Efest LUC Test + Review
Ich habe mir jetzt den LUC endlich mal zur Brust genommen.
Service
für Schnellleser: nur das Fettgedruckte.
1. Mechanik:
Ich weiter oben schon geschrieben, dass
die Schieber ganz übel hakeln. Man kann sie nicht mit dem Akku nach hinten schieben, wie man das intuitiv machen würde, sondern muss das mit einem freien Finger tun, dann den Akku einlegen und danach den Schieber loslassen. Bei meinem Exemplar jedenfalls.
Dass das Gehäuse
hochwertig verarbeitet aussieht, kann das auch nicht wett machen. Es hat
keine Schrauben. Ich weiß nicht, ob es verschnappt oder verklebt der verschweißt ist, und auch nicht, ob und wie es zu öffnen ist, ohne es zu beschädigen.
2. Laden
Er soll kleine Zellen mit 500mA und große mit 1000mA laden, mit
automatischer Ladestromumschaltung.
Das scheint irgendwie längengesteuert zu sein, siehe Diskussion weiter oben. Da war auch die Frage, auf welche Weise er 14500er von 2X500er unterscheiden kann (das kann er lt. Hersteller). Die Antwort lautet: gar nicht.
Aber schön der Reihe nach.
Einen 2/3 vollen
ungeschützten 18650er eingelegt, Ladestrom gemessen: nur 500mA.
Zellenspannung gemessen: 3,91V, also sollte er noch nicht in der CV-Phase sein.
Anzeige im LCD: 4,1V - nicht so toll.
In beiden Schächten dasselbe.
Leeren
geschützten 16340er eingelegt: auch 500mA. Soll ja auch so sein.
Eine Weile mit der Entladefunktion über USB rumgespielt (dazu später...), um den 18650er etwas leerer zu kriegen, vielleicht lädt der LUC ja nur bei niedriger Spannung mit vollem Strom.
Aber nein, nichts hilft, der Ladestrom bleibt beim 18650er bei 480-500mA.
Da fällt mir etwas auf: am Ende des Schachtes sitzt ein gar lustig Spiralfederlein. Wenn man den Schieber ganz nach hinten auf Anschlag schiebt, drückt er auf den letzten 2mm auf diese Feder. Hm, wozu könnte die gut sein?
Mal Spannung der Feder messen: 4,6V gegen Akku-Minus: die ist also irgendwo angeschlossen.
Feder per Kabel direkt mit dem Schieber verbunden - und schwupps, schon haben wir 1A Ladestrom!
Der bleibt dann bei 1A, auch wenn man die Verbindung wieder löst.
Der LUC lädt nur dann mit 1A, wenn während des Ladevorgangs mindestens kurzzeitig eine leitende Verbindung zwischen dem Schieber und der kleinen Feder am Schachtende besteht.
Bei meinem Exemplar wäre das mit
Akkus ab 70mm Länge der Fall. Also praktisch nie.
Es gibt aber einen
Trick, wie man ohne Hilfsmittel hochschalten kann: unterbricht man den Ladevorgang nur ganz kurz, registriert der LUC das nicht, erkennt aber den Kontakt am Ende. Schiebt man also während des Ladens den Schieber ganz kurz bis zur Feder (was wegen der Hakelei nicht ganz einfach ist) und lässt gleich wieder los, lädt er mit 1A weiter.
Das geht übrigens auch mit 16340ern - die man aber nicht mit 1A laden sollte.
Ob der Trick geklappt hat, sieht man nicht.
Der "automatisch" gewählte Ladestrom wird nicht signalisiert. Nur die angezeigte Spannung geht hoch, der Anzeigefehler ist bei 1A nämlich noch größer als bei 0,5A.
Feststellung 1:
die automatische Ladestromeinstellung funktioniert nur mit einem Trick, der nirgendwo in der (äußerst dürftigen) Anleitung steht. Womit sie nicht mehr automatisch ist.
Funktioniert also nicht.
Feststellung 2:
Die Spannungsanzeige liegt 0,2V zu hoch wenn Ladestrom fließt. Schuld daran ist vermutlich der Spannungsabfall an der Feder des Schiebers. Da fließt der Ladestrom drüber und sie hat einen erklecklichen Innenwiderstand.
Feststellung 3:
bei 1A Ladestrom geht schon ab 4,0V Zellenspannung (Anzeige: 4,2V) der Strom langsam zurück.
D.h. die CV-Phase beginnt zu früh. Das verlängert nur die Ladezeit, schadet aber nichts. Auch hieran dürfte die der Innenwiderstand der Schieberfeder schuld sein.
500mA bei 4,175V
270mA bei 4,230V - hier sollte längst Ladeschluss sein. Macht aber nix, ich teste mit einer 4,35V-Zelle.
Bei 4,235V und 185mA war Ladeschluss. Der Akku hatte unmittelbar danach 4,220V Leerlaufspannung.
3. Betrieb als USB-Stromquelle.
Ist ein Akku eingelegt und kein Netzteil angeschlossen, zieht der LUC aus dem Akku 12mA, um 5V am USB-Port bereitzustellen. Das ist nicht abschaltbar. Das LCD ist dabei ausgeschaltet, keinerlei Anzeige.
Der USB-Port liefert maximal 0,5A, hat dabei 4,6V. Zieht man mehr Strom, geht die Spannung schnell runter.
Messung am Ausgang: 4,85V x 0,50A = 2,42W; am Akku 3,70V x 1,17A = 4,24W ->
Effizienz 56%.
Ein Perpetuum Mobile kann man damit also nicht bauen.
Was passiert,
wenn man noch mehr Ausgangsstrom zieht? Es scheint ein Akkustromlimit von 1,2A zu geben, die Ausganggspannung geht entsprechend runter. Unter ca. 2,2V wird dann Akkustrom = Ausgangsstrom, steigt also wieder an, das geht bis 2,1A Akkustrom, da scheint es eine weitere Grenze zu geben. Das sieht dann so aus: USB Out 2,0A 0,75V; Akku 2,1A 3,56V.
Die Differenz von
6W wird im Gerät verheizt. Das meiste davon wohl in der langen Schieberfeder, die wird nämlich richtig heiß und heizt den Akku von unten. Außerdem verliert sie dabei an Elastizität, weswegen jetzt der rechte Schieber zwar kaum noch hakelt, dafür aber 16340er keinen Kontakt mehr haben - also
Feder kaputt, könnte man sagen.
Strom zum USB liefert er übrigens
aus beiden Schächten, auch gleichzeitig, das teilt sich irgendwie auf, auch wenn die Akkuspannungen stark unterschiedlich sind.
Man kann auch
gleichzeitig laden und USB-Strom ziehen. Es steht auch nirgendwo, dass man das nicht dürfte. Der Ladestrom wird dabei nicht weniger, der USB-Strom scheint also vom Netzteil zu kommen.
Die Doppelbelastung hat meinem LUC aber wohl nicht gefallen, denn auf einmal hörte ich zwei leise aber vertraut klingende Plops, und kurz darauf registrierte meine Nase den ebenfalls vertrauten Duft eines
durchgeschmorten Halbleiters. Das war wohl der Step-Up-Regler, denn seitdem liegt am USB-Port nur noch Akkuspannung minus X statt konstant 5V, Strom fließt noch am Port.
Laden geht noch, immerhin.
Persönliches Fazit:
Unter einem "very safe and smart charger" stelle ich mir etwas anderes vor.
Ich habe fertig mit LUC. Ich bleibe bei meinem XTAR SP2.