[LED-Test / Review] Kuriosität: Unbekannte 7070-LED mit Chip einer Luminus CBT-90/SBT-90 1st gen (5700 K 90 CRI)

Köf3

LED-Spezialist
17 Mai 2015
4.140
5.940
113
nahe Köln
LED-Test/ Review DE
DE


Unbekannte 7070 LED (CBT-90-Chip, 5700 K 90 CRI)


02.04.2025


Typ: lateral, monolithisch
Binning: ---
Farbgruppierung: --- (5700 K)
CRI: 90

Nennspannung: 3 V
Max. Vorwärtsstrom: --- mA
Max. Spitzenstrom: --- mA
Abstrahlwinkel: ---
Wärmewiderstand: --- K/W
Max. Temperatur Tj: max. --- °C



Der hier getestete Emitter wurde vor mehreren Monaten bei Goofish in China geordert. Weitere Informationen zu einem Datenblatt oder Hersteller/Teilenummer gibt es nicht. Es ist zu beachten, dass ein Kauf bei Plattformen für den chinesischen Inlandsmarkt wie Goofish nicht trivial ist, und auch forwarding/dropshipping services wie Superbuy nicht immer funktionieren. Ich wurde hierbei durch einen chinesischen User unterstützt.

Diese LED interessierte mich wegen des großen LED-Chips und orangenen Phosphors. Dies war bereits auf den Artikelfotos klar erkennbar und deutet grundsätzlich auf eine Phosphormischung mit hohem Rotanteil hin, was für LEDs mit hoher Farbwiedergabe typisch ist.

Der LED-Chip sitzt auf einem dunkelgrauen Substrat. Es ist anzunehmen, dass dies der selbe Chip einer CBT-90 bzw. SBT-90 1st gen ist, auch die Anzahl der Bonding-Drähte und das charakteristische streifenförmige Vias-Muster ist identisch.
Umgeben ist der Chip von einem goldfarbenen Rahmen, in welchem eine dünne Glasscheibe sitzt.

Das Footprint ist ungewöhnlich und entspricht keinem (gängigen) Standard. Das Package selbst ist zwar 7,00 x 7,00 mm groß, aber das Footprint selber ähnelt dem 7070 überhaupt nicht. Die Anschlüsse für Anode/Kathode sind viel größer, das Thermal Pad ist dagegen viel kleiner, was die Wärmeabfuhr beeinträchtigen könnte.
Durch dieses seltsame Footprint sind 7070-Boards nicht verwendbar, für den Test wurde ein 5050-Board modifiziert. Das reflowen auf dieses modifzierte 5050-Board verlief dagegen problemlos.

Die Leuchtfläche ist 9,9 mm2 groß. Es ist zu beachten, dass etwas Licht vom Metallrahmen reflektiert wird.


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  • Maximum bei 30 A erreicht, an diesem Punkt 2285 lm @ 3,85 V
  • Leistung bei Maximum 115,5 W
  • Effizienz im Maximum 19,8 lm/W


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Daten für 25 °C Tsp (bei 85 °C sind die Leuchtdichten etwa 13 % geringer).

Da keinerlei Angaben zum Maximalstrom vorliegen, wird hier ausschließlich der maximal mögliche Strom sowie die Kennlinie für die Bewertung herangezogen.

Die hier getestete LED ist die bis dato ineffizienteste, die ich je getestet habe. Zwar erreicht die LED beeindruckende 30 A und 116 Watt, was für ein solch kleines Thermal Pad keine schlechten Werte sind, allerdings sind 19,8 lm/W extrem wenig und liegen durchaus im Bereich von handelsüblichen Halogenlampen. (Zum Vergleich: eine überbestromte 12 V 20 W Halogenlampe erreicht bei 23 V durchaus über 35 lm/W!)

Selbstredend ziehen alle modernen Emitter - selbst die in hoher Farbwiedergabe - Kreise um die hier getestete LED. Eine moderne SBT-90.2 erreicht bspw. einen fast dreimal höheren Maximal-Lichtstrom, bei gleichzeitig deutlich niedrigerer Vf.

Die Vf ist im Vergleich zu anderen LEDs relativ hoch, wobei sich dies durch den großen Chip und die zahlreichen Bonding-Drähte relativiert.

Durch diese Messwerte nehme ich an, dass diese LED sehr alt ist bzw. die Performance sehr stark durch den Chip begrenzt ist. Der LED-Chip entspricht dem einer CBT-90 und später SBT-90 (1. Generation), welche 2009 auf den Markt kam. Der für heutige Verhältnisse sehr geringe Lichtstrom entspricht dem einer CBT-90 in Bin LB (ca. 1300 lm bei 9 A), was für den LED-Chip und ähnliche Phosphormischung einer CBT-90 W57H (High CRI-Variante) spricht.

Die Leuchtdichte fällt daher extrem niedrig aus. Für Thrower ist die LED nicht wirklich zu gebrauchen.

Der Beam ist völlig in Ordnung. Ein kurzer Test mit einem S2+ OP Reflektor ergab keinerlei störende Artefakte wie Farbsäume oder verschiedenfarbigen Spill.
Für Taschenlampen ist diese LED daher geeignet.



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Der Tint ist gut. Mit einem CRI von 91 und R9 von 50 ähnelt das Spektrum dem früherer High CRI-LEDs.
Die LED wirkt wie eine CBT-90-W57H, allerdings nicht als Chip-on-board, sondern als klassischer Emitter auf einem eigenen Package. Unterstützt wird die These durch die genau passende Farbtemperatur.

Einen starken Tintshift bei steigendem Strom gibt es nicht.


  • Ra: 91
  • R9: 50
  • CCT: 5712 K
  • duv: -0,0025


Man kann echt interessante LEDs in China finden, wie diese hier gezeigte Kuriosität. Diese LED hier ist vor allem bei hohen Betriebsströmen extrem ineffizient, und vermutlich deutlich älter, als es das Package vermuten lässt. Im Allgemeinen ist die LED einer Luminus CBT-90 zumindest in den elektrischen und optischen Eigenschaften sehr ähnlich, wenngleich sich das Package massiv unterscheidet.

Für Taschenlampen oder andere Anwendungen ist diese LED heutzutage daher wenig interessant, und eher wirklich nur Kuriosität zu verstehen.


Danke fürs Lesen dieses Tests. :)

LG, Dominik


v1.0.2
 

Köf3

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Was das Spektrum betrifft, ist diese LED schon sehr interessant. Auffällig ist vor allem der Blaupeak bei 460 nm, der für klassische LEDs mit blau emittierendem Chip unüblich ist (Standard sind 440-450 nm). Die einzigen mir bekannten LEDs mit einem solch hohen Peak sind die CBT-140-W low CRI und die 4000 K SST-20-WxH (High CRI). Insofern ist sehr wahrscheinlich, dass hier der Chip einer CFT-90/1st gen SBT-90 von Sanan/Luminus genutzt wurde.

Ich frage mich zudem, welche Art von Phosphor in dieser unbekannten LED verwendet wurde. Für grün-gelb ist es YAG:Ce3+, wie bei fast allen weißen LEDs.

Für den Rotanteil des Phosphors kann es sich allerdings nicht um CASN:Eu2+ mit λmax= 620 nm handeln. Bei dieser LED liegt λmax eher bei 650-660 nm und die Bandbreite ist sehr hoch. Das habe ich so bei einer HIgh CRI-LED noch nicht gesehen. Es kann sich auch nicht um Sr2Si5N8:Eu2+ handeln, da λmax bei diesem um etwa 610 nm liegt.
So gut wie alle LEDs mit hohem CRI (und die meisten warmweißen LEDs) verwenden CASN:Eu2+ für Emissionen im roten Spektralbereich, wie die High-CRI-Varianten von Luminus und Nichia.

Ich wäre dankbar für weitere sachdienliche Hinweise zur Frage des Phosphors.
 
  • Danke
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Köf3

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Für den Rotanteil des Phosphors kann es sich allerdings nicht um CASN:Eu2+ mit λmax= 620 nm handeln. Bei dieser LED liegt λmax eher bei 650-660 nm und die Bandbreite ist sehr hoch. Das habe ich so bei einer HIgh CRI-LED noch nicht gesehen. Es kann sich auch nicht um Sr2Si5N8:Eu2+ handeln, da λmax bei diesem um etwa 610 nm liegt.
Ich denke, ich habe die wahrscheinlichste Quelle des maximalen Peaks im Rotbereich ausgemacht: SrLiAl3N4:Eu2+ (kurz: SLA).

Dieses Phosphor kann je nach Doping mit Eu leicht unterschiedliche Wellenlängen-Maxima annehmen, von 635 bis 650 nm ist alles dabei. Bei der hier gezeigten LED liegt der Peak bei etwa 650 nm. Allen SLA-Phosphoren gemein ist die noch immer recht hohe Strahlungsleistung bei 700-730 nm, was mit ein Grund für die geringe Effizienz und den bei manchen LEDs vorhandenen extremen Rotstich ist.
Zu beachten ist, dass viele LED-Hersteller fertige Mischungen bei spezialisierten Zulieferern beschaffen, welche die genaue Zusammensetzung aus offensichtlichen Gründen nicht offenlegen.