LED-Test / Review
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LMP LML2AW.DC
02.10.2023
Diese LED ist vor ein paar Monaten auf Aliexpress aufgetaucht, und auch manche Lampen von Convoy sind damit mittlerweile bestückt. Konkrete Informationen gibt es zu diesem Emitter wie schon bei anderen chinesischen Modellen nicht (nicht einmal Basisinformationen wie Maximalstrom oder Leistung sind überhaupt bekannt); dieser Test soll versuchen, wenigstens ein paar Erkenntnisse zu gewinnen.
Der Emitter wurde mir von Forenuser @Palladin zur Verfügung gestellt, erworben hat er diese Emitter auf Aliexpress. Vielen Dank dafür an dieser Stelle.
Technische Daten
Typ: lateral, single Die
Binning: unbekannt
Farbgruppierung: unbekannt (4000 K)
CRI: unbekannt
Nennspannung: unbekannt V
Max. Vorwärtsstrom: unbekannt mA
Max. Spitzenstrom: unbekannt mA
Abstrahlwinkel: unbekannt
Wärmewiderstand: unbekannt K/W
Max. Temperatur Tj: max. unbekannt °C
Offizielles Datenblatt: nicht bekannt!
Äußerliches Erscheinungsbild
Diese LED sieht einer älteren XM-L2 oder SST-40 verblüffend ähnlich. Einziger wesentlicher Unterschied sind die größeren Kontaktstellen der Bonding-Drähte und die abweichende Anordnung der Punkte auf dem LED-Chip, zudem ist diese LED laut Listings auf Aliexpress bis dato nur in 3000 und 4000 K verfügbar.
Diese LED ist 4,75 x 4,75 mm groß. Je nach Passgenauigkeit von Zubehör für 5 x 5 mm große XM-LEDs könnte dies bereits ein Problem darstellen, wobei in meinem Test alle Zentrierhilfen und Boards ohne Probleme nutzbar waren.
Der LED-Chip sitzt auf einem grauen Substrat, angeschlossen ist dieser wie bei älteren Emittern mit Bonding-Drähten.
Der schwarze Punkt an einer Seite gibt die Seite der Kathode an. Auffällig ist das etwas hervorgequollene Lot unterhalb des LED-Chips auf Seite der Kathode.
Durch das Standard-Footprint 5050 (übliche Größe 5,00 x 5,00 mm) ist jedes Zubehör für die XM-LED-Größe freizügig einsetzbar. Auch gedrehte Zentrierhilfen können dank des symmetrischen Gehäuses frei eingesetzt werden.
Das Footprint enthüllt keine Überraschungen und entspricht dem anderer XM-LEDs. Das Thermal Pad ist elektrisch isoliert, die Verwendung von DTP-Boards ist damit problemlos möglich.
Leuchtfläche
Die Leuchtfläche entspricht grundsätzlich der der XM-L2 und SST-40 LEDs, mit zwei wesentlichen Unterschieden: das Phosphor scheint ungleichmäßig aufgetragen zu sein - erkennbar an den deutlich hervorscheinenden blauen Stellen - und am Rand des LED-Chips scheint grundsätzlich eine größere Menge Phosphor zu fehlen, was möglicherweise Auswirkungen auf das Lichtbild in Optiken haben kann. Zudem ist die gesamte Leuchtfläche "unscharf", was auf weniger transparentes Silikon und damit minimalen Lichtstromverlust hinweist.
Die Leuchtfläche ist 9,25 mm² groß.
Der LED-Chip ist mit Bonding-Drähten angeschlossen. Nachteil ist hier der Verlust von Leuchtfläche durch die Konktaktstellen, Vorteil kann hier allerdings auch ein besseres Lichtbild sein, da der LED-Chip anders als bei sehr vielen neueren Flip Chip-Emittern kein seitliches Licht abstrahlt.
Chemisches Dedoming ist nicht ohne weiteres möglich. Aufgrund der problematischen optischen Eigenschaften (im Verlauf des Tests gibt es genauere Infos) sollte das Ziel sein, das Silikon vollständig zu entfernen, ähnlich dem was früher bei den alten XP-G2- und XM-L2-LEDs umgesetzt wurde. Mit dem Shaven (Abtrennen des Domes mittels einer Rasierklinge) besteht die Gefahr, dass sich die optischen Eigenschaften nicht verbessern, sondern sogar verschlechtern. Mit hochwertigem Verdünner (über 85 % Lösemittelgehalt) klappte das chemische Dedoming allerdings nicht.
Nach etwa 3 Stunden löste sich der Dome und dieser schwamm im Verdünner umher - allerdings mit Phosphor, welches sich ebenfalls vom Chip abgelöst hatte. Bei der Entnahme der LED stellte sich heraus, dass das gelbe Phosphor eine gelartige Konsistenz aufwies und sich sehr einfach entfernen ließ. Dies ist so in der Form bei keiner anderen bisher getesteten LED aufgefallen. Möglicherweise ist das Phosphor immer "gelartig" und wird auch so im Herstellungsprozess aufgetragen, was die Ungleichmäßigkeiten und bläulichen Stellen auf dem vorigen Bild des LED-Chips erklären könnte.
Der LED-Chip ist genau 2,10 x 2,10 mm groß. Auffällig sind die im Vergleich zu Chips beispielsweise der Cree XM-L3 sehr großen Kontaktflächen für die Bondierung, welche die effektive Leuchtfläche etwas verringert.
Das Wellenlängen-Maximum liegt bei 450 nm (auch 'Royal blue' genannt), wie bei den meisten LED-Chips üblich.
Auffällig ist neben der großen Kontaktfläche auch die Anordung und Dicke der Punkte auf der Leuchtfläche, diese ist in der Form weder von Cree noch von Luminus oder Osram bekannt. Möglicherweise stammt dieser LED-Chip aus chinesischer Produktion, doch das bleibt weiterhin Spekulation. Bekannt ist der Hersteller dieser LED und des LED-Chips ohnehin nicht, wie bei den meisten LEDs aus China.
Leistung und Überbestrombarkeit
Ein Datenblatt oder überhaupt andere Informationen sind zu diesem Emitter nicht verfügbar. Konkrete Aussagen im Bezug auf offizielle Angaben sind damit nicht möglich.
Überbestromung:
- Maximum bei 9,8 A erreicht, an diesem Punkt 2600 lm @ 3,92 V
- Leistung bei Maximum 38,4 W
- Sweet Spot bei etwa 6 A (2062 lm @ 3,43 V)
- Leistung im Sweet Spot 20,6 W
- Effizienz im Maximum 67,6 lm/W
- Effizienz im Sweet Spot 100,1 lm/W
Die LML2AW.DC lässt sich recht gut überbestromen. Fast 10 Ampere sind möglich. Auffällig ist der massive Anstieg der Vf ab 8-8,5 A, was auf sich verändernden Widerstand der sich aufheizenden Bonding-Drähte hinweist. Dies ist bei kleiner Dimensionierung des Querschnitts ein häufig anzutreffender Effekt.
Hinweis: Das hier getestete Sample ist zwar nicht durch Durchbrennen der Bondierung zerstört worden, gleichwohl ist eine Zerstörung bei anderen Exemplaren bereits im Bereich 9 bis 9,5 A durchaus im Bereich des möglichen und muss daher bei Anwendungen mit Strömen größer 8 A immer einkalkuliert werden!
Basierend auf den vorliegenden Daten vermute ich, dass dieser Emitter wie bereits die SST-40-W für einen Dauerstrom von max. 6 A spezifiziert ist und ebenso einen ähnlichen Wärmewiderstand wie die SST-40-W (im Bereich 0,8-1,2 K/W) aufweist.
Richtig interessant ist der Vergleich mit anderen LEDs. Grundsätzlich ähneln sich die Kurven von der Luminus SST-40-W und dieser LMP extrem. Die LMP weist sehr wahrscheinlich einen etwas höheren Wärmewiderstand auf, weshalb die Effizienz bei steigendem Strom immer geringer ausfällt. Sonst sind die Kennlinien quasi identisch. Selbst die Vf ähnelt der SST-40-W extrem.
Die bereits über 10 Jahre alte XM-L2 der ersten Generation ("1st gen") bietet einen höheren Lichtstrom, wobei die Vf extrem hoch ist. Die neue Generation der XM-L2 ("2nd gen") bietet einen extrem hohen Lichtstrom und ist dank ihrer Flip Chip-Bauweise beinahe "unzerstörbar".
Es scheint, als haben SST-40 und LMP einige Gemeinsamkeiten. Trotz des abweichenden Designs und dem etwas anders aussehenden LED-Chip scheinen sich beide LED-Chips und auch das allgemeine Design der LED extrem zu ähneln. Zwar ist dies nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass wir es hier mit einem Luminus-LED-Chip zu tun haben, welcher in einem Joint-Venture (?) zusammen mit einem chinesischen Fertiger in einer LED verbaut wird, aber die Gemeinsamkeiten sind schlicht zu deutlich, um sie einfach zu ignorieren, zumal gerade solche Kennlinien kaum "nachzubauen" sind und jeder LED-Hersteller und Fertiger von LED-Chips irgendwo seinen "Fingerprint" in diesen Kennlinien hinterlässt. Andererseits habe ich hier nur eine LMP getestet, sodass es starke Abweichungen bei anderen Samples geben könnte.
Zu guter letzt: "LMP" ist vermutlich eine Abkürzung für einen englischsprachigen Namen, und "LM" kommt immerhin auch im Namen "Luminus" vor. Wer genauere Infos zu all diesen Unklarheiten hat, kann gerne im Thread etwas dazu schreiben.
Leuchtdichten
Werte bei 25 °C Tsp, 85 °C Tsp Werte 13 % niedriger
Die Leuchtdichte entspricht der einer Luminus SST-40, was durch die große Ähnlichkeit auch zu erwarten ist. Überraschungen gibt es sonst keine.
Lichtqualität und Verhalten in Optiken
Die LML2AW.DC hat ein großes Problem mit Sekundäroptiken. Mir ist nicht ganz klar, wodurch der extreme Tintshift je nach Abstrahlwinkel verursacht wird, doch ist er bereits ohne Optik sehr auffällig. Möglicherweise liegt dieser an dem verwendeten Silikon (Brechungsindex?), aber so extrem habe ich es noch bei keiner LED mit Lateral Chip (lambertsches Strahlungsverhalten) gesehen.
Der äußere Bereich ist sehr blau, nur der Spot ist in der Lichtfarbe, nach welcher die LED klassifiziert ist. Zwar wird das Licht in einer diffusen Umgebung (bspw. Ulbrichtkugel) gut durchmischt, doch ist der Unterschied bei Nutzung von Reflektoren umso größer. Hier ist bereits gut zu erahnen, wie extrem der Tintshift im Reflektor auftritt.
Bei der Verwendung eines flacheren Reflektors wie der von einer Convoy S2+ ist der blaue Tintshift im Spill deutlich stärker ausgeprägt. Doch auch im SMO-Reflektor ist dieser deutlich sichtbar und nervt. Wirklich nutzbar ist diese LED nur in sehr diffusen Optiken, welche den gesamten Anteil des Lichts durchmischen, wie stark texturierte (beaded) TIR-Optiken.
Lichtfarbe
Die Lichtfarbe des hier gemessenen Samples ist hervorragend. Mit einem duv nahe bzw. unter 0 gibt es keine grünen oder gelblichen Anteile. Nachteilig ist hier allerdings der geringe CRI von nur 72, welcher hier durchaus auffällt. Für jene, die keine hohe Farbwiedergabe brauchen und lediglich eine schöne Lichtfarbe wollen, ist diese LED (wenn man die Probleme in Optiken berücksichtigt) durchaus eine gute Alternative.
Interessant ist der Knick im Bereich 530 bis 580 nm, welcher vermutlich Absicht ist. Möglicherweise wurde die Phosphor-Mischung bewusst so ausgelegt, dass der Grünanteil soweit reduziert wird, damit sich die Farbverortung möglichst nahe der BBL angleicht. So eine offensichtliche Anpassung des Grünanteils kommt in der Ausprägung bei neutralweißen LEDs relativ selten vor (normalerweise ist eine einfache geschwungene Kurve zu erwarten) und ist ein Vorteil für all jene, die eine gute Lichtfarbe wünschen.
Unter anderem deshalb vermute ich, dass diese LED speziell für den Einsatz in Straßenlaternen und Downlights ohne Sekundäroptiken entwickelt wurden, wo der Tint brauchbar und reproduzierbar sein muss, aber eine hohe Farbwiedergabe nicht benötigt wird.
- Ra: 72
- R9: -20
- CCT: 4125 K
- duv: -0,0008
Fazit
Die LML2AW.DC LED hat es nicht leicht. Als ein "Klon" der XM-L2 oder SST-40 böte sie durchaus Potenzial um eine würdige NAchfolge dieser bereits älteren Modelle anzutreten, doch reizt sie dieses Potenzial nicht einmal ansatzweise aus.
Größtes Problem sind die optischen Eigenschaften. Der extreme Tintshift mit steigendem Abstrahlwinkel ist für die Verwendung von Sekundäroptiken extrem problematisch und erzeugt ein unschönes Lichtbild mit blauem Spill und gelblichem Spot. Zudem ist chemisches Dedoming zumindest in meinem Test unmöglich und Varianten mit hoher Farbwiedergabe sind nicht verfügbar. Zum Schluss ist auch das vollständige Fehlen irgendwelcher offiziellen Daten sowie des Herstellers anzumerken, was die Verwendung im DIY-Bereich deutlich erschwert.
Pro
- sehr schöner Tint (duv quasi 0)
- XM-Footprint, Kompatibilität mit XM-Zubehör
Neutral
- geringe Farbwiedergabe
Contra
- extrem starker Tintshift bei Verwendung von Reflektoren/Reflektorlinsen
- keinerlei gesicherte Informationen zur LED öffentlich verfügbar
- nur in China bzw. bei chinesischen Verkäufern erhältlich
Danke fürs Lesen dieses Tests.
LG, Dominik
v1.0.1
Zuletzt bearbeitet:


Die Lampe ist goldrichtig, bloß lediglich mit einem OP Reflektor wird ein Schuh draus.


. Darunter leidet massiv meine Konzentration - und das kann ich mir bei meinem üblichen Terrain draußen nicht leisten. 