Ich habe mir die Lampen heute genauer angeschaut. Aufgrund meiner aktuell generell begrenzten Zeit gibt es hier meine Eindrücke nur als wahllosen Text ohne genaue Gliederung. Bilder von den Lampen und den Verpackungen gibt es bereits in den vorangegangenen Berichten. Ich konzentriere mich auf Messungen und Details.
ACHTUNG: Ich gebe keine Gewähr auf sämtliche Messergebnisse. Alle Aussagen in diesem Text sind meine eigene Meinung und müssen nicht von jedem geteilt werden.
LEDs
- ZISCH: vermutlich Osram OSCONIQ P 3030 QSSPA1.PM
- Gravity 4: vermutlich Osram OSCONIQ P 3030 QSSPA1.PM
- Gravity 6: unbekannte LED ähnlich XHP50.2 (vmtl. keine originale Cree)
- Gravity 8: unbekannte LED ähnlich XHP70.2 (vmtl. keine originale Cree), genaueres und Kurztest der LED folgt im Teardown nach dem PA!
- Gravity 10: Osram OSCONIQ P 3737 PUSTA1.PM
Die unbekannten LEDs der Gravity 6 und 8 weisen extrem kalte Lichtfarbe auf, mit teilweise mehr als 16000 K (siehe Messwerte). Es sind sehr wahrscheinlich KEINE originalen Cree-Emitter, da das Design und die Struktur von Chips sowie Phosphor nicht zu dem einer XHP70.2 passt. Der CRI ist extrem niedrig.
Die Osram-LEDs sind ok und haben den üblichen weißen bis leicht grünlichen Tint bei 5700 bis 7000 K, was für Alltagsanwendungen völlig ausreicht.
Qualität:
Die Verpackung sieht wirklich aus wie mit KI erzeugt. Viel zu überfrachtet, mit vielen tollen Bildchen, aber mit teilweise wenig sinnvoll angeordneten Icons. Tipp: weniger ist mehr. Aber sie sind vom Feeling recht hochwertig und schützen die Lampe beim Versand gut.
Die Lampen an sich machen einen nicht sehr hochwertigen Eindruck. Die Anodisierung ist bei fast allen Lampen trotz der sehr wenigen Benutzung an den Kanten bereits sichtbar beschädigt, wie würden diese dann erst nach einiger Zeit aussehen... Die Wandstärken sind dünn, wobei die Gravity 4 da positiv heraussticht und sich erstaunlich solide anfühlt.
Die Linsen (und auch das Frontglas der ZISCH) sind aus Kunststoff, nicht aus Glas.
Der Batteriekäfig der Gravity 10 kommt mir in Bauweise und Design irgendwie bekannt vor… Ledlenser hat so ein ähnliches Design (Kontaktpins!) schon seit zig Jahren.
Die Schalter fühlen sich sehr billig an. Bei der Gravity 10 klemmte mehrfach der Schalter bei normaler Benutzung. Der Schalter der ZISCH produziert bei sanfter Berührung reproduzierbar flackerndes Licht (wohl schlechter Kontakt bzw. hohe Übergangswiderstände). Die Schalter der Gravity 4 und 6 fühlen sich noch am besten an. Für mich sind die Schalter aber definitiv der Teil, der vermutlich als erstes kaputt gehen wird.
Die Zoom-Mechanik ist zum Teil sehr schwergängig. Einhandbedienung ist bei der Gravity 10 nicht möglich, da viel zu schwergängig und viel zu wenig Grip am Lampenkopf. Teilweise quietscht diese sogar. Ohne Zweihand-Operation geht da nichts. Die Dauer bzw. die Umdrehungen für die Fokussierung ist viel zu lange, was irgendwann massiv anfängt zu nerven. Die anderen Lampen können mit einer Hand fokussiert werden.
Da keine Reflektorlinsen genutzt werden, geht bei Fokussierung extrem viel Licht in der Optik verloren und die Herstellerangaben werden dabei dann auch deutlich verfehlt. Zudem gibt es extrem unschöne Artefakte bzw. den Abdruck der LED-Leuchtfläche bei maximaler Fokussierung. „Windows 10“ wurde hier schon genannt: ja, passt. (Gravity 6 und 8)
Hier übrigens ein Vergleich zwischen den LEDs der Gravity 6 und einer Manker E05 II (6000 K):
Das ist blaues Licht wie man es sonst heutzutage nur noch selten sieht. Wow.
Der Reflektor der ZISCH hat eine deutlich sichtbare Delle. Sehr wahrscheinlich ist dieser Reflektor aus Kunststoff. Das Lichtbild der Zisch ist ok, aber die Delle ist halt deutlich erkennbar. Generell haben die Lampen viele kaum sichtbare optische Schönheitsfehler. Wird im Alltag nicht stören, aber für den Preis nicht wirklich angemessen.
Bei der Zisch kann man den Flaschenöffner-Teil abnehmen und die Lampe auch ohne benutzen. Aber das war wohl eine schlechte idee:
Den O-Ring konnte man wieder reinmachen, aber dennoch... soll das so?
Elektronik
Nur eingeschränkt bewertbar. Ein Laufzeitdiagramm und genauere Analyse anhand der Gravity 8 folgt nach dem PA.
Die Treiber haben auf den niedrigen Leuchtstufen extremes PWM. Mit teilweise unter 100 Hz (!) ist es mehr als deutlich sichtbar. Es fällt auch auf unebenen Flächen und ohne ruckartige Bewegungen auf. Die Gravity 10 hat selbst auf der höchsten Stufe noch PWM, wenn auch wegen dem Duty cycle kaum mehr sichtbar. Das ist die niedrigste Frequenz, die ich bei Taschenlampen je gesehen habe. Zum Vergleich: eine alte Ledlenser P7R von 2015 hat 250 Hz, und das fällt schon auf.
Und man hört das PWM auch. Kein Witz, wenn dunklere Oberflächen angestrahlt werden, kann man ein recht lautes tiefes Brummen wahrnehmen... auch das habe ich so noch nie in der Intensität wahrgenommen.
Beispiel Gravity 10:
(krass, 1 % Akku
)
Und ja, das sieht auf den Handy-Beamshotbildern der vorigen Berichte wirklich so extrem aus.
Mehr im Teardown, wo auch der Treiber genauer unter die Lupe genommen und die LED getestet sowie mit XHP70.2 verglichen wird. Sollte die verwendete LED eine XHP70.2 sein, wird die Kennlinie dies eindeutig zeigen. Das Design der verbauten LED steht dem aber klar entgegen. Ich habe die Vermutung, dass die Multi-Die Emitter der Gravity 6 und 8 3V-Emitter sind und somit kein Boost-Treiber verbaut ist. Der deutlich messbare Lichtstromabfall in den ersten 30 Sekunden deutet klar darauf hin (FET-basiert).
Positiv ist anzumerken, dass es keinerlei Blink-Modi gibt, und dass immer von der niedrigsten Leuchtstufe gestartet wird. Eigentlich wäre das für Nicht-Enthusiasten ideal. Allerdings sind die Leuchtstufen zum Teil extrem schlecht abgestuft. Teilweise sieht man quasi keinen Unterschied, und bei der Gravity 8 ist die niedrigste Leuchtstufe viel zu hell, mit über 400 Lumen (!!). Damit wurde jede Chance verspielt, die Gravity 8 irgendwo im Nahbereich einzusetzen – man würde sich nur selber blenden. Beim Blick in den Sicherungskasten oder beim Camping ist die Gravity 8 unbrauchbar. Die anderen Modelle sind da etwas besser, aber dennoch sind 137 bzw. 234 Lumen als niedrigste Stufe viel zu hell.
Ein 18650 mit 2200 mAh ist schon untere Kategorie in Sachen Kapazität. Da merkt man, dass der Preis über allem steht… und ein Datumscode von Oktober 2022 zeigt, dass der Akku schon etwas gealtert ist.
der 21700 mit 4800 mAh ist dagegen durchaus ok. Die Akkus sind austauschbar, indem man den Einsatz mit der Ladebuchse herausdreht. Dabei macht man sich aber sehr wahrscheinlich die Finger schmutzig, da die (kaum gefetteten) Gewinde direkt berührt werden. An sich eine nette Idee, aber nicht gut gelöst, und im Dunkeln (falls man vor Ort Akku wechseln will) definitiv nicht einfach umsetzbar.
Die Ladefunktion hat in meinem Test problemlos funktioniert. Wenn der Akku voll ist, schaltet die LED an der Buchse von rot auf Grün. Achtung: die Kabel fühlen sich in den USB-C Buchsen sehr wackelig an. Einmal anstecken und am besten nicht mehr anfassen.
Messwerte
Wie bereits erwähnt: ohne Gewähr. Ausrüstung und Messprinzip werden regelmäßig geprüft und Fehlerquellen eliminiert, aber Garantie gibt es keine.
| | defokussiert | fokussiert | PWM |
| Gravity 4 | Low 5 sek | 89* | | 177 Hz |
| LiIon 18350 | Mid 5 sek | 272* | | |
| intern geladen | High 5 sek | 717 | 304 | |
| High 30 sek. | 686 | 289 | |
| Gravity 6 | Low 5 sek | 137* | | 101 Hz |
| LiIon 18650 | Mid 5 sek | 560* | | |
| intern geladen | High 5 sek | 1588 | 741 | |
| High 30 sek. | 1494 | 695 | |
| Gravity 8 | Low 5 sek | 405* | | 105 Hz |
| LiIon 21700 | Mid 5 sek | 976* | | |
| intern geladen | High 5 sek | 1743 | 711 | |
| High 30 sek. | 1644 | 649 | |
| Gravity 10 | Low 5 sek | 234* | | |
| Ladda 1900 | Mid 5 sek | 437* | | |
| Vapcell S4+ 500 mA | High 5 sek | 1217 | 570 | |
| High 30 sek. | 1123 | 509 | |
| ZISCH | Low 5 | --- | 36* | 102 Hz |
| Ladda 1900 | High 5 sek | (Reflektor) | 91 | |
| Vapcell S4+ 500 mA | High 30 sek. | --- | 90 | |
* aufgrund der extrem niedrigen PWM-Frequenz nicht sicher messbar, das Messgerät zeigt teilweise schwankende Werte an. Es ist in diesem Fall der am längsten konstant erscheinende Wert angegeben. Bei den höchsten Leuchtstufen tritt dieser Effekt nicht auf.
Die Gravity 8 verfehlt die angegebenen 2100 Lumen deutlich. Die Gravity 6 dagegen hält die Angaben ein. Die Zisch erreicht nicht mal ansatzweise die angegebenen 150 Lumen, trotz vollem Eneloop, wobei dies am defekten (?) Schalter liegen kann.
Hier ein paar Spektren der Amafox-Lampen. Weitere Betrachtungen dabei spare ich mir. Die Gravity 6 kann wirklich bald als Laserschwert durchgehen, zumindest wenn man Blau präferiert. Witzigerweise ist der duv extrem negativ, was den R9 nach oben bringt. Die subjektive Farbwahrnehmung ist trotzdem nicht gut.
Fazit
Man merkt den Lampen die Entwicklung und die Herkunft an. Der Preis stand über allem. Und es ist schlussendlich so, wie ich vermutet habe.
Empfehlenswert sind sie nicht. Sie entsprechen letztlich dem typischen Lampen, den man bei Aliexpress oder Amazon kaufen kann. Der Preis für die einzelnen Modelle fällt zudem dafür recht hoch aus, deutsche Firma hin oder her. Die Qualität ist stark ausbaufähig, die Schalter wenig solide, und das Lichtbild ebenfalls stark verbesserungswürdig. Wenn keine originalen Cree XHP70.2 verbaut sind wäre dies ein weiterer Negativpunkt.
Selbst für Nicht-Enthusiasten sind diese Lampen kaum empfehlenswert, da diese nach kurzer Suche bereits günstigere Modelle bei Amazon mit genauso schneller Lieferung und ähnlicher Qualität und Machart dort vorfinden (teilweise auch stark rabattiert). Sonst sind Ledlenser und andere Marken auch in Discountern oder Baumärkten zu finden, mit zum Teil ähnlichen Preisen.
Danke an Amarock GmbH für das Zur-Verfügung-stellen der Lampen für diesen Passaround. Die Lampen gehen die kommenden Tage weiter zu
@Tiberius.