"edc" Made in DDR

Dieses Thema im Forum "Alte Taschenlampen" wurde erstellt von patchman, 25. Januar 2013.

  1. Hallo zusammen,

    heute möchte ich mich auch mal versuchen ein kleines Review zu einer Lampe zu schreiben, die mich eigentlich schon mein ganzes Leben mehr oder weniger begleitet hat.

    Solange ich denken kann, gab es bei uns diese Lampe beim Camping, aber auch zu Haus. Für mich als kleinen Bengel war sie auf Grund ihrer Größe eigentlich ideal, denn sie passte in kleine Kinderhände, wie auch in die Hosentasche. Quasi ne Art Ost-EDC. Im Laufe der Zeit haben wir (eher ich) wohl 2 oder 3 davon verschlissen, da das Material Kunststoff war, und Kinder nicht immer so sorgsam damit umgehen. Ja, Kinder schmeißen sowas schon mal runter. Und da kann ich mich nicht von ausnehmen.

    Anfang der 90er war dann aber die Zeit der Lampe gekommen, da es plötzlich ganz andere Lampen zu kaufen gab (die großen schwarzen von Übersee), die auch wesentlich mehr Licht machten und den Anforderungen des nun Erwachsenen eher gerecht wurden. Und so verloren sich die Wege.

    Bei einer Bunkertour vor ein paar Jahren haben sich dann unsere Wege wieder gekreuzt. Und das mitten im Wald! Ja, genau da lag sie: mitten im Wald, durchnässt, eingefroren, mit ausgelaufenen Batterien und korrodierten Kontakten. In dieser unwirtlichen Umgebung, fern ab jeglicher Zivilisation, konnte ich sie nicht liegen lassen. Ich hab sie gerettet und wieder aufgepäppelt. Und siehe da: Mit etwas Improvisation (weil eine Kontaktfeder gebrochen) funktioniert sie wieder!

    Ach, ihr wollt wissen, was das für ne Lampe ist?

    Es ist eine ARTAS „Mini“, die es damals für EVP 1,75M in der DDR zu kaufen gab.

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    Die gesamte Lampe ist mit Ausnahme der elektrischen Komponenten aus Kunststoff gefertigt. Sie hat eine Größe 86mm x 35mm x 20mm und ist auf Grund ihrer Barrenform Tailstandfähig.

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    Die Lampe besteht eigentlich nur aus 3 Teilen: einem zweigeteilten Lampengehäuse und einer Streuscheibe. Das eine Gehäuseteil beinhaltet das Batteriefach sowie den gesamten elektrischen Teil wie Lampenfassung und Schalter. Der zweite Teil wird dann von unten aufgeschoben und verschließt damit die Lampe und somit auch das Batteriefach. Auf den ersten Teil ist dann auch die Streuscheibe aufgeklipt, die eigentlich nur zum Lampenwechsel abgenommen werden muss. So muss man beim Batteriewechsel eigentlich nur den „Batteriedeckel“ vom Gehäuse abziehen bzw. wieder aufschieben. Und sollte der Batteriedeckel mal verloren oder kaputt gehen, kein Problem: Batterien einfach mit nem Gummi- oder Klebeband fixiert und weiter geht’s!

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    An der Seite der Lampe befindet sich ungefähr auf Höhe des Lampensockels auch der Schalter, mit der die Lampe bedient werden kann. Der Schalter ist super platziert, der Daumen liegt direkt drauf. Er ist erhaben und geriffelt, so dass man ihn auch mit Winterhandschuhen findet und bedienen kann. Ein fühlbares Rasten oder hörbares Klicken gibt es nicht. Es ist ne Art Drehschalter, der je nach Betätigung des Schalters, also halb oder ganz, sowohl Moment- wie auch Dauerlicht ermöglicht. Weitere Schalt- oder Helligkeitsstufen oder gar Blinkmodi sucht man vergeblich. Motto: Was nicht dran ist braucht man auch nicht!

    Betrieben wird die Lampe mit 2 R6-Batterien, welche heute landläufig auch als AA oder Mignon-Batterien bezeichnet werden. Dadurch ist man auch in der Lage, die Lampe auch gut und umweltschonend mit Akkus (z.B. Eneloops) betreiben.

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    Das Leuchtmittel ist hier noch keine LED, man hat sich hier mangels solch neumodischen Zeugs einer klassischen Glühfadenlampe (E10-Sockel, 2,5V und 0,15A) bedient. Nicht wirklich hell, aber in damalige Zeiten für mich als Kind völlig ausreichend. Und das in einem phantastischen Warmweiß!

    Eine rudimentäre „Helligkeitsregelung“ gibt es auch, und zwar in Abhängigkeit der Batteriespannung: Volle Batterien=hell, leere Batterien=fast dunkel. Neudeutsch wohl auch DirctDrive genannt. So kann sie daher umgekehrt auch als Batteriespannungsanzeige genutzt werden.

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    Durch den Einsatz der Streuscheibe hat man allerdings auch keinen Trower, sondern einen reinen Flooder. Das Lichtbild zeigt das ganz deutlich. Hierbei sind auch gut die seitlichen Flanken der Streuscheibe zu erkennen, die ein Aus(An-)leuchten der direkten Umgebung ermöglichen. Leider sieht man hier auch deutlich, dass das Leuchtmittel nicht wirklich gut zentriert eingebaut wurde, so dass der Beam leicht schief ist.

    Und noch mal zum Vergleich ein Beamshot gegen ne Ti mit 3lm.

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    Alles in allem ist diese Lampe zwar kein Lumenmonster, aber als Lampe für den Nachttisch oder für die Kinder zum Spielen immer noch bestens geeignet.

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    Und so sehe ich die Lampe heute eher als (n)ostalgische Erinnerung an meine Kindheit, und vielleicht geht’s dem einen oder anderen ähnlich.

    Gruß
    Patchman

    PS: Man möge mir meine Fotos verzeihen, ich habs nicht so mit Fototechnik und Bildgestaltung.
     
    #1 patchman, 25. Januar 2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10. Januar 2016
    Xyrx, Duke, EckyH und 52 andere Flashys haben sich hierfür bedankt.
  2. Also ich sehe keine Bilder.....:(
     
  3. Ich auch nicht, könnte aber ab TapaTalk liegen.

    Wie dem auch sei, danke für deinen Bericht über eine, etwas andere Lampe :p
     
  4. Acebeam
    Schöner Bericht und mittlerweile sind auch die Bilder da. Man könnte die Lampe ja mit ner Warmweißen LED "modden" ;)

    Wobei ich selbst noch Lampen mit Glühbirnen hab, machen einfach das schönere Licht.

    Lg
    Richard
     
  5. Whow, das erinnert mich jetzt gerade an meine Kindertage! :thumbsup:
    Mein Opa hatte auch so eine (in orange) und ich habe die "geerbt".
    Ich habe sie immer noch und sie funktioniert auch noch. Allerdings habe ich sie schon ewig nicht mehr verwendet, gegen Fenix, Klarus & Co. wirkt sie irgendwie ein wenig düster...:S
     
    whs hat sich hierfür bedankt.
  6. Tolle Sache und tolles Review.

    Vielen Dank für die Zeitreise. :)
     
  7. Hallo,

    habe deinen Bericht sehr gerne gelesen.:thumbup:

    Solche alten Schmuckstücke finde ich immer wieder interessant.

    Übrigens: Für die Qualität der Fotos brauchst du dich nicht zu entschuldigen,
    die sind sehr gut.

    Gruß Hacki:)
     
  8. So Lampen haben ihre absolute Berechtigung
    und dein Review mit Bildern sind klasse :thumbup:

    Gruß Xandre
     
  9. So eine hatte ich auch mal.
    Die Robustheit ließ sehr zu wünschen übrig.
    Interessanter war die mit dem Akku und dem 220V Stecker dran.
    Es war aber eher ein gefunzel als geleuchte.

    Da fällt mir auf das ich meinen Lampentick schon sehr früh bekommen haben muss :eek:
     
  10. Ein sehr schönes, stimmungsvolles, warmes Licht :)
     
  11. Ich brauche so alten Kram genauso wie die neuesten Gadgets. Hat mir sehr gut gefallen, Dein toller Review.
     
  12. Nun, das mit dem Modden hatte ich schon vor dem Beitrag auf dem Schirm. Hab auch ein Replacement mit E10-Sockel im Netz gefunden, aber leider nur als 1Watt Cree in CW. In warmweiß wäre mir zwar lieber, würde auch zur Lampe passen, aber irgendwie gibts da in dem Segment nix. Oder ich bin einfach nur zu blöd zu suchen.

    Ich habs aber aus Neugier trotzdem mal gemacht, und möchte euch die Bilder nicht vorenthalten:

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    Leider ließ mein Fotoequipment nur Automatic in Blende und Belichtungszeit zu, so dass der Unterschied nicht ganz so deutlich wird.

    Hab sie danach aber wieder auf Original zurückgebaut. So viel Nostalgie muss schon sein.

    Gruß
    Patchman
     
    #12 patchman, 28. Januar 2013
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10. Januar 2016
    Vandor hat sich hierfür bedankt.
  13. Klasse Bericht, spricht mir aus der Seele, hatte auch so eine :)
     
  14. Leider enthalten sich die Bilder dieses Beitrags mir vor.
    Ansonsten schöner Test. Und ich denke mal, soviel besser konnten die westlichen Lampenbauer damals auch nicht - schon gar nicht in dem Preisbereich. :)
     
  15. Olight Shop
    Nun, bei mir sind sie zu sehen. Es kann aber sein, dass es wieder Probleme mit den Bildern gibt, da es mir hier im Forum ein paar Alben zerschossen hatte und nur ein Mod den Beitrag noch retten konnte.

    Gruß
    Patchman
     
  16. Du weckst Kindheitserinnerungen. Sowas gabs auch in meinem Fundus, aber mit 220V, leider war irgendwann der Akku hin und mit 6 Jahren war ich leider nicht in der Lage die zu retten. Sollte noch irgendwo auf dem Dachboden liegen. SOllte man mal raussuchen und wieder reanimieren. Aber wenn ohne LED, sowas muss dunkel sein;=)

    Vg
     
  17. Hi,

    ja so eine hatte ich auch.
    Danke für die kleine Zeitreise.:p
    Aber meine war in Orange.;)

    Gruß Andy
     
  18. Schön, das dieser Thread mal wieder ausgegraben wurde!
    So ein Lämpli hatte ich auch mal, in rot. Was mir damals tierisch auf den Zünder ging, war die Anfälligkeit des Schalters, der im Prinzip nur aus krumm gebogenen Messingfedern bestand und nie richtig zuverlässig funktionierte.

    Trotzdem hat mich die Lampe eine gute Zeit lang begleitet, weil es mir immer wieder gelang, mit der Zange und ein bisschen Feingefühl den Totalausfall hinauszögern. Irgendwann musste sie meiner ersten Mini-Mag weichen.

    Gruß,
    Thomas.
     
  19. Ich hatte die auch in rot. :thumbsup:

    Das mit dem nervenden Schalterkontakt stimmt, war laufend damit beschäftigt, mit einer kleinen Rund- und Flachzange die Blechle zurecht zu biegen und mit ´nem Taschenmesser die Kontaktstelle blank zu kratzen, damit sie geleuchtet und nicht ständig nur geflackert hat. :D
     
  20. trotz aller unzulänglichkeiten ein stück gutes industriedesign.
    die DDR konnte da eh mit einigen großen würfen aufwarten, da gabs richtig schigge reiseschreibmaschinen und diverse elektrogeräte.

    gruß, stefan
     
  21. Tja, wie wird immer so schön gesagt: Nicht alles im Osten war schlecht.
    So war das Design zwar nicht immer das schönste, wohl aber funktionell. Leider hat man meist aus Kostengründen auf Weiterentwicklung verzichtet, so dass manches mit der Zeit im internationalen Vergleich recht altbacken aussah. Aber manches Produkt war so gut und auch zeitlos, dass es für lau in den Katalogen der westdeutschen Versandhäuser zu finden war (und auch heut noch funktioniert).
    Und so hat ja erst vor ein paar Wochen der Designer Karl Clauss Dietel (79) den Staatpreis für sein Lebenswerk erhalten. Damit wurde erstmals ein Designer der DDR mit einem gesamtdeutschen Staatspreis ausgezeichnet.
    Er hatte u.a. den Wartburg designt, war zudem aber auch für das Aussehen der Schreibmaschinen Robotron und der von hella erwähnten Reiseschreibmaschine Erika verantwortlich.


    Gruß
    Patchman
     
    #21 patchman, 20. Oktober 2014
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Januar 2016
    seifenchef hat sich hierfür bedankt.
  22. Ich könnte schwören solche Lampen in der Art auch als Kind benutzt zu haben, das war aber im Westen. Dieses Format war damals glaube ich sehr weit verbreitet. Eine moderne Interpretation ist vielleicht die Sunwayman D20A, die ich mir vor ner Woche bestellt habe.

    Meine erste teurere Taschenlampe als Kind war aber so eine Armee Lampe mit rot, grün Schieber. Die hatte glaube ich so eine Blockbatterie. Ich fand die als Kind cool und mußte die haben :)
     
  23. Sowas:

    Original Bundeswehr Taschenlampe, neuwertig: Amazon.de: Sport & Freizeit

    Dort bitte in die Kommentare schauen da wird der Unterschied Ost und West erklärt (1xBlock vs. 2xD)

    Grüßle
    andi
     
    seifenchef hat sich hierfür bedankt.
  24. Also ich hab mir der DDR eigentlich nix am Hut gehabt ... und durfte genau diese Lampe auch mein Eigentum nennen.
    Also wie gesagt keine reine Ostalgie ... sondern wohl eher ein Gesamt-Deutsches Modell.
     
  25. Auf der von Patchman gezeigten Lampe steht (in Plastik eingeprägt) "ARTAS", "DDR" und "EVP 1,75".

    Leider auf den Fotos oben nicht gut zu erkennen.

    Wenn das ein "gesamtdeutsches" Modell aus DDR-Produktion war (z.B. durch Quelle-Versandhaus vertrieben), dann war das auf der "West"-Ausführung sicherlich nicht so. Andersherum hat die DDR auch gerne West-Produkte "nachempfunden".

    Insofern wären Fotos ganz interessant.
     
  26. Leider hab ich damals beim Auszug von meinen Eltern die ganzen Schmuddel-Kisten in die Mülltonne entsorgt ... dabei wohl auch diese Lampe.
    Für mich war dieses Lämpchen selbst unter Glühobst-Verhältnissen schon viel zu dunkel. Also weg damit.
    Aber ich kann mich noch exakt an diese Lampe erinnern, weil ich schon damals von der sehr "lidschäftigen" Methode belustigt war, den Kontakt herzustellen. Sowas prägt sich ein.
     
  27. ...war meine allererste tala - damit fing alles an.
     
  28. Meine war blau. Muß doch mal auf die Suche gehen... ;)


    Danke für die Erinnerung. :thumbup:
     
  29. Also ich habe mich jetzt extra wegen diesem Chat hier im Forum angemeldet damit ich auch mein Senf dazu geben kann. Diese Lampen wurden bei Artas in Arnstadt gefertigt. Es gab sie für den Markt in der DDR, erkennbar an EVP und den Schriftzug "Artas" auf den einem Gehäusedeckel und für den Westdeutschen Markt mit dem Kabel "Bruns". Ich selbst besitze 3 Stück eine in weiß, orange und dunkelbraun.
     
    patchman und light-wolff haben sich hierfür bedankt.
  30. schöne Lampe! Schöne Erinnerungen! Danke!
     
  31. Das Teil schreit doch förmlich danach, als Aufgabe für Lehrlinge im Formenbau zu dienen.

    S.
     
  32. ich glaube ich hab hier gerade das passende "Wessi-Equivalent" in meiner Kindheitskiste gefunden ... :p

    [​IMG]
     
    Corbon und TimeLord haben sich hierfür bedankt.
  33. Bilder!? :thumbsup:
     
  34. sorry ... nu aber ! :pfeifen:

    Zumindest schon mal eins aus der Hüfte geschossen, ich müsste aber mal ein paar anständige suchen ..
     
    TimeLord hat sich hierfür bedankt.
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