[LED-Test / Review] Cree XLamp XP-G4 B4 2B (5700 K, min. 90 CRI) - sehr effizient, aber problematisch in Optiken

Köf3

LED-Spezialist
17 Mai 2015
4.140
5.940
113
nahe Köln
LED-Test / Review
DE


Cree XP-G4 B4 color kit 2B (5700 K, min. 90 CRI)


10.11.2023

Am 18.07.2023 wurde die XP-G4 als vierte Generation der XP-Familie von Cree vorgestellt. Nach der sehr populären XP-G2 und der bereits einigen Jahren alten XP-G3 ist sie das neueste Modell der XP-Familie. Cree bewirbt hier insbesondere den erhöhten Maximalstrom von 3 A und das verbesserte optische Profil sowohl relativ zur senkrechten Sichtachse als auch allgemeine Farbechtheit über den gesamten Abstrahlwinkel hinweg.

Dieser Emitter wurde auf Kaidomain erworben. Zur Verfügung gestellt wurde er von @Palladin, vielen Dank hierfür!


Technische Daten​


Tj 85 °C, If 700 mA


Typ: single die, flip-chip
Binning: B4 (min. 280 lm)
Farbgruppierung: 2B (5700 K)
CRI: min. 90, R9 min. 50

Nennspannung: typ. 2,8 - max. 3,3 V
Max. Vorwärtsstrom: 3000 mA
Max. Spitzenstrom: --- mA
Abstrahlwinkel: 120 °
Wärmewiderstand: 1,3 K/W
Max. Temperatur Tj: max. 150 °C


Offizielles Datenblatt: Cree XP-G4 (PDF, 2,7 MB)

Hinweis:
Cree hat bei der XP-G4 die Binnings und damit die Bezeichnungen eben dieser geändert. Cree binned diese LEDs nun bei 700 mA statt bei 350 mA, wie noch bei der XP-G3. Dadurch sind die Leistungseinstufungen der vorangegangenen Serien nicht mehr direkt vergleichbar!


Äußerliches Erscheinungsbild​


Im Grundsatz entspricht das Design der XP-G4 dem des Vorgängers. Auffällig sind hier insbesondere zwei Dinge: das allgemeine Design ist mehr orange statt gelb, und die Leuchtfläche ist kaum direkt erkennbar, wobei dies bei LEDs mit niedrigem CRI bzw. anderem CCT unterschiedlich ausfallen dürfte. Auch eine offensichtliche Markierung für die Anode/Kathode und eine Umrahmung wie bei der XP-G3 fehlen.

Alles in anderem ist es eine der optisch schlichtesten LEDs, die je released wurden. Bei der seitlichen Ansicht entspricht die leichte Wellenform des weißen Silikons unterhalb des Domes dem Design der XP-P (Test hier).


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Durch das symmetrische XP-Footprint (3535) ist die Verwendung gedrehter Zentrierhilfen und anderem Zubehör möglich. Möglicherweise muss - je nach verwendetem Reflektor - auf unterschiedliche Höhen der Zentrierhilfen geachtet werden.


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Das Footprint ist im typischen 3535 (XP) Format gehalten und weist keine Besonderheiten auf. Die Kante im Thermal Pad weist auf die Anode hin. Solche deutlichen Verkleinerungen der Wärmeabfuhrflächen sind kritisch zu betrachten; so verringern sie die Wärmeabfuhr weiter, welche insbesondere im kompakten 3535-Format ohnehin stark limitiert ist. Hier ist eine Markierung auf der Oberseite bzw. eine Abschrägung einer Ecke der Anode eher empfehlenswert.


Leuchtfläche​



Die Leuchtfläche ähnelt der von anderen Emittern wie HL2X oder 519A. Bonding-Drähte gibt es nicht, wie bei den meisten modernen Emittern ist der LED-Chip in Flip chip-Technologie gefertigt.
Allerdings fällt hier eine starke Färbung der Kanten auf; an den Rändern schimmert es stark bläulich, was auf einen unregelmäßigen Auftrag von Phosphor hindeutet. Dies dürfte Auswirkungen auf die optischen Eigenschaften in Verbindung mit Reflektoren/Linsen haben.


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Die Leuchtfläche ist 4,61 mm² groß. Da vom LED-Chip auch seitlich geringe Lichtmengen abgegeben werden, kann die totale Leuchtfläche größer ausfallen, was die Leuchtdichte verringert.


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Dedoming ist nicht ohne weiteres möglich. Mit dem Fingernagel lässt sich der Dome nicht ablösen, das Phosphor wird mit entfernt. Letzteres war beim Fingernagel-Dedoming der XM-L2 new gen nicht der Fall, sodass hier höchstwahrscheinlich ein anderer interner Aufbau der LED zum tragen kommt. Dies dürfte auch bei chemischem Dedoming mit Verdünnung oder Aceton zutreffen.
Falls eine LED ohne Dome im XP-Format benötigt wird, empfehle ich entweder die Cree XP-P (welche es in vielen verschiedenen CCT und CRIs gibt) oder andere LEDs von Osram bzw. eine dedomte 519A, sofern hohe Lichtqualität benötigt wird.


Leistung und Überbestrombarkeit​




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Innerhalb offizieller Parameter, soweit diese bekannt sind:
  • bei 3000 mA (offizieller Maximalstrom): 1030 lm @ 3,29 V
  • Leistung bei offiziellem Maximum: 9,9 W
  • Effizienz bei 3000 mA: 104,4 lm/W

DIe Performance liegt im zu erwartenden Rahmen, das Binning wird eingehalten. Die Vf liegt im normalen Bereich. Die XP-G4 wird somit vom Hersteller als 10 W-LED eingestuft.


Überbestromung:
  • Maximum bei 10,2 A erreicht, an diesem Punkt 1844 lm @ 4,01 V
  • Leistung bei Maximum 40,9 W
  • Sweet Spot bei etwa 6 A (1574 lm @ 3,64 V)​
  • Leistung im Sweet Spot 21,8 W​
  • Effizienz im Maximum 45,0 lm/W
  • Effizienz im Sweet Spot 72,1 lm/W​

Trotz des im Vergleich zur XP-G3 nominal höheren Wärmewiderstands ist die Performance sehr gut. Problematisch kann hier die für eine Flip chip-LED sehr hohe Vorwärtsspannung sein, insbesondere wenn nur linear geregelte Treiberelektroniken verwendet werden.

Zumindest das hier getestete Sample kann prinzipiell im Direct drive (Anschluss der LED direkt am Akku, ohne zwischengeschaltete Treiberelektronik) verwendet werden, wobei dies nur für handelsübliche 18650 oder kleinere Akkus empfohlen ist. Bei 21700ern mit besonders guter Spannungslage (bspw. Samsung INR21700-40T) besteht die Gefahr einer Überbestromung und damit einem frühzeitigen Ausfall bzw. Alterung.


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Interessant ist der Vergleich der XP-G4 mit der vor einigen Jahren getesteten XP-G3. Trotz der hohen Farbwiedergabe ist die XP-G4 fast genauso effizient wie die XP-G3 in 70 CRI-Klassifizierung. Generell ist die XP-G4 eine sehr effiziente LED, insbesondere im Vergleich zur Nichia 519A, wobei letztere den Fokus traditionell auf besonders hochwertige Lichtqualität legt und die Effizienz dabei nicht im Vordergrund steht.
Auch die Vf ist deutlich geringer, wobei die 519A hier klar zeigt, wie es noch besser geht. Hier zeigt sich insbesondere der Unterschied im Wärmewiderstand: die Lumileds HL2X ist weit abgeschlagen und erreicht nur maximal 5,6 Ampere, obwohl die allgemeine Effizienz der HL2X im Bereich der 519A liegt bzw. diese sogar übertrifft.


Leuchtdichten​




Werte bei 25 °C Tsp, 85 °C Tsp Werte 13 % niedriger


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Die Leuchtdichte bietet keine Überraschung und liegt in ähnlichen Bereich wie bei der XP-G3. Durch die riesige Leuchtfläche ist die Leuchtdichte der 519A sehr niedrig, was auch bei der XP-L2 der Fall ist.


Lichtqualität und Verhalten in Optiken​




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Das Lichtbild ist… interessant. Der an sich scharf abgegrenzte Spot ist stark verfälscht. Ein kälterer (bläulicher) Rand ist mit einem gelblich-orangenen Bereich gefüllt. Die Corona und der Spill sind dagegen frei von Farbverfälschungen. Vermutlich wird dieser Effekt durch die bereits beobachteten Farbabweichungen auf der Leuchtfläche verursacht.

Diese Farbverfälschung ist auch auf nicht weißen Oberflächen sichtbar, wobei sich die Sichtbarkeit in Outdoor-Anwendungen mit vielen unterschiedlichen Oberflächen und unterschiedlichen Tiefen relativieren dürfte. Empfehlenswert ist die XP-G4 in Reflektoren und Linsen dadurch allerdings nicht uneingeschränkt, zumindest nicht dieses Sample von dieser Charge bzw. diesem CCT/CRI.


Lichtfarbe​




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Obwohl Cree einen CRI von mind. 90 angibt, erreicht das hier getestete Sample diesen nicht, gleichwohl bleibt der gemessene CRI von 88 immer noch im erlaubten Bereich, da Cree eine Toleranz von +/- 2 CRI auf seine Messungen/Binnings angibt. Der R9 erreicht mit 50 dagegen den von Cree angegebenen Minimalwert so gerade eben.

Für problematisch halte ich im Spektrum vor allem den starken Grünanteil und der deutlich fehlende Rotanteil im Bereich 620 bis 660 nm, wobei dies die Effizienz stark steigert, welche für die Einordnung im höchstmöglichen Binning B4 essentiell ist. Die Spektren von XP-G4 und 519A sind sich im Grunde recht ähnlich, nur dass der Rotanteil der XP-G4 deutlich geringer ist. Eher ähnelt das Spektrum der XP-G4 dem der HL2X 5700 K 90CRI, wobei bei letzterer der Blau-Peak bei 440 statt 450 nm liegt und der Grün- und Rotanteil bis 620 nm anteil noch höher ist.

Der Tint ist grünlich, aber gerade noch erträglich. Bei Anwendungen außerhalb der Beleuchtung von weißen oder glatten Flächen dürfte der grünliche Tint nicht stören, allerdings gibt es auch hier bessere Alternativen mit Farbverortung nahe oder unterhalb der BBL.


  • Ra: 88
  • R9: 50
  • CCT: 6196 K
  • duv: 0,0097


Fazit​



Die XP-G4 ist eine logische Weiterentwicklung der XP-G3. Die maximale Bestromung ist höher, die Effizienz wurde deutlich verbessert und auch die optischen Eigenschaften wurden zumindest in einem Punkt - der Farbverfälschung im Spill - deutlich verbessert.

Nachteilig sind allerdings die hohe Vf und die seltsamen Verfärbungen im Spot, die allerdings vor allem durch das Phosphor bzw. der Leuchtfläche bedingt sind und bei anderen Samples anders ausfallen können. Außerdem ist der Tint leicht grünlich und die Farbwiedergabewerte von Cree werden nur gerade so eben eingehalten.

Es gilt festzuhalten, dass die hier festgestellten Befunde bei LEDs späterer Chargen bzw. anderer Binnings/Farbgruppierungen unterschiedlich ausfallen können.


Pro
  • hohe Effizienz​
  • gutes Potenzial für Überbestromung​
  • attraktive Preisgestaltung​

Neutral
  • Markierung im Thermal Pad, damit verbundene Reduzierung der Wärmeabfuhrfläche​
  • Dedoming nicht ohne weiteres möglich​

Contra

  • Farbverfälschungen im Spot​
  • hohe Vf für LED im Flip chip-Design, insbesondere bei hoher Bestromung​



Danke fürs Lesen dieses Tests. :)

LG, Dominik


v1.0.1
 
Zuletzt bearbeitet:

Palladin

Flashaholic*
22 Dezember 2010
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Nur kurz meinen Senf dazu, solange die Erinnerung noch halbwegs frisch ist.

Eigentlich hat die LED ja bei mir ein Stein im Brett ... die guten alten funzeligen Zeiten...
Die XP-G(1) war für mich der erste (single dye) Emitter, der damals "ausreichend" Licht machte.

Die aktuelle Version macht vieles ganz passabel, ist aber nirgendwo überragend.

Richtig ärgerlich finde ich aber, wie der Emitter an der Wand das Licht fast schon spektral auseinanderfächert.
In meiner Convoy S2+ OP fand ich das subjektiv eher noch stärker, wie auf Köf3s Foto.
Das sind 5700K Wohlgemerkt!
Das macht sich auch in der Natur eklatant bemerkbar. Warmer Spot und blauer Spill - das ist schon etwas befremdlich.
Ich hatte auch das Pech, die LED auch bei Schnee begutachten zu können, spätestens dann wirkt das Lichtbild regelrecht verstörend.
Was nutzt mir CRI ~90 wenn in Einzelteilen geliefert?
Den Rot/Grün Kontrast fand ich für so eine recht kalte Lichtfarbe ganz ordentlich.

Die von mir ebenfalls mitgetestete 4000K Variante hinterlässt subjektiv einen besseren Eindruck. Auch dort fächert selbstredend der Beam vergleichbar auf. Da sich hier aber bereits Spot und Spill im wärmeren Bereich befinden, wirkt das nicht so eklatant.
Das ist durchaus noch gefällig. Auch meinen obligaten Rot/Grün Kontrast Test hat sie gut bestanden.

Mein rein subjektives Fazit:
Die 5700er ist bei mir mit dem Lichtbild mit Pauken und Trompeten durchgefallen, nee wirklich nicht.
Die 4000er ist ganz okay. Kein Emitter, den ich jetzt partout aus einer Fabriklampe verbannen würde, definitiv nicht.
Aber aus eigenen Antrieb eine verbauen? Ich wüsste nicht wieso.

Wer jetzt immer noch nicht vergrault ist :grinsen: und sich selbst ein Bild davon machen will, schreibt mir eine PN. Ich verschenke meine Restlichen Exemplare.
 
  • Danke
Reaktionen: ennokin und Genießer

Buteo

Flashaholic***
25 März 2015
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Nur kurz meinen Senf dazu, solange die Erinnerung noch halbwegs frisch ist.

Eigentlich hat die LED ja bei mir ein Stein im Brett ... die guten alten funzeligen Zeiten...
Die XP-G(1) war für mich der erste (single dye) Emitter, der damals "ausreichend" Licht machte.

Die aktuelle Version macht vieles ganz passabel, ist aber nirgendwo überragend.

Richtig ärgerlich finde ich aber, wie der Emitter an der Wand das Licht fast schon spektral auseinanderfächert.
In meiner Convoy S2+ OP fand ich das subjektiv eher noch stärker, wie auf Köf3s Foto.
Das sind 5700K Wohlgemerkt!
Das macht sich auch in der Natur eklatant bemerkbar. Warmer Spot und blauer Spill - das ist schon etwas befremdlich.
Ich hatte auch das Pech, die LED auch bei Schnee begutachten zu können, spätestens dann wirkt das Lichtbild regelrecht verstörend.
Was nutzt mir CRI ~90 wenn in Einzelteilen geliefert?
Den Rot/Grün Kontrast fand ich für so eine recht kalte Lichtfarbe ganz ordentlich.

Die von mir ebenfalls mitgetestete 4000K Variante hinterlässt subjektiv einen besseren Eindruck. Auch dort fächert selbstredend der Beam vergleichbar auf. Da sich hier aber bereits Spot und Spill im wärmeren Bereich befinden, wirkt das nicht so eklatant.
Das ist durchaus noch gefällig. Auch meinen obligaten Rot/Grün Kontrast Test hat sie gut bestanden.

Mein rein subjektives Fazit:
Die 5700er ist bei mir mit dem Lichtbild mit Pauken und Trompeten durchgefallen, nee wirklich nicht.
Die 4000er ist ganz okay. Kein Emitter, den ich jetzt partout aus einer Fabriklampe verbannen würde, definitiv nicht.
Aber aus eigenen Antrieb eine verbauen? Ich wüsste nicht wieso.

Wer jetzt immer noch nicht vergrault ist :grinsen: und sich selbst ein Bild davon machen will, schreibt mir eine PN. Ich verschenke meine Restlichen Exemplare.
Ich muss sagen, ich bin mit sämtlichen XP-L und XP-G - Varianten, die ich meinen TaLas habe, eigentlich schon sehr zufrieden.

Ich mag den gelblichen Tintshift in CW, macht sich Outdoor echt gut bei mir.

Aber ist natürlich auch alles Geschmackssache, wie immer. :)
 

Buteo

Flashaholic***
25 März 2015
8.453
5.146
113
Den von der XP-G4?

Wow.
:oops:
Da der ganze Spot so aussieht, habe ich da weniger Probleme mit. :)

Schlimmer finde ich da tatsächlich diesen sehr dunkelgrünen Tintshift einiger Luminus-LEDs oder halt den kleinen Ring um den Spot einer XHP-70.2, der stört dann nämlich das komplette Lichtbild irgendwie. :)