Review Nitecore EDC27

amaretto

Moderator
Teammitglied
12 August 2010
22.106
27.460
113
NRW
Der Hersteller hat gebeten, die neue Nitecore EDC27 hier vorzustellen. Es wird auf der Verpackung vollmundig der "Anfang der EDC-Taschenlampen-Revolution" versprochen. Das ist sicher dick aufgetragen, dennoch dürfte sie mit dem schon von Nitecore bekannten und hochinformativen OLED-Display, der flachen riegelförmigen Bauweise und ihrer kurzzeitigen Spitzenleistung von 3.000 Lumen eine nicht alltägliche Leuchte sein.




Nach den Leistungsdaten (cd-Werte) der Tabelle aus der Bedienungsanleitung kann man erkennen, dass die EDC27 ein flutiges Licht macht. Bei der Turbo-Stufe fehlt die Angabe zur Leuchtdauer. Hier ist darauf hinzuweisen, dass es nur ein Momentturbo (quasi eine "Lichthupe") für unter 10 Sekunden und keine feste Leuchtstufe ist. Ein kürzer werdender Leuchtbalken zeigt aktuell die Restleuchtdauer auf dieser Stufe an, ähnlich eines Countdowns.

Um etwaiger Kritik entgegenzuhalten:
eine längere Leuchtdauer mit 3.000 Lumen ist bei diesem filigranen Aufbau gar nicht möglich, denn wir haben hier eine Lampe und keinen Lötkolben. Die Beschränkung auf einen kurzen Zeitraum dient insofern dem Schutz vor Überhitzungsschäden am Gerät. Ein Trost: der Turbo lässt sich mehrmals aktivieren, wird aber bei schon heißer Lampe immer kürzer.

Bei der Stufe Hight mit 1.000 Lumen steht dort eindreiviertel Stunden als Leuchtdauer, da die Lampe beim Hersteller in einer Ulbrichtkugel (= ohne Kühlung) die Leistung wegen der Hitze herunterregelt. Im folgenden Test mit etwas Kühlung (finde ich praxisgerechter) wird die Leistung länger hoch gehalten, dafür halt nicht so lange.


sonstige Eigenschaften​

  • Emitter: 2* Luminus SST40 LED, kaltweiße Lichtfarbe, TIR-Optik​
  • OLED-Display für die Anzeige von gewählter Leuchtstufe, verbleibender Leuchtdauer und Restspannung​
  • integrierter 1.700 mAh Li-Io-Akku​
  • Aufladung per USB-C (PD-kompatibel)​
  • Bedienung über zwei Heckschalter​
  • Mode-Memory​
  • elektronischer Lockout​
  • Überhitzungsschutz​
  • Edelstahlgehäuse mit PVD-Titan-Beschichtung​
  • wasser- und staubdicht nach IP54​
  • Maße: 135,6 * 31,4 * 20,7 mm (L * B * H)​
  • Gewicht. 122 g inkl. Trageclip​
  • Preis voraussichtlich ca. 110 €​

Lieferumfang​

  • Nitecore EDC27 Taschenlampe mit integriertem Li-Io-Akku mit 1.700 mAh Kapazität
  • Lanyard und vormontierter Trageclip
  • USB-A/C Ladekabel
  • Bedienungsanleitung, Garantiekarte
Ein Holster ist nicht dabei.

Das Gehäuse besteht aus rostfreiem Stahl und ist mattschwarz bis dunkel-anthrazit PVD beschichtet. Nach meiner Recherche wird bei dieser Methode mit Unterdruck und Hitze eine dünne Schicht Titan auf das Stahlgehäuse aufgedampft. Sicher ein kostspieligeres Verfahren als anodisiertes Alu. Über die Haltbarkeit kann ich als Laie nichts sagen.

Das Display, die Optik vor den LEDs (Kunststoff), die USB-Abdeckung und die Abdeckkappe über dem Trageclip sind nicht aus Metall. Vor der LED-Optik und auf dem Display liegt bei Auslieferung eine Schutzfolie. Ich würde empfehlen, mindestens die über den LEDs zu entfernen. Wer das Display etwas vor Kratzern schützen möchte, kann die Folie auch darauf lassen.

Auf der Rückseite ist der große und stabile Edelstahl-Trageclip mit zwei Torx angeschraubt. Das Gehäuse wird im Übrigen ebenfalls mit noch kleineren Torx-Schrauben zusammengehalten.


Auf beiden Längsseiten ist die Oberfläche an je zwei Stellen mit einer griffigen Struktur (Knurling) versehen, um ein Entgleiten aus der Hand zu verhindern. Zusätzlich kann man als Sicherungsmaßnahme die mitgelieferte Fangschnur durch die Öse des Trageclips ziehen.






Das Zwei-Schalter-Konzept scheint gerade angesagt zu sein. Bei der EDC27 finde ich das System - anders als etwa bei A..beams P... - gut umgesetzt. Es ermöglicht neben der "normalen" Bedienung auch einen Direktzugriff auf Low, Turbo, Strobe und gespeicherte Stufe, die Anzeige der verfügbaren Restspannung sowie das elektronische Sperren der Lampe. Allein der "Mode"-Schalter ist für meinen Geschmack - auch wenn er plan eingelassen ist - etwas zu leicht auszulösen. In der Praxis würde ich daher die Lampe in der Hand so halten, dass der höherstehende und weniger sensible Power-Knopf in Richtung Daumen zeigt.




Gut gemacht: die Abdeckung des USB-Ports ist bündig ins Gehäuse eingelassen und aus weicherem Kunststoff. Es dürfte auszuschließen sein, dass man (wie oft bei anderen Lampen) daran hängen bleibt.


Die beiliegende dünnere Schnur dient als Einfädelhilfe für das dickere Lanyard.




Zwei SST40-LEDs sitzen hinter einer klaren TIR-Linse aus Kunststoff.


Größenvergleich


Tini2 oben und die große Schwester unten. Der Leistungsunterschied: 2.500 Lumen.


Bedienung​

Es empfiehlt sich zuerst einen Blick in die Bedienungsanleitung (oder in diesen Test) zu werfen. Dann hat man die Bedienung aber nach einer Minute verinnerlicht. Ohne die Anleitung hätte ich nicht so leicht herausbekommen, wie man die im Auslieferzustand aktive Einschaltsperre ausstellt. Beide Schalter sind Zwei-Wege-Schalter, d.h. man kann sie jeweils mit fühlbarem Widerstand bis zur Hälfte oder komplett durchdrücken für unterschiedliche Funktionen.

Power-Knopf
- von aus: kurz halb drücken = Akkustandsanzeige
- von aus: halb gedrückt halten = niedrigste Stufe Momentlicht (Ultralow 15 lm)
- von aus: ganz durchdrücken = Dauerlicht (Memory, startet in der zuletzt verwendeten regulären Stufe)
- wenn an: kurz halb drücken = Wechsel von dunkel zu hell
- wenn an: ganz durchdrücken = aus

Mode-Knopf
- halb gedrückt halten = Moment-Turbo (mit Countdown)
- ganz durchgedrückt halten = Moment-Strobe

Einschaltsperre
Bei Auslieferung ist die Lampe gesperrt, es gibt zwei unterschiedliche Lock-Outs:
Sperre 1 = Powerknopf ist blockiert, Turbo und Strobe über Mode-Schalter funktionieren noch
Sperre 2 = beide Schalter sind elektronisch gesperrt
- Entsperren = Powerknopf kurz halb drücken, loslassen und sofort wieder halb gedrückt halten
- Sperre 1 = bei eingeschalteter Lampe Powerknopf gedrückt halten, bis 1 erscheint
- Sperre 2 = wie vor aber länger gedrückt halten, bis 2 erscheint

Meines Erachtens macht die Sperre 1 wenig Sinn, da der relativ empfindliche Modus-Schalter immer noch aktiv ist. Sperre 2 ist daher für den Transport der Lampe etwa in der Hosentasche oder im Rucksack vorzuziehen.

Die mehrsprachige Bedienungsanleitung kann man auf der Herstellerhomepage als Pdf herunterladen.

Messungen​

Ich bin Laie mit Hobbyequipment, alle Messungen stellen nur Näherungswerte dar ohne Gewähr oder Anspruch auf Einhaltung irgendwelcher Messnormen.

Alle Messwerte sofort nach dem Einschalten abgelesen.
  • Lumenmessungen: Ceiling Bounce, mögliche Abweichung bei Flutern i.d.R. bis zu +/- 5-10%
  • Luxmessungen: Messdistanz 5 m mit entsprechender Umrechung auf 1 m
  • Laufzeitmessungen: mit Ventilatorkühlung
  • Strommessungen: Kleinströme mit DMM, höhere Ströme mit Zangenampèremeter
  • Farbtemperatur, Farbwiedergabeindex und PWM mit Opple Lightmaster Pro
Verwendete Geräte:
  • Lichtstrom 15 - 92 - 242 - 1.300 - 3.600 lm (sofort nach dem Einschalten) schnell fallend bis 3.200 lm
  • Lichtintensität 57 - 330 - 832 - 5.000 - 13.500 Lux
  • PWM nicht sichtbar (> 15 kHz in Superlow)
  • Strobe-Frequenz 20 Hz
  • Ladestrom 1,75 A / 5 V
  • Ladeschluss-Spannung laut Display 4,20 V
  • Endabschaltung bei 2,8 V
  • aufgeladene Kapazität (von 2,8 - 4,20 V) 1.714 mAh
Farbtemperatur: der Wert liegt leicht über der Schwarzwertkurve, könnte daher leicht grünlich sein


Laufzeittest mit vollem Akku auf zweithöchster Stufe (High, 1.000 lm) für die ersten 3-4 Minuten


Laufzeittest auf zweithöchster Stufe (High, 1.000 lm)


Laufzeittest auf mittlerer Leuchtstufe (200 lm)


Leuchtergebnis​

Die Form des Lichtkegels ist wegen der TIR-Optik nicht ganz kreisrund wie bei einer Lampe mit rundem Reflektor. In der Praxis ist das im Grunde irrelevant. Die Abstrahlung ist sehr breit, flutig und schön gleichmäßig. In den niedrigeren Leuchtstufen ist ein kaum merklicher Hauch von grün in der Lichtfarbe zu erahnen. Ich bin sehr empfindlich gegenüber grüner Lichtfarbe, aber selbst mich stört das nicht wirklich. Gleichwohl würde mir eine insgesamt wärmere Lichtfarbe besser gefallen. Erfreulicherweise ist der Tint Shift (Farbverschiebung) gering, die Farbtemperatur varriert innerhalb verschiedener Stellen des Lichtkegels in einem engen Bereich (5.700 - 5.900 K).




Fazit​

Die Nitecore EDC27 ist eine nicht ganz alltägliche Taschenlampe, das kann man sagen. Die Gehäuseform mag immer auch Geschmackssache sein, mir gefällt die ungewöhnliche Bauform. Viel Negatives fiel mir bei der Lampe nicht auf, hauptsächlich der nicht wechselbare Akku und die kühle Lichtfarbe. Mit der Bedienung kam ich gut klar, nur der Mode-Schalter geht mir zu leicht an. So habe ich mit dem Daumen, wenn der höhere Powerschalter vom Daumen abgewandt war, oft versehentlich den Turbo-Modus aktiviert. Ich fände es daher besser, wenn der Mode-Schalter entweder weiter im Gehäuse liegen würde oder weniger empfindlich wäre.

Das OLED-Display ist natürlich der Hit. Die Lampe spricht quasi mit dem Benutzer

Die Lichtqualität geht noch in Ordnung, obwohl das Licht relativ kalt und keine sonderlich hohe Farbtreue/Farbwiedergabeindex aufweist. Gleichwohl ist die Abstrahlung recht gleichmäßig und ohne störenden Tint Shift, daher würde ich als Note eine 3- vergeben.

Bezogen auf die Lichtleistung handelt es sich bei der EDC27 im Prinzip um eine solide Lampe der 1000-Lumenklasse mit der Option eines kurzzeitigen imposanten 3000-Lumen Burstmodus.

Dass dieses Modell aufgrund der Features nicht zum Ramschpreis zu haben ist, finde ich verständlich.

positiv
+ hochwertige Verarbeitung
+ kurzzeitig sehr hohe Leistung
+ gute Leistungsregelung
+ informatives OLED-Display
+ Bedienung / User Interface
+ wegrollsicher

verbesserungsfähig
- Akku nicht austauschbar
- Lichtfarbe könnte wärmer und farbechter sein
 
Zuletzt bearbeitet:

Maserbirke

Flashaholic**
10 Januar 2018
1.117
536
113
Danke für die Vorstellung, das ist mal was neues und schön flach. Der "haben-wollen" Reflex wurde durch den vermutlichen Preis von knapp 120 € doch etwas abgeschwächt.
 
  • Danke
Reaktionen: amaretto

Straight Flash

Flashaholic**
23 März 2018
3.836
2.383
113
Kassel
Danke für die Vorstellung, das ist mal was neues und schön flach. Der "haben-wollen" Reflex wurde durch den vermutlichen Preis von knapp 120 € doch etwas abgeschwächt.
Auch meine Meinung. Die im Review genannten Kritikpunkte finde ich berechtigt. Und für den Preis darf es auch ein Frontglas vor den Kunststofflinsen sein.
 

AdO089

Flashaholic*
4 Februar 2014
620
174
43
81545 München
Was ich bei Nitecore immer ein bisschen "billig" finde, ist das Display.
Ein gefühlt doppelt so großer Rahmen um das Display sieht aus wie Taschenrechner aus den 80ern.

Das es besser geht zeigt Lumintop, die zwar Nitecore kopieren, aber besser.
 
  • Danke
Reaktionen: Corbon und uluNote2

Corbon

Flashaholic**
29 Dezember 2017
3.595
2.538
113
Berlin
Määäääh, wieder Kaltweiß.
Mit 5000K oder besser weniger Kelvin, hätte ich durchaus überlegt, aber das Kaltweiß können die behalten.