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Review Nextorch P81 Einsatzlampe

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amaretto

Moderator & Beamshot-SEK
Teammitglied
12 August 2010
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NRW
Trustfire Taschenlampen Hypnose Hannover
Nextorch-Deutschland hat dem TLF freundlicherweise mehrere Taschenlampen zur Verfügung gestellt, die von den Mitgliedern getestet werden können. Entsprechende Passarounds kommen demnächst, so dass ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen könnt.
In einem Vorgespräch mit der Firma hatte ich darauf hingewiesen, dass nicht wenige unserer Mitglieder mittlerweile über große Erfahrung und technisches Knowhow bei Taschenlampen verfügen sowie (vor allem :pfeifen:) hohe Ansprüche insbesondere an flexible Programmier-/Bedienmöglichkeit, Qualität und Einhaltung von Herstellerangaben an die Produkte stellen. Dementsprechend kritisch und prüfend werden Herstellerangaben hinterfragt. Diese Betrachtungsweise der erfahrenen Mitglieder sollte grundsätzlich von den Herstellern und Vertrieben nicht als Produktbashing (also "Schlechtreden") verstanden werden sondern ist in einem technischen Fachforum immanent und der Sache insgesamt förderlich. Letztlich sollten die Hersteller auch konstruktive Kritik als Chance für Verbesserungen an eigenen Produkten und eine größere Kundenorientierung erkennen. Hier hat es in der Vergangenheit offenbar Missverständnisse und Irritationen gegeben, worauf wir nun einen neuen Versuch starten wollen.

Entscheidend ist - das muss allerdings auch gesagt werden -, dass die Mitglieder/Tester den Produkten unvoreingenommen gegenüberstehen und Bewertungen sowie Kritik an Produkten fachlich begründen können und dabei sachlich bleiben. Lobhudeleien bei gesponserten Reviews einerseits als auch pauschales Bashing, negative Stimmungsmache und Beissreflexe andererseits, nur weil es sich etwa um bestimmte Hersteller handelt, sind im Forum generell unerwünscht. Insofern erwartet das TLF-Team (bei allem Spaß am Taschenlampen-Hobby) Sachlichkeit und Fairness von allen Beteiligten. Darauf sollten wir alle stets achten.
Wichtig war es dem Vertrieb zu erwähnen, dass der Großteil des Nextorch-Programms speziell für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS wie Feuerwehren, Rettungsdienste, Katastrophenschutz, Polizei) ausgelegt sei. Insofern nehme ich an, dass bei beruflich im BOS-Bereich genutzten Leuchten eher einfache Bedienung, Robustheit, und Zuverlässigkeit im Vordergrund stehen als Konstruktionen im technischen Grenzbereich mit aberwitzigen Lumenwerten oder dutzenden Programmieroptionen.

Hier geht es zunächst um die Nextorch P81, die als "Einsatz LED-Taschenlampe" angeboten wird.
Hauptmerkmale: 2.600 Lumen, USB-Aufladung, Seitenschalter, großer Akku, Wasserdichtigkeit, Nanokeramik Notfall-Glasbrecher
  • Leuchtstufen 40 lm (38 Std, 35 m) / 570 lm (4,5 Std, 140 m) / 2600 lm (2 Std, 310 m)
  • Emitter: LUMINUS SST-70 LED, kaltweiße Lichtfarbe
  • Abmessungen: 161 × 28,5 × 35 mm
  • Gewicht: 174g (ohne Akku)
  • fallsicher bis 2 m, wasserdicht bis 1 m (IPX7)
  • Energieversorgung: 1x 21700 Li-Io-Akku
  • interne Aufladung über USB-C mit bis zu 2 A
  • Endabschaltung gegen Tiefentladung
  • LED-Statusanzeige für Akkuladung
  • hart anodisiertes Alu-Gehäuse
  • Edelstahlkrone mit Glasbrecher (Nano-Keramik)
  • Preis/UVP: 79,95 €
Lieferumfang: P81 Taschenlampe, 21700 Li-Io-Akku, Ladekabel, Ersatzdichtungen, Bedienungsanleitung


Mit ihren 16 cm Länge gehört die P81 zu den etwas größeren taktischen Lampen mit einem Akku.
Das Design ist schnörkellos und funktional. Bedient wird die Lampe über einen doppelten Seitenschalter.
Der Vordere ist allein für einen Sofortzugriff auf die Stroboskopfunktion, der Hintere ist für's Ein- und Ausschalten und die Leuchtstufenwahl.


Von dieser Seite wird das schlicht gehaltene Design noch deutlicher. An der Tailcap ist nur eine Öse für eine Halteschlaufe aber kein Schalter, wie das bei "Einsatzlampen" üblich ist.


Unterhalb des Schalterduos liegt die Statusanzeige für den Akku mit 4 LEDs. Die rechte LED leuchtet sowohl blau als auch rot (bei leerem Akku).


Verglichen zu einer 18650-Lampe wie z.B. der beliebten Sofirn SC31, Wurkkos FC11 u.ä. ist die P81 ein ganz schöner Klopper. Es kann sein, dass beispielsweise Polizistinnen und Polizisten die P81 am Koppel zu groß und schwer finden, um sie ständig am Leib zu tragen. Ich könnte mir eher vorstellen, dass die P81 als Backup im Wagen liegt und bei Suchaktionen zum Einsatz kommt, wo mehr Licht als sonst benötigt wird. Für den Objektschutz und zum Absuchen des Geländes sollte die Nextorch imho ideal sein.

Für den "Nomalbürger": Während eine schmale 18650er-Lampe meist noch problemlos in der Hosentasche zu tragen ist, könnte diese Transportweise bei der P81 peinlich werden. Hier wäre es schön gewesen, Nextorch hätte noch ein Nylonholster in den Lieferumfang gesteckt. Es könnte sein, dass wegen des "Überformats" die Suche nach einem geeigneten Holster gar nicht so einfach ist. Ich muss aber sagen, dass die P81 bedeutend besser in der Hand liegt und auch die Position des Daumens auf dem Schalter bequemer als bei so mancher kleineren Lampe ist.


Besser und dichter kann man einen Ladeanschluss kaum abdecken: Für den Zugang schraubt man den Lampenkopf so weit auf, bis die Buchse weit genug zugänglich ist. Es gibt einen Anschlag, man kann den Kopf also nicht versehentlich ganz abschrauben. Diese Lösung finde ich weitaus besser als frimelige Gummistöpselchen.

Während des Ladens zeigen die Status-LEDs blinkend den Ladefortschritt an. Bei leerem Akku warnt die Anzeige mit einer rot blinkenden LED, bevor die P81 ab 3,0V Ladespannung zur Akkuschonung ganz abschaltet.


Ist der Kopf zum Laden vorgeschoben, ließe sich damit auch der Lichtkegel einengen, falls gewünscht. So kann man die Ladeabdeckung quasi zweckentfremden (was auf Kosten der Dichtigkeit geht). Die SST70-LED ist gut im leicht strukturierten Reflektor zentriert. Ich vermute, auf das Orange Peel hätte man verzichten können, da Reflektorgeometrie und LED gut miteinander harmonieren und keine Unregelmäßigkeiten im Leuchtbild sichtbar sind. Allein die hervorgehobenen Glasbrecher sieht man als kleine Einbuchtungen im Lichtkegel.

Die Effektivität der Glasbrecher-Kugeln habe ich nicht getestet. Der normale Flashie wird die kaum brauchen, im Dienst zum gewaltsamen Öffnen einer Autoscheibe kann so etwas hilfreich sein. Wie sagt man: lieber haben und nicht brauchen als umgekehrt.


Alles gut verarbeitet und ausreichend geschmiert. Auf vergoldete Kontaktfedern hat man allerdings verzichtet. Das Tailcapgewinde ist anodisiert (und damit isoliert), daher ist ein mechanischer Lockout durch Lösen der Tailcap möglich.


Der Akku, das lange Biest, passte in keinen meiner Ladegeräte. Macht nix, die Lampe erledigt das Aufladen.
Wie schon erwähnt, gibt es bei der P81 einen gummierten Doppelschalter.
Der kleinere Knubbel im vorderen Bereich ist leicht erhöht und ist allein für den Strobe bei voller Leistung. Dieser geht nicht als Momentlicht, d.h. man schaltet ihn mit einem Klick ein und wieder aus.

Der hintere Bereich mit der größeren flacheren Schaltfläche ist für ein/aus und die Leuchtstufen. Es ist ein reverse Clicky und kein elektronischer Taster.
D.h. man drückt ihn zunächst ganz durch und wechselt durch nochmaliges Antippen die Leuchtstufen. Eine Besonderheit gibt es:
Drückt man ihn anfangs nicht ganz durch, startet die Lampe immer auf hellster Stufe und als Momentlicht. Erst wenn man den Schalter durchgedrückt hat, landet man in der festen Leuchtstufe, in diesem Fall der mittleren.

Ich muss gestehen, das hätte ich mir genau andersherum gewünscht. Selbst für taktische Anwendungen sollte es meines Erachtens besser sein, man würde für das Momentlicht (d.h. halb gedrückter Schalter) die mittlere oder gar nur niedrigste Stufe wählen. So könnte man beispielsweise eine Blendung beim Lesen von Dokumenten oder einer Fahrzeugkontrolle vermeiden und nur dann, wenn man es braucht, durch vollständiges Durchdrücken (und Einrasten des Schalters) die hellste Stufe zünden. Paniksicher wäre diese Schaltreihenfolge auch, denn wenn man im Eifer des Gefechts schnell die volle Leistung haben muss, bräuchte man nur einmal satt den Schalter ganz durchdrücken.

Die Nextorch-Leute werden sich bestimmt etwas dabei gedacht haben, dennoch sollte man diese Schaltreihenfolge mal reflektieren.

Also nochmal im Klartext wie die Bedienung abläuft:
großer flacher Knopf
- halb durchdrücken = volle Power
- ganz durchdrücken = mittlere Stufe, nächstes Antippen = niedrigste Stufe, dann hell - mittel - dunkel - hell - mittel ...
- nochmal ganz durchdrücken = aus
kleiner erhöhter Knopf
- Click = Strobe an/aus
Dieser Schalter ist vorrangig und übergeht die normalen Leuchtstufen. Soll heißen, wenn man beispielsweise die Lampe auf Dauerlicht eingeschaltet hat und dann den kleinen Knopf drückt, leuchtet Strobe. Drückt man nochmals, kehrt die Lampe zur regulären Leuchtstufe zurück.
(mit Hobbyequipment und ohne Gewähr)
  • Ladeschluss-Spannung: 4,17 V
  • Ladestrom: max. 2 A
  • Lichtstrom: 35 / 661 / 2.855 Lumen (ceiling bounce)
  • Lichtintensität: 32.500 Lux
  • Farbtemperatur: 6.000K und Ra67
  • Stroboskopfrequenz: 13 Hz
  • PWM vorhanden aber nicht mit dem Auge sichtbar (30 - 38 kHz)
Laufzeittest auf hellster Stufe mit Ventilatorkühlung

Innerhalb der ersten 4 Minuten fällt die Helligkeitskurve von anfänglich ~2.800 Lumen auf etwa 35% der Anfangshelligkeit. Dieser Stepdown ist bei einer einzelligen Lampe dieser kompakten Größe bei der hohen Leistung unausweichlich, um den Hitzetod der Elektronik zu vermeiden. Hier lässt sich die Physik nicht überlisten. Hervorragend jedoch, dass das Niveau nach dem Stepdown dann nahezu konstant über 2 Stunden gehalten wird, bis die P81 bei 3,0 V abschaltet. Auch wenn die Lampe automatisch abgeschaltet hat, ließ sie sich danach noch mehrmals auf allen 3 Leuchtstufen aktivieren. Man steht also nicht plötzlich dauerhaft im Dunkeln.

Leuchtergebnis:
Wir sehen einen universell einsetzbaren Lichtkegel mit einem großen Spot und einem nicht zu breiten Spill. D. h. im Nahbereich gibt es keine Eigenblendung und das Licht gelangt nur dorthin, wo man es im "sicherheitsrelevanten" Einsatz braucht.


Es gibt nur einen leichten Tintshift, der in der Praxis nicht stört. Saturnringe und Artefakte gibt es nicht. Die Einkerbungen am äußeren Rand durch die drei Bezelspitzen sind allenfalls ein Schönheitsmakel. Insgesamt, das kann man unten auf dem Outdoor-Beamshot gut sehen, hat die Nextorch eine kühle aber ziemlich reinweiße Lichtfarbe.


p1200975w0jg8.jpg


Noch ein animiertes Gif als Vergleich zu anderen Nextorch-Lampen.
Achtung, die kleinen Lampenbilder haben unterschiedliche Maßstäbe.


Kurzfazit
positiv:
+ gute Verarbeitungsqualität
+ hohe Lichtleistung (Herstellerangaben werden übertroffen)
+ interne Aufladung per USB-C
+ solide Abdeckung des Ladeports
+ sauberes Leuchtbild
+ konstante Leistungsregelung (nach dem notwendigen Stepdown)
+ übersichtliche Ladezustandsanzeige, Akkuwarnung und Endabschaltung
+ 5 Jahre Garantie

verbesserungswürdig:
- Ladekabel extrem kurz (aber egal, USB-Kabel hat man eh vorrätig)
- während des Ladens kein Leuchten möglich
- kein Sofortzugriff auf niedrigste oder mittlere Stufe (Blendgefahr)
- kein Trageholster im Lieferumfang

Diskussionsbedarf:
- User interface
 
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