Nachweis von Gravitationswellen

Dagor

Ehrenmitglied & Erschaffer der TL-Smileys
14 Mai 2011
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Viele von euch werden es wahrscheinlich schon mitgekriegt haben: Heute wurde der Nachweis von Gravitationswellen bekanntgegeben, die Einstein 1918 in der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hatte.

Für alle, die es noch nicht mitgekriegt haben, versuche ich hier mal kompakt und stark vereinfacht zusammenzufassen was passiert ist: (wer nicht alles lesen möchte kann sich auch das letzte Video angucken)

Vor 1,3 Milliarden Jahren sind in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zwei schwarze Löcher kollidiert, die sich mit jeweils halber Lichtgeschwindigkeit umeinander gedreht haben. Das eine hatte die 29fache Masse unserer Sonne, das andere die 36fache. Das bei der Kollision entstandene schwarze Loch hatte 62 Sonnenmassen. Die übrigen 3 Sonnenmassen wurden als Energie in Form von Gravitationswellen frei, die die Raumzeit minimal verzerren. Diese Energie, die hier innerhalb etwa einer Sekunde frei wurde, entspricht etwa dem 50fachen der Energie, die alle Sterne im Universum in der gleichen Zeit abgeben.

Das ganze sah ungefähr so aus:
(realistische Computeranimation - so würde das aussehen, wenn man da vor Ort gewesen wäre)



Am 14. September 2015 haben diese Wellen dann die Erde getroffen und hier die Raumzeit kurz minimal verzerrt. Mit "kurz" ist ein Zeitraum von ca. 0,2 Sekunden und mit "minimal" etwa ein Tausendstel des Durchmessers eines Protons gemeint - bevor hier jemand Angst kriegt, zu stark verzerrt worden zu sein.

In stark übertriebener Darstellung sieht das so aus:


Diese winzige Verzerrung wurde am LIGO mit einem extrem genauen Interferometer gemessen. Verglichen wurde die benötigte Messgenauigkeit mit der Messung der Distanz von der Sonne bis zum nächstgelegenen Stern (Alpha Zentauri) auf die Dicke eines menschlichen Haares genau!
Das Interferometer funktioniert nach einem ganz einfachen Prinzip: Der Lichtstrahl eines Lasers wird mit einem halbtransparenten Spiegel geteilt. Die Hälfte des Lichts trifft einen Spiegel in 4km Entfernung, die andere wird im 90°-Winkel abgelenkt und trifft ebenfalls in 4km Entfernung auf einen weiteren Spiegel. Die Lichtstrahlen werden dann reflektiert, und vom halbtransparenten Spiegel wieder zusammengesetzt und auf einen Detektor gelenkt. Da die Lichtwellen im Ruhezustand des Messgeräts genau um eine halbe Wellenlänge phasenversetzt ankommen, löschen sie sich gegenseitig aus. Wenn man nun aber die Distanzen zu den Spiegeln verändert, ändert sich der Phasenversatz und der Lichtstrahl wird intensiver. Das lässt sich dann gut messen.



Gleichzeitig misst man alles mögliche andere, was gleichzeitig passiert und Auswirkungen auf die Messung haben könnte wie z.B. seismische Aktivitäten um Störquellen aus der Messung herausrechnen zu können. Das resultierende Signal wurde dann mit einer Simulation auf Basis von Einsteins Berechnungen verglichen und passte genau.



Hier nochmal eine schöne Zusammenfassung:


Und für die ganz Interessierten gibt es hier das Paper zum Lesen:
http://journals.aps.org/prl/abstract/10.1103/PhysRevLett.116.061102


Sobald ich eine vernünftige Aufzeichnung der Pressekonferenz finde (die war durchaus sehenswert), verlinke ich die hier ebenfalls.
 

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Viele von euch werden es wahrscheinlich schon mitgekriegt haben: Heute wurde der Nachweis von Gravitationswellen bekanntgegeben, die Einstein 1918 in der allgemeinen Relativitätstheorie vorhergesagt hatte.
.........
Sobald ich eine vernünftige Aufzeichnung der Pressekonferenz finde (die war durchaus sehenswert), verlinke ich die hier ebenfalls.

Eine vernünftige Aufzeichnung von der Pressekonferenz der National Science Foundation und dem LIGO-Kollaboration Team
findet sich hier : - ab 26 : 45 geht es los -

Das wäre, nach dem Nachweis für das Higgs Boson, der nächste Knüller im Bereich der fundamentalen Grundlagenforschung innerhalb relativ kurzer Zeit. Man darf echt gespannt sein.
 
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sma

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Eine schöne Sammlung hast Du da zusammengestellt.
Die übrigen 3 Sonnenmassen wurden als Energie in Form von Gravitationswellen frei, die die Raumzeit minimal verzerren.
Bei uns minimal, dort vor Ort aber mörderisch stark. Man kann's so betrachten: Lichtstrahlen breiten sich immer geradlinig aus. In der ersten Animation entsteht die Ablenkung des Lichts von den Sternen dahinter also durch die höllische Verbiegung des Raumes selbst. Durch die schwarzen Löcher sowieso und dann noch geschwind schön durchgequirlt durch die Gravitationswellen.
 

Dagor

Ehrenmitglied & Erschaffer der TL-Smileys
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In der ersten Animation entsteht die Ablenkung des Lichts von den Sternen dahinter also durch die höllische Verbiegung des Raumes selbst.
Soweit ich das verstanden habe, hat das aber noch nichts mit Gravitationswellen zu tun. Der Gravitationslinseneffekt setzt doch einfach nur vorhandene Masse vorraus, die die Raumzeit "statisch" krümmt. Eine Gravitationswelle entsteht erst durch die Bewegung von Masse. Das sieht man in dieser Animation sehr schön:
Während sich die beiden schwarzen Löcher gleichmäßig drehen, erzeugen sie gleichmäßige Gravitationswellen, bei der Kollision werden diese stärker und verschwinden danach ganz, da sich das neu geformte schwarze Loch nicht mehr bewegt. Trotzdem hat es noch einen Gravitationslinseneffekt, der fast so stark ist, wie der der beiden schwarzen Löcher zusammen. Genau genommen wahrscheinlich mit gut 95% (62/65) der aufsummierten Stärke.


Aber du hast schon recht, damals vor Ort wurde die Raumzeit sicher gut durchgeknetet. So eine Gravitationswellenmassage ist sicher auch sehr gut geeignet, um Verspannungen in der Raumzeit zu lockern. :thumbsup:
 

Frank

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Diese Energie, die hier innerhalb etwa einer Sekunde frei wurde, entspricht etwa dem 50fachen der Energie, die alle Sterne im Universum in der gleichen Zeit abgeben.

Unvorstellbare Größenordnungen!!

Man stelle sich auch einmal vor: Gravitationswellen gehen durch Raum UND Zeit!! Ihre Entdeckung darf schon jetzt als Jahrhundertereignis betrachtet werden, die natürlich mit dem Nobelpreis honoriert werden wird.

Und Einstein war fähig es vor 100 auszurechnen, wie verrückt ist das denn? 8|
 

patchman

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Und Einstein war fähig es vor 100 auszurechnen, wie verrückt ist das denn? 8|
Und was lernen wir daraus: Wer sich mit Licht beschäftigt, kann großes vollbringen!
Während Einstein in seiner Jugend geholfen hat, elektrisches Licht auf dem Oktoberfest zu verbreiten, beschäftigen wir uns mit mobilem elektrischen Licht und deren Verbreitung. Insofern sind wir auf nem guten Weg... :thumbup: ;)

Gruß
Patchman
 

musicmaker201

Flashaholic
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Ich habe vor der Veröffentlichung des Ganzen noch nichts von den LIGO-Observatorien gehört. Aber ich finde es einfach nur erstaunlich, welche Genauigkeit mit den Interferometern erzielt werden kann. Wenn ich so darüber nach denke, müsste ja eigentlich alles (Erdbeben, Wind, Explosionen, ...) größere Signale verursachen als die Gravitationswellen selber.

Aber ich bin gespannt was in naher Zukunft noch so alles entdeckt wird ;)
 

light-wolff

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Wenn ich so darüber nach denke, müsste ja eigentlich alles (Erdbeben, Wind, Explosionen, ...) größere Signale verursachen als die Gravitationswellen selber.
Tut's auch. Das ist das Hauptproblem. Trick: man hängt die Spiegel an Pendeln auf, die an gefederten Pendeln hängen, welche an gefederten Pendeln hängen, die an gefederten ..... Und man misst diese Störungen und blendet sie aus.
Der Haupttrick aber: man hat 2 identische Anlagen 3000 km auseinander. Wenn die innerhalb maximal 10 ms das gleiche Signal sehen, dann kann es nicht lokal verursacht sein, denn so schnell pflanzt sich keine Erschütterung über 3000km fort.
 
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mkr

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man hat 2 identische Anlagen 3000 km auseinander. Wenn die innerhalb maximal 10 ms das gleiche Signal sehen, dann kann es nicht lokal verursacht sein
Doch - wenn sich beide Meßstationen im gleichen Land befinden, und dieses Land in einem WM-Endspiel 1:0 in Führung geht. :)
Man stelle sich auch einmal vor: Gravitationswellen gehen durch Raum UND Zeit!!
Ich muss unbedingt mal wieder "Interstellar" kucken, jetzt wo es keine Fiktion mehr ist. :)

Viele Grüße,
Markus
 

Frank

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Ich muss unbedingt mal wieder "Interstellar" kucken, jetzt wo es keine Fiktion mehr ist

Lustig - genau dasselbe sagte Petra auch als die Info bekannt wurde. Deshalb fielen bei "Interstellar" die Bücher aus dem Regal. Theoretisch sollten man mit Gravitationswellen Nachrichten in Vergangenheit und Zukunft senden können. :eek:
 
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Rafunzel

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Wie schaut es eigentlich mit Surfbrettern aus? Braucht man für diese Gravitationswellen spezielle oder gehen auch normale? :pfeifen:
 

Dagor

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Auch normale Surfbretter erzeugen Gravitationswellen, wenn sie sich bewegen. :thumbup:
 

Frank

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:AdminBackToTopic:

Vor 1,3 Milliarden Jahren sind in 1,3 Milliarden Lichtjahren Entfernung zwei schwarze Löcher kollidiert, die sich mit jeweils halber Lichtgeschwindigkeit umeinander gedreht haben. Das eine hatte die 29fache Masse unserer Sonne, das andere die 36fache. Das bei der Kollision entstandene schwarze Loch hatte 62 Sonnenmassen. Die übrigen 3 Sonnenmassen wurden als Energie in Form von Gravitationswellen frei, die die Raumzeit minimal verzerren.

Noch mal zum Thema: Da sind vor 1,3 Milliarden Jahren zwei gigantomanische Klopse aufeinander geknallt, nachdem sie sich vorher mit halber Lichtgeschwindigkeit umeinander gedreht haben.

Und wir haben im letzten Jahr mal eben das Echo davon gemessen. Wie verrückt ist DAS denn? 8|
 

Frank

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Dagor

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Und wir haben im letzten Jahr mal eben das Echo davon gemessen. Wie verrückt ist DAS denn?
Eigentlich gar nicht so verrückt. Mit Licht (und anderen elektromagnetischen Wellen) ist das ja das gleiche. Da sehen wir auch, was vor langer Zeit in entsprechend großer Entfernung passiert ist.

Was ich verrückt finde sind die Dimensionen der Werte. Zum einen die ungeheure Energie, die bei der Kollision frei wurde und zum anderen den winzigen Effekt, den das hier hatte und der dann auch noch gemessen werden konnte. :augenverdrehen:


Theoretisch sollten man mit Gravitationswellen Nachrichten in Vergangenheit und Zukunft senden können. :eek:
So wie ich das verstehe, bewegen sich Gravitationswellen einfach nur ganz normal, wie elektromagnetische Wellen auch mit Lichtgeschwindigkeit. Nachrichten in die Zukunft senden geht natürlich - aber nur so weit, wie es auch mit Licht geht. Man kann das Signal ja nicht weiter verlangsamen als Lichtgeschwindigkeit. Ein Brief wäre da geeigneter, da er sich langsamer bewegt. Und in die Vergangenheit sollte das doch gar nicht funktionieren. Die Gravitationswellen stauchen und strecken die Raumzeit doch nur.

Oder verstehe ich da etwas völlig falsch? :haeh:
 
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Frank

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Meine Sicht: Die Gravitationswellen gehen ja nicht nur durch den Raum, sondern durch die RaumZEIT. Sie durchdringen also ungehindert Raum und Zeit. In "Interstellar" wurde es thematisiert.
 

Dagor

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Die Gravitationswellen gehen ja nicht nur durch den Raum, sondern durch die RaumZEIT.
Genau. Durch die Raumzeit. Nicht einfach nur durch die Zeit. Wenn man ein Signal durch die Zeit senden will, ist es unpraktisch, wenn es sich gleichzeitig durch den Raum bewegt. Das hängt ja beides zusammen.
 

Frank

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Wie das Senden funktionieren kann, das weiß ich natürlich nicht. Zumal unvorstellbare Energie notwendig ist.
 

Dagor

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Das Senden funktioniert ganz einfach: Masse beschleunigen.

Du könntest zum Beispiel eine Taschenlampe fallen lassen. Dabei entstehen dann Gravitationswellen. Wenn die Taschenlampe eingeschaltet ist, entstehen auch elektromagnetische Wellen (Licht). Da das Licht innerhalb der Lampe erzeugt wird (also innerhalb der Gravitationswellenquelle), müssten sich Gravitationswellen und elektromagnetische Wellen innerhalb des Beams "übereinander"/"ineinander" bewegen. Wenn du die Lampe dann noch mit einem Beschleunigungssensor so programmierst, dass die Helligkeit von der Beschleunigung abhängt, müssten sich die Wellen nicht nur zusammen bewegen, sondern auch noch ähnlich aussehen.
 

sma

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Meine Sicht: Die Gravitationswellen gehen ja nicht nur durch den Raum, sondern durch die RaumZEIT. Sie durchdringen also ungehindert Raum und Zeit. In "Interstellar" wurde es thematisiert.

Für die Frage der Signalausbreitung besteht kein Unterschied zu Licht.

Die Raumzeit kommt einfach dadurch ins Spiel, daß die Wellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, nicht nur (wie bei Licht oder Funkwellen) aus elektromagnetischen Feldern bestehen, sondern auch aus winzigsten Kräuselungen der Raumkrümmung.

=> Somit leider keine Möglichkeit für vorwitzige Effekte in die Vergangenheit/Zukunft.

Raumzeit ist vom dem Standpunkt aus noch nichts ungewöhnliches und bedeutet auch nicht zwangsläufig phantastische Effekte.
Der große Clou am Modell der Raumzeit ist der, daß man manche Effekte nur dann rechnen kann, wenn man Raum und Zeit nicht trennt, sondern mögichst gemeinsam in Formeln verwendet - fast gleichwertig. Zum Beispiel das Passieren eines Lichtstrahls (von einem Stern) an einer Masse vorbei. Das kann unsere Sonne sein (so gerade noch meßbar) oder ein schwarzes Loch (dramatische Effekte, siehe Video).
 
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Hrcl.-MC2

Flashaholic*
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Unvorstellbare Größenordnungen!!

Man stelle sich auch einmal vor: Gravitationswellen gehen durch Raum UND Zeit!! Ihre Entdeckung darf schon jetzt als Jahrhundertereignis betrachtet werden, die natürlich mit dem Nobelpreis honoriert werden wird.

Und Einstein war fähig es vor 100 auszurechnen, wie verrückt ist das denn?
8strichuer5l.png

Elektromagnetische Wellen wie z.B. Licht bewegen sich durch Raum und Zeit bzw. die sog. Raumzeit.
Gravitationswellen sind vielmehr Wellen in der Raumzeit selbst, also quasi in Schwingung bzw. "wellenartige Bewegung" versetzte Raumzeit.
Hier z.B. von uns good old Dr. Dirty Harry (Lesch) ziemlich gut und verständlich beschrieben -
http://www.br.de/mediathek/video/se...ha-centauri-gravitationswellen-2000_x100.html

In Bezug auf Gravitationswellen brauchte Einstein hier vor 100 Jahren überhaupt nichts weiter auszurechnen.
Die Existenz von Gravitationswellen hat er als eine zwingend logische Konsequenz bzw. Folge seiner allgemeinen Relativitätstheorie postuliert, gemäß derer sich jede Wirkung innerhalb der Raumzeit maximal mit, zwar verdammt schneller letztlich aber dennoch endlicher, Lichtgeschwindigkeit ausbreiten kann, was eben auch für die Wirkung von lokalen Änderungen eines Gravitationsfeldes gilt.
Im Gegensatz zur newtonschen Gravitationslehre, gemäß derer sich die Änderungen eines Gravitationsfeldes ohne Verzögerung gleichzeitig im gesamten Raum auswirken (sollten), was allerdings eine Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gravitationswechselwirkung von
ca. 70.000.000 x c :)):thumbdown::p) erfordern würde.

Es hat nur eben halt noch fast 100 Jahre des technischen Fortschritts gebraucht, bis man mit den beiden LIGO Observatorien, in ihrer aktuellen technischen Ausrüstung ein erstes, wirklich brauchbares Instrument zur Verfügung hatte, dass anscheinend tatsächlich in der Lage ist einen solch unvorstellbar minimal winzigen Effekt einer Gravitationswelle zu messen.
Ein Beispiel von Harry Lesch: wenn man sich einen ca. 4,5 Lichtjahre (!!!) langen Holzbalken von der Erde bis Alpha Centauri, dem nächsten Sternsystem außerhalb unseres Sonnensystems, vorstellt, so liegt die Auswirkung einer Gravitationswelle, bzgl. ihres Verlängerungs- / Verbreiterungseffektes auf diesen Holzbalken, in der Größenordnung des Durchmessers von einem menschlichen Haar.:sprachlos:

Auch Peter Higgs musste 48 Jahre darauf warten, bis mit der 2012'er Version des Large Hadron Colliders in Cern endlich das technische Gerät verfügbar war, mit dem das 1964 von Ihm errechnete u. vorhergesagte Elementarteilchen experimentell nachgewiesen werden konnte und er sich im Jahr darauf dann endlich auf den lang ersehnten Weg nach Stockholm begeben durfte.

Edit:
Für Leute die sich für div. Themen aus den wissenschaftlichen Bereichen der Astronomie, Cosmologie, Elementarpysik erwärmen können und einigermaßen mit der englischen Sprache zurecht kommen, gibt es bei YouTube eine beachtliche Menge an m.E. äußerst interessanten
Vorträgen, allgemein öffentlichen Vorlesungen, moderierten Podiumsdiskussionen, etc., von bzw. mit international hochgradig renommierten Physikern zu finden.

Nachfolgend habe ich mal eine kleine Auswahl an Videobeiträgen zusammen gestellt, die für michexemplarisch eindeutig unter diese Kategorie fallen.

Lawrence Krauss at Nobel Conference 49

Frank Wilczek at Nobel Conference 49

Alexei Filippenko at Nobel Conference 49

Tara Shears at Nobel Conference 49

S. James Gates Jr. at Nobel Conference 49

Does Reality have a Genetic Basis James Gates – Public lecture 2012
https://www.youtube.com/watch?v=b6w0K5FIgsU

The Black Hole Wars: My Battle with Stephen Hawking --- Dr. Leonard Susskind
https://www.youtube.com/watch?v=KR3Msi1YeXQ

Dr. Leonard Susskind --- Why is Time a One-Way Street?
https://www.youtube.com/watch?v=jhnKBKZvb_U

Leonard Susskind on The World As Hologram
https://www.youtube.com/watch?v=2DIl3Hfh9tY

2015 Oppenheimer Lecture: Universe or Multi-verse by Andrei Linde
https://www.youtube.com/watch?v=qlHvQLxb4cw

The Great Debate moderated by Lawrence Krauss 2014 Part 1/2
https://www.youtube.com/watch?v=gzHgSO4slHA
The Great Debate moderated by Lawrence Krauss 2014 Part 2/2
https://www.youtube.com/watch?v=RqDr6o373ck

The Theory of Everything - Hosted by Neil deGrasse Tyson 2011
https://www.youtube.com/watch?v=-sMBCTpsvH0

The Existence of Nothing -- Neil deGrasse Tyson Lawrence Krauss 2013
https://www.youtube.com/watch?v=sNh-pY3hJnY

The Science of Emptiness - World Science Festival 2009
https://www.youtube.com/watch?v=BCUmeE8sIVo

A Thin Sheet of Reality: The Universe as a Hologram - World Science Festival 2011
https://www.youtube.com/watch?v=HnETCBOlzJs

A Matter of Time - World Science Festival 2013
https://www.youtube.com/watch?v=G8FnFjqiAWs

Multiverse: One Universe or Many - World Science Festival 2013
https://www.youtube.com/watch?v=2Qt-eGKa34M

Ripples From The Big Bang: Listening to the Beginning of Time - World Science Festival 2014
https://www.youtube.com/watch?v=70Y1Dri0umI

To Infinity and Beyond: The Accelerating Universe - World Science Festival 2015
https://www.youtube.com/watch?v=pcKdA2-W0X0

2012 Isaac Asimov Memorial Debate: Faster Than the Speed of Light
https://www.youtube.com/watch?v=5qlLW60wOjo

Universität Bern – Einstein Lectures 2015, – Alan Guth, Vortrag 1
https://www.youtube.com/watch?v=_Bhz9G8J0VI
Universität Bern – Einstein Lectures 2015, – Alan Guth, Vortrag 2
https://www.youtube.com/watch?v=b0uA7UEuYVw
Universität Bern – Einstein Lectures 2015, – Alan Guth, Vortrag 3
https://www.youtube.com/watch?v=nS47PigUZdw

Why is our universe fine-tuned for life? - Brian Greene
https://www.youtube.com/watch?v=bf7BXwVeyWw

The Hidden Reality – A conversation with Dr. Brian Greene
https://www.youtube.com/watch?v=fJqpNudIss4&list=PLXPAPqOavNUo-rx0qAqavz9qiYeKbfhSF

String Theory - Lawrence Krauss and Brian Greene
https://www.youtube.com/watch?v=jtgLYXBC1z0

Inflation to Eternity – Lawrence Krauss CERN Cosmology Lecture 2014
https://www.youtube.com/watch?v=ascn8kUXO1c&list=PLM-6C9CD5BfvhX44AI-qDhqX_28OlRjId

St Cross Science Lecture 2015 -
A Beautiful Question - Finding Nature's Deep Design" - with Professor Dr. Frank Wilczek
https://www.youtube.com/watch?v=Q78xpn_mT74

The Accelerating Universe & the hunt for dark energy – Prof. Brian Schmidt 2013
https://www.youtube.com/watch?v=dQf82LOOm-4
 
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sma

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Meine Sicht: Die Gravitationswellen gehen ja nicht nur durch den Raum, sondern durch die RaumZEIT. Sie durchdringen also ungehindert Raum und Zeit. In "Interstellar" wurde es thematisiert.

Für die Frage der Signalausbreitung besteht kein Unterschied zu Licht.
[...]
=> Somit leider keine Möglichkeit für vorwitzige Effekte in die Vergangenheit/Zukunft.

Ist das wirklich so? Ich fand diese Formulierung:
"Gravitationswellen bewegen sich – im Gegensatz zu Licht und anderen elektromagnetischen Wellen – nicht durch den Raum. Es handelt sich um Wellen im Raum."

Wir müssen aufpassen, daß wir vom selben sprechen. Denn ich bin mir noch nicht ganz sicher, was Du meinst.

Die ganzen Formulierungen beschreiben, welcher Art die Wellen selbst sind und wie deren Ausbreitung den Raum beeinflußt.

Wenn es aber um die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die Frage nach bisher nicht bekannten Effekten in der Zeit geht, dann unterscheiden sich Gravitationswellen nicht von Lichtwellen. Andernfalls wäre übrigens die spezielle Relativitätstheorie von Einstein verletzt (Lichtgeschwindigkeit ist oberste Grenze für Objekte und Informationen) - das hat Einstein bei den Gravitationswellen gar nicht im Sinn gehabt. Und vor allem: das würde im wahrsten Sinne des Wortes ganz andere Wellen schlagen (und unsere bisherige Physik ziemlich in Schieflage bringen).
 
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light-wolff

Flashaholic***²
14 September 2011
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im Süden
daß die Wellen ... nicht nur (wie bei Licht oder Funkwellen) aus elektromagnetischen Feldern bestehen, sondern auch aus winzigsten Kräuselungen der Raumkrümmung.
Sie bestehen nicht "nicht nur", sondern "gar nicht" aus elektromagnetischen Feldern, also ausschließlich aus Kräuselungen der Raumzeit.