Meine Eindrücke der Folomov EDC C2

Dieses Thema im Forum "Sonstige Hersteller" wurde erstellt von Unheard, 30. August 2019.

  1. Folomov EDC C2 - meine Eindrücke

    Vor einer Weile durfte Folomovs EDC C2 bei mir, genauer: in meine Hosentasche, einziehen. Ins Auge gefasst hatte ich die Lampe, die im TLF auf wenig Interesse gestoßen ist, schon bei ihrer ersten Vorstellung. Sie ist klein, hat eine moderne, warme LED mit guter Farbwiedergabe, einen Magneten, einen Clip und, man weiß nie, wann [oder wozu] man sowas braucht, einen Countdown-Timer. Und solange man sich in Reichweite eines USB-Ladekabels befindet, kann man mit dem Turbo posen.

    Aber eins nach dem anderen.

    Lieferumfang
    Meine selbstbezahlte C2 kam in einem leider verbeulten Zinkdöschen, da das ehemals hübsche Stück in einem Plastikbeutel ohne jeden Schutz auf die Reise gehen musste. Enthalten waren die Lampe, zwei Dichtungsringe, der Akku und eine Bedienungsanleitung. Spuren der herausgearbeiteten Beulen sind am Deckel leider noch zu sehen.

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    UI
    Folomov versprach ursprünglich die Schaltreihenfolge L-M-H-M, gewissermaßen ein Dreiecksignal. Geliefert wurde dann aber L-M-H, also der Sägezahn. Das ist einerseits Standard, andererseits schade, denn es nimmt der Lampe eine ihrer Besonderheiten.

    Das Illumination UI (Quelle: Folomov):

    http://www.folomov.com/en/upLoad/image/20190625/15614461458988127.jpg

    Geschaltet wird durch einfache Klicks, was auch bedeutet, dass die Lampe nur mit einem gehaltenen Klick ausgeschaltet werden kann. Die Haltezeit ist mit geschätzten 0,3 Sekunden (Folomov gibt 0,5 s an) aber so kurz, dass das niemals nervt. Besitzer der Wuben E05(-I) wissen, wie schlimm längere Haltezeiten werden können, insbesondere, wenn der Taster recht steif ist, was bei der Folomov glücklicherweise nicht der Fall ist.

    Ebenso kurz hält man den Taster, um von Aus in den Sublumen-Mode (ein echtes Glühwürmchen) zu gelangen. Neben dem Turbo, der nach Doppelklick zündet, ist das der zweite Modus, der nicht in der Schaltreihenfolge enthalten ist. Mode Memory ist vorhanden und nicht abschaltbar, so dass der Direktzugriff auf Moon und der Doppelklick von Aus in den Turbo die einzigen Wege in bekannte Modi sind.

    Die Software-Sperre und ihr Lösen erfordern einen Dreifachklick. Das ist gut, weil diese Sequenz so gut wie unmöglich per Zufall in der Hosentasche ausgelöst wird. Die C2 würde einem zwar kein Loch in die Tasche brennen, auch monetär nicht, ihr Akku erlaubt aber keine allzu lange Hosentaschen-Innenbeleuchtung.

    Der Taster zeigt die verfügbare Akku-Kapazität durch grünes und rotes Licht an. Blinkt er am Ende in rot, so stehen nur noch Moon und Low zur Verfügung. Interessanterweise leuchtet oder blinkt der Taster permanent, während die Lampe angeschaltet ist. Im Sublumen-Modus könnte das störend sein, allerdings wird das Signal stetig aktualisiert und informiert den Nutzer laufend über den Zustand des Akkus. Das wiederum finde ich sehr gut.

    Der Dreifachklick bei eingeschalteter Lampe setzt den internen Timer auf eine Minute. Jeder weitere Dreifachklick erhöht die Zeit um jeweils eine Minute, alle anderen Aktionen (Leuchtstufe wechseln usw.) löschen den Timer. Nach Ablauf der Zeit geht die Lampe aus. Nachtlicht kann man damit realisieren (leider begrenzt auf 10 Minuten), denkbar ist auch, die Lampe an einem Ort zurückzulassen, an dem sie das Umfeld gut ausleuchtet und an den man erst später zurückkehren kann. Frag mich bitte keiner nach einem Beispiel für dieses abstrakte Szenario. Oh, das follow-me-home Licht an Fahrrädern und PKWs fällt mir ein.

    Die Blinkis (zwei Doppelklicks) enthalten einen Beacon. Das finde ich nützlich. Weniger anfangen kann ich mit dem taktischen Modus, in dem momentaner und permanenter Turbo sowie Strobe zur Verfügung stehen.

    Das Tactical UI (Quelle: Folomov):

    http://www.folomov.com/en/upLoad/image/20190507/15571972161220380.jpg

    Lichtbild
    Die Nichia E21A hat eine Farbtemperatur von 3000K und sitzt in einem schwach strukturierten OPR. Damit zeigt sie einen deutlichen Spot, der in einen begrenzten Spill übergeht. Die Reichweite im Turbo ist gut geeignet, einen mittelgroßen Hof abzuleuchten, gleichzeitig ist der Sublumen-Mode dunkel genug, damit der Spot nicht die Nachtsicht zerstört. Perfekt!

    Die Leuchtstufen sind sehr gut und subjektiv äquidistant gewählt:

    Turbo: 400 lm
    H-M-L: 160, 50 und 10 lm
    Moon: 0,5 lm

    Von allen mir bekannten HCRI-LEDs im Bereich 2700 bis 3200 K sieht das Licht der in der Folomov verbauten E21A meinem Empfinden nach am natürlichsten aus. Die SST-20 mit 2700 ist zu rot, die 3000 K differenziert weniger, die Yuji 3200 K karamellisiert die Szene weitgehend, bei allerdings sehr guter subjektiv empfundener Farbtrennung.

    Laufzeit
    Der Modus Low bietet bereits gutes Orientierungslicht und wirkt dabei deutlich heller als die Sofirn C01. Komfortabel wird es ab 50 lm, daher habe ich die Lampe mit meinem Benetech GM1020 Luxmeter in diesem mittleren Modus über ihre Laufzeit vermessen:

    1,5 Stunden gibt Folomov bei 50 lm an, hält diese aber selbstverständlich nicht:

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    Akku

    Die C2 nimmt 14300er LiIon-Zellen, wobei Folomov der Lampe eine spezielle Version mit Micro-USB Ladeport mitgibt. Basis dürfte hier eine 14250er Zelle sein. Nachkaufen kann man sie aktuell nicht, ebenso ist die Lampe mit ihr kein Muster an Ausdauer. Sorgen bereitet mir das zunächst nicht. Sie funktioniert für mich, und wenn der Akku zu schwach wird, gibt’s eine andere Lösung oder eine andere Lampe. So einfach.

    Äußerlichkeiten
    Auch wenn sich die Größenunterschiede zu einer Olight S1R in Zahlen nicht beeindruckend darstellen: Sie ist angenehm klein, und zwar spürbar kleiner, leichter und angenehmer zu tragen als die Kolleginnen der 16340-Fraktion. Kehrseite ist die etwas ungünstigere Handhabung z.B. bei einem Spaziergang. Aber hier sind die kleinen Lämpchen eh nur Notlösungen.

    Der Magnet ist ausreichend stark, vergleichbar mit dem der Olight S1R. Und wie diese, hat auch die C2 einen Clip, der das Tragen z.B. am Schirm einer Kappe ermöglicht (also so, dass nicht das Gesicht beleuchtet wird, heißt das). Den Clip hätte ich mir dicker und weiter öffnend gewünscht, um Beschädigungen an der Hose durch das Einklipsen zu minimieren.

    Die Gestaltung des Lampenkörpers ist zweckmäßig bis langweilig. Eine Schönheit ist er nicht, und die wenigen Zierelemente hätte man sich dann auch noch sparen können. Aus der Feder eines Designers, so viel muss feststehen, kommt anderes.

    Sehr gut ist die Anodisierung. Ruppiges Anheften an Abzugshaube, Türrahmen und Heizkörper haben keine sichtbaren Spuren hinterlassen.

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    Technische Daten
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    Fazit
    Selten habe ich mich so auf und über einen Neuzugang gefreut. Die Lampe hat weitgehend gehalten, was ich mir von ihr versprochen hatte. Die 30 EUR dafür haben mir durchaus weh getan, zumal sie am Ende einer ganzen Reihe von misslungenen EDC-Versuchen steht. Lernen musste ich, dass der Hersteller meiner alten EDC seine Produkte nicht im Sinne des Kunden begleitet. Lernen musste ich auch, dass eine AA/14500er Lampe zu groß ist, um in der Hosentasche unbemerkt zu residieren, und Lampen des AAA-Formats oft einfach zu wenig bieten. Ich fühle mich mit der C2 wie angekommen. Und weiß aber doch, dass eine kleine 16340er Lampe, die bei größerer Ausdauer Eigenschaften hat wie die C2, ihr immer noch gefährlich werden könnte. Aber zum Glück produziert niemand so eine Killer-EDC.

    Pros
    • ungewöhnliches, aber optimales Hosentaschen-Format
    • verdrehsicherer und gut orientierter Clip
    • Akku lässt sich an USB-Kabel anschließen und laden
    • wundervolles Lichtbild
    • stetige Ladungsanzeige
    Cons
    • Aus dem Turbo geht’s nicht in die vorgewählte Lichtstufe zurück
    • wenig ausdauernder Akku
    • ungeregelt
    • Clip liegt zu eng an
    Einmal mehr hoffe ich, dass euch der Text gefallen hat.

    Beamshots werden nachgeliefert!

    Grüße,

    Thomas
     
    Lichtmichl, Straight Flash, paddyie und 8 andere Flashys haben sich hierfür bedankt.
  2. Armytek
    Hallo Thomas,

    klasse Review dieses Winzlings !! :klatschen:

    Das ist weeeeit mehr als ein persönlicher Eindruck und wirklich gut geschrieben ! :thumbup:

    Ein dickes Danke dafür :daumenhoch:

    Gruß
    Carsten
     
    Unheard hat sich hierfür bedankt.
  3. Vorbildlich strukturiert und sehr informativ :thumbup:.

    Gracias !

    Greetings
    Klaus
     
    Unheard hat sich hierfür bedankt.
  4. Acebeam
    Leinwandshots, WA Tageslicht, Autom. Bel., unterschiedliche Modi zur Herstellung von Vergleichbarkeiten:

    C2 auf einem Meter

    c2.jpg

    C01, Yuji 5mm/3200K - C2

    c01_c2.jpg

    D4V2, SST-20/3000K - C2

    d4v2_c2.jpg

    C01S, SST-20/4000K - C2

    c01s_c2.jpg

    Streubereich der Folomov ca. 80 ° (Spill).

    Edit:

    Fun fact: Der manuelle Modus der Xiaomi Kamera-App heißt "Anleitung" (manual) :D
     
    Dr.Devil hat sich hierfür bedankt.
  5. Schönes Review mit interessanten Wertungen, witzig geschrieben - toll!
    Das erinnert an die Google-Translation "XHP35 Hallo"...
     
    #5 Straight Flash, 31. August 2019
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2019
    Unheard hat sich hierfür bedankt.
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