Sequre MSS12 – der Zwerg unter den T12 Lötstationen.

Palladin

Flashaholic*
22 Dezember 2010
382
506
93
Ich hatte das Review in einem anderen Thread bereits angedroht :grinsen:

Die T12 Stationen betrachte ich mal als bekannt. Es ist eine insbesondere im Hobbybereich ausgesprochen beliebte Station zu einem unschlagbar günstigen Preis/Leistungsverhältnis.
Ihr Vorteil liegt in den verwendeten aktiven Lötspitzen. Sie verwendet Spitzen die dem Hakko T12 bzw. baugleichen T15 Standard entsprechen. Diese sind ausgesprochen günstig und gut.

Die Sequre besticht durch minimalistische Abmessungen. Im Gegensatz zu den üblichen Minis verfügt sie neben dem obligaten 18-24V Anschluss via 2,5/5,5mm Hohlbuchse auch über einen USB-C PD3.0 Anschluss. Dies bietet daher auch die Gelegenheit, die Firmware upzudaten. Ich hab da momentan keine Zeit mich reinzuknien, ich hab auch kein Update gefunden, vielleicht kann aber ein anderer Forumit irgendwann seine Erfahrungen nachreichen :)


Auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole, nochmals das Gruppenbild zu Größeneinschätzung: VLNR: TS80P - Segure - Mini T12 - T12 - Weller - Ersa.
Im Vordergrund: 21700er.


Family4475.jpg

Zum Gewicht, ich hatte gerade nur eine grobe Briefwaage zur Hand, bitte nicht aufs Gramm festnageln:
TS80P: 22g ohne Spitze
Segure: 62g
Mini T12: 96g
T12: 361g
Weller: 1,9kg(!) – Ersa etwas weniger.

Noch ein paar Gruppenbilder:


Sequre4479.jpg
Sequre4482.jpg
Sequre4483.jpg
Sequre4486.jpg

Lieferumfang:
Das gute Stück kommt serienmäßig in einem winzigen Hardcase Mäppchen, mit Kolben, Spitzen, LIPO Adapterkabel, einer Kurzanleitung auf englisch und chinesisch, sowie der obligaten minimalistischen Ablage.

Sequre4499.jpg

Auf den ersten Blick macht die Station schon einen recht wertigen Eindruck.
Ganz an das Qualitätsniveau von MiniWare reicht sie nicht heran – trotzdem:
Im Vergleich zu den anderen T12 Stationen sticht sie deutlich hervor. Anodisierung und Passungen am Gehäuse sind auf einem ganz anderen Niveau.

Zum Kolben: Auch dieser wirkt deutlich wertiger. Endlich mal einer, der nicht nach „Rohr“ aussieht (obwohl er auch nichts anderes ist). Der Knickschutz passt endlich mal, lediglich die Abschlußschraube vorne wirkt etwas billig. Der Griffbereich ist zwar auch hier nichts anderes wie ein schnödes Stück Silikonschlauch, allerdings hat dieser eine samtige Oberfläche. Das fasst sich gar nicht mal schlecht an.:thumbsup:
Die Zuleitung ist merklich dünner wie sonst, dafür aber PVC. Da sie recht flexibel ist, ergibt sich hieraus in der Summe IMHO weder ein Vor- noch Nachteil.

Von oben nach unten: KSGER stainless – Sequre – TS80P

Sequre4498.jpg

Der Auszugswiederstand der Spitzen geht bei meinem Exemplar in Ordnung, der Wiederstand ist ein guter Kompromiss. Wer noch keinen T12 Kolben in der Hand gehalten hat: Die Spitzen werden grundsätzlich nur per Friktion gehalten. (die Gurken mit Schraubhülse lasse ich mal außen vor). Dies führt teilweise schon zu Extremen, die einer subtilen Nachbearbeitung bedürfen.
Kurzum: Das Teil liegt gut in der Hand und wirkt recht wertig.
Jetzt kommt aber noch das große aaaaber:
Die Spitzen ragen weit aus dem Kolben heraus, das entspricht einem „normalen“ Lötkolben – siehe Foto.
Für Grobes geht das in Ordnung, für Feinarbeiten ist das allerdings suboptimal. Da wäre eine wie bei der Konkurrenz deutlich tiefer versenkte Lötspitze von Vorteil.
Das ist IMHO jammerschade und wäre in Anbetracht der Tatsache daß es von dem Hersteller nur diesen einen Kolben gibt eigentlich ein kleiner Gau.

Eigentlich. Eigentlich kocht da nämlich jeder Hersteller sein eigenes Süppchen und belegt die Pins um, nimmt andere Stecker, etc… nur damit bloß niemand auf den Gedanken kommt einen fremden Kolben anzuschließen. Hier gilt grundsätzlich: Mischen impossible.
Eigentlich. Sequre war allerdings so gnädig, das Ksger Layout zu übernehmen – Bingo!
Damit steht einem das volle Sortiment dieses Herstellers zur Verfügung.
Somit ist dieser Malus behebbar wenn auch nicht umsonst. Meine persönliche Empfehlung ist die „handle 3“. Vorsicht, das ist momentan das 7. Modell in der oberen Reihe.

Kommen wir zur Station:
Der schrumpfungskur zum Opfer gefallen ist der Netzschalter. Das finde ich schade, wenn auch verständlich. Trotzdem: Irgendeinen fummeligen Winzling hätte man auch noch unterbringen können.
Glücklicherweise bleibt das Teil in der Standardeinstellung beim einstöpseln kalt, das sollte man im Menu auch tunlichst so lassen, sonst reicht u.U. eine winzige Netzschwankung um das Teil unkontrolliert losbrutzeln zu lassen.

Standfestigkeit: Da kann man bei dem Knirps nicht viel erwarten. Auf die üblichen „Gleiter“ (anders kann man die Standardfüße der Stationen nicht bezeichnen) wurde dankenswerterweise verzichtet.
Für ‚nen Quickie unterwegs geht es auch so. Unter meinen Minis habe ich EPDM Zellkautschuk (haftendes Moosgummi), bei dem Lütten bin ich noch einen Schritt weiter gegangen und habe ihm so ein halbes Haftpad vermacht. Passt :)

Der seitliche USB Anschluss: Das wirkt schon etwas improvisiert. Wer nicht gleich das Display um eine Watt-Anzeige am Kabel erweitern möchte, der schaue sich mal ggf. nach einem hochstromfähigen Winkeladapter um.

UI: Das hat mich positiv überrascht. Einfach und gut.:thumbup:
Ein- sowie ausgeschaltet wir der Kolben per Druck auf das Drehrad. Die Temperatur wird per Drehung eingestellt, das funzt sowohl an wie auch aus.
Was nicht jedermanns Sache sein dürfte: Die kleinste einstellbare Rastung beträgt 10 °C (wer will, kann sogar 50 ° einstellen) Das wird zwar generell überbewertet, trotzdem: In 5 ° Schritten die Temperatur ändern zu können fänd‘ ich schon schön.

Display: Ein Bild sagt mehr wie 1000 Worte:

Sequre4493.jpg

Das sind jetzt die Standardeinstellungen. Die Anzeige ist nicht verkehrt. Sie ist scharf, wobei die kleinen Zahlen auf Armlänge dem Sehvermögen schon einiges abverlangen.

Einstellungen: Ich geh da jetzt nicht gesondert auf jeden Punkt ein, das meiste ist Standard.
Beim einstöpseln sollte das gute Stück wie gesagt auf OFF bleiben, die Rastung zumindest auf 10 ° C verringert werden.
Ach ja, es gibt noch einen „PowerVolt“ Menüpunkt mit dem sich die Spannung um bis zu 5V steigern lassen soll. Nun, auf dem Display wird mehr angezeigt, auf die Leistung hat dies allerdings keinerlei Einfluss. Ich hab daher überhaupt keine Ahnung, wofür dies gut sein soll.

Apropos Leistung: Die angegebenen technischen Daten sind stimmig.
Von 25 ° auf 300 ° komme ich bei rund 20V in rund 14s – unabhängig ob Notebook Netzteil oder USB, bei 24V sind es nur noch ca. 10s.
Das geht in Ordnung, das entspricht den Werten der Minis.
Am Rande, der Vollständigkeit halber, weil ich eh grad am messen war:
Meine Ksger Station mit integriertem Netzteil schafft das in 7s.

Ein Fazit würde ich mir am liebten sparen, das muss jeder nach seinen persönlichen Bedürfnissen entscheiden.
Ich mag den Zwerg, ich steh halt auch auf Drehregler :) Nur einen anderen Kolben würde ich mir halt noch gönnen.

Im übrigen hab ich garantiert die Hälfte vergessen, daher bitte keine Scham nachzufragen.
 

Anhänge

  • Family4475.jpg
    Family4475.jpg
    426,5 KB · Aufrufe: 8
  • Family4475.jpg
    Family4475.jpg
    426,5 KB · Aufrufe: 7
  • Family4475.jpg
    Family4475.jpg
    426,5 KB · Aufrufe: 7

lumen

Flashaholic**
14 August 2011
1.061
472
83
Danke für die Vorstellung, ich habe noch eine alte Weller Lötstation mit An/Aus Schalter und einen Weller Gaslötkolben. :thumbup:
Da ich vielleicht 1-2 Mal im Jahr die Benötige habe ich bisher mich nicht weiter umgeschaut aber Krass was heutzutage machbar ist.
 

Palladin

Flashaholic*
22 Dezember 2010
382
506
93
Noch eine Kurze Ergänzung, ich hatte am Wochenende ausreichend Zeit, mich noch mal der Station ausführlich zu widmen:

Ich hatte erwähnt, daß die KSGER Lötkolben sich ebenfalls verwenden lassen.
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Die Aktivitätserkennung ist wohl nicht kompatibel.

Soll heißen: Die Station bekommt nicht mit, ob noch einer am werkeln ist oder auch nicht.
Daher drosselt die Sequre regelmäßig die Temperatur auf den eingestellten Standby Wert
(Der Hersteller nennt das irreführender Weise "Sleep" Modus, voreingestellt: 3 Minuten, 200°C)
ohne Rücksicht auf Verluste. Da wird man regelrecht kalt erwischt :haeh:.
Schütteln zum aufwecken funktioniert folglich ebenfalls nicht, die Station muß per Drehregler wieder zum Leben erweckt werden.

Das macht die KSGER Kolben zwar nicht unbrauchbar, aber man sollte es wissen.
Kurzbrutzler werden kaum tangiert, Langbrutzler sollten das Sleep Intervall halt verlängern.
Durch den Shortcut zu "kalt" bzw. "aufheizen" per simplen Stupser am Drehrad und der sehr schnellen Aufheizzeiten hat der "Schongang" ohnehin IMO an Bedeutung verloren.
 

Palladin

Flashaholic*
22 Dezember 2010
382
506
93
Wieso kann man hier eigentlich seine Posts nach kurzer Zeit nicht mehr editieren?
Das verhindert kleinere Änderungen/Anmerkungen oder Verbesserungen, und sei es nur die Beseitigung von ReschtreipVählern.

Wie denn auch immer, nur im Nachtrag:
Das ist mir anfangs gar nicht aufgefallen, meine sehr dezent brummende Arbeitsleuchte hatte es übertüncht.
Ganz hauchzart klickert die Station im Betrieb vor sich hin. PWM? 50Hz?
Wie gesagt, es ist sehr leise, nicht so ohrenbetäubend wie die Maant.
Otto-Normalo sollte dies nicht stören, es gibt aber auch akustische Puristen, für die dies ein K.O. Kriterium sein könnte.
 

Palladin

Flashaholic*
22 Dezember 2010
382
506
93
Au Backe, das ist gerade mal 8 Monate her, das kommt mir vor wie vor zehn Jahren.

Ich hab den Krempel gerade nicht zur Hand, meine Leihgabe ist _____etwas_____ :rolleyes: zäh im Rücklauf, deshalb nur aus dem Gedächtnis:

Du kannst grundsätzlich jeden KSGER Kolben verwenden, der erhältlich ist. Also ganz nach Deinem Geschmack. Daß der Bewegungssensor bei manchen KSGER Modellen schwächelt, interessiert Dich ja auch nicht, wie bereits oben erwähnt, funktioniert er eh mit der Sequre Station nicht.

Empfohlen hatte ich den Handle 3 (Ersatzlink) - in der unteren Reihe ganz links, mit Alu-Griff, der bietet IMHO das beste Preis/Leistungsverhältnis.

Zu den anderen Modellen:

- Die von Dir verlinkten Exemplare mit der wulstigen Grifffläche hab ich mir nie angetan, da müssen die Spitzen mit der sichtbaren Kontermutter fixiert werden, für mich ein No-Go.

- Das blaue Plastikmodell auf dem ersten Bild oben ist ergonomisch nicht verkehrt, bloß: Ich sage nur Plastik und Feingewinde -> sehr kurzlebig.

- Das Edelstahlmodell (auch oben auf meinem Vergleichsfoto) drunter wirkt recht wertig, die Ergonomie geht in Ordnung.
Negativpunkte für mich: Teuer und schwer. Letzteres ist ein sehr subjektiver Punkt. Ich hab da lieber einen Hauch von nix in der Hand, andere bevorzugen halt eher Masse, die ein Gefühl von Solidität ausstrahlt.

- Die zwei Mittleren kann man vergessen. Es ist der Carbon Griffbereich, der den Preis in die Höhe treibt. Bloß: Die Teile sind millimeterdick lackiert. Das wirkt in natura überhaupt nicht wertig und fasst sich zudem furchtbar an.

- Mittlerweile gibt es noch ein weiteres Modell in ABS (nicht auf diesem 1. Foto), "handle 8(S1)", das 4. in der oberen Reihe.
Das kam wohl erst "nach meiner Zeit" auf den Markt. Das sieht ganz verführerisch aus, bloß ich befürchte, der Griff ist genauso "haltbar" wie das blaue Plastik Elend.

HIH
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
113
Bielefeld, NRW
Ich vermute es ist Electronic Soldering Handle For DIY Soldering Station T12, "Color 3". aber sicher bin ich mir nicht.
Da ich selbst auch Intensivnutzer einer KSGER-Station mit alternativem Lötspitzenhalter bin:
Nimm keinen Halter aus deinem Link, die sind alle grottig, sowohl hinsichtlich Verarbeitung als auch Ergonomie.

Ich kann diesen Alu-Lötspitzenhalter sehr empfehlen, ich benutzen ihn seit mehreren Jahren und bin sehr zufrieden:
https://de.aliexpress.com/item/32901146265.html

Ja, er ist ungewöhnlich teuer, aber auch gut und langlebig.

Es gibt auch eine DIY-Version, die kostet dann nicht ganz so viel, aber dafür muss man das Teil dann auch selbst zusammenbauen:
https://de.aliexpress.com/item/32915913414.html (das dritte Set, SET2-5C, für derzeit rund 17 €)