Hilfe bei Auswahl Lötstation/Lötspitzen etc.

z7c9vx

Flashaholic
3 Dezember 2012
144
270
63
SüdBB
Ich habe in diesem Thema den Tip erhalten, den Widerstand einer Kontaktfeder durch Überbrücken mit Entlötlitze zu minimieren.
Ich wollte das jetzt mal in Angriff nehmen, habe aber noch keinerlei Lötutensilien.

Deshalb jetzt meine Fragen:

1.) Welche Mindestanforderungen/Mindestpreis sollte die Lötstation haben, die ich mir für diese Arbeit zulegen sollte?

Ich habe bereits dieses Thema dazu gelesen.
Die erwähnten ERSA I-Con Pico und RDS 80 kosten ja über 100€, für den Anfang vielleicht doch etwas viel, oder?
Wenn die Experten allerdings sagen, daß eine solche Station von Nöten ist, würde ich auch so eine kaufen.
Vielleicht geht es aber auch etwas billiger, so wie bei der erwähnten ELV 80-W AT-80D, die gibt es zur Zeit für 60€.
Ich will aber keine in der Bucht bestellen.

Ach ja, zu der ERSA RDS 80 habe ich gelesen, daß einige Käufer das sehr steife Kabel zum Lötkolben als störend bemängeln, ist das wirklich so schlimm?

2.) Welche Lötspitze ist für die beschriebene Lötarbeit am besten geeignet?

Reichen da die kleinen "Bleistift"-spitzen, oder sollten es doch etwas breitere sein?

3.) Welches Lötzinn soll ich verwenden bleifrei/bleihaltig mit oder ohne Flußmittel?

Das Thema Lötzinn scheint ja in gewissem Maße eine Philosophie-/Überzeugungsfrage zu sein.
Vielleicht gibt es ja aber darüberhinaus auch knallharte Fakten (zusätzlich zur Gesundheitsschädlichkeit von Blei) die für das eine oder das andere sprechen.

4.) Welche Entlötlitze?

Ich habe Entlötsauglitze und Ablötlitze gefunden. Sind das nur verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Sache, oder gibt es da Unterschiede?
Ist diese Entlöt-/Ablötlitze eigentlich immer aus Kupfer?


Ich bin für alle Wortmeldungen überaus dankbar.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

dasda

Flashaholic*
8 November 2011
677
218
43
Ich habe die:

Digitale Lötstation ZD-937 ( LS1000 ) 150-450°C 48 Watt

Hat für meinen Geschmack aber zu wenig Leistung.

1. Eigentlich muss nur die Temperatur vernünftig einstellbar sein und die Ausgangsleistung hoch genug sein.

2. Je nach Anwendungsfall unterschiedlich. Für feine Arbeiten kleine spitzen. Um eine Feder zu verlöten braucht es große SPitzen und viel Power.

3. bleifrei ist nur bedingt gesundheitsschädlich und leitet legierungsbedingt häufig besser. Lässt sich aber beschissen verarbeiten. bleihaltig ist griftiger, aber deutlich besser zu verarbeiten ^^

4. Ist immer aus getränktem Kupfer. Entscheidend ist eine hohe Kapillarwirkung. Welche man nimmt ist sofern der Querschnitt nicht zu klein ist eigentlich egal
 
  • Danke
Reaktionen: z7c9vx

DO7LR

Ehrenmitglied des TLF-Teams
29 Januar 2010
4.307
692
113
Hallo,

zu den Lötspitzen: mit feinen Lötspitzen kannst du halt auch feine genaue Arbeiten durchführen wirst aber relativ wenig Wärme übertragen können. Für Masseflächen brauchst du schon mehr Fläche um die Leistung bzw. Wärme zu übertragen.

zum Zinn: wir haben Jahrelang Zinn mit Blei verwendet. Aus Umweltgründen sollte man aber auf bleifreies Zinn ausweichen. Das benötigt zwar etwas mehr Temperatur und lässt sich minimal schlechter verarbeiten. Inwiefern der Umweltaspekt bei einem Hobbybastler ins Gewicht fällt sollte jeder selbst abklären. Flussmittel sollte unbedingt im Zinn sein sonst musst du das extra auftragen was für ungeübte nochmals schwieriger wird wegen der genauen Menge.

zu der Entlötlitze: Entlötlitze besteht aus Kupfergeflecht mit einem Flussmittel drin. Damit zieht sich das Lot in die Litze. Den Begriff Entlötsauglitze habe ich noch nicht gehört.
 
  • Danke
Reaktionen: z7c9vx

Waldschrat

Flashaholic*
21 Juni 2011
840
534
93
Berlin
Hallo z7c9vx

Ich kann den vorigen Postern nur zustimmen.

1. Lötstation

- Temperatur muss vernünftig einstellbar sein (ca. 50 - 450 °C)
- Leistung der Lötstation nicht weniger als 80 W

2. Lötspitzen

- verschiedene Formen, anwendungsabhängig - Bauteil-, LP-abhängig (konisch schmal - schmale runde Spitze, schmale spatelförmige Spitze, oder eben auch die breiteren, massiveren Ausführungen)

3. Lot

- immer mit Flussmittel, ist essenzieller Bestandteil des Lötvorganges
- bleihaltig oder bleifrei ist im privaten eigentlich egal, soweit mir bekannt ist bleihaltig im privaten Gebrauch noch zulässig

- bleifreies Löten benötigt nur etwas mehr Temperatur, Zeit; ein eigenes Flussmittel
- bleifreies Löten auf goldhaltigen Oberflächen, Oberflächen mit goldhaltigen Legierungen - Kaschierungen (auf LP's, .. ) ist manchmal etwas frimelig, man muss diese Oberflächen quasi etwas überreden um sie zu löten (nicht so schön einfach wie vorverzinnte, nicht goldhaltige Oberflächen in der Vergangenheit)


Nachtrag: Löten ist nicht allein Temperaturabhängig. Das "Geheimnis" des Lötens ist das Temperatur-Zeitverhältnis beim Lötvorgang. Die zu verlötenden Komponenten verraten dir eigentlich alles nötige.



G Waldschrat
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Danke
Reaktionen: Reiner257 und z7c9vx

nim

25 Juni 2013
44
50
18
Hallo z7c9vx,

ich konnte bis jetzt beruflich sowie privat unter anderem mit einer 48 Watt Voltcraft, 80 Watt Ersa und einer 80 sowie 200 Watt Weller Lötstation arbeiten. Rein von der Funktion her machen sie bei normalen Lötarbeiten auf Platinen alle ihren Dienst.
Allerdings wo es anfängt kritisch zu werden ist bei größeren Flächen oder in deinem Fall bei einer Feder. Da braucht man unbedingt genug Leistung. Meiner Meinung nach sollten es schon mindesten 80 Watt sein.

Zusätzlich ist die Wärmeübertragung bei Weller und Ersa zwischen Lötkolben und Lötspitze gefühlt unterschiedlich.
Bei Ersa werden die Spitzen einfach auf den Kolben gesteckt und mit einer Feder gesichert. Bei Weller hingegen wird die Spitze über eine Hülse auf den Kolben gedrückt. Somit kann man meiner Meinung nach mit einer 80 Watt Weller Station besser löten als mit einer Ersa, die die gleiche Leistung hat. Bei der 80 Watt Ersa bin ich zumindest öfter an Grenzen gestoßen als mit der 80 Watt Weller. Dies kann man aber mit der Wahl eines anderen Lötzinns teilweise umgehen.

Was mich aber bei Voltcraft und Ersa am meisten stört ist das starre Kabel. Es ist bei längerer Arbeit unangenehm in der Hand und man muss ständig aufpassen, dass nichts im Bereich des Kabels liegt, da es zB gerne Gegenstände mitreißt. Das Kabel von Weller hingegen ist extrem flexibel.

Konkret empfehle ich dir, solange du keine Akkus löten möchtest, also mindestens 80 Watt. Auch die Ersa reicht in den meißten Fällen aus. Zusätzlich haben Weller und auch Ersa eine große Auswahl an Lötspitzen, bei Ersa ist halt nur das Problem mit dem starren Kabel.
Evt. kommt für dich ja auch eine gebrauchte Weller in Frage. Ich benutze eine 20 Jahre alte, die noch immer problemlos ihren Dienst tut.

Beim Lötzinn verwende ich hauptsächlich bleihaltiges von Stannol. Es lässt sich besser verarbeiten als bleifreies.
Allerdings hab ich vor kurzem mit einem bleifreiem Lötzinn mit Indium gelötet, welches sehr gute Eigenschaften hatte.

Zum Rest kann ich meinen Vorrednern zustimmen.

Viele Grüße
Nils

PS: Wenn du nicht vor hast auf Platinen zu löten oder feine Arbeiten zu machen sondern "nur" Federn überbrücken möchtest, dann würde sogar ein 230 Volt Lötkolben ohne Lötstation reichen.
 
  • Danke
Reaktionen: z7c9vx

nightlight

Flashaholic**
20 August 2010
2.558
1.600
113
In der Mitte von Hessen
Soweit kann ich allem zustimmen.

Ich arbeite seit über 20 Jahren mit einer Ersa MS60, hatte selbst beim Akkuzellenlöten keine Probleme.

Wenn du mobil sein möchtest gibt es von Dremel einen guten Gaslöter:

http://www.amazon.de/Dremel-F013200...388507738&sr=8-1&keywords=dremel+gaslötkolben

den habe ich von Würth der ist auch gut.

Zum Zinn; Ich verwende nur Bleihaltiges da die Lötstellen besser halten (langlebiger) Im BOS-Bereich darf nur mit Bleihaltigem gelötet werden.

Gruß Steph
 
  • Danke
Reaktionen: z7c9vx

Heinrich

Flashaholic**
28 Juni 2013
2.059
848
113
Ruhrpott
1.) Welche Mindestanforderungen/Mindestpreis sollte die Lötstation haben, die ich mir für diese Arbeit zulegen sollte?

Ich habe einen Gaslötkolben, gibt es von Ersa mit Zubehör, so 50-80€, damit bist Du perfekt aufgestellt, nur Zellen zusammen löten dafür ist der zu schwach. da ohne starres Kabel sehr angenehm zu bedienen. Für das was Du beschrieben hast brauchst Du keine einstellbare Station.

mfg
 
  • Danke
Reaktionen: z7c9vx

Alloc

Ehrenmitglied
10 Oktober 2010
872
285
63
Darmstadt
Was mich aber bei Voltcraft und Ersa am meisten stört ist das starre Kabel. ...
Hi Nils,

gerade den Punkt kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mir vor etwa 4 Jahren extra eine Ersa (Analog 60) geholt, weil diese ein recht elastisches Kabel hat (das wurde an verschiedenen Stellen auch als großer Pluspunkt gegenüber Weller erwähnt). Im Vergleich zu den Geräten, die ich vorher privat kannte als auch denen, die ich in der Firma in der Hand hatte, ist dieses Kabel auch durchaus angenehmer :thumbup:
Hängt vielleicht vom konkreten Modell ab bzw. war früher mal so bei Ersa?

Grüße,
Chris
 
  • Danke
Reaktionen: z7c9vx

z7c9vx

Flashaholic
3 Dezember 2012
144
270
63
SüdBB
Ich danke hier noch einmal allen, die zu dem Thema geschrieben haben.
Ihr habt mich bei meiner Entscheidungsfindung ein ganzes Stück weiter gebracht.
 

light-wolff

Flashaholic***²
14 September 2011
16.304
12.438
113
im Süden
Im BOS-Bereich darf nur mit Bleihaltigem gelötet werden.
Da würde mich ein Nachweis interessieren. Bisher waren Automotive, Medizin und Militär von RoHS ausgenommen, auch Server und ein paar weitere Hochzuverlässigkeitsanwendungen. Aber ein MUSS für Bleilote gab es da m.W. nie und viele Hersteller sind dort seit Jahren RoHS-konform, obwohl sie es nicht müssten.
Von RoHS-Ausnahmen oder gar Verboten für BOS habe ich noch nie gehört. Funkgeräte etc. für Polizei, Feuerwehr etc. dürfen nicht bleifrei gelötet sein?

Und mit RoHS 2 fallen seit Anfang 2013 einige Ausnahmen weg, z.B. Medizintechnik.
 

nim

25 Juni 2013
44
50
18
Hallo,

@Steph
Akkuzellenlöten funktioniert bei diesen Leistungen natürlich auch. Aber wenn ich zB Li-Ion Zellen löte, dann nehme ich lieber einen Kolben mit über 100 Watt. Was Hitze angeht sind diese Zellen sehr empfindlich und sollten möglichst schnell und kurz erhitzt werden was mit hohen Leistungen besser geht.

@Chris
Die Lötstation von Ersa, mit der ich mal gelötet habe, war die RDS 80. Bei der war das Kabel nach meinem Geschmack zu starr. Bei Weller hatte ich bis jetzt nur Lötkolben mit sehr flexiblen Kabeln. Kann mir aber auch gut vorstellen, dass es nicht bei jedem Weller Lötkolben so ist. Wird wohl doch modellabhängig sein.

Viele Grüße
Nils
 

light-wolff

Flashaholic***²
14 September 2011
16.304
12.438
113
im Süden
Aber wenn ich zB Li-Ion Zellen löte, dann nehme ich lieber einen Kolben mit über 100 Watt. Was Hitze angeht sind diese Zellen sehr empfindlich und sollten möglichst schnell und kurz erhitzt werden was mit hohen Leistungen besser geht.
Das ist richtig, ich würde aber jedem, der noch nie Akkus gelötet hat, dringend davon abraten, Li-Ion direkt am Akkubecher zu löten! Direkt hinter dem Blech liegt der Zellenwickel, da ist nichts dazwischen, und das Blech leitet die Wärme augenblicklich nach innen durch.

Man kriegt problemlos und günstig gute Zellen mit angeschweißten Lötfahnen, die kann man stressfrei zu Akkupacks zusammenlöten, ohne direkt an den Zellen löten zu müssen. Dafür reicht dann auch locker ein 50W-Lötkolben.