Vor einigen Wochen sprach mich ein Bekannter an, ob ich in seinem Nakamichi Verstärker aus den 70er Jahren nicht mal die Kondensatoren tauschen könnte, das Geräte würde nicht mehr so gut klingen.
Ich dachte mir "ja, schön, nach so vielen Jahren mal im erlernten Beruf zu spielen... ein bischen Praxis tut immer gut". Also gleich mal ausgemacht, daß ich da reinschaue, aber auch gleich vorgewarnt, wenn es die Netzteilelkos sind, könnte es was größeres werden.
Glücklicherweise hatte mein Bekannter auch die passenden Serviceunterlagen für das Gerät.
So harrte ich da der Dinge, ward glücklich und zufrieden... dann kam das Teil und ich öffnete es...
Es handelt sich um einen Nakamichi 620. Eine Endstufe mit 100W, die von Nakamichi zwischen etwa 1976 und 1980 gebaut wurde. Inzwischen sind die Teile aus der Nakamichi System-One Reihe, wozu auch der 620 gehört im High-End Bereich durchaus noch beliebt, wie ich sehe, liegt der Gebrauchtpreis auch heute noch um die 700€.
Ein paar Daten:
Stromverbrauch: max 700VA
Leistung: 2x100 Watt Sinusleistung
Klirrfaktor (bzw. THD): unter 0,005%
Intermodulationsverzerrung: unter 0,002%
Frequenzgang: 5-100000 Hz
Störabstand: besser als 120dB
Das Gerät hat nur ein paar Lampen als Anzeige: Peak Power, einstellbar für 1,5,25,50 Watt.
3 ICs (für die Peak Power-Anzeige), 46 Transistoren, 41 Dioden. 12,5 Kg Gewicht. Mit Ringkerntrafo und dazu passender Einschaltstrombegrenzung.
Für das System-One gibt es ein Rack, in dem alle Komponenten zu einem schönen Turm zusammengebaut werden:
Nakamichi 482 reparatie
In dem Bild auf dieser Webseite befindet sich ein 620 Amp ganz unten im Rack (das Gerät mit den großen Kühlrippen). Direkt darüber befindet sich ein 610 Preamplifier, das Gerät sollte ich später dann auch noch in die Hände bekommen.
Beim Öffnen des 610 bot sich mir folgendes Bild:
Die beiden Elkos des Netzteils hatten es offenbar schon hinter sich. Die Überhitzung der Leiterplatte gab mir auch zu denken, obwohl der Verstärker meßtechnisch in Ordnung zu sein schien. Ich konnte einen Klirrfaktor <0,1% messen (mehr geht mit dem einfachen Oszilloskop nicht).
Was mir dann noch sehr seltsam vorkam, war das hier:
SO schließt man den Schutzleiter des Netzkabels eigentlich nicht an. Hat hier etwa jemand am Gerät rumgefummelt? Ein offener Kabelschuh der einfach mit einer (brünierten *wääh*) Befestigungsschraube eines anderen Gehäuseteils angeschraubt wurde.
Noch machte ich mir bzgl. des Kabels aber keine weiteren Gedanken, ich ging davon aus, das war vor 40 Jahren vom Hersteller so gemacht worden.
Also erstmal die Elkos tauschen. Für kleines Geld fand ich einen einigermaßen passenden Ersatz für die Siebelkos:
Betonung auf "einigermaßen". Spannung, Kapazität etc. sind gleich, einzig die Mechanik ist anders. Im Original wird die Masse über eine direkt an den Fahnen angeschraubte Schiene hergestellt. Auch haben die Befestigungsringe einen anderen Durchmesser. Hier entschloss ich mich dann ein bischen mit Blech zu basteln.
Zuerst die Befestigung. 1mm dickes Blech sollte reichen. Ja, ich weiß, nicht schön gearbeitet, aber für diesen Zweck ausreichend. Bin ja diesbezüglich auch nur als Nachrichtengerätemechaniker ausgebildet (und mit einem Mal wurde mir klar, warum Blechbearbeitung damals überhaupt Teil der Ausbildung war, schließlich sollte ich ja Elektroniker werden).
Heute aber mangelt es an der Werkstatt mit passenden Werkzeugen. Habe nur einen Blechknabber und ein paar Bohrgeräte.
Als nächstes kamen an die Schraubanschlüsse ein paar Winkel - diesmal 0,7mm Blech. Dann noch anschrauben und feststellen, daß es ein bischen knapp geplant war, aber noch zusammenging. Für die Elkos durfte ich dann noch ein paar US-Schrauben bestellen. Stand natürlich nicht so genau in der Beschreibung, mit welchem Gewinde die versehen waren.
Der Blick von hinten auf den neuen Anschluß.
So nun also das Gesamtbild bis zu diesem Zeitpunkt.
p.s.
Habe gerade eine Liste gefunden, der zufolge war damals der UVP der Endstufe 1700 DM. Der Preamplifier hat 1500 DM gekostet. Als Vergleichswert um die Inflation/Kaufkraft einschätzen zu können, ein Mercedes 230 (W123) hat 1978 20.910 DM gekostet.
to be continued....
Ich dachte mir "ja, schön, nach so vielen Jahren mal im erlernten Beruf zu spielen... ein bischen Praxis tut immer gut". Also gleich mal ausgemacht, daß ich da reinschaue, aber auch gleich vorgewarnt, wenn es die Netzteilelkos sind, könnte es was größeres werden.
Glücklicherweise hatte mein Bekannter auch die passenden Serviceunterlagen für das Gerät.
So harrte ich da der Dinge, ward glücklich und zufrieden... dann kam das Teil und ich öffnete es...
Es handelt sich um einen Nakamichi 620. Eine Endstufe mit 100W, die von Nakamichi zwischen etwa 1976 und 1980 gebaut wurde. Inzwischen sind die Teile aus der Nakamichi System-One Reihe, wozu auch der 620 gehört im High-End Bereich durchaus noch beliebt, wie ich sehe, liegt der Gebrauchtpreis auch heute noch um die 700€.
Ein paar Daten:
Stromverbrauch: max 700VA
Leistung: 2x100 Watt Sinusleistung
Klirrfaktor (bzw. THD): unter 0,005%
Intermodulationsverzerrung: unter 0,002%
Frequenzgang: 5-100000 Hz
Störabstand: besser als 120dB
Das Gerät hat nur ein paar Lampen als Anzeige: Peak Power, einstellbar für 1,5,25,50 Watt.
3 ICs (für die Peak Power-Anzeige), 46 Transistoren, 41 Dioden. 12,5 Kg Gewicht. Mit Ringkerntrafo und dazu passender Einschaltstrombegrenzung.
Für das System-One gibt es ein Rack, in dem alle Komponenten zu einem schönen Turm zusammengebaut werden:
Nakamichi 482 reparatie
In dem Bild auf dieser Webseite befindet sich ein 620 Amp ganz unten im Rack (das Gerät mit den großen Kühlrippen). Direkt darüber befindet sich ein 610 Preamplifier, das Gerät sollte ich später dann auch noch in die Hände bekommen.
Beim Öffnen des 610 bot sich mir folgendes Bild:
Die beiden Elkos des Netzteils hatten es offenbar schon hinter sich. Die Überhitzung der Leiterplatte gab mir auch zu denken, obwohl der Verstärker meßtechnisch in Ordnung zu sein schien. Ich konnte einen Klirrfaktor <0,1% messen (mehr geht mit dem einfachen Oszilloskop nicht).
Was mir dann noch sehr seltsam vorkam, war das hier:
SO schließt man den Schutzleiter des Netzkabels eigentlich nicht an. Hat hier etwa jemand am Gerät rumgefummelt? Ein offener Kabelschuh der einfach mit einer (brünierten *wääh*) Befestigungsschraube eines anderen Gehäuseteils angeschraubt wurde.
Noch machte ich mir bzgl. des Kabels aber keine weiteren Gedanken, ich ging davon aus, das war vor 40 Jahren vom Hersteller so gemacht worden.
Also erstmal die Elkos tauschen. Für kleines Geld fand ich einen einigermaßen passenden Ersatz für die Siebelkos:
Betonung auf "einigermaßen". Spannung, Kapazität etc. sind gleich, einzig die Mechanik ist anders. Im Original wird die Masse über eine direkt an den Fahnen angeschraubte Schiene hergestellt. Auch haben die Befestigungsringe einen anderen Durchmesser. Hier entschloss ich mich dann ein bischen mit Blech zu basteln.
Zuerst die Befestigung. 1mm dickes Blech sollte reichen. Ja, ich weiß, nicht schön gearbeitet, aber für diesen Zweck ausreichend. Bin ja diesbezüglich auch nur als Nachrichtengerätemechaniker ausgebildet (und mit einem Mal wurde mir klar, warum Blechbearbeitung damals überhaupt Teil der Ausbildung war, schließlich sollte ich ja Elektroniker werden).
Als nächstes kamen an die Schraubanschlüsse ein paar Winkel - diesmal 0,7mm Blech. Dann noch anschrauben und feststellen, daß es ein bischen knapp geplant war, aber noch zusammenging. Für die Elkos durfte ich dann noch ein paar US-Schrauben bestellen. Stand natürlich nicht so genau in der Beschreibung, mit welchem Gewinde die versehen waren.
Der Blick von hinten auf den neuen Anschluß.
So nun also das Gesamtbild bis zu diesem Zeitpunkt.
p.s.
Habe gerade eine Liste gefunden, der zufolge war damals der UVP der Endstufe 1700 DM. Der Preamplifier hat 1500 DM gekostet. Als Vergleichswert um die Inflation/Kaufkraft einschätzen zu können, ein Mercedes 230 (W123) hat 1978 20.910 DM gekostet.
to be continued....
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