Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen - was läuft falsch?

moregothic

Flashaholic*
29 Dezember 2010
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Hallo,

ich persönlich finde die allgemein- und auch die notfallmedizinische Versorgung zumindestens bei uns in der Gegend in Ordnung. Meine Erfahrungen mit letzterer sind aber sicherlich nicht repräsentativ. Neben einigen kleineren Notfällen mit anderen (Hundebiss, Handgelenksbruch) wurde ich selbst vor 2 Jahren mal mit einer hypertensiven Krise vom Notarzt eingeliefert (seitdem bin ich auf Betablockern). Unter dem Aspekt, dass ich bei Einlieferung nicht wirklich in unmittelbarer Gefahr war (O-Ton des Rettungsassistenten: Wenn der Notarzt nicht im RTW mitfährt, muss man sich keine Sorgen machen...) ging die Aufnahme durchaus in Ordnung, auch wenn ich ein Stündchen dort mit mir selbst verbringen musste.

Viel kritischer würde ich die Versorgung mit Fachärzten ansehen. Ich musste zuletzt schon so tun als würde ich erblinden, um einen Augenarzttermin zu kriegen... :peinlich:
 
C

capei

Guest
Viel kritischer würde ich die Versorgung mit Fachärzten ansehen. Ich musste zuletzt schon so tun als würde ich erblinden, um einen Augenarzttermin zu kriegen

Als Privatpatient wäre Dir das nicht passiert.

Die Zweiklassengesellschaft haben wir zumindest schon im Gesundheitssystem.
 

schopi68

Flashaholic**
1 Dezember 2011
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nördlich v. München
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Wie steht denn Deutschland im europäischen Vergleich da?
Läufts bei anderen besser oder eher schlechter?

Hmmm... ich habe immer Schwierigkeiten, wenn die Politik sich mal wieder an anderen Ländern orientiert. Denn das bedeutet meist, man will sich auf das Durchschnittsniveau herunterschrauben, statt sich das Ziel zu setzen, es besser als die anderen zu machen. :rolleyes:
 

9x6

Flashaholic**
2 Dezember 2012
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Berlin
...statt sich das Ziel zu setzen, es besser als die anderen zu machen. :rolleyes:

Wenn man es besser machen will, muss man wissen, wie es die Anderen machen.

Im Übrigen: Paradiesischen Zustände, von denen wir weit entfernt sind, in einem nicht paradiesischen Umfeld werden nicht lange Bestand haben. Auch deshalb sollte man vergleichen.

Gruß Jörg
 

9x6

Flashaholic**
2 Dezember 2012
3.860
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Berlin
...Nur habe ich in der Politik schon reichlich oft den Verweis auf andere gehört, um eine Errungenschaft abzuschaffen und es genauso wie die anderen zu machen. Deswegen bin ich da wohl hellhörig geworden.

Das Verfahren ist inzwischen in vielen Fragen längst "optimiert". Jetzt gehen die Regierungen, nicht nur aus D, zur EU und unterstützen dort eine neue Richtlinie, die ihnen "leider" die in der eigenen Bevölkerung unbeliebten Entscheidungen "aufzwingen".

Zurück zum Ausgangsthema medizinische Versorgung: Man muss auch sehen, dass Menschen sich bemühen, sich betriebswirtschaftlich zu verhalten, d.h., den eigenen Vorteil auszunutzen. Häufig klappt es jedoch nicht ganz, weil z.B. Informationen zur richtigen Beurteilung fehlen.

So verhalten sich nicht nur die Patienten aus ihrer Sicht betriebswirtschaftlich, die manchmal aus Eigennutz den Rettungsdienst missbrauchen, das sind auch Ärzte oder generell medizinisches Personal, die in einigen skandinavischen Ländern deutlich mehr verdienen und deshalb ganz oder zeitweise dort arbeiten. In bestimmten medizinischen Bereichen gibt es einen richtigen "Tourismus", weil einiges hier und anderes dort günstiger oder erlaubt ist.

Wie man deutlich sehen kann, kommt man an dem Vergleich mit den Bedingungen in anderen Ländern nicht vorbei. Und es ist auch gut, gelegentlich über den eigenen Tellerrand zu blicken, sich selbst zu erden

Gruß Jörg
 

Gammel

Flashaholic***
1 Dezember 2010
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Gronau-Epe, an der niederländischen Grenze
Dass unser Pflegepersonal, welches ja in Krankenhäusern oft auch Aufgaben und Entscheidungen übernimmt, die eigentlich Arztsache wären, unterbezahlt ist, steht für mich fest!
Auch trifft man in Krankenhäusern kaum noch deutsche Ärzte an, da diese woanders besser verdienen können...

Muss fachlich kein Problem sein, sprachlich ist es das häufig leider schon...
Es wäre schon hilfreich, wenn ein Arzt versteht, was ich von ihm möchte und ich im Gegenzug auch das, was er mir sagt...
Ist meiner Erfahrung nach leider nicht immer gegeben...

Da unsere Rundum-Versorgung (die ich natürlich auch nicht missen möchte) so schon sehr teuer ist, stellt sich die Frage, was passieren würde, wenn man das Personal angemessen bezahlen würde.
Können wir uns wohl nicht leisten...

Womit wir beim größten Kostentreiber, den Krankenkassen und der Pharmaindustrie wären...

Muss man derart viele verschieden Krankenkassen (bin nicht mehr sicher, habe mal von um die 190 gelesen, kann das oder habe ich da Quatsch im Kopf?) haben, alle mit eigener Verwaltung, die auch alle Geld verdienen wollen???

Und die Medikamente sind hierzulande oftmals deutlich teurer als im europäischen Ausland, wohl auch, weil hier die Entwicklungskosten draufgeschlagen werden...

Ich glaube, über das System kann man jahrelang diskutieren...

Abgesehen davon glaube ich, trotz der wohl vorhandenen Zwei-Klassen-Medizin (privat -- nicht-privat), dass unsere medizinische Versorgung hier sehr gut ist!!!

Gruß,

Bodo
 
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Flashaholic**
2 Dezember 2012
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Berlin
Ich stimme in fast allen Punkten zu, nur zwei Anmerkungen.

Eine gesetzliche Einheitskrankenkasse will ich nicht, etwas Konkurrenz, so klein sie auch sein mag, soll bleiben. Es müssen aber nicht hunderte Kassen sein.

Wenn die Pharmafirmen sich an den Medikamenten dumm und dämlich verdienen würden, müssten das ja die bestverdienenden Aktiengesellschaften sein. Das habe ich vor einigen Jahren überprüft, das sind sie nicht. Sonst hätte ich mir eine Aktie gegönnt und wäre jetzt reich.:D

Gruß Jörg
 
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Gammel

Flashaholic***
1 Dezember 2010
6.321
3.611
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Gronau-Epe, an der niederländischen Grenze
Beides akzeptiert!!!

Eine Einheitskrankenkasse will ich ja auch nicht!

Aber die Pharmakonzerne verdienen schon gut...
Die sollen das Geld für ihre Entwicklungsarbeit ja auch wieder reinbekommen, kein Thema, aber die Preise müssen ja nicht ausgerechnet hier am höchsten sein, das könnte man ja etwas aufteilen...

Gruß,

Bodo
 
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Flashaholic**
2 Dezember 2012
3.860
1.633
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Berlin
Aber die Pharmakonzerne verdienen schon gut...
Die sollen das Geld für ihre Entwicklungsarbeit ja auch wieder reinbekommen, kein Thema, aber die Preise müssen ja nicht ausgerechnet hier am höchsten sein, das könnte man ja etwas aufteilen...

Ich habe mal vor Jahren die Gewinne der Aktiengesellschaften der drei großen Insulin-Hersteller verglichen: Lilly, Sanofi, Novo Nordisk. Abgesehen davon, dass mir das nötige Kleingeld fehlte, eine klare Kaufempfehlung konnte ich nicht erkennen. Andere Aktiengesellschaften verdienten deutlich besser. Leider hat auch für diese AGs mein Kleingeld nicht ganz gereicht.

Im Begrenzen der Medikamentenpreise sind andere Länder teilweise besser, generell aber auch nicht. Und manchmal geht es auch schief, weil die Firmen dann hier für die ihnen angebotenen Preise gar nicht mehr verkaufen, siehe Vertriebsstopp für das Basalinsulin Tresiba, ärgerlich, aber keine Katastrophe.

Gruß Jörg
 
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Profi58

Flashaholic**
29 Mai 2011
3.378
1.681
113
Erzgebirge
Samstags um vier Uhr nachts mit Magenschmerzen aufgewacht. ... Und da war ich dann plötzlich auch "so einer" über die sich hier alle aufregen.

Nein, Du wärst nicht "so einer" gewesen, sondern ein ganz normaler Patient. Ein plötzlich eintretendes Ereignis ist ein Fall für die Notaufnahme. Das ist die klassische Indikation. Wärst Du gekommen, weil Du seit 10 Tagen nicht mehr auf der Tö warst, wäre das was anderes gewesen.
Ich bin von unserem Chirurgen tüchtig zusammengestaucht worden, weil mein Blinddarm nachmittags zu muckern begann und ich erst am nächsten Morgen nach der Visite zu ihm gekommen bin. Zwei Stunden später war der Wurm raus, gerade noch rechtzeitig vor dem Platzen...

Als Privatpatient wäre Dir das nicht passiert.

Die Zweiklassengesellschaft haben wir zumindest schon im Gesundheitssystem.
Das liegt aber nicht an den Ärzten.
Die Behandlung eines Privatpatienten wird immer zum Tarif nach GOÄ bezahlt, egal ob er am ersten oder letzten Tag des Quartals kommt.
Die Bezahlung der Leistungen für einen Kassenpatienten erfolgt nach EBM, aber nur so lange, wie das Budget des einzelnen Arztes es zuläßt. Dieses Budget erfährt man ein paar Wochen vor Beginn des Quartals. Die genaue Berechnung ist für einen Normalsterblichen nicht nachvollziehbar, aber das ist wohl bezweckt. Ist das Budget aufgebraucht (das kann schon nach zwei Monaten sein), erhält der Arzt für jede weitere Behandlung keine oder nur eine sehr geringe Vergütung. Das reicht aber nicht mal aus, um seine Unkosten zu decken. Jeder niedergelassene Arzt behandelt 10 - 20 % der Patienten quasi umsonst. Daher ist es verständlich, daß der Arzt aus materiellen Zwängen heraus versucht, den Patientendurchlauf zu optimieren. Notfälle sind Notfälle, die muß er machen. Aber planbare Sachen werden ins nächste Quartal verschoben. Und schon haben wir die Zwei-Klassen-Medizin. Eine volle Bezahlung aller Leistungen würde zu einer Steigerung der Kassenbeiträge führen und das ist politisch nicht erwünscht.
 
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