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[LED-Test / Review] Cree XLamp XHP70.3 HI N4 color kit 5D (≈ 4000 K, typ. 70 CRI)

Köf3

LED-Spezialist
17 Mai 2015
2.808
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LED-Test / Review
DE


Cree XLamp XHP70.3 HI N4 color kit 5D (4000 K 70 CRI)


01.04.2024


Seit ihrem Release Mitte 2022 ist die XHP70.3 HI eine beliebte Wahl für Lampen, wo es neben Throw auch auf hohe Lichtströme ankommt. Nach dem Test der XHP50.3 HI - mit eher katastrophalen Ergebnissen im Hochstrombereich - stellt sich hier insbesondere die Frage, ob die XHP70.3 HI ebenfalls Probleme bei hohen Betriebsströmen aufweist und ob die Leuchtdichte mit der anderer Thrower-LEDs mithalten kann.

Der hier getestete Typ (4000 K N4 color kit 5D) wurde auf vielfachen Wunsch ausgewählt. Die hier getesteten LEDs wurden März 2023 bei Convoy auf Aliexpress erworben. Vielen Dank an BLF-User @James_C für die Unterstützung hierbei!



Technische Daten (6 V)​


Tj 85 °C, If 2,100 mA


Typ: quad-die, flip chip
Binning: N4 (typ. 1710 lm)
Farbgruppierung: 5D (4000 K)
CRI: typ. 70

Nennspannung: typ. 5,6 - max. 6,1 V
Max. Vorwärtsstrom: 7200 mA
Max. Spitzenstrom: --- mA
Abstrahlwinkel: 115 °
Wärmewiderstand: typ. 0,2 K/W
Max. Temperatur Tj: max. 150 °C


Offizielles Datenblatt: Cree XHP70.3 HI (PDF, 6,0 MB)


Design, LES, Performance und Leuchtdichte​


Die XHP70.3 HI ist eine LED ohne Dome. Die vier mittig angeordneten LED-Chips dominieren. Nur die Leuchtflächen sind mit Phosphor überzogen, ebenso wie die Lücken zwischen den LED-Chips. Zwei Markierungen dienen zur Kennzeichnung von Anode und Kathode.

Außer zwei sichtbaren Drähten gibt es sonst keine Auffälligkeiten. Das Silikon auf der Oberseite ist relativ robust, allerdings ist hier vor Erstinbetriebnahme besonders auf eine saubere Oberfläche der LED zu achten, um eventuelle Folgeschäden (verbranntes Silikon) bei sehr hohen Betriebsströmen zu vermeiden.

Die XHP70.3 HI ist 7,00 x 7,00 mm groß (oft auch 7070 genannt).


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Das Footprint entspricht dem anderer XHP70-LEDs. Je nach Verschaltung der Lötpads auf dem verwendeten Board kann die XHP70.3 HI sowohl in 6 V- als auch 12 V-Konfiguration betrieben werden. Die üblichen Boards mit DTP sind für die 6 V -Konfiguration ausgelegt.

Die vier einzelnen LED-Chips sind deutlich erkennbar. Die Lücken leuchten nicht, dies sollte aber wegen dem sehr geringen Abstand keine Probleme im Lichtbild verursachen. Auffällig ist das bei Flip Chip-LEDs übliche seitliche Abstrahlen der Leuchtfläche, hier schimmert dieses Licht durch das weiße umgebende Silikon. Dies verringert die Leuchtdichte erheblich und könnte je nach Optik das Lichtbild durch Farbverschiebung negativ beeinflussen.


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Die Leuchtfläche ist 14,6 mm² groß. Da die Leuchtflächen wie im Bild auch seitlich Licht abstrahlen ist eine Bestimmung der Leuchtlächengröße auf klassischem Wege schwierig und nicht zu 100 % möglich.


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  • bei 7200 mA (offizieller Maximalstrom): 5097 lm @ 6,28 V
  • Leistung bei offiziellem Maximum: 45,2 W
  • Effizienz bei 7200 mA: 112,7 lm/W
  • Maximum bei 19,8 A erreicht, an diesem Punkt 8730 lm @ 7,11 V
  • Leistung bei Maximum 140,7 W
  • Effizienz im Maximum 62,1 lm/W


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Wie bereits bei den früheren XHP70-LEDs ist die Performance beeindruckend. Fast 20 A schafft die XHP70.3 HI. Beschädigt wurde diese dabei nicht. Nach Betrieb bei 19,8 A für 15 Minuten gab es keine Beschädigungen der Leuchtfläche oder deutlichen Abfall des Lichtstroms.

Im Vergleich zur XHP70.2 gilt zweierlei zu beachten: die XHP70.2 hat einen Dome und ein höheres Flux binning, zudem hat sich die Messmethodik seit dem Test August 2017 signifikant geändert (Ulbrichtkugel, neue Oberflächenbeschichtung, Verwendung von Kalibrationslichtquellen) wodurch die Werte der XHP70.2 abweichen können.
Auffällig ist dennoch, dass die XHP70.2 eine etwas bessere Überbestrombarkeit ermöglicht, wobei dies schlicht unter Serienstreuung fallen kann. Laut Datenblatt soll der Wärmewiderstand bei der XHP70.3 (HI/HD) im Vergleich zur XHP70.2 erneut etwas verringert worden sein, sodass hier vermutlich die maximal mögliche Wärmeabfuhr über das 7070-Footprint limitiert. Um dies zu umgehen, müsste die Wärmeabfuhr über ein größeres Thermal Pad und damit größeres Gehäuse erfolgen, wie bei der SBT90 gen 2 oder MT-G2.

Die Vf der XHP70.3 HI ist gering. Bei XHP70 der ersten Generation und der MT-G2 sieht es ganz anders aus. Hier zeigt sich wieder einmal der enorme Fortschritt, den es in den letzten 10 Jahren gegeben hat. Insbesondere der Wechsel von klassischer Bondierung hin zum Flip Chip-Design, bei welchem die LED-Chips von der Unterseite her angeschlossen werden, sorgt für den großen Unterschied in der Vorwärtsspannung.


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Daten für 25 °C Tsp (bei 85 °C sind die Leuchtdichten etwa 13 % geringer).

Trotz des fehlenden Domes ist die Leuchtdichte recht gering.
Empfehlenswert ist die XHP70.3 HI daher primär für Anwendungen, wo es auf ein ausgewogenes Lichtbild ankommt. Soweit möglich, bietet sich die XHP70.3 HI als Ersatz für eine XHP50(.2) mit Dome an, da die Leuchtfläche zwar in etwa gleich groß ist, aber der Beam deutlich besser aussieht.

Wenn es auf Reichweite (Throw) bei geringerem Betriebsstrom ankommt, ist eine SFT-70 oder SFT-40 sinnvoller, wobei letztere für 3 V ausgelegt ist. Auch der Tausch von XHP70.2 (HD, mit Dome) bietet sich hier an, insbesondere um den Beam zu verbessern.


Lichtbild, Spektrum und Farbeindruck​



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Das Lichtbild ist sehr gut. Insbesondere mit OP-Reflektoren wird ein weiches und farblich konsistentes Lichtbild erzeugt. Im 1. Bild ist der OP-Reflektor der Fenix PD40 (1. Generation, 2014) mit einer XHP70.3 HI N2 E3 mit min. 80 CRI und 5300 K abgebildet, im 2. Bild eine N4 5D 4000 K im OP-Reflektor einer Fenix TK35UE 2015. Eine gelbe Corona gibt es quasi nicht, auch auf der Whitewall stören keine Artefakte.

Im Bild ist je nach Reflektor ein leichter gelber Ring erkennbar, der aber auf der Whitewall und insbesondere draußen nicht auffällt. Der Reflektor der TK35UE produziert einen leichten Ring um dem Spill, vermutlich durch die Form und den sehr tiefen Reflektor bedingt. Störend ist dies im Alltag allerdings nicht.


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Der Tint der hier getesteten XHP70.3 HI ist hervorragend. Grün oder andere störende Farbstiche gibt es nicht.

Der Farbwiedergabewert ist allerdings gering. Überraschungen gibt es dahingehend sonst keine. Insbesondere im Vergleich zu 90 CRI-LEDs mit 4000 K fällt der Unterschied extrem auf. Es sind auch Varianten mit der XHP70.3 HI mit hoher Farbwiedergabe verfügbar, beispielsweise in 5700 K, welche allerdings grün sein könnten (habe diese nicht getestet).


  • Ra: 73
  • R9: -21
  • CCT: 4186 K
  • duv: -0,0017


Fazit​



Unterm Strich ist die XHP70.3 HI eine sehr gute LED. Ihre extrem hohe Performance, gepaart mit einem hervorragenden Lichtbild und der hohen Effizienz sowie der Verfügbarkeit von 90 CRI-Varianten macht sie zu einer guten Wahl für alle Lampen, wo es auf ein alltagstaugliches Lichtbild bei gleichzeitig hohem Lichtstrom ankommt.

Nachteil ist der hohe Preis. Zudem können bestimmte Tints oder Farbwiedergabeindices nur schwer oder gar nicht erhältlich sein und/oder einen grünlichen/gelben Tint aufweisen.


Pro
  • sehr hohe Performance
  • gute Lichtqualität in Optiken
  • angenehmer Tint (N4 5D 4000 K)
  • volle Kompatibilität mit älteren XHP70-LEDs und 7070-Footprint

Neutral
  • ---

Contra
  • teuer
  • bestimmte Varianten kaum bis gar nicht verfügbar



Danke fürs Lesen dieses Tests. :)

LG, Dominik


v1.0.1
 
Zuletzt bearbeitet:

TauRox

Flashaholic*
10 September 2020
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785
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Ich muss das jetzt mal schreiben. Ich finde deine LED Tests herausragend und ein echtes Highlight hier im Forum. Ich habe nicht halb so viel elektrotechnisches Verständnis, wie ich eigentlich möchte, aber deine Beiträge helfen mir dabei, die Lücke aufzuarbeiten :thumbup:.
 
  • Danke
Reaktionen: Köf3

Buteo

Flashaholic**
25 März 2015
3.053
1.369
113
Danke für den interessanten Test.
Sieht verdammt gut aus die LED. :)