Standard Convoy T2/T3/T6 mit Metall-Clicky nachrüsten – geht nicht? Geht doch!
Ich hatte die Vorstellung ja schon mal im T6 Thread angedroht.
Interessenten sein schon mal vorgewarnt. Eine Pillepalle Dropin Lösung kann ich nicht anbieten.
Ich versuche das mal systematisch zu erläutern, damit auch jeder das „Wieso und Weshalb“ kapiert, denn ganz am Ende seid Ihr beim Umbau auf Euch allein gestellt.
Von den Maßen her ist das spitz auf knapp und die Toleranzen bei Tailcap und Metall-Clicky sind nicht ohne.
Also: Warum geht das nicht so ohne Weiteres?
1/ Der Clicky passt nicht in die Tailcap, die Bohrung ist zu klein.
2/ Die Metall-Verblendung erfordert rund 2mm mehr Baulänge an der Tailcap, der Schalter baut halt höher auf.
Nun, die Bohrung ist weniger das Problem, bei der fehlenden Länge muß man allerdings etwas tricksen. Letzteres wird dann zum Geduldsspiel.
Aber der Reihe nach:
Die Tailcap als Erstes gründlich entfetten und komplett zerlegen – sollte klar sein – ich geh nicht weiter darauf ein.
Montage des Metall Clickies:
Prinzipiell gäbe es ja zwei Möglichkeiten,
die vermeintlich trivialere, übermaßiges Loch bohren, Metallkappe durchstecken und von innen mit einer Kontermutter sichern – analog zur Nachrüstlösung der S2+.
Vergesst es! Damit werden die Probleme nur nach innen in die Enge verlagert.
Mangels passender Kontermutter müßte man diese entweder radikal aus einer weitaus zu großen S2+ Scheibe herausschnitzen oder aber komplett neu erstellen. (Drehen, Gewinde schneiden, etc…) Da der Metallschalter aber nicht vollständig eingeführt werden kann – und fehlen ja zwei Millimeter, bleibt kaum genug „Fleisch“ um ihn zu kontern.
Wir wählen daher Option 2 und montieren die Schalterabdeckung wie ab Werk, indem wir sie in die Tailcap einschrauben.
Also ran ans Gewindeschneiden

Wir brauchen hierfür einen Gewindeschneider M(F)13x0,75.
Klingt exotisch, gibt es aber zuhauf. Da das Convoy Aluminium bestens verformbar und zerspanbar ist und wir keine außerordentliche Genauigkeit brauchen, reicht das billigste Exemplar. Wer kein großes Windeisen hat, kann sich vielleicht kurz eins ausleihen.
Kernloch bohren:
Mathematisch wären wir da bei 12,25mm. ACK, einen passenden Bohrer wird wohl keiner da haben.

Weniger sollte es aber auch nicht sein, sonst staucht sich das Material.
Meine Empfehlung: 12mm vorbohren, im Anschluss aufweiten.
Zum Einstieg:
Beidseitig großzügig anfasen, bei der Anodisierung ist das doppelt wichtig.
12mm bohren, im Anschluß weiten.
Quick and dirty geht das problemlos z.B. mit einer schmalen feinen Schleifrolle für die Dremel. Zwischendurch regelmäßig nachmessen.
Das muß jetzt nicht sonderlich akkurat sein, 12,2mm ist noch zu eng ~12,3mm macht die Arbeit entspannter, 12,4 sollte wohl das obere Limit sein.
Falls jemand Kleinserien planen sollte: Bei Ebay gibt es noch für sehr kleines Geld
DDR Kegelreibahlen 1/50. Grundsätzlich eine super Anschaffung bei exotischen Durchmessern und universeller einsetzbar wie zylindrische Reibahlen.
Nächster Schritt: Gewinde schneiden – ich erklär das jetzt nicht im Detail
Im Anschluß: Eventuelle Grate entfernen, säubern und entfetten.
Anprobe und sich auf die Schulter klopfen
Kommen wir nun zu dem fummeligen Teil.
Wie eingangs erwähnt, fehlen uns ca. 2mm.
Für den Großteil davon, bleibt uns gar nichts anderes übrig, wie die Metallkappe aufzubocken, um rund 1,5mm, der Rest geht zu Lasten der Clicky Verschraubung.
Tailstand ist somit zwar gestrichen, dafür ist die leicht hervorstehende Kappe haptisch sehr reizvoll, es macht richtig Freude, durchzuschalten
Also brauchen wir eine Art Unterlegscheibe – später dann innen noch mehr.
Allesamt exotische Abmessungen.
Zwei Optionen, die ich sehe:
Wer einen 3D-Drucker sein eigen nennt – und die Teile langweilen sich eh i.d.R. nur rum – der kann sich gerne passende Scheiben Drucken. Innen- sowie Außendurchmesser stimmen dann schon mal, nur für das Feintuning der Höhe ist dann Handarbeit gefragt.
Wichtig ist nur, daß der Kunststoff wirklich druckfest ist und sich beim Anziehen nicht staucht.
Den anderen bleibt der Weg über
Dichtringe aus Kupfer oder Alu, schlanke Unterlegscheiben, die z.B. zum Abdichten von Hydraulikleitungen verwendet werden. Teilweise müssen diese noch innen oder außen vom Durchmesser her angepasst werden. Für den Ausgleich letzter Zehntel können auch
Passscheiben ganz hilfreich sein.
Legen wir los:
Um die Metallverblendung des Clickies aufzubocken hab ich stets Passscheiben der Größe 17x12x1,5 verwendet. Diese füllen die Mulde der Tailcap wunderbar auf, lediglich der Innendurchmesser muss halt geweitet werden (Dremel), so daß man den Metal-Clicky durchstecken kann.
Vorher (oben) und nachher
Ach ja, noch mal zur Metall-Abdeckung: Zum rein- und rausschrauben braucht es eine Handhabe. Ein schöder 10er Holzdübel, leicht konisch angeschliffen erfüllt hier vorzüglich seinen Zweck.
Spätestens jetzt muß man sich auch farblich festlegen. Schwarz oder Edelstahl?
Die Entscheidung ist recht endgültig, denn die Abmessungen varriieren etwas.
Also: Passscheibe etwas erweitern, Metal Clicky _feste_ anziehen, so daß die Dichtung nicht mehr sichtbar ist.
Weiter geht’s mit der fummeligen Anpassung innen.
Eigentlich simpel: Man stapelt drinnen Unterlegscheiben, möglichst exakt so, daß _unter Druck_ der Clicky die Metallkappe fast oder geraade so berührt.
Herausfordernd wird die Sache dadurch, daß die Tailcap Verschraubung auch noch möglich bleiben muß – zumindest zu einem Großteil – ein paar wenige Zehntel müssen wir ja opfern.
Zwischendurch immer mal testen, dabei die Clicky Feder feste eindrücken um eine Verschraubung zu simulieren.
„Luft“ beim Drücken der Abdeckung geht gar nicht, auch weil der Platz fehlt. Wenn der Clicky hakt, ist wiederum der Abstand zu kurz.
Eine fix-und-fertige Scheibenliste kann ich leider nicht liefern, das Ergebnis bei all meinen Umbauten war stets ein anderes. Selbst nur leichte Abweichungen bei Tailcap, Metallkappe und Spacern erfordern dann schon nicht unerhebliche Änderungen. Wie gesagt, beim Platz her geht es spitz auf knapp zu.
Empfehlenswerte Unterlegscheiben:
- Original Spacer – der kann ja auch gewendet werden mit unterschiedlichem Ergebnis,
- alternativ/Zusätzlich 16x8 Karosseriescheiben unterschiedlichster Stärke,
- hinten im „Stumpfbereich“ der Abdeckung muß es was weiteres sein, Dichtringe 16x12 (zu erweitern) oder auch Passscheiben.
Ihr werdet schon klar kommen
Erfolgreich? Gratulation!
Am Ende:
Nach dem Zusammenbau werdet Ihr feststellen, daß sich durch die nicht komplett einschraubbare Clicky Verschraubung, auch die Tailcap nicht zu hundert Prozent auf den Tubus schrauben lässt. Minimaler Spalt ohne Einbußen, aber manchen stört’s.
Dem kann man abhelfen, einfach indem man eine Schmale Scheibe von 18x14x1,0 oder flacher zwischen Kopf und Tubus klemmt. Bei einem dann beidseitigen Spalt trübt dann nix mehr die Optik.
Ach ja, färben des außenliegenden Ringes, vielleicht noch:
Ich hab meine Kupferscheibe jetzt aus Tradition wieder Gunmetal Grey mit Schwefelleber patiniert, aber das muß jetzt wirklich nicht sein.
Da der Ring überhaupt nicht exponiert ist, reich bloßes – farblich passendes – anmalen.
In dem Zusammenhang sei erwähnt. Edding führt mit der 4000er Serie auch vorzügliche matte Lackmarker. Gerade der Schwarze sollte bei jedem Flashoholic ohnehin zur Pflichtausstattung gehören, lassen sich doch kleine Macken damit im Nu unsichtbar machen.
Und die Haltbarkeit ist gar nicht mal verkehrt.
Noch Fragen? Immer her damit!
Ich schätze aber, Euch schwirrt erst mal der Kopf. Einfach mal anfangen
