Eine einfache Lötstation hat eine Heizung und einen Temperatursensor und darauf wird die Lötspitze gesteckt?
Ja, das Heizelement ist ein Widerstandsdraht, der auf einem Keramikkörper aufgewickelt ist und mit einer weiteren Keramikschicht ummantelt wird.
Das sieht dann in etwa so aus.
In dem Keramikkörper befindet sich vorne ein Thermoelement, das als Temperaturfühler dient.
Der Keramikkörper selbst steckt dann noch
in einem dünnen Metallröhrchen, auf welches die Lötspitze aufgesteckt wird.
Weil die Lötspitze nur auf die Heizung gesteckt wird, wird erreicht die Hitze die Lötspitze nicht so gut?
Man hat bei einer Konstruktion wie zuvor beschrieben prinzipbedingt viele Übergänge/Luftspalte, vom Heizdraht auf den Keramikkörper, vom Keramikkörper auf das äußere Metall-Hüllrohr und vom Metall-Hüllrohr auf die Lötspitze.
Selbst wenn das alles mit geringer Toleranz hergestellt ist und sehr fest ineinander sitzt, sind die Übergangspunkte/Luftspalte vorhanden und sorgen für suboptimale Wärmeübertragung.
Es ist also nicht nur die steckbare Lötspitze alleine, sondern die Gesamtkonstruktion. Man nennt das häufig indirekte beheizte Lötspitze.
Bei den guten Lötstationen ist die Heizung mit dem Temperatursensor fest verbunden mit der Lötspitze?
Die Lötstation ist eigentlich zweitrangig, es geht um den Aufbau der Lötspitze.
Bei den direkt beheizten Lötspitzen ist der Aufbau nicht prinzipiell anders, nur ist dort alles fest miteinander verbunden.
Hier hat jemand eine JBC-Spitze aufgesägt, wo man das halbwegs erkennen kann.
Dadurch, dass alle Bauteile ohne Luftspalte fest verbunden sind, ist der Wärmeübergang optimal. Die Lötspitze ist keine reine Spitze mehr, sondern
eher eine steckbare Kartusche, an deren Ende nur die elektrischen Kontakte herausragen.
Technisch ganz ähnlich sind auch die Lötspitzen/Kartuschen bei
Weller RT oder
Hakko T12/T15 aufgebaut.
Das Handstück (der "Lötkolben") ist bei diesen Systemen nur ein einfacher Halter für die Lötspitzen/Kartuschen, mehr nicht.
Da jedoch in jeder Lötspitze immer Heizelement und Thermoelement fest eingebaut sind, sind diese Kartuschen teurer, halten bei pfleglichem Gebrauch aber Jahre.
Der Unterschied ist doch nicht so groß, warum sind die guten Stationen so viel teurer?
Ist der hohe Preis für die Lötstationen gerechtfertigt?
Technisch betrachtet nicht.
Man zahlt eher für den Namen, Verarbeitungsqualität, für Software-Entwicklung, Support bei professionellem Gebrauch usw., für Privatanwender alles oft weniger relevant.
Eine Lötstation selbst ist nicht besonders komplex aufgebaut.
Bei Weller, JBC oder Hakko ist da nur ein dicker Trafo drin und dann noch etwas Elektronik, die das Thermoelement abfragt und entsprechend der gemessenen Temperatur und der eingestellten Soll-Temperatur die Leistung reguliert.
Das ist technisch so banal, dass es viele DIY-Projekte gibt, die auf die Lötspitzen/Kartuschen von z.B. Weller oder JBC oder eben Hakko ausgelegt sind.
Man baut also quasi die Station selbst und betreibt damit dann die Lötspitzen/Kartuschen der Markenhersteller.
Ich selbst habe auch zwei Selbstbau-Stationen für Weller RT-Spitzen, gebaut nach den Infos
in diesem Thread.
Alternativ gibt es noch
das ähnliche Projekt Maiskolben THT, ebenfalls für Weller RT-Spitzen.
Und was hat es mit diesem "Hakko-T12-System" auf sich?
Hakko ist ein japanischer Hersteller professioneller Löttechnik.
Deren Lötspitzen/Kartuschen mit direkter Beheizung werden T12 oder T15 genannt, vergleichbar zu RT bei Weller oder C245 bei JBC.
Da Hakko als japanische Marke vor allem im asiatischen und pazifischen Raum bekannt und verbreitet ist, hat man in China schnell Nachbauten der T12-Spitzen auf den Markt gebracht.
Diese chinesischen T12-Spitzen unterscheiden sich hinsichtlich Löteigenschaften, Heizleistung und Aufheizzeit nicht von den Originalen, kosten jedoch meistens nur 3-4 US-$.
Sie halten wohl nur ca. halb so lange wie die originalen Hakko-Spitzen, aber aufgrund der günstigen Preise sind sie gerade für preisbewusste Privatnutzer dennoch sehr interessant.
Man findet aber auch chinesische Nachbau-Lötspitzen für JBCs C245-System.
Und vielleicht ist es bisher nicht richtig klar geworden:
Mir persönlich ist der Hersteller der Lötstation egal, mir geht es um das Prinzip der direkt beheizten Lötspitzen mit ihren kurzen Aufheizzeiten und guter Hitzenachführung beim Löten.
Eine gut konstruierte chinesische Lötstation mit direkt beheizten Spitzen ist meiner Erfahrung nach angenehmer zu verwenden als eine "Einsteiger-Lötstation" eines Markenherstellers ohne direkt beheizte Spitzen, gerade wenn man noch wenig Erfahrung hat und/oder viel lötet.