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Review Mateminco PD90S mit SFH55

amaretto

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12 August 2010
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Trustfire Taschenlampen Gatzetec Shop
www.nealsgadgets.com hat kostenfrei eine Mateminco PD90S für Tests zur Verfügung gestellt. Sie wird dort als Thrower beworben mit einer Reichweite bis zu 924 Metern und einem Lichtstrom bis zu 9.300 Lumen. Sie ist ebenfalls von Astrolux unter der Bezeichnung FT03S erhältlich.
In der Lampe kommt eine bisher auf dem Tala-Markt wenig verbreitete und recht stattliche SFH55 LED des größten chinesischen Leuchtdioden-Herstellers Sa'an zum Einsatz. Als Stromversorgung kommt 1x 18650/21700/26650 Li-Io mit möglichst mehr als 20A Stromlieferfähigkeit in Frage.
Preislich liegt die PD90S bei ~75 Dollar regulär, in der Regel gibt's bei Neal aber ordentliche Rabatte, so dass man eher von 50-55€ ausgehen kann.
Nutzt beispielsweise den Code PD90S für 20% Rabatt.




Daten und Eigenschaften
(laut Anbieter)
- Emitter: SFH55 LED mit kaltweißer Lichtfarbe
- Lichtstrom 9.300 Lumen
- Leuchtweite 924 Meter
- stufenlose Helligkeitsregelung
- Energieversorgung: 1x 18650/21700/26650 (nicht im Lieferumfang)
- interne Aufladung des Akkus per USB-C
- elektronischer Seitenschalter
- Maße 170 x 69,5 x 34,5 mm (L x Kopf x Body)
- Gewicht 301 g (ohne Akku)

Lieferumfang
PD90S-Lampe, Reduzierhülse für 18650 Akku, Fangschnur, Ersatzdichtungen und (nicht im Bild) Bedienungsanleitung.


Wie ich finde durchaus etwas für's Auge in blauer Anodisierung und ein massiver Edelstahl-Bezel. Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Klage.


Bei ausgeschalteter Lampe ist der elektronische Taster zum besseren Auffinden hinterleuchtet. Bei eingeschalteter Lampe ist die Hinterleuchtung leider aus.
Ich fände es besser, sie würde immer leuchten. Der Schaltergummi ist von einem kupferfarbenen Ring eingefasst.


Auf der gegenüberliegenden Seite liegt die mit einem Gummistopfen verschlossene USB-C Ladebuchse für das interne Aufladen des Akkus.






Großzügige Lanyardösen


Ein reinrassiger Thrower ist die Lampe nicht, dafür ist die LED schon zu groß. Mit der SFH55 ist die PD90S nach meiner Meinung ein Allrounder mit Bums und Reichweite. Insofern ist die für einen Thrower untypische Struktur im tiefen Reflektor kein Widerspruch. Die Reichweite wird nur wenig verringert, dafür wird der Leuchtkegel (noch) gleichmäßiger. Ich vermute stark, dass die Strukturierung nicht einmal notwendig gewesen wäre, da der Lichtkegel tatsächlich extrem sauber erscheint (siehe weiter unten).


Hinter einem vergüteten Frontglas ist die SFH55 (ohne Dome) einwandfrei im OP-Reflektor zentriert.


Hier im Bild ein 26650er Akku mit der zerlegten Lampe


Vergoldete und doppelte Federn auf beiden Seiten sichern auch bei Erschütterungen unterbrechungsfreies Leuchten.


Das Gewinde ist sauber gefräst und geschmiert. Durch die Anodisierung ist ein mechanischer Lockout möglich, wenn die Tailcap gelöst wird.




Größenvergleich zur MT04 (eine tolle EDC).


Als EDC zu groß aber unter den Brummern noch kompakt und handlich. Ergonomisch nahezu vorbildlich aufgebaut, das 26650er-Rohr passt gut zur Größe, das Gewicht ist gut ausbalanciert, der Daumen ruht in der Schaltermulde und hat kein Problem, den Taster im Dunkeln zu finden.



User Interface (Bedienung)
Zuerst einen hochstromfähigen Akku (18650 mit Adapterhülse, 21700 oder 26650) mit dem Pluspol in Richtung Lampenkopf einlegen und die Lampe fest zuschrauben. Bei geschlossenem Stromkreislauf blinkt die Lampe 2x auf und die grüne Schalterbeleuchtung ist aktiv. Als Treibersoftware haben ist nach meiner Kenntnis hier NarsilM installiert. Ab Werk ist ein Ramping-UI eingestellt, d.h. bei gedrücktem Schalter kann die Helligkeit stufenlos gewählt werden.

Vereinfachte Bedienung
AusgangssituationAktionResultat
ausKlickein (mit Memory)
ausgedrückt haltenniedrigste Helligkeit (Moon)
aus/einDoppelklickein (hellste Einstellung, Turbo)
aus/einDreifachklickLadezustandsanzeige (siehe unten)
aus/einVierfachklickEinschaltsperre (nochmals 4x zum Deaktivieren)
aus/einFünffachklickMomentlicht Turbo (Tailcap lösen zum deaktivieren)
einKlickaus
eingedrückt haltenstufenloses Hoch-/Herunterregeln
TurboDoppelklickStroboskop (ab Werk deaktiviert)

Erweiterte Bedienung
Wenn man den Schalter 16 Sekunden gedrückt hält, kommt man in den "Experten-Modus". Dort kann man alternativ zum Ramping-UI ein UI mit festen Leuchtstufen einstellen. Hierbei stehen 12 verschiedene Varianten mit unterschiedlicher Anzahl und Einstellung der Leuchtstufen zur Verfügung, die das folgende Foto verdeutlicht. Ferner lassen sich diverse weitere Einstellungen vornehmen, deren vollständige Erläuterung dieses Review sprengen würde. Nur soviel, es lässt sich beispielsweise einstellen, ob und wie die Lampe herunterregeln soll (zeit- oder temperaturgesteuert), ob Memory oder nicht, welche Sonderblinkstufen aktiv sein sollen (inklusive Stroboskop), Schalterbeleuchtung oder nicht usw.

Falls man seine Lampe versehentlich bei der ganzen Klickerei verstellt haben sollte und sie wieder in den Auslieferungszustand versetzen möchte, gibt es ein Factory Reset: von aus Dreifachklick (= Akkuanzeige), dann Doppelklick, dann nochmal Doppelklick, dann drücken und halten.



Hier ist ein englischsprachiges Video, das die erweiterte Bedienung ausführlich erklärt.

Aufladen des Akkus
Der verwendete Akku kann über die USB-C Buchse innerhalb der Lampe geladen werden. Es ist also im Prinzip nicht erforderlich, die Lampe nach Einlegen des Akkus überhaupt noch einmal aufzuschrauben. Der Ladestrom lag bei Beginn eines auf 3,6V entleerten Akkus bei etwa 1,7 Ampère.
Während des Ladevorgangs leuchtet der Indikator im Schalter rot, bei vollem Akku grün.

Ladezustandsanzeige
Über einen Dreifachklick lässt sich die noch verfügbare Akkuspannung ablesen. Zuerst blinkt die Lampe die vollen Volt, danach die Zehntelvolt.
Eine Spannung von 3,6 V würde demnach angezeigt durch 3x Blinken + 6x Blinken.

Akku-Leer-Warnung
Bei fallender Akkuspannung reduziert die Lampe die Helligkeit stufenweise. So steht der Turbo bei 3,6-3,7 V nur noch wenige Sekunden zur Verfügung, die Lampe blinkt vor jeder Abstufung 3x und regelt dann herunter.


Eigene Messungen
Ich bin Laie mit Hobbyequipment, alle Messungen stellen nur Näherungswerte dar ohne Gewähr oder Anspruch auf Einhaltung irgendwelcher Messnormen.

Alle Messwerte mit vollem Akku (Samsung 21700 40T) und sofort nach dem Einschalten abgelesen.
  • Lumenmessungen: Ceiling Bounce, Abweichung i.d.R. +/- 5-7% (Messverfahren nicht für extreme Fluter oder Rundumstrahler geeignet)
  • Luxmessungen: Messdistanz 5 m mit entsprechender Umrechung auf 1 m
  • Strommessungen: Kleinströme mit DMM, höhere Ströme mit Zangenampèremeter
  • Farbtemperatur, Farbwiedergabeindex und PWM mit Opple Lightmaster Pro
Verwendete Geräte:
- Lichtstrom höchste Ramping-Stufe/Turbo: 4.134 / 7.800 (schnell fallend)
- Luxwerte Ramping-High/Turbo: 85.000 / 155.000 (= 583 / 787 m ANSI)
- Farbtemperatur + Farbwiedergabeindex Spot/Spill: 5550K Ra63 / 5800-6000K
- PWM: 31 kHz (= nicht sichtbar)
- Ladeschluss-Spannung: 4,13 V (etwas Kapazität verschenkt, dafür Akku-schonend)
- Ladestrom: 1,7 A
- Standby-Drain: 93 µA
- Stromverbrauch Ramping-High/Turbo: 8 / 19 A

Laufzeittest mit 26650er Akku und Ventilatorkühlung auf höchster Ramping-Stufe (High, nicht Turbo). Restspannung anschließend beim Akku 3,2V.
Laut Messung zieht die Lampe 19A auf Turbo aus einem 21700 oder 26650 (= 4C!), d. h. wir sprechen von über 70 Watt, die in der PD90S verbraten werden. Es ist logisch, dass dies weder Akku noch Lampe lange durchhalten. Jeder Akku bricht bei dieser Belastung in der Spannung ein und die Lampe regelt zum Schutz vor Überhitzung herunter.

Ich hatte mir die Messung der kurzzeitigen Lichthupenfunktion namens "Turbo" daher zunächst geschenkt und mich auf die (imho) interessantere Betrachtung der höchsten Ramping-Stufe beschränkt. Hier ist die Belastung des Akkus mit 8 Ampère noch praxisgerecht.

Nichtsdestotrotz: sollte jemand dennoch eine Turbo-Messung wünschen, hier mit der Hand gehalten ohne Ventilator die erste Minute. Etwa 40 Sekunden gibt es kaum einen Helligkeitsabfall, bis die Lampe bei knapp unter 50 Grad Anfasstemperatur außen radikal auf ein Viertel der Anfangsleistung (= knapp 2000 lm) herunterregelt. Der Turbo lässt sich mit einem weiteren Doppelklick wieder aktivieren, jedoch bei schon heißer Lampe kommt der nächste Stepdown schon nach wenigen Sekunden.



Leuchtergebnis
Der Lichtkegel kann sich sehen lassen, Artefakte und Unregelmäßigkeit gibt es nicht. Auch stört kein Donuthole
:thumbup:

Das menschliche Auge empfindet den gut sichtbaren Spot noch weicher auslaufend als dies auf dem Foto erscheint. Außerhalb des Spillbeams kann man eine leichte violette Tönung erkennen, die in der Praxis null stört. Ebenfalls äußerst positiv und bei der domelosen LED fast schon zu erwarten: es gibt kaum Farbverschiebungen (Tint shift) im Lichtkegel. Einen winzigen Hauch von grün könnte man allenfalls bei sehr niedriger Leuchtstufe erahnen. Ansonsten ist es ein durchaus noch angenehmes Kaltweiß.


Abstrahlwinkel: throwiger Allrounder


Outdoorbeamshots (nur per Handy mit Automatik, entsprechen aber gut dem realen Eindruck)
Entfernung zum Baum ca. 45 m


Entfernung zum Strommast ca. 200 m





Fazit
Mir hat die Mateminco PD90S mit SFH55 LED gefallen, auch wenn sie nicht zu meinem Beuteschema passt (da ich eher EDC mag). Sie hat zwar eine gewisse Größe und benötigt schon etwas Platz in der Jackentasche. Sie liegt aber nicht allzu schwer und vor allem ergonomisch gut in der Hand. Genug Licht und Reichweite, gleichmäßige Abstrahlung und einfache Bedienung sowie interne Aufladung. Passt, würde ich sagen. :thumbup:

positiv:
+ sehr hell
+ gute Reichweite
+ kaum Tint-Shift, sauberer Lichtkegel
+ ordentliche Verarbeitung und Haptik
+ gutes wenn auch nicht perfektes User-Interface
+ interne Aufladung per USB-C

negativ:
- Farbwiedergabe könnte besser sein

verbesserungswürdig:
- Schalterbeleuchtung sollte auch bei eingeschalteter Lampe aktiv sein


Wenn Interesse an einem Passaround besteht, bitte PN an mich.
 
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Gray Matter

Flashaholic**
19 Juni 2011
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Danke für das tolle Review. Die 9300 Lumen würde ich anhand deiner Strom-Messungen vielleicht eher als theoretischen Wert hinstellen (20A x ca. 4 V)=80 Watt. Davon weg gehen noch die Treiber Effizienz. Dafr man fragen, mit welchem Akku du die Werte gemessen und das Diagramm aufgenommen hattest?

Thomas
 
  • Danke
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12 August 2010
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Du hast natürlich Recht. Deshalb schrieb ich ja >70Watt "verbraten".
Laufzeit auf High mit 26650 von Imalent, der eigentlich gut hohe Ströme kann.
Turbo mit Samsung 21700 40T.
 

heizer

Flashaholic**
11 Juni 2010
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Rheinhessen, 67...
Ich vermute stark, dass die Strukturierung nicht einmal notwendig gewesen wäre, da der Lichtkegel tatsächlich extrem sauber erscheint (siehe weiter unten).
Das hatte ich auch vermutet und testweise mal den glatten -und ansonsten identisch aussehenden- Reflektor meiner FT03 rein geschraubt. Das ergab aber an der Wand ein deutliches Donuthole. Von daher ist der OP Reflektor tatsächlich die bessere Wahl.
 

amaretto

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12 August 2010
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:haeh:
Du kannst aus dem Laufzeitdiagramm für die höchste Rampingstufe (~4000 Lumen gerundet) entnehmen, dass diese 37 Minuten ohne Stepdown funktioniert. Die allmähliche Helligkeitsabnahme ist mit dem Auge unsichtbar, nach 20 Minuten liegt sie immer noch bei drei Viertel des Anfangswerts.
 
  • Danke
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18 Februar 2020
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Habe gerade meine Astrolux FT03S mit SFH55 bekommen. Ist genau dasselbe Modell, allerdings habe ich auf Schwarz umgestellt als Blau kurzfristig dann auf einmal doch nicht verfügbar war.

Als Batterie habe ich eine Samsung 21700-40T3 rein, da kommt ordentlich was raus.

Amaretto hat alles schon gesagt und ich hatte sie noch keine Nacht draußen. Hehe nur im Keller Bier und Wein bisher damit erschreckt. Ich schließe mich an, Hosen tasche geht damit nicht, Jackentasche ehrlich gesagt nur bei einer Jacke mit sehr großen Taschen. Ein passendes Holster scheint Astrolux nicht anzubieten. Ich werde sie alle Rucksacklampe mitnehmen und zuhause kann ich damit gut Waldrand und Garten beobachten. Bei der Luminus SBT90 Variante ist die Verteilung sehr spotlastig, allgemein habe ich es gerne eher flutig.

Eine Rohrverlängerung für 2 Batterien wäre noch interessant, ob man damit die volle Leistung der LED herauskitzeln könnte? Praktisch ist die Lampe aber bereits mit einer 21700er mit Hi Drain ziemlich am Kochen. Bemerkenswerter ist wohl das auch High konstant lang gehalten werden kann. In den nächsten Tagen habe leider eher tagsüber Aktivitäten. Mal sehen!

P.S. die 18650er Reduzierhüllen könnte man langsam durch 21700er ergäznen.
 

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