Hallo zusammen,
jetzt muss ich hier auch mal schreiben
Und ja, ich dachte früher selbst ähnlich: RAWs im Smartphone taugen nicht wirklich und bringen gegenüber den normalen Aufnahmen kaum Vorteile.
Aber die Zeiten ändern sich. Die Sensoren werden größer, beim Vivo x300 Ultra viel größer, die Rechenleistung in den Smartphones steigt enorm und vor allem bei der Bildverarbeitung hat sich in den letzten Jahren einiges getan.
Da mir Kameras und Fotografie sehr wichtig sind, war die Kamera beim neuen Smartphone ein entscheidender Punkt.
Mit Smartphone-Fotos war ich bisher allerdings nie wirklich zufrieden. Egal ob Samsung, iPhone, auch Xiaomi oder andere viele andere aktuelle Geräte: Auf dem kleinen Smartphone-Display sieht vieles toll aus, aber sobald ich die Fotos auf einem großen Monitor öffne, sehen sie mir häufig einfach zu sehr nach Smartphone aus. Teilweise fallen die Bilder dort regelrecht auseinander. Die möchte man lieber gar nicht so groß anschauen.
Für Erinnerungsfotos und Dokumentation völlig in Ordnung.
Aber wenn ich fotografiere, möchte ich möglichst natürliche Dateien und einen Bildlook, bei dem ich am großen Monitor nicht sofort denke: „Ja, typisches Smartphone-Foto.“ Und die sollen viele Reserven für die Nachbearbeitung bieten, die Qualität soll sehr hochwertig sein. Möglicherweise 14 oder 16 Bit Daten mit echten Details, viel Mikrokontrast und natürlichen Look.
Also habe dem chinesischen Flaggschiff eine Chance gegeben und bin beim
Vivo X300 Ultra gelandet.
Und ich muss sagen: Ich bin ziemlich überrascht.
Nicht nur von der Kamera, sondern auch vom gesamten Gerät und der Software. OriginOS gefällt mir deutlich besser als erwartet, Android ist sauber integriert und unnötige vorinstallierte Apps lassen sich komplett deinstallieren.
Aber interessant ist für mich natürlich vor allem die Kamera.
Das Vivo besitzt für Smartphone-Verhältnisse ungewöhnlich große Sensoren:
14 mm Ultraweitwinkel: 50 MP, 1/1,28"
35 mm Hauptkamera: 200 MP, 1/1,12"
85 mm Tele: 200 MP, 1/1,4"
Gerade Ultraweitwinkel und Tele sind damit für Smartphone-Verhältnisse schon ziemlich ordentlich groß.
Und die Brennweiten finde ich als Fotograf ehrlich gesagt genial.
Ich kann diese üblichen 23 oder 24 mm als Hauptkamera inzwischen fast nicht mehr sehen.
Gefühlt fotografiert die Smartphone-Welt seit zehn Jahren hauptsächlich mit ungefähr diesem 24-mm-Bildwinkel. Entsprechend sehen wir seit Jahren Milliarden Smartphone-Fotos mit genau dieser Perspektive.
Für mich ist das inzwischen einfach super langweilig geworden.
14 mm, wenn ich wirklich weit möchte – Architektur, Innenräume, Landschaft oder einfach ungewöhnliche Perspektiven.
35 mm als sehr natürliche Reportage-, Reise-, Alltags- und Dokumentarbrennweite.
Und
85 mm für Details, Portraits und natürliche Freistellung.
Gerade die 35 mm finde ich einen riesigen Vorteil des Vivo. Schon die Perspektive wirkt deutlich weniger nach klassischem Smartphone.
Und auch die 85-mm-Kamera ist richtig toll. Durch die Brennweite, den relativ großen Sensor und die Optik bekommt man inzwischen eine echte optische Freistellung mit für ein Smartphone erstaunlich schönem Bokeh.
Dafür braucht man gar keinen künstlichen KI-Portraitmodus, der eine Person per Software ausschneidet und anschließend künstlich den Hintergrund weichzeichnet.
Das gefällt mir als Fotograf so alles wesentlich besser.
Ich brauche auch nicht die gefühlt 30 verschiedenen Smartphone-Kameramodi.
Die können gerne vorhanden sein, aber mich interessieren hauptsächlich der
Pro-Modus und SuperRAW. Dort sind die typischen KI- und Automatik-Eingriffe komplett zurückgenommen. Für mich ist das dann mehr Kamera als Smartphone.
Was ich dabei ebenfalls ziemlich wichtig finde:
Der Pro-Modus ist beim Vivo nicht auf die Hauptkamera beschränkt. Ich kann RAW beziehungsweise SuperRAW mit allen drei nativen Kameras –
14, 35 und 85 mm – nutzen und bin damit fotografisch nicht auf eine einzige Linse festgelegt.
Das ist bei vielen anderen Smartphones ganz anders. Dort funktioniert RAW teilweise nur mit der Hauptkamera, oder im RAW-Modus stehen bestimmte Kameras und Funktionen plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Beim Vivo kann ich dagegen mit allen drei Brennweiten im Pro-Modus arbeiten. Für mich ist auch das ein wesentlicher Grund, warum sich das Ganze eher wie eine richtige Kamera und weniger wie ein Smartphone mit zusätzlicher RAW-Funktion anfühlt.
Und genau bei SuperRAW hat sich meine Meinung zu Smartphone-RAW ziemlich geändert.
Das Vivo nimmt mehrere Aufnahmen beziehungsweise RAW-Bildinformationen in sehr kurzer Folge auf und verrechnet sie miteinander. Dadurch lassen sich Rauschen reduzieren, mehr Dynamikumfang erhalten und teilweise auch viel mehr nutzbare Details herausholen.
Im Grunde ist das für mich nichts völlig Exotisches. Es werden mehrere RAW-Aufnahmen miteinander verrechnet und dabei Dinge optimiert, die wir Fotografen anschließend in Lightroom ebenfalls machen: Rauschen reduzieren, Dynamikumfang nutzen, Details herausarbeiten, Tonwerte und Schärfe optimieren. Da ist nichts mit KI und all den anderen Funktionen, die man sonst in normalen Smartphones kennt.
Der entscheidende Punkt ist für mich aber:
Am Ende bekomme ich trotzdem eine große DNG-Datei, die ich selbst in Lightroom entwickeln kann.
Je nach Licht fallen dabei sehr hoch aufgelöste Dateien mit bis zu 200 MP beziehungsweise 50 MP oder kleinere gebinnte Ausgaben an. Bei wenig Licht kann Pixel-Binning genutzt werden, bei dem mehrere Sensorpixel zusammengefasst werden.
Ich bekomme also einen Teil der Vorteile der Computational Photography, ohne anschließend nur auf ein fertig entwickeltes JPEG angewiesen zu sein.
Und das ist für mich etwas ganz anderes als ein Foto, bei dem eine KI nachträglich Personen, Himmel, Haut oder sonstige Bildinhalte verändert.
Diese klassischen Smartphone-Modi hat das Vivo natürlich ebenfalls.
Aber im Pro-Modus mit SuperRAW geht es für mich viel stärker in Richtung klassischer Fotografie.
Und vor allem: Diese Dateien fallen auf einem großen Monitor eben nicht auseinander.
Deshalb würde ich auch nicht pauschal sagen:
„Smartphone-RAW ist Fake“ oder „Smartphone-RAW bringt nichts“.
Die SuperRAW-Dateien haben deutlich mehr Reserven in Lightroom und lassen sich wesentlich natürlicher entwickeln.
Und das ist für mich letztlich entscheidender als die Frage, ob vorher schon Rechenoperationen stattgefunden haben.
Natürlich wurde gerechnet.
Genau dafür steckt in so einem Smartphone inzwischen schließlich eine enorme Rechenleistung.
Beim Vivo kommt zum Snapdragon 8 Elite Gen 5 zusätzlich noch der speziell für die Bildverarbeitung entwickelte
VS1+-Chip dazu.
Vivo gibt diesen Bildprozessor mit bis zu
80 TOPS, also 80 Billionen Operationen pro Sekunde, an.
Und noch interessanter finde ich, wo dieser Chip in der Verarbeitungskette sitzt: Laut Vivo verarbeitet der VS1+ bereits die
RAW-Daten vor dem eigentlichen SoC und optimiert dort unter anderem Rauschen, Schärfe und Dynamikumfang.
Das ist also nicht einfach irgendein Filter, der am Ende über ein fertiges JPEG läuft.
Zum Vergleich der Größenordnung: Eine
Nvidia RTX 4090 kommt bei klassischer FP32-Rechenleistung auf rund
83 TFLOPS.
Natürlich kann man diese beiden Zahlen technisch
nicht 1:1 miteinander vergleichen. Der VS1+ führt spezialisierte Bildverarbeitungsoperationen aus, während bei den rund 83 TFLOPS der RTX 4090 FP32-Fließkommaoperationen gezählt werden.
Es sind also unterschiedliche Rechenarten und unterschiedliche Messgrößen.
Mir geht es bei dem Vergleich deshalb ausdrücklich nicht darum zu behaupten, der kleine Vivo-Chip wäre so schnell wie eine RTX 4090.
Aber allein die Größenordnung finde ich beeindruckend.
Im Vivo steckt heute zusätzlich zum ohnehin schon extrem schnellen Hauptprozessor noch ein eigener 6-nm-Bildprozessor, der bis zu 80 Billionen spezialisierte Operationen pro Sekunde schafft und bereits an den RAW-Daten arbeitet.
Kenne ich so mit diesem zusätzlichen Chip und dieser Rechenleistung bisher eigentlich nur von Vivo. Der größte Teil der Smartphone-Hersteller hat so etwas oft gar nicht.
Das hätte ich vor einigen Jahren in einem Smartphone kaum für möglich gehalten.
Und diese Leistung wird auch gebraucht.
Bei SuperRAW werden innerhalb kürzester Zeit mehrere hochauflösende Bildinformationen verarbeitet und miteinander verrechnet.
Wenn man sich einmal überlegt, welche Datenmengen bei 50- oder sogar 200-Megapixel-Aufnahmen anfallen, ist das schon ziemlich verrückt.
Mir ist jedenfalls kein anderes Smartphone bekannt, bei dem ein zusätzlicher Imaging-Chip mit einer solchen angegebenen Rechenleistung so explizit für die Vorverarbeitung der RAW-Daten eingesetzt wird.
Und man merkt die ganze Rechnerei übrigens auch am Akku.
Im normalen Alltag ist das Vivo sehr ausdauernd. Wenn ich aber längere Zeit intensiv fotografiere und SuperRAW nutze, geht der Verbrauch deutlich hoch.
Vor fünf Jahren hätte ich so etwas bei einem Smartphone kaum für möglich gehalten.
Vor zehn Jahren hätte man jemanden wahrscheinlich ausgelacht, wenn er behauptet hätte, dass irgendwann einmal so eine Rechenleistung und Bildverarbeitung in einem Gerät steckt, das in die Hosentasche passt.
Mir ging es bei der ganzen Suche aber eigentlich nur um eine Frage:
Wie nah kann ich mit einem Smartphone an den Bildlook einer großen Kamera herankommen?
Nicht darum, welches Smartphone den größten Zoom, die meisten Kameras oder die meisten KI-Funktionen besitzt.
Ich möchte natürliche Farben, vernünftige Details und möglichst wenig von diesem typischen Smartphone-Look.
Und genau da kenne ich momentan kein anderes Smartphone, das mich so überzeugt wie das Vivo X300 Ultra.
Vor allem im Pro-Modus und mit SuperRAW löst es sich für meinen Geschmack erstaunlich weit von typischer Smartphone-Fotografie.
Hier mal ein paar Fotos, die ich damit am Hockenheimring gemacht habe.
Leider musste ich die Bilder fürs Forum von knapp 10.000 Pixeln Kantenlänge auf 1200 Pixel und unter 100 KB herunterrechnen. Das ist schon bitter und natürlich alles andere als ideal, wenn man über Bildqualität diskutieren möchte. Externe eingebundene Fotos sind hier ja leider nicht erlaubt.
Die SuperRAWs habe ich in Lightroom nur sehr leicht bearbeitet und hauptsächlich von 4:3 auf 16:9 beschnitten.
Beim letzten Motiv mit dem Roots-Kompressor lege ich deshalb ganz unten im Text noch die originale
50-Megapixel-SuperRAW-Datei als Link dazu. Dann kann sich jeder selbst ein Bild davon machen. Einfach in Lightroom laden und auf 100% zoomen!
Meine persönliche Referenz ist meine
Sony A7R V mit 61 Megapixeln und sehr guten Objektiven.
Wenn ich deren Bildqualität bei gutem Licht in der 100%-Ansicht einfach einmal mit 100 % ansetze, dann würde ich das Vivo subjektiv ungefähr bei
75 bis 80 % einordnen.
Das ist natürlich keine Messung, sondern meine persönliche Einschätzung beim Vergleich meiner eigenen Dateien.
Aber in der 50%-Ansicht wird der Unterschied schon deutlich kleiner.
Natürlich sieht man weiterhin die Vorteile des Vollformats.
Feinste Strukturen, natürliche Übergänge, Mikrokontraste und schwieriges Licht – da hat die Sony weiterhin mehr Reserven.
Aber teilweise werden die Unterschiede so klein, dass man sich irgendwann schon fragen darf, warum man mehrere Kilogramm Kameraausrüstung im Wert von langsam Richtung 10.000 Euro durch die Gegend trägt, wenn ein Smartphone mit rund 250 Gramm bei vielen normalen Motiven gar nicht mehr so weit davon entfernt ist.
Bei manchen Motiven und gutem Licht kommt das Ergebnis für meinen Geschmack teilweise sogar erstaunlich nahe an APS-C heran.
Natürlich gibt es weiterhin mehr als genug Situationen, in denen das Vivo keine Chance gegen meine Sony hat:
Nacht und Bewegung, Motorsport, Wildlife, schneller Autofokus, 500 mm, maximale Dynamik oder extreme Nachbearbeitung.
Da brauchen wir überhaupt nicht zu diskutieren.
Aber das soll es auch gar nicht ersetzen.
Es ist für mich einfach ein weiteres Werkzeug.
Nur ist es das erste Smartphone, bei dem ich als Fotograf das Gefühl habe, dass ich die Kamera darin wirklich ernst nehmen kann.
Ich werde deshalb künftig nicht mehr automatisch den kompletten Rucksack mit der Sony mitnehmen.
Wenn ich weiß, dass ich hauptsächlich im Bereich 14, 35 oder 85 mm fotografiere, reicht mir häufiger einfach das Vivo.
Oder die Sony kommt nur noch mit einem Teleobjektiv mit.
Was mich an dieser ganzen Entwicklung übrigens fast noch mehr interessiert als das Smartphone selbst:
Solche SuperRAW-Verfahren würde ich mir irgendwann auch in Systemkameras wünschen.
Moderne Sensoren werden immer schneller.
Eine Sony A9 III kann mit ihrem Global Shutter beispielsweise 120 Bilder pro Sekunde aufnehmen.
Wenn eine Kamera irgendwann mehrere RAW-Auslesungen innerhalb von Millisekunden automatisch miteinander verrechnen könnte, könnte man Rauschen, Dynamikumfang und auch Details noch einmal deutlich verbessern.
Teilweise machen wir Fotografen solche Dinge heute bereits von Hand und verrechnen mehrere Aufnahmen in Lightroom zu einem echten HDR RAW miteinander.
Wenn die Kamera das irgendwann so selbstverständlich könnte wie heute ein Smartphone – einmal auslösen und ein paar Sekunden später liegt neben dem normalen RAW auf Wunsch noch ein SuperRAW – fände ich das extrem spannend.
Canon arbeitet zumindest ebenfalls an solchen Ideen und hat sich Verfahren patentieren lassen, bei denen mehrere RAW-Aufnahmen miteinander zu einem neuen kombinierten RAW verrechnet werden.
Ich glaube deshalb, dass diese Richtung irgendwann auch bei klassischen Kameras noch interessanter werden könnte.
Und deshalb sehe ich Smartphone-RAW heute deutlich anders als früher.
Nicht jedes Smartphone-RAW ist gut.
Nicht bei jedem Smartphone lohnt sich die Nachbearbeitung.
Und natürlich ersetzt ein SuperRAW keine große Kamera.
Aber pauschal zu sagen, RAW beim Smartphone sei Fake oder Zeitverschwendung, passt meiner Meinung nach nicht mehr zu dem, was technisch inzwischen möglich ist.
Wer Lust hat, kann sich auch selbst einmal ein
50-Megapixel-SuperRAW von mir herunterladen und in Lightroom anschauen.
Ich habe dafür ganz bewusst eine Aufnahme mit dem
14-mm-Ultraweitwinkel genommen.
Das Ultraweitwinkel ist bei Smartphones immer die schwächste Kamera. Die 35- und 85-mm-Kameras des Vivo liefern qualitativ sogar noch mehr. Vergleicht das doch mal mit den 14-mm-Fotos eurer Smartphones! Ich glaube man wird staunen!
https://www.dropbox.com/scl/fi/f441...ey=kt4wjuulbmxerc2s6sgowk09m&st=2bc40ynw&dl=0
Schaut euch die Datei wirklich einmal in Lightroom an und nicht nur als kleines Vorschaubild im Browser oder direkt in Dropbox. Diese Vorschauen können schlicht nicht zeigen, was tatsächlich in der Datei steckt. Gerade bei einem SuperRAW sieht man die eigentliche Qualität, die Details und die Bearbeitungsreserven erst, wenn man die DNG selbst in Lightroom öffnet.
Und dann würde mich tatsächlich interessieren:
Hättet ihr ohne EXIF sofort gesagt, dass die Datei aus einem Smartphone stammt?
Wenn ich behauptet hätte, das Foto käme aus einer guten APS-C-Kamera mit ordentlichem Objektiv – wäre das wirklich sofort aufgefallen?


