So hat´s mal angefangen...

Rafunzel

Flashaholic***
10 Oktober 2010
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Hamm, NRW
Ich habe mal in meiner Fotosammlung gekramt und wollte Euch das nicht vorenthalten - die älteren unter uns werden sich erinnern. ;)

Tja, ohne die Erfindung solcher "alten Klamotten" gäbe es heute kein TV, kein Handy und vieles andere wie keine Talas und kein TLF. :eek:


Grüße,
Rafunzel
 

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Rafunzel

Flashaholic***
10 Oktober 2010
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Hamm, NRW
Na, dann will ich mal...

Die ersten drei Fotos zeigen eine sogenannte Aussmann-Spule, eine Weiterentwicklung des Ruhmkorff-Funkeninduktors. Ich habe das Teil ein wenig aufgehübscht und wieder zum Laufen gebracht. Ohne so etwas hätte es zwar den guten alten Röntgen gegeben, aber keine nach ihm benannte Strahlung. ;)

Das vierte Foto zeigt eine Railway-Tube nach Crookes. Der wollte damit beweisen, dass Elektronen eine Masse haben. An die Röhre wird eine Hochspannung angelegt; die Elektronen prallen auf die Glimmer-Paddles des kleinen Rädchens, welches in zwei Glasschienen gelagert ist und setzen es in Bewegung. Damit war der Beweis, dass Elektronen eine Masse haben erbracht.

Das fünfte Foto stellt eine Kanalstrahlenröhre nach Goldstein dar - der erste Teilchenbeschleuniger.

Das sechste Foto zeigt eine Röntgenröhre - ich habe mich immer gewundert, warum in den alten Ami-Comics X-Rays immer grün dargestellt wurden - dass es so ist seht ihr ja selber. :D ;)

Zum siebten Foto, nein das ist noch keine Braunsche Röhre, aber wir sind nahe dran - evtl. ein Experimentiermodell auf dem Wege dahin. Das Ding ist wohl auch unter dem Namen "Pfennigröhre" bekannt; hier wurde eine Münze eingebracht (200 Mark Deutsches Reich, wohl Ende der 1920er Jahre), die bei Anlegen einer Hochspannung ihren "Schatten" auf die Leuchtschicht der Röhre wirft, siehe auch Fotos unten.

Tja, die gute alte Zeit vor den beiden Weltkriegen, da wurde weltweit (relativ) friedlich miteinander geforscht; ich wage mir gar nicht vorzustellen, wo wir technologisch gesehen heute stünden, wenn es die nicht gegeben hätte...

Naja, WWII hat uns zumindestens die Raketenforschung und die A-Bombe beschert. :S
 

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Rafunzel

Flashaholic***
10 Oktober 2010
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Hamm, NRW
Einen hab ich noch, dann soll es erst mal gut sein mit den ollen Kamellen.

Dass Forschung auch Früchte trägt sieht man an einem Beispiel aus den Anfängen der Medizintechnik. Das Teil unten ist nicht etwa von der Fa. Frankenstein hergestellt worden, sondern von einer amerikanischen Firma im Oktober 1920. Und nein, ich bin nicht Frankenstein Junior. ;)

Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes "portables" Krankenhaus, etwa für einen Landarzt gedacht, damit der z.B. von Farm zu Farm reiten / fahren konnte um seine Patienten zu "behandeln". Diese Maschine wiegt ca. 15kg und beinhaltet folgende Komponenten:

-Röntgengenerator (zur Speisung einer Röntgenröhre)
-Hochfrequenz-Chirurgiegerät
-Elektrokauter
-Reizstromgerät
-Gerät zur Behandlung nach d´Arsonvalle
-OP-Beleuchtung

Ach ja und rumspielen kann man mit dem Teil auch, siehe das Foto mit der "Jakobsleiter". Aber Achtung: alles was man an Schaltern und Hebeln dort auf der Marmorplatte sieht ist spannungsführend! Soviel zur elektrischen Sicherheit in den damaligen Zeiten!

Ich habe diese Maschine mal vor Jahren aus dem amerikanischen eBay ersteigert und, um Portokosten zu sparen, es via "surface" schicken lassen. Es dauerte sechs Wochen, dann bekam ich eine Abhol-Benachrichtigung vom Zoll.

Dort stand dann ein riesiges Paket, das ich öffnen sollte. Als es auf war stand plötzlich die gesamte Zollamtsbesatzung drum herum und, naja sagen wir es vorsichtig, staunte. Da war plötzlich seeeehr :eek: viel Erklärungsbedarf meinerseits.

Dass das Dingens u.a. ´ne "Hochspannungsbombe" zum Betrieb von alten Röntgenröhren war/ist, das habe ich mal lieber weg gelassen. Naja, geeinigt haben wir uns dann auf eine Art von TENS-Gerät :D - so etwas hatten sie auch in ihrem dicken Buch drin, war auch nicht mit einem (eventuellen) Strafzoll behaftet. Seitdem gibt's das Teil exakt 2x in Europa - eins in Sheffield, UK und eins in Hamm, DE.

Nun ja, was soll ich noch sagen? Meine Frau jedenfalls ist sehr froh, dass ich mich seit Oktober 2010 nur noch mit Taschenlampen beschäftige.
 

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light-wolff

Flashaholic***²
14 September 2011
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Einen hab ich noch, dann soll es erst mal gut sein mit den ollen Kamellen.
Nix da, mehr davon!
Dass man in den 1920er schon HF-Chirurgie betrieb, war mir neu. Ich hatte das immer für eine neuere Errungenschaft gehalten. Die HF-Chirurgie verursacht in heutigen OPs gerne mal Ärger bei moderner Elektronik. Dem abgebildeten Koffer macht es sicher nichts aus. Fast schon schade, dass das MPG (und ProdSG, und EMVG, und...) solche Gerätschaften heute ausschließt.

Wie wurde das Teil mit Energie versorgt? Netz? Autobatterie?

Und wurde so etwas tatsächlich je vom "Landarzt" eingesetzt? Wenn man sieht, was heute noch bei HF-Chirurgie alles schief gehen kann, ist das kaum vorstellbar. Da brauchte man ja zusätzlich zum medizinischen auch noch elektrotechnisches Wissen.
 
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Heinrich

Flashaholic**
28 Juni 2013
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Ruhrpott
Die HF-Chirurgie verursacht in heutigen OPs gerne mal Ärger bei moderner Elektronik.

Das erinnert mich an den technischen Leiter im Krankenhaus dessen Aufgabe es war unbedingt Gewährleistungsfälle zu finden, zur Rechnungsverzögerung. Der Nahn dann einen HF-Kauter hielt den wie eine Pistole zur OP-Sprechanlage und hat es auf voller Leistung tatsächlich geschafft das die wild Gegenstellen anwählte, das war seiner Meinung nach einen Mangel. Meine Sprachlosphase war da etwas länger, aber als ich dann nach der FTZ-Zulassung fragte war das Thema dann zum Glück schnell vom Tisch.

mfg
 

hitech

Flashaholic**
19 Mai 2014
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Leipzig
Wenn ich diese Gerätschaften heute so sehe, bin ich richtig froh, nicht in der damaligen Zeit zu leben und mich damit behandeln lassen zu müssen.

Geniale Sammlung! :thumbsup:

Gruß,
Thomas.
 

light-wolff

Flashaholic***²
14 September 2011
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im Süden
... aber als ich dann nach der FTZ-Zulassung fragte war das Thema dann zum Glück schnell vom Tisch.
Ein HF-Chirurgiegerät darf bzgl. EMV alles (Frequenzen im Bereich 300kHz-5MHz plus Oberwellen, Leistungen bis 400W und Spannungen bis 4kV). Leider müssen alle anderen Geräte trotzdem damit klarkommen, wenn der Chirurg großflächig spraykoaguliert, was breitbandige Funkstörungen ohne Ende verursacht.

Ich hab' hier einen interessanten Artikel über die Entwicklung/Geschichte der HF-Chirurgie gefunden: http://www.klsmartin.com/fileadmin/...e/HF-Geraete/akt903_Kramme-Medizintechnik.pdf
Demnach fing das um 1900 schon an.

Etwas kürzer: http://www.welt.de/wirtschaft/elekt...rom-bei-Operationen-das-Skalpell-ersetzt.html
 
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Rafunzel

Flashaholic***
10 Oktober 2010
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Hamm, NRW
@ light-wolff:

Dieses Teil wurde an 110V betrieben. In Sachen Elektrifizierung war die USA wohl schon weiter als Good Old Europe. Es gab wohl noch keine Steckdosen mangels anzuschließender Geräte, aber immerhin hatte es in vielen Zimmern elektrisches Licht von der Raumdecke. Dort schraubte man einfach das "Leuchtmittel" raus und das Netzkabel mittels des passend konstruierten Steckers in die Fassung rein, siehe Katalog-Foto.

Dieser Katalog warb auch für die besonders "einfache" Handhabung dieser Maschinen, man sollte es bereits nach einer Stunde können. Dass nicht wenige Menschen nicht an ihrer Krankheit starben, sondern durch Fehlhandhabung, steht allerdings nicht drin. Ich habe unten mal ein paar Katalog-Fotos angehängt, welche m.M. nach den damaligen Zeitgeist sehr schön wiedergeben.

Übrigens, wenn es jemand weitergehend interessiert, dann kann man sich stundenlang sattsehen auf Jeff Behary´s www.electrotherapymuseum.com
Der ist echt ein Sparkaholic und sehr nett. George Lucas hatte ihn in seinem Beratungsteam für technische Effekte (Hochspannung) bei den Star Wars Filmen.
 

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Rafunzel

Flashaholic***
10 Oktober 2010
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@ hitech:

"geniale Sammlung" - oha, das hättest Du nicht sagen sollen, frag mal meine Frau. Da ist noch "ein wenig" mehr da. Ich glaube, was mkr in Taschenlampen ist, das bin ich in solchem "Zeug". :eek:
 
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hitech

Flashaholic**
19 Mai 2014
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So eine Sammlung wird dann neben geld- und zeit- auch ziemlich schnell platzintensiv.
Da lob' ich mir manchmal auch, wenn man einfach nur Eindrücke sammelt. ;)

Gruß,
Thomas.
 

Rafunzel

Flashaholic***
10 Oktober 2010
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Hamm, NRW
Noch mal zurück zum "portablen Krankenhaus", genauer zu den "Anwendungsteilen" oder auch Handgriffen:

- das erste Foto zeigt einen Handgriff zur HF-Chirurgie mit Ersatzspitzen; das Kabel wurde mit dem einen Ende in einen der beiden hochspannungsführenden Pole des Koffers eingesteckt und mit der andern Seite in den Handgriff eingehängt. Durch Niederdrücken der Klammer wurde die Spitze spannungsführend und nun konnte gebrutzelt werden...

- das zweite Foto zeigt einen Handgriff zur Hochfrequenz-Strahlen-Behandlung. Über den Handgriff gelangt die Hochspannung an die vakuumisierte "Flächen-Elektrode". Die beginnt violett zu leuchten und zu brizzeln. Damit wurden dann Hautpartien "behandelt" (siehe auch 4. Foto).

- das dritte Foto zeigt einen Handgriff zur Kauterisierung. Beim Einschalten begannen die kleinen Schlingen an der Spitze zu glühen - damit wurde dann Gewebe verödet.

- das vierte Foto zeigt eine neuere Hochfrequenzstrahlen-Elektrode, in die Neongas eingeschlossen wurde, wie das orange farbene Leuchten zeigt. Damit hatte man sozusagen gleich die Neonreklame "miterfunden". ;)
 

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