert Ebenen und mehr als 60 Gigabyte Größe. Jede kleine Anpassung musste überlegt sein, weil sich Änderungen sofort auf das gesamte Bild auswirkten. Die größte Schwierigkeit: all diese verschiedenen Aufnahmen so zu verschmelzen, dass das Endergebnis wie aus einem Guss wirkt, ohne sichtbare Übergänge, ohne künstlichen Eindruck.

Für Außenstehende wirkt das fertige Bild vielleicht selbstverständlich – als stünde man einfach dort und hätte genau diesen Moment eingefangen. In Wahrheit steckt dahinter tagelange Arbeit, stundenlange Detailkorrekturen und ein hohes Maß an Geduld und technischer Präzision.


Fazit

Solche Momente begleiten einen ein Leben lang. Nicht nur das Foto ist ein Erlebnis, sondern der gesamte Weg: die lange Vorbereitung, die Mühen, die Rückschläge und schließlich der Erfolg.

Mir ist auch wichtig, mit solchen Texten zu zeigen, dass Fotografie nicht nur ein Klick ist. Es ist ein Abenteuer, ein Ringen mit Natur, Technik und sich selbst. Immer wieder versuche ich, meine bisherigen Grenzen zu übertreffen. Das wird zwar mit jedem Schritt schwieriger – aber wenn es gelingt, sind es unvergessliche Glücksmomente.

Wer mich kennt, die nächsten Ideen sind natürlich schon wieder in Vorbereitung.

Viel Spaß beim Anschauen!




Making of – schon gewusst?

Bei Nachtaufnahmen passiert etwas Spannendes: Betrachtet man sie tagsüber oder vor einem hellen Hintergrund, „kleben“ die tiefsten Schatten oft zusammen – die Landschaft wirkt dadurch dunkler, als sie eigentlich ist.
Der Trick ist, Schwarz nicht bei absolut 0 zu belassen, sondern minimal anzuheben – der Sweet Spot liegt bei etwa 2–3 von 255 Helligkeitsstufen. So bleiben feine Strukturen auch in heller Umgebung sichtbar.
Genau diesen Kniff nutzen die Filmstudios, um ihre Filme auf allen Bildschirmen stabil wirken zu lassen.
Ihr merkt schon – hier wird nichts dem Zufall überlassen.
Der helle Hintergrund für solche Fotos ist hier im Taschenlampen Forum leider wirklich suboptimal.



Wissenschaftlicher Sweet Spot für Nachtfotos

Um Tiefe und Lesbarkeit auf allen Geräten auszubalancieren, empfehlen Forschung und Industriestandards, die dunkelsten Töne in einem engen „Sweet Spot“ zu platzieren. Mein Foto wurde exakt auf diese Werte abgestimmt:
Perzentil (Anteil dunklerer Pixel)Empfohlener BereichWissenschaftlicher MittelwertMein Foto
5 % der dunkelsten Pixel2–3 / 255~2,5 / 2553
25 % der Pixel6–10 / 255~8 / 2558
Median (50 % aller Pixel)12–20 / 255~16 / 25515–16
So liest man die Tabelle:
  • Das Perzentil zeigt, wie viele Pixel dunkler sind als ein bestimmter Helligkeitswert.
  • Beispiel: „5 % der dunkelsten Pixel = 3“ bedeutet, die tiefsten Schatten liegen nicht bei 0, sondern leicht angehoben – gerade so, dass man auch auf hellen Hintergründen noch Zeichnung erkennt.
  • Ziel ist es, den wissenschaftlichen Mittelwert zu treffen – sodass das Foto auf OLED-Bildschirmen im Dunkeln ebenso stimmig wirkt wie auf Laptops oder Smartphones bei Tageslicht und damit den bestmöglichen Kompromiss erreicht, ein Mittelweg.




Tre Cime – Guardians of the Milky Way

Tre Cime – Guardians of the Milky Way by Stefan Zimmermann Official, auf Flickr
 
Zuletzt bearbeitet:

Nicobrosi

Flashaholic**
24 Oktober 2018
2.091
1.625
113
Unglaublich....und vielen vielen Dank für die detaillierte Beschreibung so ein Bild entstehen zu lassen, ich wusste das nicht und zölle dir dafür höchsten Respekt.
Danke dass du uns daran teilhaben lässt
Viele begeisterte grüße, nico
 

Stefan Zimmermann

Stammgast
1 Juni 2025
53
156
33
Deutschland
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Nachdem ich in der Nacht zuvor die Milchstraße fotografiert hatte, nutzte ich übermüdet am frühen Morgen die Gelegenheit, auch den Sonnenaufgang an den Drei Zinnen festzuhalten, bevor sich das Wetter zunehmend zuzog.
Als die ersten Sonnenstrahlen mein Gesicht berührten, war es, als würde mir die Nacht zum Abschied noch einmal danken. Auf dem Rückweg begegnete ich den ersten Wanderern. Sie begannen gerade ihren Tag, meiner lag schon hinter mir. Ein kurzer Blick, ein leichtes Nicken, viel mehr brauchte es nicht. Sie ahnten nicht, was ich in dieser Nacht alles erlebt hatte. Ich trug es still in mir, glücklich, zufrieden, auf dem Weg zurück zum Wohnmobil. Frühstück, ein weiches Bett. Ein gewisses Lächeln ging mir an diesem Morgen nicht mehr aus dem Gesicht.

Das Zeitfenster ist dabei wie so oft bei meinen Fotos sehr kurz. Nur etwa 15 Minuten hat man dort bei Sonnenaufgang. Zuvor werfen die Berge hinter mir lange Schatten auf die Zinnen selbst und nur kurz später steht die Sonne in einem solchen Winkel, dass die Zinnen selbst Schatten werfen und nicht mehr im direkten Lichtschein stehen. Der Winkel, in dem dieses besondere Licht möglich ist, beträgt nur wenige Grad.

Deshalb wird dort selten am Morgen fotografiert, die meisten Aufnahmen entstehen mehr zum Sonnenuntergang. Ich persönlich finde jedoch, dass die zarte warme Licht auf dem Fels am Morgen, die sehr klare Luft, zusammen mit dem ikonischen Blau des Himmels eine tolle Komplementärwirkung bringt.

Viele Fotografen steigen auf der Rückseite oft höher zur Bergkante auf, um die Landschaft noch weiter ins Bild zu nehmen. Von dort wirkt der Blick zwar noch weiter, aber die Zinnen selbst verlieren etwas von ihrer monumentale Größe, finde ich.
Mein Standpunkt etwas weiter unten zeigt für mich die Kraft dieser Berge am eindrucksvollsten.

Dies ist meine Version der Zinnen bei Tageslicht. Vielleicht gefällt sie euch?

Technical Information
Camera: Sony Alpha 7R V
Lens: Sony FE 14 mm f/1.8 GM
⏱️ Exposure: ISO 100, f/5.6, 1/320 s
Location: Tre Cime di Lavaredo (Drei Zinnen, 2,999 m), Dolomites, Italy

Drei Zinnen – Wächter der Dolomiten
Tre Cime – Guardians of the Dolomites by Stefan Zimmermann Official, auf Flickr