Regelbarer Lötkolben JBC SL 2020

28 Februar 2019
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Hallo,

ich möchte in Zukunft Lötarbeiten mit einem Kolben mobil und stationär erledigen.
Dabei sind Fragen aufgetaucht, zu denen ich im Netz keine Antworten finde.
Zum Beispiel schreibt Conrad, dass Stationen die Temperatur schneller erreichen und besser halten als Kolben.
Stimmt das denn auch für JBC Netz-Kolben, die ja im Prinzinp das gleiche Spitzen-Heizverfahren haben wie die Kolben für JBC Stationen?
Gibt es, bis auf die einstellbare Temperatur, zwischen regelbaren Lötkolben (z.B. JBC SL 2020) und „normalen“ Kolben des gleichen Herstellers weitere technische Unterschiede? (z.B. schnellere Aufheiz-Zeit, genauere Temperaturführung o.ä.?)

Danke für Eure Antworten
Thomas
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
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Bielefeld, NRW
Zum Beispiel schreibt Conrad, dass Stationen die Temperatur schneller erreichen und besser halten als Kolben.
Stimmt das denn auch für JBC Netz-Kolben, die ja im Prinzinp das gleiche Spitzen-Heizverfahren haben wie die Kolben für JBC Stationen?
Wie schnell eine Lötspitze die gewünschte Temperatur erreicht, ist abhängig von der Heizleistung, angegeben in Watt. Bei gleicher Heizleistung und gleicher Lötspitzenbauart gibt es also folglich keine Unterschiede.

Auch der Wärmeübergang vom Heizelement auf die eigentliche Lötspitze spielt eine Rolle, dazu unten mehr.
Gibt es, bis auf die einstellbare Temperatur, zwischen regelbaren Lötkolben (z.B. JBC SL 2020) und „normalen“ Kolben des gleichen Herstellers weitere technische Unterschiede? (z.B. schnellere Aufheiz-Zeit, genauere Temperaturführung o.ä.?)
Das kommt auf die jeweiligen konkreten Modelle an.
Ich habe mich jetzt mal auf der JBC-Website umgesehen und bin nur wenig beeindruckt. Mir ist aufgefallen, dass viele schlankere Lötkolben erstaunlich geringe Heizleistungen von z.B. nur 25 Watt oder weniger haben.
Das reicht für viele Arbeiten mit nur etwas größeren Bauteilen schon nicht mehr aus!
Auch finde ich die lange Aufheizzeit des JBC SL 2020 auf 300 °C von 40 Sekunden grottenlahm. Das gilt generell für viele Lötkolben von JBC, die heizen irre langsam auf, völlig unzeitgemäß.

Ich persönlich rate auch eher von Konstruktionen ab, bei denen Lötspitze und Heizelement getrennte Bauteile sind. Zwar ist dann die Lötspitze günstig, aber der Wärmeübergang vom Heizelement auf die Lötspitze ist oft nicht optimal, vor allem, wenn die Dinger älter werden.

Konzeptionell gute Lösungen vereinen die Lötspitze und das Heizelement gleich untrennbar in einem Bauteil (z.B. Weller RT, Hakko T12), dann ist der Wärmeübergang optimal und auch mit relativ wenig Leistung ist das Löten sehr gut und angenehm möglich, auch bei größeren Bauteilen.
Zusätzlicher positiver Nebeneffekt ist eine präzisere Temperaturkontrolle und oft eine enorm kurze Anheizzeit.

Ich persönlich würde zu einer Lötstation raten und da gibt es durchaus Modelle, die man stationär per Netzteil und mobil per Akku versorgen kann.
Und selber bauen kann man so etwas notfalls sogar auch, da gibt es ein Projekt, das hier ausführlichst besprochen und vorgestellt wurde.
Mein Eigenbau nach dieser Anleitung schafft es von Zimmertemperatur auf 300 °C in rund 5 Sekunden!

Eine sehr kompakte Variante einer Lötstation ist der TS100-Lötkolben, quasi ein Lötkolben mit den Funktionen einer Lötstation, bei dem nur noch das Netzteil (oder die Powerbank) extern sind, alles andere steckt im Kolben.
Für die TS100-Modelle gibt es sogar eine alternative Firmware mit mehr/besseren Funktionen.
Hier beschreibt jemand seine Eindrücke von dem TS100-System.

Ich habe jetzt mal ein paar Fragen an dich:
- Möchtest du beruflich oder privat damit arbeiten?
- Was möchtest du eigentlich löten? Elektronik? SMD oder THT? Elektrik? Sonst etwas?
- Hast du schon Erfahrungen, falls welche?
- Wie bist du auf JBC gekommen? Bist du offen für Alternativen?
- Wieviel gedenkst du auszugeben?
 
Zuletzt bearbeitet:

Nicobrosi

Flashaholic**
24 Oktober 2018
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Den ts100 nutze ich auch und kann ihn uneingeschränkt empfehlen, ich habe die Alternative Firmware installiert und sie bietet durchaus bessere Bedienbarkeit und mehr Funktionen.
Der ts100 ist eine vollwertige mobile lötstation mit ausreichend Leistung für viele Aufgaben, ich nutze ihn unterwegs mit einem 18v werkzeugakku und zuhause am Netzteil wo er 60watt bereitstellt, am Akku sind es etwa 30watt.
Beim mobilen Betrieb finde ich die Abschaltung bei leeren Akku genial, das schützt die Zellen...
 
  • Danke
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28 Februar 2019
21
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Danke für die schnellen und ausführlichen Antworten.

Die Antworten auf steidelmicks Fragen:
- beruflich oder privates Löten? Ich löte privat
- Was wird gelötet? Eigentlicher Anschaffungsgrund: ich muß am Controller meines eBikes Litzen ab- und neue wieder anlöten. Eher eine feine Arbeit. Allerdings übe ich grad schon mit einer geliehenen Station an Schrottplatinen und einem Übungs-Set von Conrad. Die Sache macht mir Spaß und ich möchte das Thema vertiefen. Hauptsache wird sicher das einfache Löten auf Platinen sein. Mobiles Löten wäre aber noch gut, falls sich das Ganze an unzugänglichen Teilen abspielt (was aber, zugegebenermaßen, eher selten der Fall sein dürfte) Suche also eigentlich für den Löt-Anfänger die eierlegende Wollmilchsau, wobei mir bewußt ist, dass ich damit Kompromisse eingehen werde.
- Erfahrung? S.o.
- Warum JBC? Alternativen denkbar? Hatte in einem anderen Thread über JCB Gutes gelesen. Alternativen aber immer denkbar.
- finanzieller Rahmen? Ca. 100 bis 150€. Lieber einen guten bis sehr guten Netz-Kolben eines renommierten Herstellers als eine mittelmäßige Station. Haltbarkeit ist mir sehr wichtig!

Für den TS 100 scheint es sehr gute Gründe zu geben, hat mir aber zu viele Möglichkeiten (wenn Ihr versteht, was ich meine: was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen)
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
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Bielefeld, NRW
- finanzieller Rahmen? Ca. 100 bis 150€. Lieber einen guten bis sehr guten Netz-Kolben eines renommierten Herstellers als eine mittelmäßige Station. Haltbarkeit ist mir sehr wichtig!
Ich verstehe zwar den Ansatz, aber in deinem Preisrahmen bekommst du bei den bekannten Markenherstellern wie Weller, Ersa, JBC oder Hakko entweder keine Stationen oder ziemlichen Mist.
Einen normalen Lötkolben kannst du bei Elektronik vergessen, ohne Temperaturregelung wird das auf Dauer nur Murks.

Da du Anfänger bist und wenig Erfahrung hast und da du die Station privat verwenden würdest, würde ich eher auf ein Produkt setzen, dass dir nicht gleich die Lust am Löten vermiest, auch wenn es günstig ist und aus China kommt. Nicht alles von dort ist Schrott...

Zu geringe Heizleistung, lahme Hitzenachführung oder schlechter Wärmeübergang zwischen Heizelement und Spitze machen Löten mit leistungsschwachen bzw. schlecht konzipierten Stationen zu einer Qual.

Ein Bekannter von mir wollte sich auch eine Lötstation kaufen und hatte sich bei Conrad, Pollin, Reichelt etc. diverse Produkte bis 100 € angesehen. Ich fand die alle nicht überzeugend, weil immer Heizelement mit Temperaturfühler und Lötspitze getrennte Bauteile waren.
Erfahrungsgemäß ist dort der Wärmeübergang vom Heizelement auf die Lötspitze schlecht, die Aufheizzeiten sind lang, die Hitzenachführung zu schwach, das Löten macht auf Dauer keinen Spaß.

Ich habe ihm dann - nach ewig langer Diskussion - dieses Produkt aus China vorgestellt.
Warum die?
Die Station selbst ist eine chinesische Entwicklung, die aber technisch ganz überzeugend war, außerdem sind Ersatzteile leicht zu bekommen.
Vor allem werden Lötspitzen benutzt, die dem Hakko-T12-System entsprechen.
Dort ist die Lötspitze inkl. Heizelement und Temperaturfühler eine feste Einheit, was sich in exzellenter Hitzenachführung und kurzen Aufheizzeiten zeigt. Von Raumtemperatur auf 300 °C kommt man - je nach Lötspitzenbauform - in 8 - 10 Sekunden.
Lötspitzen gibt es in enorm vielen Bauformen, je nach Bedarf und auszuführender Arbeit, und teuer sind die auch nicht.

Anfangs fand er die vielen Menüoptionen verwirrend, aber nachdem ich ihm bei den Grundeinstellungen geholfen hatte, musste er das auch nie wieder aufrufen. Jetzt benutzt er sie einfach nur noch und ist sehr zufrieden.
Ich habe auch mal spaßeshalber einige Dinge damit gelötet und ich war ziemlich angetan.

Ich will dir das Teil nicht aufquatschen, aber du kannst ja mal drüber nachdenken.
 
28 Februar 2019
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Danke nochmal für Deine ausführlichen Bemerkungen, steidlmick und Deine Tipps.
(wobei ich für Weller RT-Spitzen was zwischen 25 und 50€ gefunden habe, das finde ich schon recht anspruchsvoll . . . :eek:)

Kann mir vielleicht noch jemand einen Unterschied erklären?
Der ungeregelte Kolben heizt also einfach immer volle Lotte mit seinen 25, 45 oder 60 Watt oder was auch immer, wobei von der Konzeption der Spitze abhängt, was an Hitze in der Spitze ankommt. Richtig?
Bei geregelten Kolben kann ich noch die eingesetzte Leistung verändern, auch hier hängt von der Bauart ab, was an der Spitze ankommt? Oder gibt es noch einen Regelkreislauf, der die Temperatur an der Spitze mißt und steuert?

Was kann denn dann die Lötstation mehr als ein geregelter Kolben?
 

Nicobrosi

Flashaholic**
24 Oktober 2018
2.091
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Ein geregelter Lötkolben begrenzt im einfachsten Fall die max Temperatur, eine lötstation bzw. Kolben mit integrierter Steuerung halten unter anderem die vorgegebene Temperatur die der Nutzer einstellt
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
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Bielefeld, NRW
wobei ich für Weller RT-Spitzen was zwischen 25 und 50€ gefunden habe, das finde ich schon recht anspruchsvoll . . . :eek:
Ja, günstig ist das nicht! Allerdings halten dafür die RT-Spitzen von Weller auch ewig lange.
Das System richtet sich an Profis, sowohl hinsichtlich Qualität und Haltbarkeit, aber aber auch hinsichtlich der Preise.
Der ungeregelte Kolben heizt also einfach immer volle Lotte mit seinen 25, 45 oder 60 Watt oder was auch immer, wobei von der Konzeption der Spitze abhängt, was an Hitze in der Spitze ankommt. Richtig?
Ja, so ungefähr.
Es gibt keine Temperaturkontrolle und keine Temperaturregelung, je nach Laufzeit nimmt die Spitze eine bestimmte Temperatur an und je nach Heizleistung kann eine bestimmte Bauteilgröße verlötet werden.

Mit einem Lötkolben, der z.B. 25 Watt Heizleistung hat, kann man keine größeren Teile, dicke Kabel oder dicke Stecker löten, die Bauteile würden die Hitze schneller aufnehmen, als sie der Lötkolben mit seiner mickrigen Heizleistung nachliefern könnte.
Auf der anderen Seite wäre ein 80-Watt-Lötkolben für feine Kabel oder Elektronik in der Regel zu schnell viel zu heiß und würde Schäden verursachen.

Man bräuchte einen ganzen Zoo von verschiedenen Lötkolben, um verschiedene Dinge löten zu können.
Bei geregelten Kolben kann ich noch die eingesetzte Leistung verändern, auch hier hängt von der Bauart ab, was an der Spitze ankommt? Oder gibt es noch einen Regelkreislauf, der die Temperatur an der Spitze mißt und steuert?
Bei einem geregelten System, egal ob Station oder Kolben, steckt in der Spitze (bei den besseren Modellen) oder im Heizelement (bei den einfachen Systemen) ein Temperaturfühler.
Dadurch gibt es eine Rückmeldung von der Spitze und das Gesamtsystem kann eine voreingestellte Temperatur halten. Die Bauart/-form der Spitze ist hier egal.

Durch den Regelkreislauf kann die Heizleistung ohne Gefahr sehr groß ausfallen. Ist die vorgewählte Temperatur erreicht, dann wird der "Leistungsnachschub" so angepasst, dass die gewünschte Temperatur gehalten wird.
Weil meistens eine hohe Heizleistung zur Verfügung steht oder weil die Energiedichte groß ist (Heizelement sehr dicht an der Spitze), ist die Leistungs- und Temperaturregelung sehr schnell und präzise.
Das ermöglicht sehr schnelles Aufheizen und sehr schnelles Nachheizen beim Löten.
Was kann denn dann die Lötstation mehr als ein geregelter Kolben?
Das kommt letztlich auf die Konstruktion/Bauart/Auslegung der Station und des geregelten Lötkolbens an.

Aber eigentlich können beide bei entsprechender Auslegung nahezu die gleichen Dinge.
Nehmen wir mal wieder das bereits erwähnte Beispiel des TS100-Lötkolbens von zuvor. Mit der frei verfügbaren alternativen Ralim-Software kann der eigentlich all das, was auch eine moderne digitale Lötstation kann.
Allerdings muss man dafür entweder einen potenten Akku oder ein externes Netzteil mitschleppen. Auch ist die Heizleistung begrenzt.

Eine ähnlich ausgelegte Lötstation verlagert quasi "das Gehirn" zurück in die Station (zusammen mit dem Netzteil), so dass das Handstück letztlich nur noch ein simpler Lötspitzenhalter ist.
Das hat ergonomische Vorteile, wenn man länger löten muss, in ungünstigen Positionen oder sehr filigrane Teile. In solchen Fällen muss man wenig Gewicht in der Hand halten, weshalb diese weniger ermüdet/verkrampft.
Smartphone-Reparaturwerkstätten würden daher wohl eher ein Weller RT-System verwenden statt eines TS100.

Ich persönlich weiß die ergonomische Vorteile einer Lötstation zu schätzen und würde immer zu einer Station statt zu einem Lötkolben greifen. Ich finde zwar die Idee hinter dem TS100 sehr schön und auch die Umsetzung gelungen, vollends überzeugen konnte mich das jedoch nicht.

Und um noch auf den von dir erwähnten JBC SL2020 zurückzukommen:
Der vereint die schlechten Dinge beider Seiten. Er paart niedrige Heizleitung mit getrenntem Heizelement und Spitze, hat eine grottenlahme Aufheizzeit, ist wenig ergonomisch und für die mickrige Leistung sehr teuer.
 
28 Februar 2019
21
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Danke!
Um aus Deinen Antworten in diesem Thread dann ein komplettes Einsteiger-Kompendium zu machen :), die (vorerst) letzte Frage zu den technischen Grundlagen von Lötgerät:
Als Unterschiede zwischen einer digitalen (d) und einer analogen (a) Lötstation habe ich für mich ausgemacht:
- Einstellung Drehknopf (a) vs. Druckknopf (d)
- Display (d) vs. Skala am Drehkkopf (a)
- vllt noch die Möglichkeit, bei (d) bestimmte Temperaturen abzuspeichern um sie nicht immer einzeln ansteuern zu müssen.

Aber in der Steuerung der Heizung (Station liefert Strom und regelt Temperatur) ändert sich nichts, oder?

Was würdest Du denn als brauchbare Lötstation (d oder a) eines rennomierten Herstellers nennen?
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
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Bielefeld, NRW
Um aus Deinen Antworten in diesem Thread dann ein komplettes Einsteiger-Kompendium zu machen :),
Warum nicht?
Das kann ja auch für andere später mal von Interesse sein. Frage also gerne so viel du möchtest.
Als Unterschiede zwischen einer digitalen (d) und einer analogen (a) Lötstation habe ich für mich ausgemacht:
- Einstellung Drehknopf (a) vs. Druckknopf (d)
- Display (d) vs. Skala am Drehkkopf (a)
- vllt noch die Möglichkeit, bei (d) bestimmte Temperaturen abzuspeichern um sie nicht immer einzeln ansteuern zu müssen.
Im Prinzip kann man das so zusammenfassen.
Aber in der Steuerung der Heizung (Station liefert Strom und regelt Temperatur) ändert sich nichts, oder?
Im Grundsatz eher nicht, nein.

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Was würdest Du denn als brauchbare Lötstation (d oder a) eines rennomierten Herstellers nennen?
Ich verstehe grundsätzlich deinen Zielkonflikt.
Du hättest gerne eine langlebige und hochwertige Lötstation oder einen entsprechenden Lötkolben, soweit völlig nachvollziehbar.

Nun gibt es da mit JBC, Ersa oder Weller Hersteller, die sehr gute und langlebige Systeme im Programm haben und deren Produkte professionell eingesetzt werden. Auf diesen Produkten gründet der (berechtigte) gute Ruf.
Sie sind aber auch sehr teuer! Eine Profi-Lötstation kann mehrere hunderte oder gar tausende Euro kosten.

Daher bieten diese Hersteller auch einfachere Einsteiger-Produkte an, die nicht so gut und flexibel wie eine Profi-Station sind, aber immer noch viel Geld kosten.

Das Einsteiger-Gerät von JBC ist die analoge JBC BT-2BWA und selbst die beginnt bei 270 €.
Die digitalen Stationen kosten mit Lötspitzen ab rund 400 €, z.B. die JBC CD-2BE.
Die dazu passenden C245-Lötspitzen kosten pro Stück ab ca. 23 €.
Die JBC setzt auch bei den Einsteiger-Stationen auf topaktuelle Technik und geht keine faulen Kompromisse ein, weshalb sie ziemlich teuer sind. Dafür sind sie auch sehr gut.

Von Weller gibt es die WE1010 oder von Ersa die RDS80 für rund 150 - 180 €. Zwar solide, aber auch sehr einfache Ausführung.
Die Lötspitzen werden indirekt beheizt (Heizelement und Temperaturfühler getrennt von Lötspitze), die Aufheizzeit ist recht lang, rund 35 - 40 Sek. auf 300 - 350 °C, ähnlich träge ist die Hitzenachführung, alles nicht gerade aktueller Stand der Technik.
Zum Vergleich:
Eine Weller RT-Spitze braucht von 50°C auf 350°C rund 5 Sekunden, die erwähnten JBC-Geräte ebenfalls, das ist schon ein Unterschied.

Ist es sinnvoll für 150 - 180 € eine Marken-Lötstation zu kaufen, nur weil der Markenname drauf steht, auch wenn die dort benutzte Technik als veraltet und suboptimal gelten kann?
Diese Frage kannst nur du dir beantworten...

Ich empfehle ausdrücklich keine der günstigen Stationen (abgesehen von JBC), sondern stelle sie lediglich vor. Mir persönlich wären sie einfach nicht fortschrittlich genug.
Da würde ich für das Geld eher eine technisch fortschrittliche Station chinesischer Fertigung kaufen.

Ich denke man kann leicht erkennen, dass ich ein Fan direkt beheizter Lötspitzen bin, wie sie beispielsweise bei Weller RT, Hakko T12 oder JBC C245 verwendet werden. Daher bin ich vermutlich nicht ganz objektiv.
Blitzschnelles Aufheizen, schnelle Hitzenachführung, es macht einfach mehr Spaß damit zu löten und läuft auch viel flüssiger und unproblematischer ab.
Nachteil ist, dass die Spitzen eher teuer sind, denn Heizelement und Temperaturfühler sind ja immer in jeder Spitze enthalten. Allerdings sind sie auch ziemlich langlebig.

Ich möchte die günstigen Marken-Stationen mit indirekt beheizten Lötspitzen nicht unnötig schlechtreden, die machen ja auch, was sie sollen. Nur kann mich so eine ältere Technik heute nicht mehr überzeugen.
 
Zuletzt bearbeitet:

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
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Bielefeld, NRW
Ich will das mal einwerfen und bin auf die Reaktionen gespannt... ;)
Na ja, tut was sie soll, ist aber eben so eine typische 08/15-China-Station ohne besondere Fähigkeiten und vor allem mit indirekter Lötspitzen-Heizung und eher bescheidener Haltbarkeit des Heizelements, ohne Standby-Funktion, schlampige Verarbeitung, you get what you pay for.

Ich hatte so etwas vor vielen Jahren auch mal, für das Geld gerade noch OK, mehr nicht.

Es ist wie immer eine Frage des persönlichen Anspruchs.
Besser als ein ungeregelter Lötkolben ist so etwas schon, nur liegen zwischen so etwas und einer JBC-Station Welten.
 
  • Danke
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toddl1985

Stammgast
26 November 2017
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Interessanter Thread, denn ich ich will mir auch bald eine neue Lötstation kaufen.

@steidlmick
Vielleicht kannst du bestätigen, ob ich alles richtig verstanden habe:
Eine einfache Lötstation hat eine Heizung und einen Temperatursensor und darauf wird die Lötspitze gesteckt?
Weil die Lötspitze nur auf die Heizung gesteckt wird, wird erreicht die Hitze die Lötspitze nicht so gut?
Bei den guten Lötstationen ist die Heizung mit dem Temperatursensor fest verbunden mit der Lötspitze?
Richtig so?
Der Unterschied ist doch nicht so groß, warum sind die guten Stationen so viel teurer?

Und was hat es mit diesem "Hakko-T12-System" auf sich?
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
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Bielefeld, NRW
Eine einfache Lötstation hat eine Heizung und einen Temperatursensor und darauf wird die Lötspitze gesteckt?
Ja, das Heizelement ist ein Widerstandsdraht, der auf einem Keramikkörper aufgewickelt ist und mit einer weiteren Keramikschicht ummantelt wird. Das sieht dann in etwa so aus.
In dem Keramikkörper befindet sich vorne ein Thermoelement, das als Temperaturfühler dient.
Der Keramikkörper selbst steckt dann noch in einem dünnen Metallröhrchen, auf welches die Lötspitze aufgesteckt wird.
Weil die Lötspitze nur auf die Heizung gesteckt wird, wird erreicht die Hitze die Lötspitze nicht so gut?
Man hat bei einer Konstruktion wie zuvor beschrieben prinzipbedingt viele Übergänge/Luftspalte, vom Heizdraht auf den Keramikkörper, vom Keramikkörper auf das äußere Metall-Hüllrohr und vom Metall-Hüllrohr auf die Lötspitze.
Selbst wenn das alles mit geringer Toleranz hergestellt ist und sehr fest ineinander sitzt, sind die Übergangspunkte/Luftspalte vorhanden und sorgen für suboptimale Wärmeübertragung.

Es ist also nicht nur die steckbare Lötspitze alleine, sondern die Gesamtkonstruktion. Man nennt das häufig indirekte beheizte Lötspitze.
Bei den guten Lötstationen ist die Heizung mit dem Temperatursensor fest verbunden mit der Lötspitze?
Die Lötstation ist eigentlich zweitrangig, es geht um den Aufbau der Lötspitze.

Bei den direkt beheizten Lötspitzen ist der Aufbau nicht prinzipiell anders, nur ist dort alles fest miteinander verbunden.
Hier hat jemand eine JBC-Spitze aufgesägt, wo man das halbwegs erkennen kann.

Dadurch, dass alle Bauteile ohne Luftspalte fest verbunden sind, ist der Wärmeübergang optimal. Die Lötspitze ist keine reine Spitze mehr, sondern eher eine steckbare Kartusche, an deren Ende nur die elektrischen Kontakte herausragen.

Technisch ganz ähnlich sind auch die Lötspitzen/Kartuschen bei Weller RT oder Hakko T12/T15 aufgebaut.
Das Handstück (der "Lötkolben") ist bei diesen Systemen nur ein einfacher Halter für die Lötspitzen/Kartuschen, mehr nicht.

Da jedoch in jeder Lötspitze immer Heizelement und Thermoelement fest eingebaut sind, sind diese Kartuschen teurer, halten bei pfleglichem Gebrauch aber Jahre.
Der Unterschied ist doch nicht so groß, warum sind die guten Stationen so viel teurer?
Ist der hohe Preis für die Lötstationen gerechtfertigt?
Technisch betrachtet nicht.
Man zahlt eher für den Namen, Verarbeitungsqualität, für Software-Entwicklung, Support bei professionellem Gebrauch usw., für Privatanwender alles oft weniger relevant.

Eine Lötstation selbst ist nicht besonders komplex aufgebaut.
Bei Weller, JBC oder Hakko ist da nur ein dicker Trafo drin und dann noch etwas Elektronik, die das Thermoelement abfragt und entsprechend der gemessenen Temperatur und der eingestellten Soll-Temperatur die Leistung reguliert.

Das ist technisch so banal, dass es viele DIY-Projekte gibt, die auf die Lötspitzen/Kartuschen von z.B. Weller oder JBC oder eben Hakko ausgelegt sind.
Man baut also quasi die Station selbst und betreibt damit dann die Lötspitzen/Kartuschen der Markenhersteller.

Ich selbst habe auch zwei Selbstbau-Stationen für Weller RT-Spitzen, gebaut nach den Infos in diesem Thread.
Alternativ gibt es noch das ähnliche Projekt Maiskolben THT, ebenfalls für Weller RT-Spitzen.
Und was hat es mit diesem "Hakko-T12-System" auf sich?
Hakko ist ein japanischer Hersteller professioneller Löttechnik.
Deren Lötspitzen/Kartuschen mit direkter Beheizung werden T12 oder T15 genannt, vergleichbar zu RT bei Weller oder C245 bei JBC.

Da Hakko als japanische Marke vor allem im asiatischen und pazifischen Raum bekannt und verbreitet ist, hat man in China schnell Nachbauten der T12-Spitzen auf den Markt gebracht.
Diese chinesischen T12-Spitzen unterscheiden sich hinsichtlich Löteigenschaften, Heizleistung und Aufheizzeit nicht von den Originalen, kosten jedoch meistens nur 3-4 US-$.
Sie halten wohl nur ca. halb so lange wie die originalen Hakko-Spitzen, aber aufgrund der günstigen Preise sind sie gerade für preisbewusste Privatnutzer dennoch sehr interessant.
Man findet aber auch chinesische Nachbau-Lötspitzen für JBCs C245-System.


Und vielleicht ist es bisher nicht richtig klar geworden:
Mir persönlich ist der Hersteller der Lötstation egal, mir geht es um das Prinzip der direkt beheizten Lötspitzen mit ihren kurzen Aufheizzeiten und guter Hitzenachführung beim Löten.
Eine gut konstruierte chinesische Lötstation mit direkt beheizten Spitzen ist meiner Erfahrung nach angenehmer zu verwenden als eine "Einsteiger-Lötstation" eines Markenherstellers ohne direkt beheizte Spitzen, gerade wenn man noch wenig Erfahrung hat und/oder viel lötet.
 

toddl1985

Stammgast
26 November 2017
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Vielen Dank für die ausführlichen Informationen!
Jetzt verstehe ich, warum ich mit meiner Lötstation oft solche Probleme hatte. Die Lötspitze war heiß, die Temperatur stimmte laut Anzeige, aber wenn ich damit gelötet habe, dann wirkte es so, als ob die Temperatur irgendwie in sich zusammensackte.

Noch eine Frage zu dem TS100-Lötkolben: Benutzt der die moderne direkte Heizung oder die alte indirekte Heizung?
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
113
Bielefeld, NRW
Die Lötspitze war heiß, die Temperatur stimmte laut Anzeige, aber wenn ich damit gelötet habe, dann wirkte es so, als ob die Temperatur irgendwie in sich zusammensackte.
Ja, das ist ganz typisch für schlecht gemachte Lötkolben/Lötstationen mit indirekt beheizter Spitze.

Wenn dann noch die Spaltmaße an den kritischen Stellen zu groß sind, dann dauert es, bis ausreichend Hitze "nachgeschoben" werden kann.
Praktisch zeigt sich dass dann oft darin, dass das Lot breiig wird und stockt und man das Gefühl bekommt, als würde die Hitze der Lötspitze regelrecht "verpuffen".

Darf ich annehmen, dass es irgendeine dieser typischen einfachen chinesischen Lötstationen war? ZD-931, ZD-937 oder ähnliche?
Noch eine Frage zu dem TS100-Lötkolben: Benutzt der die moderne direkte Heizung oder die alte indirekte Heizung?
Der TS100 basiert technisch auf dem Hakko-T12-System und verwendet daher eine zeitgemäße direkte Lötspitzenheizung.

Im Prinzip ist das eine Lötstation, bei der man das "Gehirn" in das Griffstück verlagert hat.
Technisch finde ich es gut gelungen und vor allem mit der alternativen Ralim-Firmware/IronOS ist das Gerät sehr leistungsstark.

Nicht so gut finde ich aber die Ergonomie (Gewicht, Schwerpunkt, Oberflächentextur) und bevorzuge daher Lötstationen, welche Spitzen mit direkter Beheizung verwenden.

Hier gibt es einen guten Thread, in dem der TS100-Lötkolben vorgestellt wird.
 
  • Danke
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toddl1985

Stammgast
26 November 2017
50
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Danke nochmal!
Würde es sich wohl lohnen eine Station von JBC zu kaufen? Irgendwie reizt mich die Technik, ist aber viel Geld.
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
113
Bielefeld, NRW
Würde es sich wohl lohnen eine Station von JBC zu kaufen? Irgendwie reizt mich die Technik, ist aber viel Geld.
Für privaten Gebrauch? Schwierig zu beurteilen...

Ja, die JBC-Stationen sind sehr gut und gut verarbeitet, gutes Werkzeug ist immer von Vorteil. Aber ich bezweifle, dass sich 350 - 400 € für Gelegenheitslöter wirklich lohnen würden, dazu noch mind. 16 - 17 € pro Lötspitze, teilweise auch deutlich mehr.

Prinzipiell die gleiche grundlegende Technik bekommst du mit der KSGER T12 direkt aus China von Banggood für rund 60 € inkl. Versand und mit drei Lötspitzen.
Das ist eine chinesische Adaption von Hakkos T12-System, mit direkt beheizter Lötspitze.
Wenn du nicht in China kaufen möchtest, dann gibt es die Station auch (mit weniger Spitzen) bei Amazon.de, zwar eine ältere Hardware-Variante, aber das spielt praktisch keine Rolle.

Natürlich liegt so etwas nicht auf dem Qualitäts- und Verarbeitungsniveau einer JBC-Station, aber dafür spart man auch eine Menge Geld und bekommt dennoch eine ordentliche Lötstation mit direkt beheizten Lötspitzen.
 
Zuletzt bearbeitet:

toddl1985

Stammgast
26 November 2017
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Stimmt, wäre für Hobby, also privat. Ich muss das mal in Ruhe überdenken, bin hin- und hergerissen.
Ist diese China-T12-Station wirklich o.k. oder ägere ich mich später drüber?
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
6.316
5.439
113
Bielefeld, NRW
Ist diese China-T12-Station wirklich o.k. oder ägere ich mich später drüber?
Wie soll ich das beantworten?
Für das Geld ist die Station wirklich gut und überzeugend, aber nicht perfekt.
Wenn man berücksichtigt, dass die weit verbreiteten Anfänger-Lötstation ZD-931 oder ZD-937 aber auch schon 40 - 50 € kosten, dann ist die KSGER T12-Station erheblich besser, aber nicht so viel teurer.

Ich schreibe dir später mal etwas mehr an persönlichen Eindrücken und Tipps per PN, das soll hier nicht unnötig ausarten.
 
  • Danke
Reaktionen: Nagonka und toddl1985
28 Februar 2019
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Die von steidlmick favorisierte, direkt spitzenbeheizte und -gemessene Lösung war mir, bis auf die chinesische, dann doch zu teuer und ich habe mich für einen hoffentlich vernünftigen Kompromiss eines renommierten Herstellers entschieden.
The winner is . . . :) der temperaturgeregelte Ersa Multi-TC mit 75 W für 135€. Zwar leidet auch er unter einer, für steidlmick sicher gähnend langen, Aufheiz-Zeit von 40 Sekunden, ich hoffe allerdings, dass dann die Hitzenachführung im Prozess ausreichend ist.
Mich hat die beworbene universelle Anwendungsmöglichkeit, die doch recht hohe Leistung und die Mobilität eines Handkolbens überzeugt.

Mal schauen, was er bringt!

@all: danke für Eure Zeit, vor allem steidlmick mit seinen sehr ausführlichen, ausgewogenen und sachlichen Informationen!
Merci!
 
Zuletzt bearbeitet:

Nagonka

Flashaholic**
24 November 2016
1.564
468
83
Ja schade dass auf solche wertevollen Tips eines sehr erfahrenen Mitgliedes nicht immer gehört wird...
 

Rodge

Flashaholic*
2 September 2019
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Dafür sage ich @steidlmick auch mal danke!
Leider brauche ich im Moment keine Lötstation, aber das lesen hat Lust gemacht... :verliebt:
Ich hatte jetzt nach dem Lesen jedenfalls auf jeden Fall ein Modell mit direkt beheizter spite bevorzugt.
Ich habe seit fast 20 Jahren eine Ersa RDS 80. Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass es die immer noch zu kaufen gibt.
Die Temperaturnachführung könnte besser sein, die Ergonomie vom Lötkolben finde ich ganz gut.
Leider löte ich zu wenig um über etwas Neues nachzudenken.

Wobei ich nun doch heute glaube ich mal in den Keller gehen muss, und wenigstens einmal wieder kein klein wenig zu löten ;)
 
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steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
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Bielefeld, NRW
Danke an alle für den Zuspruch, aber mich stört's jetzt nicht so sehr.
Auch wenn sich der TE für ein Produkt entschieden hat, dass außer einem Markennamen keine bedeutsamen Alleinstellungsmerkmale hat, ist das ja seine Entscheidung, es ist ja auch sein Geld.

Ich sehe es so, dass meine Ausführungen vielleicht später auch mal anderen Nutzern helfen können und damit nicht "verschwendet" sind.

Ich habe seit fast 20 Jahren eine Ersa RDS 80. Ich war sehr erstaunt zu lesen, dass es die immer noch zu kaufen gibt.
Die Temperaturnachführung könnte besser sein, die Ergonomie vom Lötkolben finde ich ganz gut.
Die RDS 80 ist kein Totalausfall und war vor 20 Jahren OK und ist auch heute noch OK. Nur eben mit dem technischen Stand von vor 20 Jahren zu einem immer noch stolzen Preis.

Heute würde ich sie niemandem mehr empfehlen.
Die "guten" Marken wie Weller, JBC oder Ersa haben ihren guten Ruf daher, dass deren teure Lötstationen oft im gewerblichen Bereich eingesetzt werden. Dort ist der Preis für den Käufer weniger relevant, da stehen andere Faktoren im Vordergrund.
Die hochwertigen Geräte für den gewerblichen Bereich haben ihren Ruf zu Recht erworben, die gute Technik und Verarbeitung spiegelt sich jedoch auch im happigen Preis wieder.

Bei Ersa und Weller jedoch möchte man auch im Hobby- und Anfänger-Segment präsent sein und dazu (im Vergleich zu gewerblich einsetzbaren Geräten) günstigere Geräte anbieten.
Leider merkt man das den Geräten auch an...
 
Zuletzt bearbeitet:
28 Februar 2019
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Manchmal frage ich mich, warum wir uns hier so viel Mühe mit den Ratschlägen geben. Danke an @steidlmick für seine große Geduld und die detaillierten Infos!
„Wir“? Von Dir habe ich, bis auf diesen einen, eher sachfremden und wenig zielführende Kommentar, hier in diesem Thread noch nichts gelesen. Insofern finde ich es etwas seltsam von Dir, Dich mit diesem “wir“ auf das gleiche Roß zu schwingen wie der sehr hilfsbereite, sachbezogene und kompetente steidlmick (der im Übrigen weniger beleidigt über meine Kaufentscheidung zu sein scheint als Du)

Ich muß die Entscheidung natürlich nicht rechtfertigen, möchte sie aber für eventuell nachfolgende Leser noch einmal darlegen.
Die von steidlmick favorisierten Geräte sind, bis auf eins, sehr, sehr teuer und lohnen für mich die Anschaffung nicht.
Das eine Gerät gefällt mir einfach nicht. Das hat damit zu tun, dass ich prinzipiell ein „weniger ist mehr“ - Typ bin. Denn was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen. Zudem ist es mir zu günstig, die Bewertungen bei Amazon, was auch immer man von den Rezensenten halten mag, durchwachsen.
Deswegen habe ich mich statt für eine Lösung mit sicher guter und schneller, aber sehr teurer in die Spitze integrierter Heizung und Messfühler, für ein Modell entschieden, dass auf althergebrachte Weise regelt und heizt.
Außerdem paßt es besser zum Arbeitsplatz, zur Unterbringungsmöglichkeit und zu den Anforderungen, die im allgemeinen stelle.
Ganz falsch kann ich bei meinem eher geringen Lötaufkommen im Jahr damit nicht liegen.
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
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Ganz falsch kann ich bei meinem eher geringen Lötaufkommen im Jahr damit nicht liegen.
Das wirst nur du beurteilen können, wenn du mit deiner Neuerwerbung aktiv arbeitest.

Letztlich ist es immer eine Frage der Vergleichbarkeit. Wenn jemand Erfahrung mit billigen Lötstationen in der 40 - 50 € Preisregion hat, dann ist der Ersa-Lötkolben voraussichtlich gleichwertig oder bestenfalls sogar etwas besser.
Wer jedoch schon mit Lötsystemen mit direkt beheizter Spitze gearbeitet hat, empfindet das sicher als spürbaren Rückschritt für zu viel Geld.
Denn was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen.
Ich fürchte, dass du damit bei Löttechnik nicht ganz richtig liegst.
Bei den Lötstationen mit vielen Funktionen sind diese ja nicht durch zusätzliche Hardware realisiert, sondern lediglich freigeschaltete Software-Optionen.

Und beispielsweise hat man bei Weller mit dem Sparzwang bei deren günstigen Stationen eher das Gegenteil erreicht.
Weller verzichtet bei der WE1010 Lötstation z.B. auf eine primärseitige Sicherung!
Zwar kann damit die Sicherung nicht kaputtgehen, aber dafür der Rest. Ob das nun der richtige Weg ist...
 

SammysHP

Flashaholic**
6 Oktober 2019
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„Wir“? Von Dir habe ich, bis auf diesen einen, eher sachfremden und wenig zielführende Kommentar, hier in diesem Thread noch nichts gelesen. Insofern finde ich es etwas seltsam von Dir, Dich mit diesem “wir“ auf das gleiche Roß zu schwingen wie der sehr hilfsbereite, sachbezogene und kompetente steidlmick (der im Übrigen weniger beleidigt über meine Kaufentscheidung zu sein scheint als Du)
Mit "wir" meinte ich das Forum und seine Kaufberatungen im Allgemeinen. Es kommt halt immer wieder vor, dass Leute sich ausführlich beraten lassen und sich dann letztendlich für etwas entscheiden, das überhaupt nicht vorgeschlagen oder von dem sogar abgeraten wurde. Ich möchte das nicht unbedingt "beratungsresistent" nennen, aber es gab von den Ratsuchenden zumindest gewisse Vorstellungen und man hatte sich eigentlich schon festgelegt, wollte nur eine Bestätigung.

Dein gewählter Kolben ist sicher kein Müll, aber für die Funktion völlig überteuert und für deine Anwendungsfälle möglicherweise auch nicht wirklich geeignet. Aber letztendlich ist das natürlich deine Entscheidung.

PS: Auf jeden Fall direkt beheizte Spitzen! Die schnelle Aufheizzeit und der vergleichsweise geringe Temperatureinbruch sind in der Praxis enorm hilfreich. Der ganze Rest (Sonderfunktionen, komplexe Menüs und Voreinstellungen) ist dann mehr Spielerei und Bequemlichkeit.
 
28 Februar 2019
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Hey SammysHP, naja, jetzt ist er bestellt und ich werde ihn mit der 80€-Station von Toolcraft vergleichen, die ich mir geliehen habe.
Wenn der Thread dann noch nicht zu weit unten ist, hole ich ihn zu einem Vergleich (soweit ich mit meinen geringen Kenntnissen dazu etwas sagen kann) von Kolben und Station noch mal nach oben.
Beratungsresistent bin ich eher nicht und würde sofort beheizte Spitzen kaufen, wenn es abseits des von Euch empfohlenen Gerätes noch andere Lösungen in meinem Preisrahmen gäbe, denn steidlmicks Argumentation macht ja Sinn!
Was meinst Du noch mit dem „PS“? Bezogen jetzt auf die chinesische Station?


Steidlmick hat ein Thema aufgeworfen, das hier in diesem Thread noch nicht zur Sprache gekommen ist und vielleicht auch für andere interessant ist: Qualitäts- und technische Unterschiede zwischen billigeren und teureren Lötstationen ohne direkt geheizte Spitze (dbS).
Ich verstehe den ERSA-Kolben nach Deinen Antworten oben von der Funktion her ja quasi als „Lötstation ohne Station“: wir haben eine temperaturgeregelte Spitze mit Stromversorgung und Regelung, nur eben im Kolben selber statt in einer externen Station.
Was ist denn dann technisch so schlecht an einem hochwertigen regelbaren Kolben, dass er „nur“ auf dem Niveau einer sehr günstigen Station spielt? (die Frage ist nicht polemisch, mich interessiert das Thema)
Und welche technischen Unterschiede siehst Du denn grundsätzlich bei teureren und günstigeren Stationen, beide ohne dbS?
Ich würde da im ersten Schritt einmal eine genauere Verarbeitung mit geringeren Spaltmaßen (besserem Wärmetransport) vermuten.
Sonst noch etwas? (abgesehen von wahrsch. hochwertigen Materialien für Gehäuse, Kabeln etc)
 

Kabukimann

Flashaholic**
9 Oktober 2019
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Berlin
@Tomikay

Ich muss leider zugeben, dass ich absoluter Löt-Laie bin. Aber ich denke, dass so ein Lötkolben vielleicht etwas schwerer ist als eine Lötspitze ohne viel Elektronik, deren Lötstation "bequem" abgestellt steht.

Deshalb kann ich mir vorstellen, dass das in der Handhabung einen fühlbaren Unterschied macht, gerade wenn man "sauber" und präzise arbeiten will oder gar muss. Mit weniger Gewicht bleibt die Hand eventuell ruhiger.

Ist ein Lötkolben nicht vielleicht auch geringfügig unhandlicher als eine Lötspitze, wenn es um feine Arbeiten geht? Kann das von den Produktbildern her schlecht einschätzen.

Wie gesagt, ich bin totaler Laie, also bitte auch so einordnen. Würde mich aber auch tatsächlich interessieren, ob ich mit der Vorstellung falsch liege.
 

steidlmick

Flashaholic***
15 August 2012
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Bielefeld, NRW
naja, jetzt ist er bestellt und ich werde ihn mit der 80€-Station von Toolcraft vergleichen, die ich mir geliehen habe.
Das würde mich mal interessieren, wie du die beiden im Vergleich bewertest, denn richtig schlecht sind die Toolcraft-Stationen nicht, auch wenn sie noch die alte Beheizungs-Methode verwenden.
Ich verstehe den ERSA-Kolben nach Deinen Antworten oben von der Funktion her ja quasi als „Lötstation ohne Station“: wir haben eine temperaturgeregelte Spitze mit Stromversorgung und Regelung, nur eben im Kolben selber statt in einer externen Station.
Im Prinzip ist das wie eine analoge Lötstation, allerdings mit Nachteilen.
Was ist denn dann technisch so schlecht an einem hochwertigen regelbaren Kolben, dass er „nur“ auf dem Niveau einer sehr günstigen Station spielt? (die Frage ist nicht polemisch, mich interessiert das Thema)
Ein Nachteil ist der direkte Anschluss an Netzspannung und das aus Sicherheitsgründen erforderliche eher steife und unergonomisch schwere Kabel.
Eine Lötstation verwendet dagegen ein Netzteil/einen Trafo und betreibt den eigentlichen Lötkolben mit Niederspannung (oft 24V, manchmal auch 12V).
Dadurch sind die Sicherheitsanforderungen an das Kabel geringer und dieses kann dünner und oft viel flexibler ausfallen.

Wegen des direkten Netzanschlusses ist auch die Regelung der Temperatur schwieriger und nicht so exakt.

Es sind nicht so sehr die technischen Unterschiede, sondern die Unterschiede bei Handhabung und Ergonomie, gerade bei sehr feinen Arbeiten an SMD-Bauteilen.
Wenn man nur Kabel verlöten möchte, ist es wohl letztlich egal. Aber das geht auch mit einem Lötkolben von Aldi oder Lidl oder - für den Außeneinsatz ohne Strom - mit einem Gaslötkolben.
Und welche technischen Unterschiede siehst Du denn grundsätzlich bei teureren und günstigeren Stationen, beide ohne dbS?
Echte technische Unterschiede im engeren Sinn gibt es quasi nicht. Eine Lötstation ist etwas ziemlich banales ohne besonderen technischen Anspruch.
Nehmen wir mal zwei konkrete Modelle als Beispiel:
- Weller WE1010 als Beispiel eines Einsteiger-Modells einer teuren Marke, ohne dbS
- ZD-937 als Beispiel einer günstigen und verbreiteten China-Station, ohne dbS

Beide verwenden einen Wechselspannungstrafo, der 230 V Netzspannung in 24 V Betriebsspannung umwandelt, beiden haben indirekt beheizte Lötspitzen, beiden haben ein Display, das die Soll- und Ist-Temperatur anzeigt, bei beiden wird die Temperatur über Tasten eingestellt.
Meiner Erfahrung nach sind sogar die Spaltmaße zwischen Heizelement und Lötspitze ähnlich.

Unterschiede:
- Weller WE1010 hat 70 Watt Heizleistung, keine vorwählbaren Temperaturen, verfügt über Standby-Funktion, hat keine Primärsicherung!
- ZD-937 hat 48 Watt Heizleistung, drei vorwählbare Temperaturen, keine Standby-Funktion, verfügt über Primärsicherung.

Ansonsten finden sich Unterschiede eher bei der Verarbeitungsqualität, der Materialauswahl, dem Support, der Ersatzteilversorgung und der Anzahl verfügbarer Lötspitzentypen und (vermutlich) bei der Lebensdauer des Heizelements.
 
  • Danke
Reaktionen: Kabukimann
28 Februar 2019
21
2
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So, ich habe mich letzten Endes dann doch der „Stimme der Vernunft“ gebeugt. Gezogen hat das Argument des besseren Handlings wegen dünneren Kabels und geringeren Gewichtes. Der Ersa Kolben ist storniert, die chinesische Station (siehe weiter oben im Thread) bestellt und auch schon im Haus.
Thematisch ist dieser Thread für mich damit durch, im Weiteren würde es für mich jetzt um Spezifika der Werse - Station gehen. Dafür mache ich dann ein neues Thema auf.
Danke an steidlmick.