LED-Test / Review
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LatticePower CSP2323 6000K 90CRI
22.01.2024
In der sehr populären Wurkkos TS10 Mini kommen relativ unbekannte Emitter zum Einsatz, die CSP2323 von LatticePower. Da es momentan quasi keine gesicherten Informationen zu diesen LEDs gibt, gibt es hier einen ersten Test.
Die hier getesteten Emitter in der Variante kaltweiß (lt. Wurkkos 6000 K 90 CRI) wurden einer roten TS10 Mini (gekauft Juli 2023 bei Amazon DE) entnommen.
Technische Daten
Tj 85 °C, If 700 mA
Typ: single die, CSP
Binning: unbekannt
Farbgruppierung: unbekannt (etwa 6000 K)
CRI: 90
Nennspannung: typ. 2,85 V
Max. Vorwärtsstrom: 1400 mA
Max. Spitzenstrom: 2000 mA
Abstrahlwinkel: 120 °
Wärmewiderstand: unbekannt K/W
Max. Temperatur Tj: max. 135 °C
Offizielles Datenblatt: CSP2323 (LatticePower, PDF, 2,7 MB)
Design, LES, Performance und Leuchtdichte
Im Gegensatz zu den meisten anderen Emittern ist die CSP2323 sehr klein und flach. Dies wird durch das Chip Scale Package-Design (CSP) erreicht. Bei diesem ist der LED-Chip ohne Substrat direkt im Gehäuse eingebettet und wird direkt auf Platinen gelötet, was die Kosten und Größe massiv verringert.
Laut Definition darf das Gehäuse im CSP-Design maximal 20 % mehr Fläche als der LED-Chip ausmachen, wozu ersichtlich die Anschlüsse für SMD-Bestückung ohne Bonding mit dem Die verbunden werden müssen.
Die CSP2323 sind extrem empfindlich. Bei manuellem Reflowen ist höchste Vorsicht geboten, da bei steigender Temperatur die gelbe Phosphorschicht abfällt bzw. abbricht oder das weiße Gehäuse um dem LED-Chip einfach zerbrechen kann. Eine Handhabung dieser LEDs sollte daher nur durchgeführt werden, wenn sich dies nicht vermeiden lässt.
Das Footprint ist - wie bei CSP-LEDs üblich - speziell und entspricht keinem üblicherweise genutzten Standard. Dies erschwert die Verwendung solcher LEDs für Umbauten von Taschenlampen. Ein dediziertes Thermal Pad gibt es nicht, was die maximale Performance begrenzt, da nur bedingt Wärme vom LED-Chip ins PCB abgeführt werden kann.
Die Leuchtfläche nimmt wie im CSP-Design zu erwarten den Großteil des LED-Packages ein. Es wird Licht seitlich abgestrahlt, was die Leuchtdichte verringert. Die Lichtfarbe der Leuchtfläche entspricht der angegebenen CCT.
Die Leuchtfläche ist 3,2 mm² groß. Eine genaue Bestimmung der Leuchtflächen-Größe ist wegen dem seitlich abgestrahlten Licht hier nicht möglich.
- bei 1400 mA (offizieller Maximalstrom): 455 lm @ 3,09 V
- Leistung bei offiziellem Maximum: 4,32 W
- Effizienz bei 1400 mA: 105,3 lm/W
- Maximum bei 3,2 A erreicht, an diesem Punkt 683 lm @ 3,41 V
- Leistung bei Maximum 10,9 W
- Effizienz im Maximum 62,5 lm/W
Wegen dem fehlenden Thermal Pad ist die maximale Performance begrenzt. Bereits ab 2,4 A sinkt der Lichtstrom innerhalb von wenigen Sekunden deutlich, bei etwa 3,2 A findet keine weitere Steigerung des Lichtstroms mehr statt. Dies ist ein Problem bei allen LEDs ohne adäquate Wärmeabfuhr über ein dediziertes Thermal Pad.
Wurkkos gibt 1400 lm aus drei CSP2323 als maximalen Lichtstrom bei der TS10 mini an, was auf einen Betrieb der LEDs bei je exakt 1,4 A Maximalbestromung hindeutet. Letzteres ist essentiell bei solchen LEDs, um eine lange Lebensdauer sicherzustellen. Empfehlenswert ist eine Überbestromung von CSP-basierten LEDs nur in Ausnahmefällen.
Im Vergleich ist gut zu sehen, wie die ältere XP-E2 keine Chance hat, und das trotz höherem Bin und kaltweißer CCT mit niedriger Farbwiedergabe. Zudem ist die Vf der XP-E2 sehr hoch. Die SST-12 besitzt eine ähnliche Kennlinie wie die CSP2323, trotz dediziertem Thermal Pad. Die Nichia 219BT-V1 in der High-CRI Variante ist ebenfalls älter und ist ebenfalls weniger effizient.
Daten für 25 °C Tsp (bei 85 °C sind die Leuchtdichten etwa 13 % geringer).
Durch das seitlich abgestrahlte Licht und die ohnehin verringerte Effizienz wegen dem hohen Farbwiedergabe-Index ist die Leuchtdichte gering. Für Thrower ist diese LED nicht geeignet, wobei hier ohnehin LEDs mit dediziertem Thermal Pad zu bevorzugen sind.
Lichtbild, Spektrum und Farbeindruck
Das Lichtbild ist mit einer Wurkkos TS10 mini brass mit 4000 K CSP2323 aufgenommen worden. Die TS10 mini besitzt eine Triple-Lens ohne Texturierung. Das Lichtbild ist flutig, es gibt sehr leichte Farbverschiebungen um dem flutigen Spot, welche aber weder bei der kaltweißen, noch bei der neutralweißen Variante störend auffallen. Dasselbe gilt auch für Reflektoren.
Diese CSP2323 besitzt eine recht hohe CCT. Wurkkos gibt 6000 K für die hier getestete kaltweiße Variante an, wobei hier über 6500 K erreicht werden. Die Farbwiedergabe ist wie angegeben sehr hoch und liegt samt R9 auf einem ähnlichen Niveau wie bei bekannten Nichia-Emittern. Allerdings ist der duv deutlich über 0 und der Tint ist leicht grünlich. Dies stört zwar während normaler Nutzung in Haushalt und Natur prinzipiell nicht, kann aber je nach Vorliebe ein störender Faktor sein.
- Ra: 93
- R9: 67
- CCT: 6661 K
- duv: 0,0033
Fazit
Die CSP2323 ist - durch ihre Bauart bedingt - wenig leistungsfähig und kaum überbestrombar. Zudem ist sie sehr empfindlich in der Handhabung und das spezielle Footprint erfordert entsprechende Platinen. Dafür ist sie extrem kompakt und kostengünstig, zudem ist der Farbwiedergabe-Index sehr hoch und das Lichtbild in Ordnung.
Pro
- extrem kompakt
- sehr kostengünstig
- hoher Farbwiedergabe-Index
- gutes Lichtbild
Neutral
- leicht grünlicher Tint (hier getestetes Sample)
Contra
- geringe Überbestrombarkeit, da CSP
- sehr empfindlich bei Handhabung
- spezielles Footprint, keine Kompatibilität bestehenden Zubehörs
Danke fürs Lesen dieses Tests.
LG, Dominik
v1.0.1
