Ich bestelle direkt bei
Simpson, wobei man immer auf die Sonderangebote ("Sale") achten sollte. Die Auswahl und Vielfalt ist riesig, macht aber Spaß. Die gesamte Abwicklung (Versand, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer) übernimmt der Versender/Transporteur - i. d. R. FedEx - für dich. Die wickeln das sehr routiniert ab. Wichtig ist nur: Du musst zweimal bezahlen, einmal, direkt bei der Bestellung, den Produktpreis plus Versand, aber
ohne die britische Mehrwertsteuer (VAT = value-added tax: 20 %) und anschließend den Zoll (falls welcher anfällt) und die Einfuhrumsatzsteuer (deutsche MwSt. = Mehrwertsteuer: 19 %). Der Grund dürfte klar sein: Die erste Zahlung geht an Simpson/FedEx, die zweite an den deutschen Staat, wobei FedEx die gesamte Abwicklung für dich übernimmt und dir per Mail mitteilt, wieviel du zahlen musst. Sobald du die zweite Zahlung geleistet hast, darf ausgeliefert werden.
Zur Orientierung: Simpson bietet mehrere Haarqualitäten, die ich hier einmal nach Art und Qualität aufliste:
Dachs (Badger):
- Pure Badger - Früher war das nur das Versprechen, dass ausschließlich reines Dachshaar zum Einsatz kam; eine Aussage über die verwendete Haarqualität war damit nicht verbunden. Heute bezeichnet Pure Badger die niedrigste Qualitätsstufe. Ein Pure Badger muss eingearbeitet werden, die Spitzen können (nicht müssen!) anfangs etwas pieksig sein.
- Best Badger - Ein Best Badger benötigt etwas Einarbeitung, gerät dann aber sanft in den Spitzen (aber nicht wie ein Silvertip oder Manchurian) und weist einen guten Backbone auf. Für einen Alltagspinsel ist Best Badger eine wirklich gute Wahl.
- Silvertip Super Badger - Ein Super Badger (= Dreiband-Silberspitzendachs) ist ein "Puschel" mit superweichen Spitzen, traditionell eher wenig Backbone und damit eine gute Wahl für Leute mit empfindlicher Haut.
- Two Band Silvertip Badger - Der Zweiband-Silberspitzendachs bietet sehr weiche Spitzen und mehr Backbone als der Super Badger, ist aber nicht so straff wie der Manchurian Badger.
- Manchurian Badger - Das Haar für diesen Pinsel stammt von Dachsen aus den Gebirgen der Mandschurei. Zum Einsatz gelangt das Silberspitzenhaar. Somit weist ein Manchurian Badger nach sehr kurzer Einarbeitung oder sogar von Beginn an superweiche Spitzen und straffen Backbone auf. Ein Manchurian Badger ist ideal für Leute, die beim Einschäumen trotz weicher Spitzen auf eine angenehme, aber effektive Gesichtsmassage Wert legen.
Synthetik (Synthetic Fibre):
- Sovereign Synthetic Fibre - Der Sovereign ist insgesamt weich, m. E. fast schon labbrig und hat praktisch nicht von dem, was man bei Dachshaar als Backbone bezeichnet, bei Synthetik aber Spring (Elastizität) nennt.
- Platinum Synthetic Fibre - Der Platinum hat zwar sehr weiche Spitzen, aber einen spürbar strafferen Spring als der Sovereign. Für Reisepinsel kann man den Platinum Synthetik m. E. gut verwenden, weil man ihn auch in feuchtem Zustand, z. B. in einer speziellen Pinseltransportdose, mitnehmen kann und er ein, zwei Tage im Koffer oder Kulturbeutel nicht krumm nimmt. Naturhaarpinsel können dann anfangen zu müffeln, bei längerem "Eingesperrtsein" auch zu schimmeln und ihre Haare zu verlieren. Synthetik wäscht man einfach mit lauwarmem Seifenwasser aus und alles ist wieder in Ordnung.
Wildschweinborste (Boar Bristle) - Mit Simpsons Sauborste habe ich keine Erfahrung, ehrlich gesagt lege ich darauf auch keinen Wert.
Fazit: Im Grunde kauft man einen Simpson, wenn man einen erstklassigen Dachshaarpinsel (ab Best Badger) möchte. Plastik kann China fast genauso gut, dabei aber deutlich billiger, und bei preiswerten Dachshaarpinseln (Pure Badger) verhält es sich ähnlich. Bei Wildschweinborste würde ich eher Omega (Italien) oder Semogue (Portugal) empfehlen, die haben deutlich mehr Auswahl und gelten auf dem Gebiet der Sauborste als absolute Experten. Semogue hat übrigens auch sehr gute und durchaus bezahlbare Dachshaarpinsel, aber das nur nebenbei ...
Wenn das Budget etwas knapper ist, greift man zum Best Badger, mit etwas mehr Geld auf dem "Pinselkonto" bei empfindlicher Haut gerne zum Super Badger, ansonsten auch zum Two Band oder Manchurian Badger. Ein Wort noch zu Simpsons wohl bekanntestem Pinsel, dem Chubby. Ich habe mich bewusst gegen diesen "fetten Brocken" entschieden, weil mir der Griff zu klein und der Besatz zu dicht gesteckt ist. Darüber hinaus ist er selbst in der kleinsten Größe Chubby 1, mit einem Ringmaß von 22 mm und einer Lofthöhe von 46 mm fast schon das Maximum von dem, was ich mir ins Gesicht stecken möchte. Chubby 2 mit gigantischen 27 mm und Chubby 3 sogar mit knapp 29 mm Ringmaß sind mir ehrlich gesagt zu viel, bei einer Lofthöhe von 48 mm bzw. 50 mm hat man das Gefühl, von einer massiven Wand aus Dachshaar ("wall of badger") regelrecht abzuprallen. Der Chubby ist der einzige Pinsel, bei dem ich wahrscheinlich doch zum Super Badger greifen würde. Und er ist der einzige Simpson-Pinsel, von dem es glaubwürdige Berichte gibt, dass er durch sein extrem dicht gestecktes Haar sogen. "brush burn", also trotz weicher Spitzen Hautverletzungen durch die schiere Materialdichte verursachen kann. Von daher ist der Chubby ein sehr spezieller Pinsel. Darüber zollt man dem Chubby auch in einer weiteren Hinsicht Tribut: Durch den extrem dichten Knoten ist der Durchfluss (Flow) eher zäh und führt zu einem teilweise aberwitzig hohen Seifenverbrauch, weil der Knoten viel Schaum einfach "schluckt" und nur mühsam wieder hergibt. Solange man nur billige Cremes und Seifen verwendet, mag das nicht wehtun, aber wenn z. B. der letzte Puck der schon lange nicht mehr erhältlichen Luxusseife I Coloniali Mango im Spiel ist, möchte man nicht die Hälfte davon anschließend aus dem Knoten in den Abfluss spülen.
Wenn man auf eher straff gebundene, aber nicht zu dicht gepackte Knoten Wert legt, kann man sich den Duke 3 ansehen, der ist mit 23 mm Ringmaß und 46 mm Loft sehr angenehm im Gesicht. Minimal kleinere oder gleich große Knoten bei vergleichbarem oder höherem Loft und mit etwas weniger dichtem Besatz führen zu etwas weicheren Pinseln, z. B. dem Colonel X2L (21 mm Ringmaß/45 mm Loft) und dem M7 (22 mm/50 mm). Mehr Ringmaß und mehr Loft bieten der Commodore X3 (24 mm/51 mm) und der Polo, den es in vier Größen gibt: PL8 (24 mm/51 mm), PL10 (27 mm/54 mm), PL12 (28 mm/56 mm) und PL14 (31 mm/58 mm).
Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass Ringmaße zwischen 21 und 24 mm und Lofthöhen zwischen 46 und 52 mm bei Dachshaarpinseln als guter Kompromiss gelten und so ziemlich für alle Gesichtsformen und Barthaartypen passen sollten. Den Griff bitte nicht zu klein wählen, er sollte ergonomisch geformt sein und gut in der Hand liegen, damit sich der Pinsel angenehm handhaben lässt. Der Duke 3 ist diesbezüglich in Ordnung, der Colonel bei nicht zu großen Händen sehr gut, während M7, Commodore und Polo bei jeder Handgröße nahe der Perfektion sind. Bezüglich des Materials gibt es bei Simpson keine Auswahl, egal welche Form oder welches Dessin der Griff auch haben mag, als Material gelangt stets gedrehtes und poliertes Polycarbonat zum Einsatz; Holz, Horn, Metall oder andere Materialien gibt es bei Simpson nicht (mehr).
Letztlich musst du selbst entscheiden, ob dir ein Dachshaarpinsel das Geld wert ist, das Simpson verlangt. Man muss schon ein ziemlicher Nassrasur-Nerd sein, um "mal eben" mindestens 120 € für einen wirklich erstklassigen Rasierpinsel auf den Tisch zu blättern. Allerdings: Wenn man ein Kunstwerk wie den M7 erst einmal in den Händen und im Gesicht gehabt hat, dann verblasst der Preis dahinter schnell. Diesbezüglich verhält es sich mit Rasierpinseln ein wenig wie mit Taschenlampen.
Noch einige grundsätzliche Hinweise zum Umgang mit Naturhaarpinseln; das folgende gilt für alle Naturhaare, Marken und Hersteller:
- Beim Einarbeiten eines Naturhaarpinsels bitte beachten, dass anfangs ein wenig Haarverlust auftritt. Das ist völlig normal, solange pro Rasur nicht mehr als fünf, sechs Haare verloren gehen. Nach etwa 10-15 Rasuren sollte sich das Ganze legen, ansonsten bitte den Hersteller kontaktieren.
- Wichtig ist, dass man den Pinsel nicht in heißem, sondern höchstens in warmem (max. 45° C) Wasser einweicht und auswäscht, nicht mit Chemikalien behandelt bzw. misshandelt und nicht beim Einschäumen wie ein Irrer den Pinsel auf die Haut oder in die Rasierschale drückt.
- Beim kreisförmigen Einschäumen bitte nur mit sehr sanftem Druck arbeiten, ansonsten zum Verteilen des Schaums den Pinsel wie einen Malerquast benutzen, also nur auf, ab, nach links und rechts bewegen.
- Bitte nicht vergessen, dass Naturhaarpinsel von Zeit zu Zeit auch richtig durchtrocknen müssen, d. h., auch die tief unten im Knoten enthaltene Feuchtigkeit muss verdunsten, damit der Pinsel nicht von innen heraus zu gammeln anfängt. Faustregel: Nach jedem Gebrauch den Pinsel gut ausschütteln und die Feuchtigkeit in den Pinselspitzen durch sanftes Abstreifen des Pinsels am Handtuch so weit wie möglich reduzieren. Den Pinsel stets an einem gut belüfteten Ort (nicht im Badezimmerschrank!) hinstellen. Nach etwa einer Woche Gebrauch den Pinsel mindestens drei Tage durchtrocknen lassen. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob der Pinsel im Ständer mit den Haarspitzen nach unten aufgehängt oder einfach ohne Ständer mit den Spitzen nach oben hingestellt wird. Wir merken uns also, dass man bei täglicher Rasur mindestens zwei Naturhaarpinsel benötigt, um langfristig an seinen Pinseln Freude zu haben.
Und damit viel Spaß bei der Wahl deines nächsten Rasierpinsels!