Meine alte Station ist ja eine alte WECP-20, das ist im Grunde der ältere kleine 50W-Bruder der Ws81.

Ich muß schon sagen, die JBC ist da, was das Löten angeht, schon sehr deutlich überlegen.
Mit dem Preis: der WSP-80 Lötkolben für die WS81 kostet alleine ca. 155€. Eine Lötspitze für die JBC kostet 15-20€, der Lötgriff ca. 48€.
D.h. Für den Preis des WSP-80 Lötkolbens bekomme ich bei JBC Lötgriff mit 5 Spitzen.
Dazu erhöht die automatische Sleep-Funktion der JBC die Standzeit der Lötspitze um ca. Faktor 5. Für 1/5 von 20€ bekomme ich bei Weller keine Original-Ersatzspitze.
Was mich regelmäßig geärgert hat und einer der Hauptgründe für die JBC war, ist der bei Weller vergleichsweise umständliche Spitzenwechsel.
Das alles sind so die Gedanken, die mir schon seit Monaten bei der Weller durch den Kopf gehen.
Bei Weller muß ich mit der Zange die Haltehülse abschrauben, kann dann mit der Zange - weil heiß - die Spitze tauschen und dann wieder mit der Zange die Hülse aufschrauben.
Bei JBC stecke ich die Spitze in den vorgesehen Halter der Station, ziehe einfach den Griff ab und stecke diesen auf die andere Spitze. Noch nachdrücken, fertig.
Das Problem überzähliger Weller-Spitzen habe ich jetzt allerdings schon....
Jetzt aber zu meinen ersten Beobachtungen.
JBC wirbt damit, daß sie den kleinsten Abstand von Lötspitze zu Griff haben. Das finde ich gut, vor allem unter Berücksichtigung der nächsten 30 Jahre, wenn ich dann zittrig bin. Je näher man an der Spitze ist, desto weniger wirkt sich Zittern aus, desto präziser kann man arbeiten. Bisher habe ich den Weller LR 21 Lötkolben (bzw. seinen genausogroßen Vorgänger).
Auch das dünnere Kabel der JBC wirkt positiv - wobei das inzwischen auch bei anderen dünner als bei meiner 30 Jahren alten Station ist.
Was mich etwas stört ist die Länge des Griffstücks. Durch diese Länge wandert der Schwerpunkt weit nach hinten und man muß ständig gegen den Zug des Kabels ankämpfen. Zum Anfassen ist die Länge nicht nötig.
Gut, für feine Arbeiten gibt es bei JBC noch kleinere Griffstücke.
Zur "BT-2BWA"-Station:
Bei JBC gibt es neben den Modularen Stationen mit abgesetztem Lötkolbenständer die Kompaktstationen. Zu letzteren gehört die "BT-2BWA". Dieses Modell ist das einzige hier noch leicht erhältliche Modell mit analoger Einstellung. Die digitalen Modelle kosten schnell das doppelte und sind wie ich in vielen Berichten im Netz gesehen habe einfach nicht so schnell auf eine andere Temperatur einzustellen.
Bei allen Kompaktmodellen von JBC stört mich der "Zugriff von oben". Die Systemmodelle sind hier interessanterweise anders gestaltet. Wenn die Lötstation mal an der Seite des Tisches steht, oder gar hinten, dann sind die Bedienelemente für meinen Geschmack einfach zu weit oben, gerade so, als müsse man stehen um sie zu bedienen.
Bei der alten Weller kann der Lötkolbenständer auch sehr platz sparend oben auf dem Gerät geparkt werden.
Die "BT-2BWA" Station entspricht vom Gehäuse her der älteren 2700er JBC Baureihe. Ein paar Dinge die mich hier stören: Die Station hat zwar den Kabelhalter rechts vom Lötkolben, doch das Kabel wird vorne an der Station eingesteckt. Damit steht der Stecker störend vorne raus und das Kabel wird unnötig verkürzt. Aktuelle Kompakte JBCs haben diese Verbindung auf der Rückseite.
Gegenüber Weller hat JBC in Punkte ESD-Erdung meines Erachtens nach Schwächen. Bei Weller kann an den Station ausgewählt werden, ob der Lötkolben ungeerdet, hart geerdet, oder (über einen einzulötenden Widerstand) hochohmig geerdet ist.
Die JBC kennt nur die harte Erdung und man kann das auch nicht ändern. Für den seltenen Fall, daß man an einem Gerät unter Spannung löten muß, ein kleiner GAU.
In der Beschreibung der "BT-2BWA" gibt es einen Hinweis, daß alle JBC-Stationen in der Default-Konfiguration beim Einstecken in den Halter in den Sleep Modus mit 180°C Lötspitzentemperatur schalten und nach 30 Minuten in den Hypernation-Betrieb gehen, in dem die Station ausgeschaltet wird.
Die "BT-2BWA" hat bei mir auch nach 2h nicht in den Hybernation-Betrieb geschaltet. Entweder liegt hier ein Defekt vor, oder bei diesem konstengünstigen Modell wurden ein paar Features deaktiviert.
In der Anleitung der alten 2700er Station fand ich dann z.B. auch einen Hinweis, daß die Betriebs-LED 5 Minuten nachdem der Lötkolben aus dem Halter genommen wurde zu blinken beginnt (als Hinweis, ihn wieder richtig zu parken). In der Anleitung der "BT-2BWA" ist dieser Hinweis nicht, auch gibt es diese Funktion dort nicht.
Laut Anleitung gibt es ein Zusatzmodul, mit dem sich die analogen JBC-Stationen bzgl. Ausschaltzeiten, Temperaturjustage etc. programmieren lassen. Auch können da Betriebszeiten u.ä. ausgelesen werden. Das Teil kostet allerdings über 250€ und wer weiß, möglicherweise funktioniert es an der "BT-2BWA" auch gar nicht.
Weiterhin finde ich es störend, daß sich der Netzschalter auf der Rückseite der Station befindet. Da ist es nichts mit mal eben schnell auschalten (weil ja keine Hybernation stattfindet).
Mein Fazit: wer das Geld übrig hat, soll ruhig auch mal eine der digitalen Stationen ins Auge nehmen. Bei diesen kann inzwischen z.B. auch der Winkel des Lötkolbenhalters eingestellt werden.
Was das Löten an sich angeht, dürfte es jedoch bei JBC keinen Unterschied zwischen digital und analog geben. Die Lötspitzen sind letztlich die gleichen. Einzig gibt es vielleicht noch ein paar verbesserte Parameter in der Temperaturregelung, doch das sind dann wirklich Nuancen verglichen mit dem Unterschied zwischen JBC und manch anderer Station.
P.S. diese Messingwolle ist auch bei der JBC für mich der reinste Graus.

Wird nicht richtig sauber, größere Lötzinnmengen lassen sich nicht abstreifen ohne daß man nachher einen Klumpen in der Wolle hat, der einem die halbe Spitze mit kleinen Zinntröpfchen einsaut. Was mache ich nur falsch?
