So, damit das hier nicht so offen und ungeklärt endet:
Mir hat
@heiligerbimbam seine Lampe zur Fehlersuche und ggf. Reparatur geschickt. Ich konnte sie auch erfolgreich reparieren und möchte noch kurz erläutern, wie das abgelaufen ist und wo es (große) Probleme gab.
Zunächst stand ich dem (leider bei vielen "Markenprodukten" üblichen) saudumm verklebten Kopf gegenüber. Also musste ich (mal wieder) mit mehr oder weniger Gewalt die Kopf-Verklebung aufbrechen, wie ich es schon bei meinem
Reparaturbericht zur Zanflare F1 beschrieben habe.
Das hat prinzipiell funktioniert, aber leider benutzt Thrunite einen ekelhaften, sehr spröden Kleber, der sich nach dem "Aufbrechen" und vor allem beim Abschrauben z.T. in feinen Staub verwandelt. Dieser Staub gelangt auch bei vorsichtiger und vorausschauender Arbeitsweise teilweise in den Reflektor...

Zwar konnte ich mit Druckluft einiges wegblasen, aber perfekt sauber wird der Reflektor nicht mehr.
Nun gut, im nächsten Schritt mussten noch die Zuleitungen zur LED-Platine abgelötet werden.
Nun dachte ich, ich könnte die Elektronik-Platine herausziehen - pustekuchen!
Selbstverständlich hat Thrunite das so nicht vorgesehen und die Elektronik völlig irrsinnigerweise beim Einbau mit einer Art Epoxid-Harz bestrichen, welches seitlich am Rand der runden Basisplatine etwas hervorquillt. Dadurch nimmt der Durchmesser der Platine nach dem Einbau zu und man kann die Platine nicht mehr einfach so herausziehen!
So ein Sch...!
Um das klar zu sagen: Dieses Epoxid-Harz befestigt die Platine nicht im Kopf, es hat keinen erkennbaren Nutzwert!
Sobald man die Zuleitungen zur LED-Platine von dieser abgelötet hat, klappert das Elektronik-Paket trotz des Epoxid-Harzes lose im Kopf herum, es lässt sich nur nicht (mehr) herausziehen.
Man kann zu dem Schluss kommen, dass bewusst Reparaturunfreundlichkeit in die Lampe eingebaut wurde.
Mit einem feinen, dünnen Skalpell, das gerade so in den Spalt zwischen Basisplatine und Kopfwandung passte, konnte ich in mühsamer Kleinarbeit Stückchen für Stückchen von dem blöden Epoxid-Harz abhobeln, abkratzen und abschlagen, Millimeterbruchteile nach und nach.
Nach 15 abgebrochenen Klingen und vielen, vielen Flüchen war es geschafft, die Elektronik war endlich draußen!
Hier sieht man die Elektronik
zu einem späteren Zeitpunkt, das weiße Zeug (blaue Pfeile) war ursprünglich dick rund um den weißen Ring aufgetragen und quoll seitlich um die Kante der Platine herum, hier sind nur noch wenige Reste zu sehen:
Ich konnte jetzt zwar schon das Problem halbwegs erkennen (
Whisker-Bildung), aber leider hatte Thrunite eine weitere Hürde eingebaut, aus welchen Gründen auch immer:
Die Elektronik war teilweise mit einer roten Silikon-Vergussmasse vollgeschmiert, die sich als sehr hartnäcking und zäh erwies.
Leider habe ich vergessen davon ein Foto zu machen, es war spät abends und ich hatte die Schn.... inzwischen sowieso gestrichen voll...
Nach einem zweitägigen Intensiv-Tauchbad in Dichlormethan war die Silikon-Vergussmasse ausreichend aufgeweicht und porös, so dass ich sie mit einer Bürste abschrubben konnte.
So sah die freigelegte Elektronik aus:
Überall dort, wo die roten Pfeile hinzeigen,
waren mehr oder weniger große Whisker zu sehen, die durch die vorherigen Behandlungsschritte jedoch inzwischen alle weg geschrubbt waren.
Aufgrund der sehr hohen Bauteiledichte können aber schon sehr kleine, kurze Whisker zu Fehlfunktionen führen.
Ich habe alle großen Lötstellen entlötet, die Bauteile und Lötflächen gereinigt und alles wieder mit bleihaltigem Lot neu verlötet. Außerdem habe ich den Rest der Elektronik mit einer rotierenden Perlon-Bürste "poliert", um ggf. noch vorhande Whisker-Reste und Kristallisationskeime möglichst weitgehend zu entfernen.
Die neu zusammengebaute Elektronik sah jetzt so aus, man beachte die jetzt glänzenden Lötpunkte wegen des bleihaltigen Lots:
Jetzt musste ich noch nur diese Teilesammlung wieder zusammenbasteln:
Die Lampe lief nach dem erneuten Zusammenbau wieder einwandfrei!
Das war jetzt schon die vierte oder fünfte Lampe innerhalb von ca. einem Jahr, die wegen Whisker-Bildung aufgrund des bleifreien Lots ausgefallen war/Fehlfunktionen zeigte.
Auch zeigte sich wieder einmal der unsägliche Hang - vor allem bei Markenherstellern - die Lampen zu verkleben
und/oder die Elektronik mit Vergussmassen zu überziehen.
Man kann natürlich einen gewissen Sinn in Vergussmassen auf der Elektronik zur Erhöhung der Schockresistenz sehen, nur dann muss man diese auch so auftragen, dass es hilft. Das war hier jedoch nicht der Fall, auch wenn's vielleicht die ursprüngliche Absicht gewesen sein mag.
Vielleicht besteht auf Herstellerseite auch wenig Interesse an möglichen Reparaturen der Lampen.
Interessanterweise sind oftmals die "Billighersteller" aus China (z.B. Convoy, Eagle Eye, HaikeLite, Zanflare) nicht so paranoid, ihre Elektronik in schlampiger Weise mit letztlich dadurch nutzlosen Klebe-/Vergussmassen zu überziehen, so dass deren Produkte vergleichsweise einfach zu reparieren sind.
Vielleicht kann jemand anders mit diesen Infos später mal was anfangen!