"accuracy of a calibrator with brute force power"
(Hewlett-Packard Journal 11/1972)
(ab Seite 16)
Nach dem doch noch recht neuen HP E3615A möchte nun eines meiner Lieblingsspielzeuge vorstellen, welches vor ein paar Monaten den Weg aus den USA zu mir nach Deutschland fand:
Das Präzisionsnetzteil HP 6114A
Dieses Netzteil wurde von 1972 bis Ende der 80er Jahre gebaut. Meines wurde den Datecodes zufolge nach 1983 gebaut, ist also inzwischen auch schon über 30 Jahre alt.
Der Preis lag 1972 bei 525$, das entspricht nach Berücksichtigung der Inflation etwa heutigen 2500-3000€.
Die große Besonderheit dieses Netzteils ist seine immense Präzision. Mit einer Spannungsgenauigkeit (Einstellgenauigkeit) von 0,025% und einer Regelgenauigkeit von 0,0005% kann es für Kalibrierungsaufgaben eingesetzt werden.
Darüber hinaus kann es aber eine Leistung von bis zu 40 Watt abgeben. Bis zu 20V sind das 2A, bis 40V Ausgangsspannung 1A.
Dazu muß man wissen, professionelle Kalibratoren sind normalerweise zwar um mindestens nochmal Faktor 10 genauer, dafür aber um Faktor 10-100 teurer und sie liefern nur wenige mA Ausgangsstrom.
Um einen Vergleich zu haben, hier die technischen Daten des HP 6114A neben den Daten des von mir bereits genannten HP E3615A:
Beide Geräte können auf der Rückseite über Widerstände eingestellt werden und haben dort einen Ausgang mit Sense-Anschluss. D.h. über zwei zusätzliche Leitungen wird die eingestellte Spannung direkt am Ende der Ausgangsleitungen gemessen. Damit können die Spannungsverluste durch den Widerstand der Zuleitungen kompensiert werden.
Das Gerät bekam ich in einem guten Zustand, sogar noch mit einer 20 Jahre alten original Kalibrierversiegelung von HP (es war jedoch eine Neukalibrierung nötig, im Rahmen der Gehäusereinigung habe ich von daher die Reste des Kalibriersiegels entfernt).
Neben der äußeren Gehäusereinigung und der Neujustage habe ich eine Reinigung der PVC-Schläuche im Inneren vorgenommen und das 10-Gang Präzisionspotentiometer zur Stromeinstellung getauscht. Das alte Potentiometer war leider zu schwergängig geworden.
Leider sind ein Teil der Leitungen im inneren in durchsichtigen PVC-Schläuchen geführt. Auf diesem Bild ist gut eine Flüssigkeit auf dem Schlauch und an den Kanten der Metallöffnung, durch die dieser geführt wird, zu erkennen, die wie Öl aussieht. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei aber um Weichmacher die aus dem Kunststoff ausgetreten sind. Das gleiche Bild ausgetretener Weichmacher an diesen Schläuchen hatte ich auch in einem anderen HP-Netzteil (ich werde davon später mal berichten). Mit Reinigungstüchern, Elektronikreiniger und einer Pinzette lassen sich diese Rückstände aber zum Glück gut entfernen (besser nicht an die Haut kommen lassen).
Anschließend konnte ich die Neujustage vornehmen und die angegebenen Spezifikationen überprüfen. Die Restwelligkeit konnte ich mit den mir im Moment zur Verfügung stehenden Mitteln nicht messen. Dazu muß ich mir erst noch einen passenden Vorverstärker bauen.
Was bedeuten jetzt all diese Angaben. Hierfür ein paar Messungen der eingestellen Werte:
Eingestellt sind 5 mV am kleinen Drehknopf.
10 mV, eingestellt über die Up-Down Auswahl:
10 V
Die maximale Ausgangsspannung von 40V wird durch das Auswählen von 39,99 + 10mV an der Feineinstellung eingestellt:
Der angegebene Ausgangswiderstand von 0,05 mOhm bezieht sich auf den rückseitigen Anschluß. Wenn ich dort an meinem Gerät bei voller Laständerung messe, ändert sich die letzte Anzeigestelle meines 6 1/2-stelligen Multimeters um 1-2 digits (!). Das entpricht ca. 0,02 mOhm.
Der Ausgang auf der Vorderseite des Gerätes hat nach meiner Messung ca. 2,9 mOhm. Da sind aber noch Übergangswiderstände der Stecker mit in der Messung.
Wenn ich bei eingestellten 10V mit 2A (in eine elektronische Last, rechts unten im Bild) belaste ergibt sich folgender Meßwert:
Bemerkenswert ist auch, daß die am Multimeter angezeigte Spannung stabil bis auf die letzte Displaystelle ist. d.h. nur eine Schwankung von +-1 digit an der letzten Stelle - das kann aber sogar mit rauschen im Multimeter erklärt werden.
Das HP E3615A ist hier deutlich schlechter. Da schwanken bei eingestellten 10V die letzten 3 Displaystellen wild herum. Zum Vergleich nochmal beide Geräte nebeneinander:
Diese hohe Genauigkeit des HP 6114a wird über eine temperaturkompensierte Z-Diode erzeugt. Keine Sonderschaltungen oder beheizte Referenzen, was ungewöhnlich ist - aber auch gut für die Lebensdauer.
Auch bei diesem Netzteil wurde die Verlustleistung schon begrenzt. Hierfür wird oberhalb einer Ausgangsspannung von 20V ein weiterer Transistor mit einer höheren Versorgungsspannung aktiviert (Details sind im oben verlinkten HP-Journal zu finden).
Bemerkenswert ist die einfache Schaltung des Gerätes. Es werden hier einstellbare Spannung, Strombegrenzung und Überspannungsabschaltung mit nur 10 Transistoren und 4 Operationsverstärkern realisiert.
Es ist das genaueste Netzteil, das ich bisher in meinen Händen hatte.
(Hewlett-Packard Journal 11/1972)
(ab Seite 16)
Nach dem doch noch recht neuen HP E3615A möchte nun eines meiner Lieblingsspielzeuge vorstellen, welches vor ein paar Monaten den Weg aus den USA zu mir nach Deutschland fand:
Das Präzisionsnetzteil HP 6114A
Dieses Netzteil wurde von 1972 bis Ende der 80er Jahre gebaut. Meines wurde den Datecodes zufolge nach 1983 gebaut, ist also inzwischen auch schon über 30 Jahre alt.
Der Preis lag 1972 bei 525$, das entspricht nach Berücksichtigung der Inflation etwa heutigen 2500-3000€.
Die große Besonderheit dieses Netzteils ist seine immense Präzision. Mit einer Spannungsgenauigkeit (Einstellgenauigkeit) von 0,025% und einer Regelgenauigkeit von 0,0005% kann es für Kalibrierungsaufgaben eingesetzt werden.
Darüber hinaus kann es aber eine Leistung von bis zu 40 Watt abgeben. Bis zu 20V sind das 2A, bis 40V Ausgangsspannung 1A.
Dazu muß man wissen, professionelle Kalibratoren sind normalerweise zwar um mindestens nochmal Faktor 10 genauer, dafür aber um Faktor 10-100 teurer und sie liefern nur wenige mA Ausgangsstrom.
Um einen Vergleich zu haben, hier die technischen Daten des HP 6114A neben den Daten des von mir bereits genannten HP E3615A:
| HP E3615A | HP 6114A | |
|---|---|---|
| Leistung | 60W | 40W |
| Ausgangsspannung | 0-20V | 0-40V |
| Ausgangsstrom | 0-3A | 0-20V: 2A, 20-40V: 1A |
| Ausgangsimpedanz | 0,05mOhm | |
| Temperaturbereich | 0-40°C | 0-55°C |
| Einstellgenauigkeit | n/a (Poti) | 0,025% über Front-Panel |
| Lastausregelung (Änderung der Ausgangsspannung bei maximaler Laständerung) | 0,01% + 2mV | 0,0005% + 100μV |
| Restwelligkeit | < 200μVrms / 1mVpp | < 40μVrms / 100μVpp |
| Temperaturkoeffizient | < 0,02% + 500μV | < 0,001% + 15μV pro °C Temperaturänderung |
| Drift | < 0,1% + 5mV über 8h bei konstanter Temperatur | < 0,005% + 50μV über 8h bei konstanter Temperatur |
| Transient Recovery Time | < 50μs | < 50μs |
| Überspannungs-Crowbar | ja | ja |
Beide Geräte können auf der Rückseite über Widerstände eingestellt werden und haben dort einen Ausgang mit Sense-Anschluss. D.h. über zwei zusätzliche Leitungen wird die eingestellte Spannung direkt am Ende der Ausgangsleitungen gemessen. Damit können die Spannungsverluste durch den Widerstand der Zuleitungen kompensiert werden.
Das Gerät bekam ich in einem guten Zustand, sogar noch mit einer 20 Jahre alten original Kalibrierversiegelung von HP (es war jedoch eine Neukalibrierung nötig, im Rahmen der Gehäusereinigung habe ich von daher die Reste des Kalibriersiegels entfernt).
Neben der äußeren Gehäusereinigung und der Neujustage habe ich eine Reinigung der PVC-Schläuche im Inneren vorgenommen und das 10-Gang Präzisionspotentiometer zur Stromeinstellung getauscht. Das alte Potentiometer war leider zu schwergängig geworden.
Leider sind ein Teil der Leitungen im inneren in durchsichtigen PVC-Schläuchen geführt. Auf diesem Bild ist gut eine Flüssigkeit auf dem Schlauch und an den Kanten der Metallöffnung, durch die dieser geführt wird, zu erkennen, die wie Öl aussieht. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei aber um Weichmacher die aus dem Kunststoff ausgetreten sind. Das gleiche Bild ausgetretener Weichmacher an diesen Schläuchen hatte ich auch in einem anderen HP-Netzteil (ich werde davon später mal berichten). Mit Reinigungstüchern, Elektronikreiniger und einer Pinzette lassen sich diese Rückstände aber zum Glück gut entfernen (besser nicht an die Haut kommen lassen).
Anschließend konnte ich die Neujustage vornehmen und die angegebenen Spezifikationen überprüfen. Die Restwelligkeit konnte ich mit den mir im Moment zur Verfügung stehenden Mitteln nicht messen. Dazu muß ich mir erst noch einen passenden Vorverstärker bauen.
Was bedeuten jetzt all diese Angaben. Hierfür ein paar Messungen der eingestellen Werte:
Eingestellt sind 5 mV am kleinen Drehknopf.
10 mV, eingestellt über die Up-Down Auswahl:
10 V
Die maximale Ausgangsspannung von 40V wird durch das Auswählen von 39,99 + 10mV an der Feineinstellung eingestellt:
Der angegebene Ausgangswiderstand von 0,05 mOhm bezieht sich auf den rückseitigen Anschluß. Wenn ich dort an meinem Gerät bei voller Laständerung messe, ändert sich die letzte Anzeigestelle meines 6 1/2-stelligen Multimeters um 1-2 digits (!). Das entpricht ca. 0,02 mOhm.
Der Ausgang auf der Vorderseite des Gerätes hat nach meiner Messung ca. 2,9 mOhm. Da sind aber noch Übergangswiderstände der Stecker mit in der Messung.
Wenn ich bei eingestellten 10V mit 2A (in eine elektronische Last, rechts unten im Bild) belaste ergibt sich folgender Meßwert:
Bemerkenswert ist auch, daß die am Multimeter angezeigte Spannung stabil bis auf die letzte Displaystelle ist. d.h. nur eine Schwankung von +-1 digit an der letzten Stelle - das kann aber sogar mit rauschen im Multimeter erklärt werden.
Das HP E3615A ist hier deutlich schlechter. Da schwanken bei eingestellten 10V die letzten 3 Displaystellen wild herum. Zum Vergleich nochmal beide Geräte nebeneinander:
Diese hohe Genauigkeit des HP 6114a wird über eine temperaturkompensierte Z-Diode erzeugt. Keine Sonderschaltungen oder beheizte Referenzen, was ungewöhnlich ist - aber auch gut für die Lebensdauer.
Auch bei diesem Netzteil wurde die Verlustleistung schon begrenzt. Hierfür wird oberhalb einer Ausgangsspannung von 20V ein weiterer Transistor mit einer höheren Versorgungsspannung aktiviert (Details sind im oben verlinkten HP-Journal zu finden).
Bemerkenswert ist die einfache Schaltung des Gerätes. Es werden hier einstellbare Spannung, Strombegrenzung und Überspannungsabschaltung mit nur 10 Transistoren und 4 Operationsverstärkern realisiert.
Es ist das genaueste Netzteil, das ich bisher in meinen Händen hatte.
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